Porsche 911 Carrera vs. Jaguar F-Type S Coupé: Vergleich Die schönste Versuchung

22.04.2014

Noch nie zuvor hat sich eine britische Raubkatze so nah an die deutsche Sportwagenikone 911 herangepirscht. Das Jaguar F-Type S Coupé mit 380 PS ist bereit für ein erstes Kräftemessen auf Augenhöhe mit dem 350 PS starken 911 Carrera. Vergleich

Es war die Studie namens C-X16, die allen auf der IAA 2011 die Sprache verschlug. Einen solch aggressiv gezeichneten Sportwagen hatte man von Jaguar nicht erwartet.

Gestochen scharfe Formen und ein muskulöses Hinterteil – Jaguars Chefdesigner Ian Callum erschuf eine vierrädrige Skulptur zum Niederknien. Kein Wunder also, dass der ursprüngliche Entwurf nun fast eins zu eins als Serienmodell auf die Straße rollt. Wie eine hungrige Raubkatze, die zum Sprung ansetzt, kauert der 1,92 Meter breite Körper geduckt über dem Asphalt. Die fetteste Beute hat das junge Raubtier schon ins Visier genommen.

Kein geringerer soll dran glauben als der Sportwagenklassiker aus Deutschland: der Porsche 911 Carrera mit nahezu identisch kompakten Abmessungen. An dessen betörend geformten Rundungen scheint die aufziehende Bedrohung indes abzuperlen wie Wasser von einem gewachsten Apfel. Trügerisch freundlich und gutgläubig schaut der Zuffenhausener aus seinen runden Scheinwerfern – obwohl er es doch faustdick hinter den breiten Backen hat. Großzügig und praktisch gestaltet präsentiert er sich im Innenraum. Und mit zwei Notsitzen bestückt, liefert er Alltagsfahrern die überzeugenderen Argumente. 

Schließlich kann der Platz hinter den Sitzen auch als 260 Liter großer Kofferraum genutzt werden. Zusammen mit den 125 Litern unter der Vorderhaube bleibt also ähnlich viel Platz wie unter der schmalen Heckklappe des Engländers (407 Liter). Überhaupt zeigt sich der neue Jaguar – der hier im verführerischen Farbton „Firestone“ lackiert ist – durchaus geräumig. Die Sitze sind auch auf längeren Strecken bequem, das Lenkrad liegt fest in der Hand, und die Einstellbereiche zeigen sich sogar für großgewachsene Leute ausreichend.

Nur die winzige Heckscheibe und die breiten C-Säulen versperren etwas die Rundumsicht. Die ist im Porsche luftiger. Wie schon vor 50 Jahren wird der Blick auf die Straße immer noch von zwei Scheinwerferhügeln eingerahmt. In tiefer Sitzposition mit perfekter Ergonomie von Lenkrad und Pedalerie passt der Arbeitsplatz auch hier auf der Rennstrecke ebenso wie auf langen Reisen.

Dass schon der Basis-Elfer mit seinem 350 PS starken 3,4-Liter-Boxer für beide Einsatzbereiche geschaffen ist, wurde hinlänglich unter Beweis gestellt. Er beherrscht die ambitionierte Kurvenjagd genauso wie das ruhige Cruisen.

 

Aggressiver Sound im F-Type

Startet man dagegen den von einem Kompressor aufgeladenen Dreiliter-V6 im F-Type S per Knopf in der Mittelkonsole, erklingt ein ganz anderer Umgangston. Der 380 PS starke Brite ist auf Krawall gebürstet. Das kurze, laute Losbellen aus den zwei dicken mittleren Endrohren schmettert nach jedem Start, selbst wenn die Klappen in der serienmäßigen Sportauspuffanlage nicht extra über den Schalter entsichert wurden. Und beim Tritt aufs Gas prescht der Jaguar unter Getöse auf und davon.

