Porsche 914-6, Triumph TR6 und Fiat 124 Spider: Cabrio-Vergleich Luft-Hoheiten

03.09.2014

Darf’s ein bisschen Air sein? Mit drei in den 1960er-Jahren konzipierten offenen Sportwagen aus Italien, Deutschland und England machten wir uns auf, urwüchsigen Frischluftgenuss zu erleben

Wenn eine genüssliche Ausfahrt über die herrliche Ostalb lockt, sollte man seinen fahrbaren Untersatz geschickt wählen. Fast wie im Allgäu winden sich unzählige Steigen die Berge hinauf, und mit dem Furtle-Pass lockt gar eine ausgewachsene Passstraße in diese reizvolle Region der Schwäbischen Alb.

Enge Kurven und Spitzkehren favorisieren hier ganz klar leichte, agile Sportwagen, und so finden wir im Fiat 124 Spidereuropa – der genau genommen ein Pininfarina ist – sowie im Porsche 914/6 und im Triumph TR6 drei formidable Partner für unseren Vergleichstrip.


FEINER DOPPELNOCKENWELLEN-MOTOR IM FIAT


Die verführerischen Eigenschaften unserer drei offenen Spaßmacher könnten dabei unterschiedlicher nicht sein. So verrichtet im Pininfarina Spidereuropa ein quirliger Reihenvierzylinder mit 1995 Kubikzentimetern Hubraum vibrationsarm seinen Dienst, mit Frischgas gespeist von einer Bosch L-Jetronic, wie sie für die letzten Baujahre des in seinen Grundfesten bereits 1966 konzipierten und in dieser Form von 1981 bis 1985 zuletzt als Typ DS von Pininfarina in 7450 Einheiten gebauten Fiat 124 Spider eingesetzt wurde.

Muntere 105 PS serviert der italienische Doppelnockenwellen-Vierzylinder und erfreut in Verbindung mit dem leicht und über nicht allzu lange Wege schaltbaren Fünfgang-Getriebe mit guten Fahrleistungen. 12,2 Sekunden stehen für den Sprint von null auf 100 km/h auf der Uhr; die Höchstgeschwindigkeit beträgt 175 Stundenkilometer.

Von geradezu begeisterungswürdigem Naturell ist der Sound, den der 124 Spidereuropa dabei produziert: Der nachgerüsteten, zweiflutigen Ansa-Sportauspuffanlage entweicht ein Klang, der spontane Assoziationen an motorsportliche Veranstaltungen und die Lust am Ausdrehen weckt.

Von nicht minder sportivem Geblüt zeigt sich schon rein akustisch betrachtet der von 1969 bis 1972 in Zuffenhausen gebaute Porsche 914/6. In ihm kredenzt der quasi aus dem 911 T stammende, konstruktionsbedingt mit perfektem Momentenausgleich und hoher Laufruhe gesegnete Sechszylinder-Boxer mit 1991 Kubikzentimetern Hubraum 110 PS bei 5800 Touren.

In oberen Drehzahlregionen wird das typische Sägen des Boxers vom unüberhörbarem Schlürfen der beiden Weber-Dreifachvergaser begleitet. Nochmals spürbar vitaler als der Spidereuropa schiebt der nur 3338 Mal gebaute Porsche an, und so vergehen hier gerade mal 9,9 Sekunden, bis die 100-km/h-Marke erreicht ist.

Mit 201 km/h Spitze ist der 914/6 nicht nur der Schnellste in unserem flotten Trio, sondern glänzt mit 9 Litern pro 100 Kilometer auch mit dem geringsten Verbrauch. Ein gewisses Ärgernis stellt jedoch das Getriebe des Porsche dar.

Die sonst oft vermisste Schaltpräzision können wir ihm zwar nicht anlasten, rasten die fünf Gangstufen doch sauber und zuverlässig ein.

Die Wege, welche die rechte Hand jedoch dafür mit dem Schaltstock zurückzulegen hat, sind schlicht eine Zumutung. Fast ein Ding der Unmöglichkeit stellt es sogar dar, den hinten links liegenden ersten Gang einzulegen.

Da wird das rechte Knie des Fahrers bereits vom Lenkrad blockiert und dennoch gelingt das Auffinden der Fahrstufe nur mit Mühe.

