Porsche-Neuheiten: 911 und Boxster Neue Turbo-Ära

13.07.2015
Inhalt
  1. Porsche 911 und Boxster: Künftig mit Turbo und Hybrid
  2. Porsche 911 GT2: Mit Hybrid und knapp 700 PS
  3. Porsche Boxster-Facelift mit Vierzylinder-Motoren

Neue Zeiten: Porsche setzt künftig ganz auf Turbomotoren, beim Boxster auf Vierzylinder-Triebwerke – und für die Zukunft steht ein bärenstarker 911 GT2 e-hybrid in Aussicht

Über 50 Jahre Erfolg mit einer Modellreihe sind in Zeiten immer kürzerer Modellzyklen beispiellos – und sie werden es auch bleiben. Das Triumvirat der drei Ziffern 911 ist gleichzeitig der Name der Sportwagenikone schlechthin. Und jedes Mal, wenn Porsche über ein Facelift oder gar ein neues 911er-Modell nachdenkt, gehen die Schwaben behutsam vor. Technisch und fahrdynamisch immer das Machbare auslotend, wird beim Design hingegen lieber auf Evolution statt Revolution gesetzt. Die Silhouette des Klassikers muss erhalten bleiben und auf den ersten Blick wiedererkennbar sein. Und dennoch tut sich beim 911er demnächst eine Menge. Bei den Motoren ist es sogar eine Revolution.

 

Porsche 911 und Boxster: Künftig mit Turbo und Hybrid

Erstmals in der Geschichte der Modellbaureihe werden in allen Varianten – mit Ausnahme des GT3 – nur noch Turbomotoren verbaut. Auch hier ist die Zeit der hochdrehenden Saugmotoren vorbei. Die Senkung  des Flottenverbrauchs und die damit verbundene Reduktion des CO2-Ausstoßes geben den Ingenieuren hartes Downsizing in Verbindung mit Aufladung vor.

Schon zum nächsten Facelift im Herbst 2015 halten die Turbomotoren im Heck des Porsche 911 Einzug. Der Einstiegs-Carrera wird etwa zehn bis 25 PS mehr Leistung aufweisen. Doch wichtiger ist in diesem Fall die Senkung des CO2-Ausstoßes, die etwa zehn bis 15 Prozent betragen soll. Aus voraussichtlich drei Liter Hubraum dürfte der neue  911-Turbo-Sechszylinder-Boxer je nach Applizierung als Carrera/4 bzw. Carrera S/4 zwischen 375 und 440 PS leisten.

Neues wird man auch in Sachen Connectivity von Porsche erwarten können. Hier ist der Sportwagen derzeit nicht mehr up to date. Ein neues Bedienungssystem,  teilweise  auch  mit  Touchscreen und einem wohl größeren Bildschirm, soll in den Sportwagen Einzug halten. Doch richtig rund geht es in der nächsten Generation, die voraussichtlich 2018 auf den Markt kommen wird.

Erstmals baut der 911 dann auf der neuen Konzernsportwagenplattform  auf, die sowohl für Heck- als auch für Mittelmotorautos geeignet ist und zudem von Audi, Lamborghini und weiteren Konzernmarken genutzt werden kann. Optisch wird sich der 911 voraussichtlich durch eine etwas größere Breite und eine geringere Höhe vom bisherigen Modell unterscheiden und dadurch noch kräftiger aussehen.

Der Radstand soll sich voraussichtlich kaum ändern, da viele bisherige 911er-Kunden der Meinung sind, dass mit dem jetzigen Größenwachstum Schluss sein sollte. Wahrscheinlich  sind  dafür  eine etwas flacher gestellte Scheibe sowie Scheinwerfer in noch günstigerer aerodynamischer Anordnung. Im Gegensatz zu den anderen Konzern-Designsprachen setzt Porsche aber weiterhin auf Rundungen statt auf scharfe Sicken und Kanten.

Besonders interessant dürfte die sportliche Speerspitze der neuen 911er-Baureihe werden, quasi ein Nachfolger des GT2. Doch im Gegensatz zum alten GT2, der über Turbo-Motorisierung und Heckantrieb verfügte, wird der Neue wohl als Hybrid-Allradler auf den Markt kommen. Ganz im Sinne des Porsche-Slogans „Mission: Future Sportscar“, wie er aktuell für den Le-Mans-Prototypen 919 Hybrid steht, könnte Porsche hier einen Technik-Transfer vornehmen, der zweierlei in den Fokus stellt: Performance und Effizienz.

 

Porsche 911 GT2: Mit Hybrid und knapp 700 PS

Analog zum 919 Hybrid wäre daher ein 911 GT2 Hybrid denkbar, der vorn wie hinten über eine E-Maschine sowie natürlich über einen Turboaufgeladenen Verbrenner im Heck verfügt – eine Antriebskonfiguration, wie sie im Prinzip – nur ohne Turbo – bereits im 918 Spyder existiert und perfekt funktioniert.

Einen zusätzlichen Technologie-Beitrag könnte der 919 Hybrid auch beim Thema Abgasrekuperation leisten. Hier würde beim Beschleunigen beziehungsweise bei Volllast zusätzliche Energie aus dem Abgas rekuperiert und in den Batterien gespeichert. Technisch wird dabei die überschüssige, für den Antrieb des Turboladers nicht notwendige Abgasenergie über ein gesteuertes Wastegate in eine Turbine geleitet, die ihrerseits einen Generator antreibt.

