Porsche 9ff Turbo T-2 Schwarze Magie

06.03.2007

Wann auch immer Porsche in den vergangenen Jahren das jeweils jüngste Modell der 911-Baureihe mit dem Turbo gekrönt hat: Eine spezielle Klientel innerhalb der treuen Fan-Gemeinde dieses Klassikers wird unverzüglich von tiefer Sorge befallen – sie treibt die Angst, das Leistungspotenzial des aufgeladenen Supersportlers könnte elementare Wünsche offen lassen

Eckdaten
PS-kW534 PS (393 kW)
AntriebAllrad, 6 Gang manuell
0-100 km/h3.6 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit335 km/h
Preis152.291,00€

Dies war beim Typ 993 Turbo (1995, 408 PS) ebenso wie beim Nachfolger 996 Turbo (2000, 420 PS) der Fall – und beim jüngsten Modell mit dem hausinternen Kürzel 997 ist es nicht anders, auch wenn 480 PS bei 1583 Kilogramm Lebendgewicht nur bedingt die Befürchtung schüren, untermotorisiert zu sein. Dennoch gehen manche Porsche-Fahrer leistungsmäßig lieber auf Nummer sicher. Man weiß ja nie. Vorsorge ist eben besser. Ein Spezialist für adäquate Power-Prophylaxe ist Jan Fatthauer. Der Maschinenbau-Ingenieur aus Bremen, Fachbereich Fahrzeugtechnik, hat sich seine Meriten beim Mercedes-Veredler Brabus und dem eigenwilligen Porsche-Tuner Alois Ruf verdient. 2001 wagte der schlaksige Grauschopf den Schritt in die Selbstständigkeit und machte sich schnell einen Namen als veritabler Aufbautrainer für Kraftsportler aus Stuttgart-Zuffenhausen. "Elfer mit wassergekühltem Motor sind unsere Stärke", bestätigt der Chef der Dortmunder Tuningschmiede 9ff und verweist stolz auf sein jüngstes Projekt: den 997 Turbo T-2. Bedenken, was mangelnden Vorwärtsdrang betrifft, kann der T-2 in der Tat zerstreuen – aufwändigen Detailmodifikationen am 3,6 Liter großen Biturbo-Aggregat sei Dank. Während die Hardware wie zum Beispiel Motorblock, Zylinderkopf oder auch die modernen VTG-Turbolader unverändert blieb, kümmerte sich Fatthauer gemeinsam mit seinem 14-köpfigen Team intensiv um die Peripherie. Dies betrifft in erster Linie die elektronische Motorsteuerung mit ihren Kennfeldern für Zündung, Ladedruck-Regelung und Einspritzmenge. "Die maximale Aufladung von 1,2 bar bleibt dabei unverändert ", erläutert Fatthauer im Hinblick auf Probleme mit der Standfestigkeit, die sich sonst einstellen könnten. In den Mittelpunkt des Interesses rückte der Wahl-Westfale vielmehr den Wirkungsgrad des Motors. So sorgen etwa spezielle 100-Zellen-Katalysatoren – die eine Beschichtung mit besonders hohem Rhodium-Anteil aufweisen – sowie Sportluftfilter und der von 57 auf 70 Millimeter vergrößerte Innendurchmesser der Abgasrohre für einen geringeren Abgasgegendruck. Ergebnis der behutsamen Eingriffe: 535 statt 480 PS, die bei 6420 Touren anliegen, sowie ein maximales Drehmoment, das deutlich von 620 auf 740 Newtonmeter angewachsen ist und bei 4540 Umdrehungen zur Verfügung steht. "Bei gleicher Leistung betrachtet, verbraucht unser Aggregat bis zu vier Prozent weniger Treibstoff", betont Ingenieur Fatthauer, der sich als junger Firmengründer lange Zeit mit einem Drei-Liter-Lupo begnügte, und fügt hinzu: "Unsere Kunden fragen allerdings eher nach einem größeren Tank." Das überrascht kaum, denn Spritsparen zählt nicht zu den markantesten Talenten des 9ff turbo T-2. Vielmehr wird bereits bei der ersten Ausfahrt klar: Geht der serienmäßige Porsche 997 Turbo schon vorwärts wie die sprichwörtliche