Ein kleineres Lenkrad samt etwas kürzerem Schaltknüppel wäre hier ein Lösungsansatz. Doch einmal in Bewegung, ist der erste Gang ohnedies Geschichte, und der Mittelmotor-Sportler entpuppt sich auf dem kurvenreichen Terrain als wahrer Quell der Fahrfreude.

Keine Frage: Der 914/6 ist ein reinrassiger Sportwagen, das macht er bereits beim Antrieb deutlich.

 

URIGER REIHENSECHSZYLINDER IM TRIUMPH TR6

Von gänzlich anderem naturell zeigt sich der Triumph TR6. Wie der Porsche setzt er auf sechs Zylinder, die aber wie beim Pininfarina ihren Arbeitsplatz vorne haben. In der von uns gefahrenen US-Version produziert der von zwei Zenith-Stromberg-Vergasern gespeiste Reihensechser mit OHV Ventilsteuerung 106 PS bei moderaten 4500 Umdrehungen pro Minute.

Aus dem üppigen Hubvolumen von 2498 Kubikzentimetern schöpft sein laufruhiger Motor sämiges Drehmoment und stramme Durchzugskraft, und so kann der
charakterstarke Brite durchaus schaltfaul bewegt werden.

Mit 178 km/h Höchstgeschwindigkeit und 11,5 Sekunden für den Sprint von null auf 100 km/h bietet der rund 94.600 Mal gebaute Roadster von der Insel zudem ordentliche Fahrleistungen.

Am Getriebe gibt es nichts zu kritteln, die vier Gänge rasten sauber und über nicht allzu lange Wege ein. Für die Autobahn oder Schnellstraße bot Triumph zudem einen optional erhältlichen, elektrisch zuschaltbaren Overdrive an, der Drehzahlniveau und Verbrauch auf derartigen Etappen in Grenzen hält.

In unserem Revier erfreuen wir uns jedoch an den vier gut gestuften Gängen und lassen den TR6 munter über die kurvigen Waldstraßen röhren. Auch wenn es
ihm an der ultimativen Sportlichkeit des Porsche und dem typisch quirligen italienischen Charakter des 124 mangelt, so eröffnet derTR6 mit seinem bassigen Sound doch seine ganz eigene, durchaus begeisternde Welt des sportlichstilvollen englischen Fahrens.

Mit dem Porsche kann der Brite freilich nicht mithalten. Dank extrem tiefem Schwerpunkt, nur 940 Kilogramm Leergewicht sowie rundum zupackenden Scheibenbremsen, die vorne gar innenbelüftet sind, eröffnet der 914/6 auf kurviger Piste seine eigene Welt.

Hinzu kommt, dass man im Auto selbst als Großgewachsener bestens sitzt und die Lenkung sehr fein und direkt agiert.

So kann sich der Fahrer ganz auf die Straße konzentrieren und die typische Agilität des Mittelmotorwagens auskosten. Aufgrund der sportlich-straffen Abstimmung ist die Seitenneigung zudem sehr gering und erlaubt eine äußerst forsche Gangart.

 

AGILE FAHRWERKE UND ORDENTLICHE BREMSEN

Durchaus nicht von Pappe sind die sportlichen Qualitäten des 124 Spidereuropa. Die leichtgängige, präzise Lenkung lässt den Fahrer auch hier die richtige Linie treffen, und die Scheibenbremsen vorne wie hinten zähmen den nur 1050 Kilogramm schwere Italiener mühelos.

Dem Antriebskonzept mit vorne platziertem Motor und Hinterradantrieb ist es schließlich geschuldet, dass er nicht die bärige Traktion des 914/6 bieten kann. Ein etwas höher liegender Gesamtschwerpunkt sowie die etwas weniger straffe Fahrwerksabstimmung ermöglichen in Summe nicht ganz die Porsche-Gangart.

Dafür sitzt es sich im 124 trotz vergleichsweise kleiner Aufl ageflächen ganz wunderbar. Alles liegt zudem gut zur Hand, und obendrein verwöhnt er die Passagiere im Vergleich zum Porsche mit einem Plus an Fahrkomfort. Ähnlich wie der Pininfarina ist der TR6 beim Komfort einzustufen.

Nicht bretthart, aber auch nicht zu weich abgestimmt, bietet er einen guten Kompromiss aus Sportlichkeit und Komfort. Kaum weniger agil als der 124 fährt er durch Kurvenkombinationen, für die der Fahrer allerdings etwas höhere Lenkkräfte aufbringen muss.