Gerade für einen Top-of-the-Line-Supersportler vom Schlag eines Porsche 911 GT2 e-Hybrid wäre dies absolute State-of-the-Art-Technik. Einen weiteren entscheidenden Beitrag dürfte der 919 Hybrid zum Thema Batterie-Technik beisteuern. Die Entwicklung schreitet hier rasant voran, und bereits in der 2015-Ausführung des 919 Hybrid operiert Porsche mit einer zum Vorjahr signifikant gesteigerten Energiedichte.

Wohin diese Entwicklung in den kommenden fünf Jahren – wir sprechen vom Jahr 2020 – führen wird, ist indes schwer abzuschätzen. Man kann aber davon ausgehen, dass die derzeit als realistisch angegebene, rein elektrische Reichweite des 918 Spyder von 18 bis 36 Kilometern dank sehr viel kleinerer, leichterer und besonders energiedichterer sowie sehr gut gekühlter Batterien um ein Mehrfaches übertroffen wird. Zwischen 100 und 200 Kilometer rein elektrische Fahrstrecke erscheinen durchaus darstellbar.

Hält man sich die derzeitige Rohkarosserie des 911 vor Augen, wird schnell klar, dass eine intelligente – weil crashsichere und im Hinblick auf Schwerpunkt und Gewichtsverteilung günstige – Unterbringung der Batterien eine vollständig neue Fahrzeugplattform erfordert. Sinnvoll und wahrscheinlich erscheint hier eine Konzeption, die eine flache Unterbringung der Batterien im Wagenboden ohne Mitteltunnel vorsieht, eingebettet in einen crashsicheren Rahmen innerhalb der Fahrgastzelle.

Spekuliert werden darf über die Konfiguration des Verbrennungsmotors. Ob hier der 919 Hybrid mit seinem Vierzylinder-V-Motor mit zwei Liter Hubraum ebenfalls Pate stehen wird, scheint vor dem Hintergrund der Sechszylinder-Boxer-Tradition beim 911 eher fraglich. Technisch spricht indes einiges für den Vierzylinder, ist er doch kleiner und leichter, was für einen Supersportler vom Schlage eines 911 GT2 e-Hybrid wünschenswert wäre. Und er bietet auch Vorteile im Hinblick auf den Wirkungsgrad.

Von geringeren Fertigungskosten ganz zu schweigen. Gegenwärtig kommt zum Thema „Vierzylinder im 911“ aus Zuffenhausen zwar ein kategorisches Nein, wobei sich dies aber auch auf reine Verbrennerkonzepte beziehen könnte. Legt man mit Blick auf das Jahr 2020 bei Turbo-Serienmotoren beherrschbare Literleistungen von bis zu 200 PS zugrunde, so wäre ein 2,5-Liter-Vierzylinder mit rund 500 PS darstellbar, der zusammen mit zwei insgesamt mehr als 250 PS leistenden E-Maschinen eine Gesamtleistung von über 750 PS realisieren könnte.

 

Porsche Boxster-Facelift mit Vierzylinder-Motoren

Hier wird letztlich weniger die Frage der technischen Darstellbarkeit, sondern vielmehr die Firmenpolitik entscheiden. Schließlich dürfte man die leistungsmäßige Abgrenzung zum Flaggschiff 918 Spyder respektieren. Der bisherige Hybrid-Supersportler wird wohl jenseits von 2020 vermutlich auch einen Nachfolger erhalten, der dann nochmals deutlich oberhalb des 911 GT2 e-Hybrid rangieren müsste.

Obwohl die technische Argumentation beim Verbrenner des Porsche 911 GT2 e-Hybrid eher für einen Vierzylinder spricht, scheint die Umsetzung mit einem tradierten, aufgeladenen Sechszylinder-Boxer genauso möglich – allerdings mit geringen Nachteilen hinsichtlich Gewicht und Effizienz.

Für beide Verbrennerkonzepte hat Porsche bereits Vorlagen in der Schublade – eben den wie eingangs beschriebenen neuen, im Spätsommer debütierenden Biturbo-Sechszylinder-Boxer, aber auch eine neue Vierzylinder-Boxer-Generation, wie sie 2016 Boxster und Cayman befeuern wird. Ausgelegt als Mono-Turbo und mit Hubräumen vermutlich zwischen 2,0 und 2,5 Litern, dürften Leistungen von gut 300 PS für die Basismodelle sowie etwa 370 PS für die S-Versionen wahrscheinlich sein.

Vermutlich liegt bei den neuen Motoren – und auch hier greift die Porsche-Traditon – ein cleveres Baukastensystem zugrunde. So könnte der neue Dreiliter-Sechszylinder-Boxer im Bereich von Kolben, Pleueln und Ventilen bequem auf den Zweiliter-Vierzylinder zurückgreifen, und ein 2,5-Liter-Vierzylinder wäre – ausgehend vom Zweiliter-Motor – recht simpel über eine Kurbelwelle mit vergrößertem Hub sowie kürzeren Pleueln darstellbar.

Wieder mit Blick auf einen möglichen 911 GT2 e-Hybrid, darf bei der Entwicklung dieser neuen Verbrennergeneration unterstellt werden, dass das Thema einer möglichen späteren Hybridisierung bereits mit berücksichtigt wurde. Durch das geringere Gewicht der Vierzylindermotoren und die weitere Verwendung von Leichtbaumaterialien bei der Karosserie erscheint bei Boxster und Cayman zudem eine Gewichtseinsparung gegenüber den bisherigen Modellen von etwa 50 Kilogramm möglich. Auch hier also – ganz dem Porsche-Anspruch folgend – eine Verbesserung von Performance und Effizienz.

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