Porsche 911 Targa 4 GTS: Offener Sportwagen-Klassiker im Test Schienenfahrzeug

25.05.2015

Genau 50 Jahre nach dem Ur-Targa schickt Porsche den Elfer mit dem charakteristischen Dachbügel als Targa 4 GTS ins Rennen. 430 PS, Allradantrieb und eine ausgeklügelte Elektronik sorgen für ein äußerst spurstabiles Fahrvergnügen. Test

Knapp 19 Sekunden dauert es, bis das Targa-Dach mit Hilfe aufwändiger, elektrisch betriebener Mechanik im Heck verschwunden ist. Knapp 19 Sekunden sind mehr als doppelt solange, wie der 130 PS starke Ur-Targa von 1965 mit dem herausnehmbaren Dach für den Sprint von null auf 100 km/h benötigte. Knapp 19 Sekun-den werden für manchen Targa-Puristen vielleicht nicht reichen, um sich an dieses Dach, das mit dem Targa der Baureihe 991 erstmals im vergangenen Jahr präsentiert wurde, zu gewöhnen.

 

Porsche 911 Targa 4 GTS: Sportler mit 430 PS-Boxer

Dabei hat diese Dachkonstruktion eindeutige Vorteile: Der Porsche 911 Targa 4 GTS wartet mit einer qualitativ hochwertig verarbeiteten, sehr verwindungssteifen Karosserie auf. Dank des Windabweisers auf dem Windschutzscheibenrahmen ist die Fönfrisur weitgehend sicher gegenüber dem Sturm, den der bislang stärkste Bügel-Elfer zu entfachen vermag.

Der aus den 911 S-Modellen bekannte 3,8-Liter-Sechszylinder-Boxer ist im Targa 4 GTS von 400 auf 430 PS erstarkt, den sechs zusätzlichen Resonanzklappen, den neuen Nockenwellen für mehr Ventilhub und den überarbeiteten Einlasskanälen sei Dank. Dieses Arrangement entfaltet seine Wirkung am besten jenseits des Ortsschildes, wo der Targa 4 GTS die Muskeln anspannt und mit dem unvergleichlichen sägenden Boxersound Richtung Horizont stürmt, begleitet von gieriger, bis 7800 Touren reichender Drehfreude.

Dem begegnet das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (Aufpreis: 4141 Euro) mit dem Einschießen der passenden Gänge im gefühlten Gewehrkugeltempo. Kurzatmige 4,3 Sekunden von null auf 100 km/h sind das per Launch Control ermittelte Ergebnis. Die 302 km/h Höchstgeschwindigkeit sind mangels freier Autobahnen eher selten zu genießen. Erfreulich ob all dieser Performance ist der moderate Test-Verbrauch von 12,6 Litern Super Plus.

Fernab des Mess- und Zahlenwerks lautet das Genießer-Rezept: Im Sport-Modus (direkteres Ansprechen des Gaspedals, aktivierbar per Taste im Bedienfeld auf der Mittelkonsole) und bei gedrückter Auspuff-Taste (schärft den Sound der Sportauspuffanlage) im Handschalt-Betrieb über kurvige Landstraßen toben und das Brabbeln aus dem Endtopf nach dem Herunterschalten genießen.

Selbst in dieser zahmen Einstellung präsentiert der Targa ein überaus vergnügliches Unterhaltungsprogramm. Feinfühliges spontanes Einlenken schätzen, hohe Kurventempi genießen und mit bester Traktion dank Allradantrieb und einer elektronisch geregelten Hinterachsquersperre (PTV Plus, Serie) aus der Kurve herausbeschleunigen – das ist der Stoff, aus dem Sportwagenträume geschaffen werden.

Für die unter diesen Bedingungen empfundene ultradirekte Rückmeldung von Fahrzeug und Fahrbahn ist neben den adaptiven Dämpfern (Porsche Active Suspension Management PASM, Serie), auch die Wankstabilisierung (Porsche Dynamic Chassis Control PDCC, 3213 Euro) verantwortlich. Das fühlt sich im Ergebnis an wie eine Fahrt auf Schienen, die dank der brachial zupackenden Bremsen auch außerordentlich effizient gestoppt werden kann.