Bis zu einer Länge von rund 1,90 Meter ist der Fahrer gut im englischen Roadster untergebracht. Die Sitze sind im Vergleich zudem am besten gepolstert und bieten am meisten Platz.

Alles liegt auch hier gut bedienbar zur Hand, und alleine für das hölzerne Armaturenbrett mit nicht weniger als sechs wunderschönen Smiths-Instrumenten verdient sich der Brite einen dicken Sympathiepunkt.

Geht es daran, die hohen Spaßfaktoren der drei Roadster im Rahmen eines ausgedehnten Wochenendoder gar Urlaubstrips zu genießen, gilt: Weniger ist mehr!

Und zwar weniger Gepäck. Erstens wiegt nicht vorhandenes Großgepäck nichts, zweitens lässt es sich sowieso kaum unterbringen, auch wenn Pininfarina und TR6
jeweils einen Kofferraum und der Porsche dank Mittelmotoranordnung sogar deren zwei aufbieten können.

Als ausschließlicher Zweisitzer mit der Option auf einen dritten, mittig angeordneten Sitzplatz benötigt der Porsche die beiden Gepäckräume denn auch dringend, soll ausreichend Reiseutensilien verstaut werden.

Der Pininfarina und der Triumph bieten immerhin die Alternative, noch etwas Gepäck hinter den Sitzen unterzubringen, was unter dem Strich vergleichbare Stauvolumina ergibt.

Im Kapitel Wirtschaftlichkeit wird jeder Interessent seine individuelle Rechnung aufmachen. Eine weitgehend unanfällige, ausgereifte Technik bietet der Pininfarina 124 Spidereuropa.

Etwas intensiver will der Triumph TR6 umsorgt werden, allein schon deshalb, weil er noch über Vergaser und keine nahezu wartungsfreie Einspritzung verfügt. Beim Porsche 914/6 muss man mit hohen Teilepreisen leben, und bereits ein Ölwechsel schlägt mit teuren neun Litern Schmierstoff zu Buche.

FIAT 124 SPIDER (Bj.: 1966-85): Technische Daten und Fakten
R4-Zylinder; vorn längs eingebaut; 2-Ventiler; zwei obenliegende Nockenwellen; Zahnriemenantrieb; Gemischbildung: Einspritzanlage Bosch L-Jetronic; Bohrung x Hub: 84 x 90 mm; Hubraum: 1995 cm3; Verdichtung: 8,2:1; Leistung:
77 kW/105 PS bei 5500/min; max. Drehmoment: 149 Nm bei 3000/min; Fünfgang-Getriebe; Mittelschaltung; Hinterradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Selbsttragende Ganzstahlkarosserie mit zwei Türen; Radaufhängung vorn: Dreieckquerlenker, Stabilisator; hinten: Starrachse, Längsschub- und Reaktionsstreben, Panhardstab;v./h.: Schraubenfedern, Stoßdämpfer; Schnecken-/Rollenlenkung; Bremsen: v./h. Scheiben; Reifen: 195/50 R 15; Alu-Räder: 7 x 15
Eckdaten
L/B/H: 4107/1615/1250 mm; Radstand: 2280 mm; Spurweite v./h.: 1354/1320 mm; Leer-/Gesamtgew.: 1050/1260 kg; Tankinhalt: 45 l; Bauzeit: 1981 bis 1985; Stückzahl: 7450; Preis (1983): 24.950 Mark
Fahrleistungen1
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 12,2 s; Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h; Verbrauch: 10,5 l/100km
1Werksangaben; alle Werte Spidereuropa


MARKTLAGE

Zustand 2:  18.600 Euro
Zustand 3:  11.400 Euro
Zustand 4:     6200 Euro
Wertentwicklung: stagnierend
Definition der Zustandsnoten

