Fahrbericht Porsche 918 Spyder 2013: Bilder, technische Daten und Video Lammfromm trotz 887 PS

19.12.2013

Fahrbericht: Porsche betreibt nun auch im Sportwagenbau Gen-Wissenschaft. Dazu paaren die Zuffenhausener Ingenieure ihre typische Verbrenner-Performance im 918 Spyder mit zwei Elektromotoren. Erste DNA-Analyse auf der Teststrecke in Leipzig

"Das muss der schon aushalten", antwortet Frank-Steffen Walliser ganz entspannt auf die Frage, ob er denn nicht nervös sei, wenn Journalisten mit seinem Prototypen über den Rundkurs donnern. Der Mann hat Nerven, denn aktuell existieren nur zwei seriennahe Exemplare des Porsche 918 Spyder. Wir sind in Leipzig auf der hauseigenen Rennstrecke und dürfen testen, was Walliser und sein Team in rund drei Jahren entwickelt und gebaut haben.

Ein V8-Aggregat aus dem Motorsport sowie zwei Elektromotoren erzeugen eine Systemleistung von 887 PS und sollen den knapp 1,17 Meter flachen Sportwagen mit abnehmbarem Karbon-Dach in nur 2,8 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 beschleunigen. Der Clou für minimalen Schlupf, optimalen Vortrieb und perfekte Kraftverteilung: Ein Elektromotor sitzt an der Vorderachse und treibt allein diese mit einer festen Übersetzung an. Hinter der Fahrgastzelle sind E-Motor und Achtzylinder an ein Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt, das deren Kraft an die 21-Zoll-Hinterräder überträgt. Vier Fahrmodi können per Drehschalter am Lenkrad ausgewählt werden. Das gab’s bisher noch nie bei Porsche. Rein elektrisch angetrieben wird der 918 im „EModus“. Dann sind beide Stromer aktiv und ziehen Kraft aus einer mit Flüssigkeit gekühlten Lithium-Ionen-Batterie mit 6,8 Kilowattstunden Energiespeicher.

 

SPORTLER MIT MANIEREN

Im „Hybrid“-Betrieb schaltet sich der aus dem Le Mans-Renner RS Spyder entliehene Achtzylinder bei Bedarf dazu. In den Modi „Sport“ und „Race“ ist der Verbrenner immer aktiv, die E-Motoren steuern zusätzlich Power bei. Im „Race“-Betrieb kann die Akku-Kapazität sogar komplett aufgebraucht werden, gleichzeitig lädt der Verbrenner die Batterie schneller wieder auf. Vor allem in Schub- und Bremsphasen rekuperiert das System sehr stark. Mit ausfahrbarem Heckflügel, Luftleitern und Frontsplitter aus Karbon sieht der 918 Spyder kompromisslos aus.

Das ist er aber nicht. Längs- und Querbeschleunigung sind zwar extrem, und bei Bedarf ist er verdammt schnell. Am Limit aber bleibt der Spyder lammfromm – selbst bei deaktiviertem PSM (ESP). Die Michelin Cup-Reifen kündigen Unter- sowie Übersteuern sehr früh an, die Lenkung arbeitet Porsche-typisch präzise, und die Motoren reagieren blitzschnell auf jeden Gasbefehl. Völlig unspektakulär und gerade deshalb unheimlich schnell pfeilt der 918 durch lange Kurven, bleibt beim Herausbeschleunigen stabil auf der Hinterachse und lässt sich spielend leicht in Kurven hineinbremsen. Ach ja, da war noch was – der Preis: 768.028 Euro kostet der Hybrid-Sportler, ab Herbst soll er ausgeliefert werden.

FAZIT

Der 918 Spyder ist schnell, sicher und komfortabel – ein echter Porsche, der in fast jeder Hinsicht neue Maßstäbe setzt.

TECHNIK
 

Porsche 918 Spyder
Motor V8-Zylinder, 4-Ventiler
Hubraum ca. 4600 cm³
Leistung 447 kW / 608 PS bei 8600 /min
Max. Drehmoment 530 Nm bei 6600 /min
E-Motoren h.: (115 kW); v.: (95 kW)
Systemleistung 887 PS
Getriebe 7-Gang, Doppelkupplung
Antrieb Vorder- und Hinterrad
Fahrwerk v.: Doppelquerl., Liftsystem (Option); h.: Mehrfachlenkerachse, Federn, Stabi.; rundum: adapt. Dämpfer; hinten: adapt. Einzelradlenkung
Bereifung v.: 265/35 ZR 20 Y; h.: 325/30 ZR 21 Y; Michelin Pilot Sport Cup 2
L/B/H 4643/ 1940/ 1167 mm
Radstand 2730 mm
Leergewicht 1565 kg
Kofferraum ca. 110 l
Tankinhalt 70 l
MESSWERTE
 
0 - 100 km/h 2,8 s
0 - 200 km/h 7,9 s
Höchstgeschwindigkeit¹ über 340 km/h
EU-Verbrauch¹ ca. 3,3 l SP/100 km
CO2-Ausstoß¹ ca. 79 g/km
Reichweite elektrisch¹ ca. 30 km
KOSTEN  
Grundpreis 768.028 Euro
¹ Werksangaben

Paul Englert

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