 

911 Targa 4 GTS: Überraschend guter Federungskomfort

Mischen sich in das kurvige Geläuf noch Bodenwellen, ist man überrascht, wie verbindlich diese ausgebügelt werden. Auch die 20-Zoll-Mischbereifung auf den formschönen, Zentralverschluss-gesicherten Turbo S-Rädern (Serie) pariert  Fahrbahnunebenheiten weit besser als befürchtet, was wiederum zeigt, das sich Sportwagen und Komfort nicht unbedingt ausschließen müssen.

Apropos Sport: Vorzugsweise für den Einsatz abseits öffentlicher Straßen hält der Targa das Sport-Plus-Programm bereit, welches die Regelgrenze des PSM (ESP) anhebt und Dämpfer und Wankstabilisierung sowie die Schaltkennlinie unter Verzicht auf den siebten Gang in Richtung Sport kalibriert. Dann zeigt der Targa, was in ihm steckt, nämlich auf Wunsch ein außerordentlich schnelles Fahrzeug, das auch für die Rennstrecke taugt und selbst bei extremen Kurvengeschwindigkeiten mit höchster Fahrstabilität glänzt.

Hier gibt es Grip bis hinter die Wohlfühlgrenze, so dass der Fahrbahn-Film im Fast-Forward-Modus ablaufen kann. Beim Federungskomfort ist unter diesen Bedingungen erwartungsgemäß Kompromissbereitschaft gefragt. Das alles kostet: Mindestens 137.422 Euro sind für den Porsche 911 Targa 4 GTS fällig, mit ein paar Extras sind schnell 160.000 Euro erreicht. Allein für das „Porsche Communication Management“ mit Navi- und Audioanlage rufen die geschäftstüchtigen Schwaben 3148 Euro auf.

Dabei gibt es hier durchaus noch Verbesserungspotenzial. Die Kartendarstellung springt in regelmäßigen Abständen, und beim Radio lassen sich FM- und DAB-Sender beispielsweise nicht auf einer Speicherbank ablegen. Auch wenn das Entertainment nicht auf der Höhe der Zeit ist: Für hinreichende Unterhaltung sorgt der Targa 4 GTS beim Fahren allemal.

TECHNIK
 

Porsche 911 Targa 4 GTS
Motor 6-Zylinder-Boxer, 4-Ventiler, Direkteinspritzung
Hubraum 3800 cm3
Leistung 316 kW/430 PS bei 7500/min
Max. Drehmoment 440 Nm bei 5750/min
Fahrwerk v.: McPherson-Federbeine, Querlenker, Längslenker, Stabi.;
h.: Mehrfachlenkerachse, Federn, Stabi.;
rundum: adaptive Dämpfer (PASM); aktive Wankstabilisierung (PDCC, opt.), PSM (ESP)
Bremse rundum innenbel. und gelochte Scheiben; ABS, Bremsassistent
Reifen v.: 235/35 ZR 20 Y, h.: 305/30 ZR 20 Y;
Pirelli P Zero NO
Felge v.: 9 x 20, h.: 11,5 x 20
L/B/H 4491/1852/1293 mm
Radstand 2450 mm
Leergewicht/Zuladung 1635 kg / 345 kg
Kofferraumvolumen v.: 125 l, h.: 160 l
Abgasnorm Euro 6
Typklassen HP 14/VK 28/TK 29
Messwerte 0-100 km/h in 4,3 s
Höchstgeschwindigkeit1 302 km/h
Bremsweg 100-0 km/h kalt/warm 32,5 m/31,1 m
Verbrauch 12,6 l SP/100 km
EU-Verbrauch1 9,2 l SP/100 km
CO2-Ausstoß1 214 g/km
Grundpreis 137.422 Euro
1 Werksangaben

Unser Fazit

Der Porsche 911 Targa 4 GTS ist der beste Bügel-Porsche, den es je gab – schneller und dynamischer als alle Vorgänger, aber auch exorbitant teuer. Er ist sehr solide konstruiert und obendrein absolut alltagstauglich.

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