Porsche 911 Targa 4S: Das Sicherheits-Cabrio mit Bügel im ersten Test Ab geht's auf die Piste

05.09.2014

Der neue Porsche 911 Targa 4S ist endlich wieder ein Targa und nimmt uns mit zum Schaulaufen durch die Nacht. Doch kann der Elfer mit dem spektakulär klappbaren Dachmittelteil noch mehr als nur die 60er- und 70er-Jahre zitieren? Die Antwort liefert der erste Test

Obwohl sich dieser jüngste Elfer für unser erstes Rendezvous in schrilles Racing-Gelb gekleidet hat, verschieben wir den Termin auf der Rennstrecke auf später und begeben uns erst mal auf die andere Piste: Hamburg. Speicherstadt bei Nacht und mehr. Eine stylische, angesagte Gegend, traditionsreiches, ein nie schwülstiges und in seiner neuen Bestimmung heute eher kühles Ambiente – kurz: hanseatisch.

 

Porsche 911 Targa 4S: Retro-Optik und moderne Technik

Der neue 911 Targa hingegen ist natürlich Schwabe durch und durch, besessen von Perfektion und Reinheit und dennoch ein hoch emotionales Hightech-Gerät: Statt des langweiligen Glasschiebedachs der letzten Generationen hat der Targa nun wieder ein entfernbares, schwarzes Dachmittelteil, flankiert vom charakteristischen breiten Alu-Überrollbügel – ganz so wie der Ur-Targa aus den 60er- und 70er-Jahren, der seinerzeit nicht nur bei uns viele Freunde fand, sondern besonders in den USA als Sicherheits-Cabrio galt.

Heute, im Zeitalter der überschlagresistenten Cabrios, geht es aber nicht mehr um Sicherheit, sondern um Retrodesign, und zwar in einer Perfektion umgesetzt, wie wir sie so noch nicht erlebt haben. Cabrios mit Klappdächern kennt man ja inzwischen reichlich.

Über die Show, die der Targa da abzieht, staunt aber sogar der coole Hamburger Nachtschwärmer nicht schlecht: Auf Knopfdruck – sogar per Fernbedienung – hebt sich die komplette Glaskuppel des Elfer und klappt nach hinten, während zwei aus dem Alu-Bügel herausfahrende Arme das Dachmittelteil über die beiden hinteren Sitze hebt und nach hinten über den Motor bugsiert – großes Kino vor Kino, Club, Bar, Eisdiele und mehr mit 100-prozentiger Aufmerksamkeitsgarantie.

Die Frage, ob dieses insgesamt sehr filigran wirkende Dach-Ballett in seiner perfekten Choreographie auch in zig Jahren noch so reibungslos funktioniert, müssen und können wir heute nicht beantworten. Für den Moment sind wir jedenfalls fasziniert – sowohl von der Dach-Funktion als auch von der Form des Retro-Elfer. Retro hin, Klappdach her, auch der Targa der Neuzeit ist ein echter Porsche 911 – Gott sei Dank.

Um uns dessen zu versichern, lassen wir erstmal den herrlichen Sechszylinder-Boxer-Sound durch die Nacht hallen, verstärkt vom markanten Sound des Sport-Auspuffs. Immer wieder schnalzt der Targa beim Zurückschalten des Doppelkupplungsgetriebes (PDK, 3511 Euro) mit Zwischengasstößen, besonders effektvoll auf Elbtunneltour bei geöffnetem Dach.

Der Wechsel zwischen Tunnel-, Stadt- und Überlandfahrt genießt man hier in der Hansestadt herrlich ungefiltert und wegen des durchaus komfortablen 911er-Fahrwerks mit seinen adaptiven Dämpfern zudem sehr entspannt. So könnten wir endlos durch die Nacht cruisen, aber irgendwann dämmert der Morgen diese wohlige Stimmung weg.

Zurück im Test-Alltag wird es dann auch für den Targa ernst, denn mit dem 911 Carrera Coupé und dem 911 Cabrio hat der nur mit Allradantrieb lieferbare Targa bereits genug Konkurrenz im eigenen Haus. In der 4S-Version mit 400 PS und siebengängigem Doppelkupplungsgetriebe ist der Targa 90 kg schwerer als das 911 4S Coupé mit gleichem Antrieb. Technisch basiert der Targa allerdings eher auf dem 911 Cabrio, das als 4S kaum leichter ist als der Targa.

Von Schwerfälligkeit kann aber keine Rede sein, wenn sich der mit einem Verbrauch von 12,1 l/100 km recht effiziente 3,8-Liter-Sechszylinder-Boxer ins Zeug legt und munter bis weit über 7000 Touren jubiliert. Auch in Sachen Handling, Lenkung, Traktion und Bremsperformance repräsentiert der Targa den extrem hohen Dynamik-Standard, den wir von den aktuellen 911ern gewohnt sind. Das gilt auch für den stabilen Geradeauslauf.

Selbst der Blick in die Preislisten gibt nur wenig Entscheidungshilfe: Als 4S mit PDK ist das Coupé mit 115.824 Euro zwar am günstigsten, scheidet wegen seines zugeknöpften Wesens aber aus. Die angenehmste und verwirbelungsärmste Art, offen zu fahren, bleibt das 911 Cabrio, während im fast preisgleichen, wetterfesteren und übersichtlicheren Targa schon bei niedrigeren Geschwindigkeiten die Windböen von hinten hereinfegen.

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Unser Fazit

Porsche 911 Targa – endlich wird diesem klangvollen Namen wieder Leben eingehaucht. Das grandiose Design mit der Glaskuppel und dem charakteristischen Alu-Bügel macht die bisherigen langweiligen Glasschiebedach-911er vergessen. Dass aus der einstigen simplen Idee eines manuell herausnehmbaren Dachteils eine derart komplexe Mechanik-Orgie geworden ist, fasziniert. Ansonsten kann der Targa nicht mehr oder weniger als andere Elfer – und das ist ja verdammt viel.

Jürgen Voigt

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