Sau, legt das Tuning-Modell nochmals einen drauf. Geradezu explosiv gestaltet sich die Leistungsentfaltung. Auf Vollgas reagiert der doppelt aufgeladene Boxer bereits unterhalb von 2000 Touren mit kraftvollem Antritt. Nur wenig später liegt voller Ladedruck an und die Drehzahl schnellt empor, als wäre kein Gang eingelegt. Der Allradler stürmt wirklich bemerkenswert vorwärts. Ab 5000 Umdrehungen gibt es noch eine Zugabe. Wer jetzt nicht aufpasst, verpasst glatt den Schaltpunkt und wird bei 6800 Touren vom Drehzahlbegrenzer wachgerüttelt. Ob der erste, zweite oder dritte der sechs Vorwärtsgänge eingespannt ist, spielt dabei übrigens eine eher untergeordnete Rolle. Und auch oberhalb von 200 km/h scheint sich das Temperament dieses Blasebalgs ungezügelt fortzusetzen. Von null auf 100 km/h, so Fatthauer, braucht der 9ff turbo T-2 rund 3,6 Sekunden – für die Serie hat POWERCAR 3,9 Sekunden ermittelt. Als Höchstgeschwindigkeit erwartet er 335 statt 310 km/h. Noch eindrucksvoller jedoch: Rein subjektiv hört sich der getunte 911 mindestens doppelt so schnell an – und dies liegt nicht nur an der so genannten "Laut-Leise-Klappe" im Auspufftrakt, die auch den Abgasgegendruck positiv beeinflusst, oder den Sportluftfiltern. Weitaus imposanter wirkt sich eine kleine, aber feine Manipulation des serienmäßigen Schubumluftsystems aus. Dieses leitet den Überdruck des Laders zurück in den Ansaugtrakt und reduziert so das gefürchtete Turboloch. Fatthauer jedoch entlässt bis zu zehn Prozent der überschüssigen Druckluft über ein spezielles Ventil ins Freie – was zu einer faszinierenden Geräuschkulisse aus Fauchen und Pfeifen führt, die Erinnerungen an Turbos alter Schule weckt. Blieben Innenraum und Karosserie des Ausgangsprodukts mit Ausnahme einer Spoilerlippe und eines adaptierten Heckflügels unverändert, so kümmerten sich die Dortmunder doch um das Fahrwerk. Die elektronisch geregelten Dämpfer des PASM-Systems von Porsche wurden übernommen, aber mit zehn Millimeter kürzeren und zirka 25 Prozent steiferen, progressiven Federn kombiniert. Verstärkte Stabilisatoren sowie vordere Domlager aus Metall statt Gummi, die zum Beispiel größeren Sturz erlauben, verbessern das Einlenkverhalten. "Dies gefällt fahraktiven Menschen, ohne den Komfort sehr zu beeinflussen", erläutert der 9ff-Chef und weist auf eine weitere Besonderheit hin: die Zentralverschlüsse für die dreiteiligen 20-Zoll-Räder. "Es war sehr aufwändig, hierfür vom TÜV die Freigabe zu bekommen", so Fatthauer, der sichtlich Freude an dem Detail hat: "Dies ist eine eigene, anspruchsvolle technische Lösung – und damit typisch für uns." Klaus-Achim Peitzmeier

Technische Daten
Motor 
ZylinderSechszylinder-Boxer, 4-Vent., Biturbo
Hubraum3600
Leistung
kW/PS
1/Min

393/534
6420 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
740
4540 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe6 Gang manuell
AntriebAllrad
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbel. Scheiben
h: innenbel. Scheiben
Bereifungv: 255/30 ZR 20
h: 305/25 ZR 20
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1600
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)3.6
Höchstgeschwindigkeit (km/h)335
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauch13.5l/100km (Super Plus)
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

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