Schon ab 2000 Touren spürt man sein gewaltiges Drehmoment. Begleitet vom gierigen Brüllen des Langhubers ist das Jagdtempo in weniger als fünf Sekunden erreicht. Der Porsche reagiert ebenso augenblicklich auf Gasbefehle. Unverkennbar schnaubt und rasselt der Boxer im Heck, reagiert dabei noch gierig auf die Aktionen des Fahrers. Allerdings entfaltet sich seine Leistung erst mit steigender Drehzahl – die Post geht bei etwa 4000 Touren ab. Ein paar Tonlagen höher, wenn der Zeiger die 7400 passiert, ist die Höchstleistung erreicht. Wer also spontane Zwischensprints gewinnen will, muss blitzschnell einige Gänge im Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe herunterschalten.

Der Jaguar schiebt indes auch aus mittleren Drehzahlen gewaltig an. Schade nur, dass die Standardabstimmung der Achtstufen-Automatik etwas zu schnell auf nervöse Bewegungen im rechten Pedal reagiert. Die Motordrehzahl schnellt so unnötig oft nach oben. Denn eigentlich ist die Gesamtabstimmung des F-Type gar nicht mal so unkomfortabel. Meidet man den Dynmaikmodus der adaptiven Dämpfer, schluckt das Fahrwerk wirkungsvoll Unebenheiten in der Fahrbahn und macht aus dem bildschönen Zweitürer einen echten Gran Turismo.

Eine derart ungefilterte Rückmeldung aus Fahrwerk, Lenkrad und Bremsen wie im 200 kg leichteren Porsche bekommt man allerdings selbst im Dynamikmodus nicht. Den Fahrspaß trübt das kein bisschen. Gierig jagt das britische Coupé um enge Kurven, bärig schiebt es auf der Geraden an. Den aufgeladenen Fünfliter-V8 mit 550 PS aus dem F-Type R dürfte hier kaum jemand vermissen.

Schließlich ist das Topmodell mit der vierflutigen Auspuffanlage gleich 25.000 Euro teurer als das F-Type S Coupé. Dessen Preise beginnen bei 78.500 Euro – nicht gerade günstig, im Gegensatz zum 911 Carrera mit PDK (ab 93.928 Euro) aber regelrecht ein Schnäppchen.

TECHNIK
   

PORSCHE 911 CARRERA JAGUAR F-TYPE S COUPE
Motor 6-Zylinder-Boxer, 4-Ventiler,
Direkteinspritzung 
V6-Zylinder, 4-Ventiler, Kompressor, Direkteinstpritzung
Hubraum 3436 cm³ 2995 cm³
Leistung 257 kW / 350 PS bei 7400/min 280 kW / 380 PS bei 6500/min
Max. Drehmoment 390 Nm bei 5600/min 460 Nm bei 3500-5000/min
Getriebe 7-Gang, Doppelkupplung 8-Stufen-Automatik
Antrieb Hinterrad Hinterrad
Fahrwerk v.: McPherson-Federbeine, Quer- und Längslenker, Stabi.;
h.: Mehrfachlenkerachse, Federn,
Dämpfer, Stabi.; PSM (ESP)
rundum: Doppelquerlenker, Federn,
adaptive Dämpfer, Stabilisator;
DSC (ESP) 
Bereifung v.: 235/40 R 19; h.: 285/35 R 19 245/40 R 19 
L/B/H 4491/1808/1303 mm 4470/1923/1308 mm
Radstand 2450 mm  2622 mm
Leergewicht 1400 kg 1594 kg
Kofferraumvolumen 125 l 272 – 407 l
MESSWERTE1    
0-100 km/h 4,6 s 4,9 s
Höchstgeschwindigkeit 287 km/h 275 km/h
EU-Verbrauch 8,2 l S/100 km 9,1 l S/100 km
CO2-Ausstoß 194 g/km 213 g/km
Grundpreis 93.928 Euro2 78.500 Euro
  1Werksangaben;2 inkl. PDK ¹ Werksangaben

Unser Fazit

Das F-Type Coupé mit kräftigem V6 ist ein betörender Vollblutsportler und damit eine schöne Alternative zum Elfer. Die traumhafte Präzision des leichten 911 erreicht es aber nicht ganz

Markus Schönfeld

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