Porsche 911 und Mercedes SL Neue Klassiker

11.02.2011

Die Nachfolger der deutschen Ikonen Porsche 911 und Mercedes SL sind in Sichtweite. Die beiden bevorzugen sportliche Eleganz

Das ewige Duell der Stuttgarter Renommiermarken Porsche und Mercedes-Erlkönige: Neuheiten für 2011 ist ein besonderes. Quasi Tür an Tür konstruieren, designen und erproben die Schwaben ihre neuesten Kreationen, die sie dann irgendwo auf diesem Planeten gegeneinander antreten lassen. Beide schenken sich nichts, wenn es darum geht, in Monaco, Dubai oder Palm Springs mit dem Nimbus des „German Engineering“ ordentlich Valuta einzuheimsen.

Der 911 ist die Markenikone
"Porsche ist 911“, sagt der neue Porsche-Vorstandschef Matthias Müller. Das müsse man sich im Unternehmen wieder öfter in Erinnerung rufen, und daran dürfe sich auch in Zukunft nichts ändern, erklärt Müller. Unabhängig von allen anderen hochfliegenden Modellplänen. „Das muss unsere Ikone bleiben.“ Vom neuen Elfer (991), der auf der Frankfurter IAA im nächsten September erstmals gezeigt und dann ab Dezember verkauft wird, schwärmt er gern. „Sie werden begeistert sein, das Auto macht noch einmal einen großen Sprung.“ Fast alles ist neu, auch wenn das Design auf den ersten Blick erstaunlich vertraut wirkt.

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Eine geschickte Täuschung, denn hier fließen diesmal alle großen Gene zusammen. Endlich mal wieder eine Form wie aus einem Guss. Keine Spielereien, die pure Reinheit. Klarer geht es nicht – von den nach außen gewanderten Rundscheinwerfern über die schlanke Taille bis zum schönen Hüftschwung. Die Frontscheibe steht flacher, die Karosserie ist 25 Millimeter niedriger, die Überhänge sind kürzer, und die Spiegel sitzen jetzt auf den Türen.

Die vorderen Kotflügel machen sich 60 Millimeter breiter, der Radstand wächst um 100 Millimeter auf 2450 Millimeter – gut für den (bisher manchmal kritisierten) Geradeauslauf. Erstmals gibt es auch 20 Zoll große Räder, die Spurweite nimmt vorn um gleich 52 Millimeter zu, und das optionale Sportfahrwerk enthält eine Tieferlegung um 20 Millimeter.

Das Basisgewicht des 911 Carrera verringert sich um gut 20 auf 1395 Kilo, denn das neue Modell setzt hier auf eine integrierte Aluminium-Stahl-Leichtbauweise. Motorisch lautet die klare Ansage: mehr Power, weniger Verbrauch. Der Hubraum des Basismodells schrumpft von 3,6 auf 3,4 Liter, die Leistung steigt um fünf auf rund 350 PS. Mit dem optionalen Doppelkupplungsgetriebe (PDK) an Bord soll der Verbrauch um immerhin 13 Prozent auf 8,5 Liter (200 g/km CO2) sinken. Dabei hilft dann auch eine serienmäßige Start-Stopp-Automatik.

Neues S-Modell mit 400 PS
Das sportlichere S-Modell mobilisiert nun statt 385 glatte 400 PS, der Verbrauch (mit PDK) reduziert sich von 10,6 auf 9,1 Liter. Zudem ist der 911 auch für den Einsatz eines Plug-in-Vollhybridantriebs (zusätzlicher Elektromotor) vorbereitet – Verkauf ab 2013. Erfreuliches gibt es auch beim Fahrwerk. Das neue Auto agiere noch schärfer und läge dennoch spürbar ruhiger als das aktuelle Modell, berichten Porsche-Testfahrer.

Das zeigt auch die um 13 Sekunden verbesserte Rundenzeit für die Nürburgring-Nordschleife: 7:40 Minuten. Neu sind beim Carrera die Optionen auf eine aktive Wankstabilisierung und das Porsche Torque Vectoring-System mit variabler Momentenverteilung an den Hinterrädern – gut für höhere Agilität und Lenkpräzision. Und natürlich ist gegen Aufpreis  Luxus bis zum Abwinken zu haben – vom beheizbaren Lenkrad bis zum Surround Sound-System für ein besonderes Klangerlebnis. 

Mercedes SL: Traumauto in Neuauflage – ab 2012
Gegen den Elfer fährt die im Jahr 1954 mit dem legendären Flügeltürer (W198) begründete „Sport Leicht“-Baureihe von Mercedes auch künftig schweres Geschütz auf. Der neue SL, der im Januar 2012 erstmals gezeigt wird, deckt ein breites Leistungsspektrum ab und soll mit einer Fülle von Komfort- und Assistenzsystemen neue Maßstäbe setzen. „Wir werfen alles an die Front, was wir haben“, verrät ein Entwickler.

Während der Radstand leicht zunimmt, bleiben die äußeren Abmessungen im Rahmen des Gewohnten. Erneut zeigt sich die SL-Baureihe als wandlungsfähig: Von Haus aus sowohl Coupé als auch Roadster, spielt der Schwabenpfeil neben der Rolle des komfortablen, gepflegten Granturismo auch die des hochmotivierten Spitzensportlers. Wer die Jagd nach Zehntelskunden gern anderen überlässt, wird beim neuen SL 350 Blue EFFICIENCY fündig.

Motoren von 306 bis 612 PS
Der V6-Saugmotor schöpft aus 3,5 Liter Hubraum 306 PS und bietet ein maximales Drehmoment von 370 Newtonmetern. Der neue Benzin-Direkteinspritzer – Zylinderwinkel 60 Grad – ist zugunsten eines guten thermischen Wirkunsgrads mit 12,2:1 sehr hoch verdichtet. Den Standardsprint dürfte der elektronisch auf 250 km/h eingebremste Basis-SL in wenig mehr als sechs Sekunden absolvieren. Mehr Wucht bietet der ebenfalls neue 4,7-Liter-V8-Biturbo im SL 500 BlueEFFICIENCY, der mit 435 PS bestens im Futter steht.

Weiter im Programm bleiben der künftig verbrauchsoptimierte 5,5-Liter-V12 im SL 600 (517 PS) und der SL 65 AMG (612 PS), die beide besonders auf Exportmärkten gefragt sind. Neu ist schließlich auch der 571 PS kräftige 5,5-Liter-V8-Biturbo im SL 63 AMG, der den alten 6,2-Liter-Sauger ersetzt. Einen Diesel – wie erstmals im neuen SLK (Premiere März 2011) – wird es auch künftig nicht geben, und der Einsatz einer Hybridvariante ist zumindest auf mittlere Sicht noch offen. Neben effizienten Benzinern steht Gewichtseinsparung im Lastenheft. So sollen Karosseriebauteile aus glasfaserverstärkten Kunststoffen schweres Blech ersetzen.

Gegen Aufpreis gibt es das wohl aufwändigste Federungssystem aller Zeiten: Mittels zweier Kameras erfasst „Magic Ride Control“ die Straßenoberfläche und informiert die einzelnen Stoß-dämpfer, die sich dann auf die zu überfahrenden Unebenheiten einstellen. So gesehen könnte SL auch für Super Luxus stehen.
Wolfgang Eschment/Stefan Miete

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