Porsche 914/6 RS 2.7: Rund um die Nürburg Am Rand der Hölle

05.09.2013

Wenn auf der Nordschleife mal wieder der Teufel los ist, umrunden Sie die "Grüne Hölle" auf der Außenbahn: In Sichtweite der Nürburg gehören die schönsten Straßen der Eifel Ihnen allein. Erkundung mit dem Porsche 914/6 RS 2.7

Natürlich könnten wir jetzt am Wippermann innen über die Randsteine schmettern und irgendeinem britischen Touristen auf seinem Touren-Bike die Ideallinie hinab zum Brünnchen zeigen. Dort würden die Zaungäste ihren Ohren nicht trauen und verwundert diesem kleinen gelben Zweisitzer nachschauen, der aussieht wie ein braver Volks-Porsche, aber klingt wie ein frecher Elfer.

Dann würden er und ich zwischen Pflanzgarten und Schwalbenschwanz fix den orientierungslos dahinrollenden Konvoi aus Skandinavien passieren und noch vor dem Galgenkopf auch den Jungspund im käfigbewehrten GTI einholen, der gerade vor der Pizzeria in Adenau mit seinen Rundenrekorden auf der Nordschleife prahlte. Auf der Döttinger Höhe würde er dann irritiert auf seinen Tacho starren und an eine Erscheinung glauben, während ihm der kleine gelbe Targa davoneilt. Doch heute haben wir dazu keine Lust, denn das Wetter ist blendend, der Frühling kommt endlich in der Eifel an, und auf der Nürburgring-Nordschleife herrscht im Touristenverkehr Hochbetrieb.


AM RANDE DER "GRÜNEN HÖLLE" ZWITSCHERN DIE SINGVÖGEL


Da bleiben wir doch lieber unter uns, der 914/6 und ich. In einem Balanceakt habe ich das fast zehn Kilo schwere Targadach passgenau im Heck verstaut. Nun ist das leichte Gepäck samt Reserverad doppellagig zugedeckt. Dafür lugt die Sonne neugierig ins Cockpit, und die Versammlung von pechschwarzen Instrumenten, rabenschwarzen Sitzen und kohlschwarzen Teppichen nimmt einen appetitlichen Lakritz-Glanz an.

Ja, er ist ein VW-Porsche, doch die Betonung liegt hier eindeutig auf dem hinteren Teil des Doppelnamens. Ein Dreh am Zündschlüssel, und eine Zuffenhausener Riesenhummel summt und brummt sich den Winterschlaf aus dem Pelz. Krächzend rollt der Porsche 914/6 vom Parkplatz an der Döttinger Höhe. Während keine 50 Meter Luftlinie entfernt Rennexperten und Amateure zum Abschluss ihrer Nordschleifen-Runde noch einmal den Hahn aufdrehen, um sich dann mit knisternden Kats und rauchenden Bremsen wieder in die Warteschlange einzureihen, haben der kantigste aller Porsche und ich die Straße für uns allein. Jeder Nürburgring-Fan kennt die im Nordschleifen-Alphabet verewigten Örtchen Breidscheid und Quiddelbach. Aber kennen sie auch Boos, Nitz und Drees? Nie gehört? Selbst schuld.

Nach wenigen Kilometern hat sich der Sechszylinder freigehustet, sein heiseres Knurren wird von den Scheunenwänden in Meuspath zurückgeworfen. Beim Ausrollen vor Kreuzungen dringt kurz das Zwitschern der Buchfinken ans Ohr, dann sind wir wieder unter uns: die klanggewaltige Maschine und ich. So dicht und ungefiltert wie in diesem 914/6 ist der Sound des Carrera-Sechszylinders im 911 nicht zu hören. Wir kauern Rücken an Rücken, zwischen uns nur die Heckscheibe, kaum mehr als ein Windschott. In dieser Form gab es den 914/6 nie ab Werk. Denn Porsche baute den Motor des 911 T ein, mit braven 110 PS. So wurde auch dieses Exemplar 1971 zu seinem Käufer George Willoughby nach Kalifornien verschifft. Drei Jahre später ließ er im örtlichen Porsche-Betrieb den Carrera RS 2.7-Motor samt Fünfgang-Getriebe installieren. Genau so läuft der 914 heute wieder in seinem Heimatland herum und erschreckt ahnungslose Boxster-Piloten bis ins Mark.


