Porsche 911 Prototypen: Ikonen Geheimsache 911

08.12.2013

Die mittlerweile sieben Baureihen des Porsche 911 sind wohlbekannt. Aber es gab auch eine Reihe von Unikaten sowie Prototypen, die nie in Serie gingen

Als Meilenstein auf dem Weg zum endgültigen Design des Porsche 911 gilt der Karosserieentwurf von Ferdinand Alexander Porsche aus dem Jahr 1959 für den Prototypen 754 „T7“. Während das Fahrzeug von der vorderen Stoßstange bis zur A-Säule die endgültige Form des späteren 911 praktisch eins zu eins vorwegnimmt, ist die Heckpartie noch in einer stufigen Formensprache gehalten. Hintergrund ist die damals noch geplante Auslegung des neuen Porsche-Sportwagens als vollwertiger Viersitzer mit entsprechender Kopffreiheit im Fond. Ferry Porsche spricht sich jedoch gegen dieses Konzept aus und fordert einen noch konsequenteren Sportwagen. Unter der Bezeichnung „T8“ wird in der Folge schließlich der 901 gebaut und damit der 911.

 

UR-MOTOR DES 911 MIT OHV-STEUERUNG

Fast zeitgleich mit dem 911-Prototypen 754 „T7“ entsteht 1959 der Versuchsmotor vom Typ 745. 80 Millimeter Bohrung und 66 Millimeter Hub ergeben 1990 Kubikzentimeter Hubraum. Das auf 9,5:1 verdichtete Sechszylinder-Boxer-Triebwerk leistet 120 PS bei 6500 Touren pro Minute und entwickelt ein maximales Drehmoment von 170 Nm. Zwei untenliegende Nockenwellen steuern bei ihm über Stoßstangen und Kipphebel zwei Ventile pro Zylinder. Als der mit einem Doppelgebläse ausgerüstete Motor im 754 „T7“ erprobt wird, stellt sich jedoch rasch heraus, dass er die Ansprüche von Porsche an ein Sportwagen-Triebwerk mit Entwicklungspotenzial für die Zukunft nur unzureichend erfüllt. So entsteht 1962 ein neuer Motor, der die Nockenwellen in den Zylinderköpfen beherbergt – der erste Elfer-Sechszylinder-Boxer, wie wir ihn kennen.In der zweiten Hälfte der 60er-Jahre unternehmen die Porsche-Entwickler nochmals einen Versuch, nach dem verworfenen Konzept des 754 „T7“ einen vollwertigen Viersitzer auf Elfer-Basis zu schaffen.

Vier Jahre lang entwickelt Porsche den Typ 915. Dazu verlängern die Ingenieure den Radstand des Basis-911 um 350 Millimeter, und tatsächlich entsteht 1970 ein Wagen, der auch den Mitfahrern im Fond bequem Platz bietet. Das ursprüngliche Ansinnen, Kunden mit gesteigertem Raumbedürfnis zu befriedigen, wird jedoch erneut verworfen. Sportive Fahrleistungen hätte aber auch der lange Elfer mit 200 PS aus 2,4 Litern Hubraum und 235 km/h Höchstgeschwindigkeit durchaus geboten.

Als Ferry Porsches Schwester Louise Piëch am 29. August 1974 ihren 70. Geburtstag feiert, macht ihr die Porsche AG ein ganz besonderes Geschenk in Form eines Vorserienmodells des im selben Jahr auf dem Pariser Salon vorgestellten 911 Turbo. Allerdings verfügt der speziell für Louise Piëch gebaute 911 Turbo über die schmale Karosserievariante, wie sie in der Serie nie angeboten wurde. Aufgrund der günstigeren Aerodynamik rennt dieser Turbo mit seinen 260 PS denn auch gut zehn km/h schneller als das Serienfahrzeug mit den breiten Kotfügeln. Rund 270 km/h sind eine passender Gruß zum runden 70. Geburtstag.

Zu Beginn der 80er-Jahre entdecken die Porsche-Entwickler, was wenig später zum Trend wird: das Elfer-Fahren ohne Dach. Sie entwickeln die erste Cabriolet-Variante des 911 und präsentieren sie 1981 auf der IAA in Frankfurt. Doch damit nicht genug. Gleichzeitig kombinieren sie in diesem Fahrzeug Turbo-Motor und Allradantrieb.