PORSCHE 914/6 (Bj.: 1969-72): Technische Daten und Fakten
B6-Zylinder; Gebläsekühlung; Mittelmotor; 2-Ventiler; eine obenliegende Nockenwelle je Zylinderreihe; Kettenantrieb;
Gemischbildung: zwei Weber-Dreifachvergaser; Bohrung x Hub: 80 x 66 mm; Hubraum: 1991 cm3; Verdichtung: 8,6:1; Leistung: 81 kW/110 PS bei 5800/min; max. Drehmoment: 157 Nm bei 4200/min; Fünfgang-Getriebe; Mittelschaltung; Hinterradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Selbsttragende Ganzstahlkarosserie mit zwei Türen; Radaufhängung vorn: Federbeine, Querlenker, Längsdrehstäbe;
hinten: Federbeine, Längslenker; v./h.: doppelt wirkende Stoßdämpfer; Zahnstangenlenkung; Bremsen: v./h. innenbel. Scheiben; Reifen: 185/70 R 15; Stahlräder: 7 x 15
Eckdaten
L/B/H: 3985/1650/1240 mm; Radstand: 2450 mm;Spurweite v./h.: 1361/1382 mm;Leer-/Gesamtgew.: 940/1260 kg;
Tankinhalt: 62 l; Bauzeit: 1969 bis 1972; Stückzahl: 3338; Preis (1969): 19.980 Mark
Fahrleistungen1
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 9,9 s; Höchstgeschwindigkeit: 201 km/h; Verbrauch: 9,0 l/100 km
1Werksangaben


MARKTLAGE

Zustand 2:  47.300 Euro
Zustand 3:  31.500 Euro
Zustand 4:  20.000 Euro
Wertentwicklung: steigend
Definition der Zustandsnoten

TRIUMPH TR6 (Bj.: 1968-76): Technische Daten und Fakten
R6-Zylinder; vorn längs eingebaut; 2-Ventiler; eine untenliegende Nockenwelle; zwei Zenith- Stromberg-Vergaser; Bohrung x Hub: 74,7 x 95 mm; Hubraum: 2498 cm3; Verdichtung: 7,5:1; Leistung 76/ab 1973 78 kW (104/106 PS) bei 4500/min, max. Drehmoment 194 Nm bei 3000/min; Viergang-Schaltgetriebe, wahlweise mit elektrisch zuschaltbarem Overdrive; Mittelschaltung; Hinterradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Ganzstahlkarosserie auf Kastenrahmen mit zwei Türen; Radradaufhängung vorn: Querlenker, Schraubenfedern; hinten: Längslenker, Schraubenfedern; v./h. Stoßdämpfer; mechanische Zahnstangenlenkung; Bremsen: v./h.: Scheiben/Trommeln; Reifen: 185 R 15; Räder: 5,5 x 15
Eckdaten
L/B/H: 4120/1470/1270 mm; Radstand: 2235 mm; Spurweite v./h.: 1276/1264 mm; Leer-/Gesamtgewicht 1090/1360 kg; Tankinhalt:; Bauzeit: 1968 bis 1976; Stückzahl: ca. 94.600; Preis (1968): 14.420 Mark
Fahrleistungen1
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 11,5 s; Höchstgeschw.: 178 km/h, Verbrauch: 10,8 l/100 km
1Werksangaben


MARKTLAGE

Zustand 2:  21.600 Euro
Zustand 3:  14.000 Euro
Zustand 4:     6900 Euro
Wertentwicklung: leicht steigend
Definition der Zustandsnoten

Unser Fazit

Die drei leichten Roadster mit Ursprüngen in den 60er-Jahren sind allesamt Spaßmacher reinsten Wassers. Der Performance-orientierte Sportfahrer wird klar den Porsche 914/6 favorisieren. Zu überlegen entscheidet er dank des stärksten Antriebs, den besten Bremsen und der sportlichsten Fahrwerksauslegung das Kapitel Fahrdynamik für sich. Der Pininfarina Spidereuropa gibt sich nirgends eine Blöße. Er bietet agiles Handling, einen tollen, quirligen Motor und kredenzt seiner Besatzung trotz sportlicher Auslegung ein gutes Maß an Fahrkomfort. Ihm merkt man an, dass er insgesamt fast 20 Jahre lang weiterentwickelt wurde und die letzte und beste Evolutionsstufe des Fiat 124 Spider darstellt. Der Triumph TR6 ist hingegen ein Charakter-Darsteller, der außer Stil aber durchaus auch sportlichen Biss zeigen kann. Sein Reihensechszylinder klingt einfach herrlich, und einmal ins Cockpit geklettert, möchte man es angesichts der klassischen Instrumententafel gar nicht mehr verlassen.

Jürgen Gassebner

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