Porsche 911 Carrera Scharfes Profil

20.06.2008

Boxer-Motor mit Direkteinspritzung und 345 PS, Doppelkupplungsgetriebe, neue Fahrwerksregelung – Porsche schärft ab 5. Juli das fahrdynamische Profil des 911 Carrera, verzichtet aber auf Design-Experimente

Eckdaten
PS-kW345 PS (254 kW)
AntriebHinterrad, 7 Gang Direktschaltung
0-100 km/h4.7 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit287 km/h
Preis86.542,00€

Launch Control – das klingt nach Space-Shuttle, Cape Canaveral und Astronauten. Zu finden ist dieser Begriff jetzt auch in der Bedienungsanleitung des neuen Porsche 911 Carrera. Allerdings machen erst zwei aufpreispflichtige Extras den Genuss maximaler Beschleunigung aus dem Stand möglich. Das neu entwickelte Doppelkupplungsgetriebe PDK und das ebenfalls neue Sport-Chrono-Plus-Paket spielen perfekt zusammen: Sport-Plus-Taste drücken, linken Fuß auf die Bremse, mit dem rechten Fuß einen schnellen Gasstoß geben. Schon pendelt sich die Motordrehzahl bei rund 6200 Touren ein – der Carrera ist bereit zum Abschuss. Schlagartig von der Bremse gehen und gleichzeitig Vollgas geben ist alles. Die Elektronik erledigt den Rest. So soll der Spurt auf 100 km/h in nur 4,5 Sekunden erledigt sein – im Basis-Elfer.

Das Geheimnis: Mit der Launch-Control-Funktion verringert sich die Beschleunigungszeit um 0,2 Sekunden, also von 4,7 auf 4,5 Sekunden. Mit serienmäßiger, manueller Schaltung benötigt der Carrera 4,9 Sekunden. Klingt kompliziert, ist aber ein Resultat der vielen Neuheiten unter dem nur dezent veränderten Blechkleid der zweiten 997-Generation.

Kern des 911 ist sein komplett neu entwickeltes Boxer-Triebwerk mit Benzin-Direkteinspritzung. Es erfüllt schon jetzt die Euro-5-Abgasnorm, produziert bei annähernd gleichem Hubraum 20 PS mehr und verbraucht in Kombination mit dem PDK-Getriebe bis zu 12,5 Prozent weniger Benzin. Ein neues, zweiteiliges Kurbelgehäuse und die so genannte Closed-Deck-Konstruktion der freistehenden Zylinderlaufbüchsen – diese sind jetzt durch eine eingegossene Deckplatte miteinander verbunden – erhöhen die Triebwerkssteifigkeit um 20 Prozent. Das Motorgewicht sank um sechs Kilo, die maximale Motordrehzahl stieg von 7300 auf 7500 Umdrehungen. Die Umstellung der elektronisch geregelten Ölpumpe auf eine bedarfsgerechte, von der Fahrsituation abhängige Ölfördermenge für die Trockensumpfschmierung ermöglicht eine Mehrleistung von drei PS.

Zweiter Punkt ist das Doppelkupplungsgetriebe PDK: Das 3510 Euro teure Getriebe beherrscht je nach Steuerung alle Spielarten, von der Klassik bis zum Punkrock. Wahlweise werden die sieben Gänge nahezu lautlos und ohne Zugkraftunterbrechung automatisch angewählt. Der siebte Gang ist als ausgesprochener Schongang ausgelegt, die Höchstgeschwindigkeit erreicht der 911 im sechsten Gang. In Kombination mit dem Sport-Chrono-Plus-Paket halbieren sich die Schaltgeschwindigkeiten, die Gänge rasten hart mit einem leichten Kick an der Hinterachse ein. Die Getriebesteuerung wählt entweder automatisch den richtigen Gang, oder der Fahrer kann diese manuell anwählen. Die fast perfekt arbeitende Automatikfunktion ist von Menschenhand allerdings kaum zu übertrumpfen.
Der Porsche-Testwagen, ausgerüstet mit dem härter abgestimmten PASM-Sportfahrwerk plus 19-Zoll-Bereifung (Serie: 18 Zoll), folgt bereitwillig Längsrillen. Das erfordert bei hohen Geschwindigkeiten oder auf kurvigen Landstraßen höchste Konzentration am Lenkrad. Das Verstärken der elektronisch geregelten Dämpfung per Tastendruck eignet sich nur für die Rennpiste. Langstreckenfahrer sollten auf diese supersportliche Kombination eher verzichten. Serienmäßig ist im Basis-911 ein Fahrwerk ohne adaptive Regelung eingebaut.

Der Benzin-Direkteinspritzer-Boxer lechzt nach jedem Gasbefehl und setzt ihn in Sekundenbruchteilen um. Er klingt im Volllastbereich greller und weniger basslastig als sein Vorgänger. Gelungen ist auch die Überarbeitung des Multimedia-Moduls PCM in der Mittelkonsole: weniger, dafür größere Tasten, einfache Touchscreen-Bedienung – ganz im Sinne des Fahrers. Im Sinne seines Geldbeutels sollten auch die Ausweitung der Wartungsintervalle auf 30000 km sein und die zweijährige Technik-Garantie statt einer Gewährleistung.

Fazit: Der neue Elfer fährt sich aktiver und schärfer denn je. Die 345-PS-Maschine gibt – wie das PDK-Getriebe – ein überzeugendes Bild ab: Die Fahrleistungen sind top, die Preissteigerung gegenüber dem Vorgänger fällt mit 1904 Euro moderat aus. Und neue Komfortdetails wie die Sitzbelüftung sind jetzt auf Wunsch an Bord. Auch das gehört zum Profil dieser Porsche 911-Generation.
Holger Eckhardt

Technische Daten
Motor 
ZylinderB6 / 4
Hubraum3614
Leistung
kW/PS
1/Min

254/345
6500 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
390
4000 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe7 Gang Direktschaltung
AntriebHinterrad
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbel. Scheiben
h: innenbel. Scheiben
Bereifungv: 235/35 ZR 19
h: 295/30 ZR 19
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1415
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)4.7
Höchstgeschwindigkeit (km/h)287
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauch9.8l/100km (Super Plus)
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

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