Aus 3,3 Litern Hubraum schöpft diese Studie eines 4x4-Turbo-Cabriolets 290 PS und sorgt für eine Höchstgeschwindigkeit von 255 km/h. Von 1983 an gibt es den 911 dann schließlich als Cabriolet zu kaufen – jedoch ohne Allradantrieb. Dieser bleibt zunächst einigen Rennfahrzeugen sowie später dem Supersportwagen 959 vorbehalten. Erst mit Einführung der 964-Baureihe im Jahre 1989 hält der Vierradantrieb auch bei den Serien-Elfern Einzug. Als Porsche auf der IAA  in Frankfurt 1987 die 911 Carrera 3.2 Speedster Studie präsentiert, sind Fachleute und Fans gleichermaßen überrascht wie begeistert.

Eine Frontscheibe im gewohnten Sinne besitzt der 245 km/h schnelle Sportwagen nicht, stattdessen eine glattflächige Kunststoffabdeckung, die lediglich einen Ausschnitt für den Fahrer sowie ein minimalistisches Windschild bietet. Das Publikum ist jedoch dermaßen entzückt, dass Porsche sich entschließt, die Idee dieses Speedsters anlässlich des 250.000sten gebauten 911 in eine Kleinserie umzumünzen: die des 911 Carrera 3.2 Speedster. Auf Basis der breiten Karosserie des 911 Turbo entsteht ein offener Elfer mit knapp geschnittener Frontscheibe, der mittlerweile zum begehrten Sammlerstück avanciert ist. Wie die Studie wird er von einem 231 PS starken 3,2-Liter-Sechszylinder-Boxer befeuert.

Im Jahr 1988 entsteht der Typ 965 als Prototyp für einen neuen Supersportwagen auf 911-Basis. Anvisiert ist die Markteinführung im Jahr 1990 zum Preis von rund 210.000 Mark. Doch der weiterentwickelte Sechszylinder-Boxer, der dafür wassergekühlte Vierventil-Zylinderköpfe  und Bi-Turbo-Aufladung erhält, macht Probleme. So wird der mattschwarz lackierte Prototyp mit Allradantrieb, der intern nur „Black Bomber“ genannt wird, mit einem aus dem Indy-Rennmotor abgeleiteten V8-Vierventil-Triebwerk bestückt. Insgesamt 16 Prototypen entstehen, 15 davon werden nach Einstellung des Projekts nur 18 Monate vor der geplanten Markteinführung verschrottet. Schnell ist der 965, dessen Heck an den 959 erinnert: Bei Versuchsfahrten in Nardo erzielt der „Black Bomber“ mehr als 300 km/h.


DER PANAMERICANA ZU FERRYS 80. GEBURTSTAG


Am 19. September 1989 feiert Ferry Porsche seinen 80. Geburtstag, und seine Entwickler machen ihm ein ganz besonderes Geschenk: den Panamericana. Offiziell präsentiert wird die Studie mit dem wohlklingenden Namen einmal mehr auf der Internationalen Automobil Ausstellung IAA in Frankfurt 1989 und sorgt mit technischen Finessen für Aufsehen. Nicht nur, dass der Panamericana mit seiner offenen Dachstruktur die Weiterentwicklung des 911 Targa maßgeblich beeinflusst – sie gibt auch den Anstoß zum Bau eines Roadsters, der später als Boxster in Serie gehen soll.

Die Heckpartie des Panamericana lässt indes bereits die späteren Züge des 911-Typs 993 erkennen. Mit 250 PS aus 3,6 Litern Hubraum und einer Höchstgeschwindigkeit von 260 km /h ist auch der futuristisch anmutende Panamericana Porsche-typisch fahrdynamisch. Der Tatsache, dass es sich um das Geburtstagsgeschenk zu Ferry Porsches Achtzigstem handelt, trägt der Panamericana mit seiner Lackierung Rechnung. Hier kommt Grün zum Einsatz – Ferrys Lieblingsfarbe.

Jürgen Gassebner

Tags:
Severin Elektrische Kühlbox
UVP: EUR 123,99
Preis: EUR 93,92
Sie sparen: 30,07 EUR (24%)
Nulaxy FM Transmitter
 
Preis: EUR 23,79 Prime-Versand
Alkoholtester
 
Preis: EUR 16,99 Prime-Versand
Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.