Porsche 911 Targa 4: Fahrbericht, Bilder & technische Daten Ganz der Alte

01.05.2014

Knapp ein halbes Jahrhundert nach seiner ersten Vorstellung auf der IAA ist der 911 Targa endlich wieder ganz der Alte. Fahrbericht

Was wohl Doris ihren Kerl macht? Lange nichts mehr von ihm gehört. Vor 36 Jahren hatte sich dieser namenlose Herr ein Auto bestellt. Keinen exotischen Iso wie der Heinz von Marga. Sondern einen neuen Targa. So jedenfalls erzählte es Marius Müller-Westernhagen 1978 in seinem Song über Margarethe.

Die wiederum schuldete ihm noch Knete, was doof war, denn er selbst wollte sich doch einen neuen Daimler-Benz und eine Rolex kaufen. Aber das ist eine andere Geschichte, nachzuhören auf dem Album „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“. Was das wohl für Gestalten waren, die sich anscheinend mit Luxusgütern eindecken konnten wie andere Leute nur mit Bettwaren, darf sich jeder selbst ausmalen.

Schließlich kostete so ein Targa in den Sechzigern schon rund 22.500 Mark. In jedem Fall aber hatte der Kerl von Doris Geschmack. Denn der Porsche 911 Targa der allerersten Generation, 1965 auf der Frankfurter IAA vorgestellt, war ein absoluter Traumwagen. Mit ihm konnte man fast so offen fahren wie im Cabrio, war aber dank des Überrollbügels so sicher wie in einem Coupé. Obendrein sah dieser Bügel auch noch schick aus. Und dann erst dieses betörende Heck mit dem umlaufenden Fenster ohne C-Säule.

 

911 TARGA: DACHKONSTRUKTION ABSOLUT ALLTAGSTAUGLICH

Spätere Targa vom Typ 993 oder 996 verwässerten diese grandiose Linienführung. Aber Doris ihren Kerl kann aufatmen, wenn er denn noch lebt: Mit der neuen Generation vom Typ 991 ist der Targa mit breitem Bügel wieder ganz der Alte. Jedenfalls auf den ersten Blick.

Denn die technische Entwicklung ist natürlich inzwischen weit fortgeschritten, ebenso wie die Bequemlichkeit der Menschen im Allgemeinen und die der Porsche-Fahrer im Besonderen. Das merkt man, wenn es daran geht, das Dach zu öffnen. Wo Targa-Fahrer der ersten Stunde noch mit herausnehmbarem Faltdach plus flexiblem Soft-Window hantierten, bedient man heute bequem in der Mittelkonsole ein Knöpfchen.

Dann beginnt eine Show, die selbst Willi Wucher, einem anderen Herrn auf eingangs erwähntem Album, die Sprache verschlagen würde: Erst öffnet sich das Glasdach hinter dem Bügel. Dann schwebt es weit nach hinten – so weit, dass ein Teil der Rücklichter verborgen wird. Deshalb darf das Ganze nur im Stand passieren. Weiter geht es mit dem Softtop über den Köpfen der Insassen. Auch dieses wandert nach hinten, nachdem sich im Targabügel zwei Klappen geöffnet haben.

Dachschale und Flächenspriegel sind aus Magnesium. Das ändert leider nichts daran, dass der Targa 40 Kilo schwerer ist als das vergleichbare Cabrio. Dann schließlich verschwindet das Softtop komplett im Heck. Die Glasscheibe senkt sich wieder, der Targabügel schließt sich, fertig ist die Laube. 19 Sekunden dauert die Show. Das ist nicht lange, aber noch schöner wäre es, wenn man dafür nicht jedes Mal anhalten müsste.

Bei der Vorstellung des Targa lässt Porsche keine Gelegenheit aus zu versichern, dass die Konstruktion absolut alltagstauglich sei. Das beruhigt angesichts der filigranen Hebelchen, die das wuchtige Glaselement bei jedem Öffnungsvorgang stemmen müssen. Und es klingt auch ein bisschen absurd – denn natürlich ist
die Fahrt in diesem Auto alles andere als Alltag. Erst recht, wenn das Dach offen ist und der Wind dem Fahrer dezent über das Haupt weht, während von hinten der Boxer trompetet.

Dann hüpft das Herz, und der Gedanke blitzt durchs Hirn: „Folge mir, ich bin ein Alphatier“. Noch so ein Satz von Westernhagen, aber von seinem aktuellen Album. Vom Dach abgesehen fährt es sich im Targa wie in einem normalen Elfer. Jeder Lenkimpuls hat eine ansatzlose Richtungsänderung zur Folge, Kurven nimmt
der Porsche mit einer Präzision, die schlicht sensationell ist. Seine 350 PS drückt der Motor serienmäßig über alle vier Räder auf die Straße, auf Wunsch in Verbindung mit einem Doppelkupplungsgetriebe, das die Gänge blitzschnell und im Automatikmodus stets passend bereitstellt. Noch deutlich mehr Druck und einen frivoleren Sound hat natürlich der Targa 4S mit seinem 3,8-Liter-Motor und 400 PS.

Aber selbst für den Targa 4 liegt der Grundpreis bereits bei 109.338 Euro. Beim Targa 4S sind es noch einmal 14.756 Euro mehr. An dieser Stelle noch ein letztes Westernhagen-Zitat: „Oh Margarethe, gib mir die Knete.“

Unser Fazit

Sportwagenikone mit erstaunlich viel Komfort (auch offen), exzellentem Handling und viel Power. Als Targa Typ 991 nun auch optisch wieder ein Traum.

Gerrit Reichel

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