Porsche 911 Turbo S (2015): Tuning von Techart Die lange Gerade mit 328 km/h

22.12.2016

Der Techart Turbo S auf Basis des Porsche 911 Turbo S stellt 620 PS zur Disposition und darüber hinaus hervorragende Künste zur Schau. Ein Fahrbericht!

Er ist kein auffällig Lauter: Seine Stimme klingt immer noch sanft, im Ton etwas tiefer als sonst, fast guttural, aber nach wie vor extrem respekteinflößend. Das Lied, das er singt, gehört in seiner Ursprungsfassung schon lange zum deutschen Kulturgut. Wer das Konzert in intimer Atmosphäre je hautnah miterlebt hat, diese fast rauschhaften, langgezogenen und herzerweichenden Frequenzen, wird diese Musik im Leben nicht vergessen. Erzeugt wird sie von einem Sechszylinder-Boxer mit Biturbo-Aufladung. Der Techart Turbo S interpretiert dieses Konzert nuanciert anders – originell, aber nie schmerzhaft laut. Dank einer intelligenten Klappensteuerung in der speziellen zweiflutigen Sport-Abgasanlage mit ovalen Endstücken aus Edelstahl werden die dramaturgischen Höhepunkte stets so kanalisiert, dass man den Mund vor Begeisterung kaum mehr zu kriegt. Mit dieser eingängigen Turbo-Musik geht nämlich eine Bewegungs-Energie einher, die scheinbar nicht von dieser Welt ist. Völlig locker und unangestrengt, so, als sei es die leichteste Übung der Welt, zoomt sich dieses auf Basis des Porsche 911 Turbo S aufgebaute Coupé mit solcher Macht in Richtung Horizont, dass die Augen nicht auhören zu tränen. Routinierte Porsche-Turbo-Fahrer kennen das Gefühl dieser großartigen Souveränität zur Genüge. Egal, welcher Gang gerade eingespannt ist: An Vortrieb herrscht nie Mangel – an gleichwertiger Konkurrenz dagegen schon. Das könnte sich allerdings rasch ändern, wenn der in elegantem Weiß und mit blauen Akzenten etwas auffälliger in Szene gesetzte Techart Turbo S zum Angriff bläst: 620 PS, ergo 60 PS mehr als der werkseitig präparierte Turbo S, stehen bei ihm auf Abruf bereit – in gleichfalls gut verwertbarer Form, analog zur Ausgangsbasis. Der Druckaufbau erfolgt genau so direkt. Der satte PS-Zugewinn soll die Höchstgeschwindigkeit auf 328 km/h anheben (Serie: 318 km/h) und den Sprint auf Tempo 100 in 2,8 Sekunden möglich machen (Serie: 3,1 s). Die etwas ernsthaftere Übung, die Beschleunigung aus dem Stand auf 200 km/h, bringt der 620-PS-Turbo in einem höchst unterhaltsamen Intermezzo von deutlich weniger als zehn Sekunden Länge hinter sich – wie gehabt mit der eleganten Unterstützung des Doppelkupplungsgetriebes vollautomatisiert und dank Allradantrieb auch ohne die geringsten Traktionsverluste.

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Kein Mangel an Vortrieb im Techart-Porsche

Man darf den routinierten Mannen von Techart Glauben schenken, wenn sie sagen, dass die Mehrleistung keinerlei negative Konsequenzen zufolge habe. Entsprechend eigener Garantiebedingungen bleibe mit dem Ausbau auf 620 PS die volle Gewährleistung auf den Antriebsstrang erhalten. Was die Eingriffe in die Mechanik angeht, übt sich Techart wohlweislich in strikter Enthaltsamkeit. Der Leistungssteigerungs-Kit besteht lediglich aus einem kompakten Management-Modul, das mithilfe eines speziellen Kabelbaums dem originalen Motormanagement beigeordnet wird. Es nimmt im Wesentlichen Einfluss auf den Ladedruck. Seine Steuerungselektronik wird über die serienmäßige Sport-Taste in der Mittelkonsole aktiviert. Sämtliche elektronischen Motorschutzfunktionen bleiben ebenso erhalten wie die vollständige Service- und Diagnosefähigkeit. Der abrufbare Zusatz-Schub lässt sich praktischerweise auf besondere Anlässe beschränken, etwa wenn es darum geht, sich den riesigen, in schwindeliger Höhe abgeflachten Drehmomentberg mal wieder genüsslich zu Gemüte zu führen. In der Overboost-Funktion liegen in der Drehzahlspanne zwischen 2800 und 4200 Umdrehungen konstant 880 Newtonmeter an. Das Elektronik-Modul kostet 3900 Euro. Gut 5000 Euro extra sind für die Sport-Abgasanlage inklusive Klappensteuerung und Edelstahl-Endrohren zu veranschlagen.

Aerodynamik-Teile sollen Antrieb verbessern

Allein mit seiner motorischen Übermacht sind die Talente des Techart Turbo S aber bei Weitem nicht erschöpft – zumindest nicht in der vorliegenden Ausbaustufe. Mit dem gekonnt in die bestehende Karosseriestruktur eingearbeiteten Aerodynamik-Paket verspricht Techart ein weiteres Plus an Fahrdynamik, was angesichts der serienmäßig schon überragenden Turbo S-Eigenschaften fast als Majestätsbeleidigung aufgefasst werden könnte. Auch das ist ein pfiffiger Ansatz: Für die Montage der elegant geformten und handwerklich solide gefertigten Bauteile, bestehend aus einer Mischung aus Karbonmaterial und Polyurethan, muss kein einziges Original-Teil verändert oder zerstört werden. Die aufgesetzten Aerodynamik-Komponenten sollen die Funktion der Serienteile unterstützen. Inwieweit die Abtriebswerte davon positiv beeinflusst werden, lässt sich anhand einer bloßen Sichtung natürlich nicht eruieren. Techart spricht selbstbewusst von einer signifikanten Verbesserung der Abtriebswerte an Vorder- und Hinterachse. Last but not least ist es ein spezieller Federnsatz, der den Techart Turbo S sichtbar tiefer legt und damit den Fahrzeug-Schwerpunkt weiter in Richtung Erdmittelpunkt verschiebt. Die Zentrifugalkräfte, die der Techart Turbo aufzubauen vermag, sind jedenfalls geeignet, die Nackenmuskeln schwer zu strapazieren. Auch davon kann ich ein Lied singen.

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