EIN WASCHECHTER PORSCHE – DER ABER SO NIE VOM BAND LIEF


In Weissach bauten sie versuchsweise elf breitbackige 914er mit RS 2.7-Technik und festem Dach, gaben das teure Projekt aber auf. 1974 fiel einer dieser "916" getauften Prototypen dem Testchef der AUTO ZEITUNG, Jürgen Stockmar, in die Hand und weckte "hochgespannte Erwartungen ebenso wie böse Ahnungen", denn schon das Basismodell war berüchtigt für giftiges Übersteuern im Grenzbereich. Ich verzichte auf Drifteinlagen und bin auch so flott unterwegs. Weder Wohnmobile aus Schweden noch britische Bikes oder lokale Vollgas-Akrobaten kreuzen meinen Weg. Sie fallen zwischen Hoher Acht und Brünnchen übereinander her.

Der 914/6 und ich toben nebenan durch einsame Wiesen, gegen den Uhrzeigersinn der Rennstrecke nach Breidscheid hinab und quer durchs Innere der "Grünen Hölle" nach Nürburg zurück, um dort auf dem Balkon der "Pistenklause" den letzten freien Kaffeetisch zu ergattern. Rund um die "Grüne Hölle" liegt ein Paradies der Fahrfreude. Die Scuderia Colonia weiß das schon lange und richtet jährlich zu Pfingsten eine hochkarätige Klassik-Rallye in der Eifel aus. 2013 geht "AUTO ZEITUNG Classic Cars" mit an den Start.

Teil 3: Technische Daten und Marktlage

PORSCHE 914/6 RS 2.7: Technische Daten
Antrieb
6-Zyl.-Boxer aus Leichtmetall, mittig eingebaut, Luftkühlung; 2-Ventiler; Trockensumpf; eine obenliegende Nockenwelle pro Zylinderbank; mechan. Einspritzung Bosch; Bohrung x Hub: 90,0 x 70,4 mm; Hubraum: 2687 cm3; Verdichtung: 8,5:1; Leistung: 154 kW/210 PS bei 6300/min; max. Drehmoment: 255 Nm bei 5100/min; Fünfgang-Getriebe; Hinterradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Selbsttragende Stahlkarosserie, abnehmbares GFK-Dachteil; Radaufhängung: vorn Querlenker, Torsionsstabfederung, Stabi.; hinten: Längslenker, Schraubenfedern, Stabi.; Zahnstangenlenkung; Bremsen: v. innenbel. Scheiben, h. Scheiben; Reifen: v. 185/70 VR 15, h. 215/70 VR 15 (Option), Räder: v. 7 x 15, h. 8 x 15
Messwerte
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 6,5 s; Höchstgeschwindigkeit: 236 km/h; Verbrauch: 17,2 l N/100 km
Eckdaten
L/B/H: 3985/1740 (1650)/1240 (1220) mm; Radstand: 2450 mm; Spurweite v./h.: 1361/1382 mm; Leergewicht: 1077 (940) kg; elektr. Anlage: 12 Volt; Bauzeit: 1971 (1969 bis 1972); Stückzahl: 11 Prototypen (3338); Preis 914/6 (1971): 19.980 Mark
¹ Messwerte für 916 aus 18/1974; 2 Angaben für Porsche 916, Werte in Klammern für Basismodell 914/6

 

Marktlage

Zustand 2: 45.000 Euro
Zustand 3: 30.000 Euro
Zustand 4: 19.000 Euro
Wertentwicklung: steigend
¹ Angaben für Porsche 914/6

Karsten Rehmann

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