Porsche 911 Carrera S gegen Audi R8 und BMW 650i im Test Audi R8 4.2 FSI quattro | BMW 650i Coupé | Porsche 911 Carrera S

26.12.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Laut Porsche soll der neue 911 der beste Elfer aller Zeiten sein – erster Vergleichstest gegen Audi R8 und BMW 650i

Bei jedem 911-Generationswechsel ist die Konkurrenz in Alarmbereitschaft. Das gilt auch beim neuen, intern 991 bezeichneten Modell. Wieder einmal soll alles besser sein als beim Vorgänger. Grund genug für einen ersten Vergleich mit zwei seiner schärfsten Rivalen. Audi R8 4.2 FSI quattro und BMW 650i stehen bereit, um sich dem Wettkampf mit der deutschen Sportwagen-Ikone 911 Carrera S zu stellen.

 

Karosserie

Der neue 911 bietet zehn Zentimeter mehr Radstand als sein Vorgänger. Das schafft nicht nur mehr Raum für die Beine von Fahrer und Beifahrer, sondern sorgt auch für die beste Positionierung zwischen Lenkrad, Sitz und Pedalerie, die es im Hause Porsche je gab. Selbst der neu gestaltete, im Vorfeld viel kritisierte Mitteltunnel ist kaum breiter, als es für die Schaltkulisse notwendig ist und schränkt daher die Bewegungsfreiheit im allerdings immer noch recht schmalen Porsche 911 in keiner Weise ein.

Obwohl der Audi mehr Raum in der Breite bietet, bietet er aufgrund des hoch eingebauten Sitzes nicht so viel Kopffreiheit. Auch der Beinraum wird von der geringen Sitzweiteneinstellung eingeschränkt. Hier ist der große BMW klar im Vorteil. Er bietet Fahrer und Beifahrer die üppigen Platzverhältnisse einer Limousine. Und nur bei ihm kann man die beiden hinteren Sitze auf kurzen Strecken selbst Erwachsenen zumuten. Beim Porsche, der erstaunlicherweise mehr Zuladung bietet als der BMW 650i Coupé, sind sie weiterhin nur als Notsitze oder zusätzliche Ablage nutzbar.

Das Mittelmotorprinzip des Audi R8 erlaubt überhaupt keine Sitze im Fond und sorgt zudem für eine im Vergleich deutlich eingeschränkte Übersichtlichkeit. Wie beim Platzangebot orientiert sich der BMW auch bei der Sicherheitsausstattung an der Oberklasse. Vom Head-up-Display über zahlreiche Assistenzsysteme bis hin zur aktiven Geschwindigkeitsregelanlage ist nahezu alles verfügbar. Audi und Porsche üben in etlichen Punkten Abstinenz, was zumindest beim brandneuen 911 ein wenig enttäuscht.

Auf einem einheitlich hohen Niveau liegen indes die Verarbeitung sowie die hochwertige Materialauswahl der drei Sportler.

KarosserieMax. PunktePorsche 911 Carrera SBMW 650i CoupéAudi R8 4.2 FSI quattro
Raumangebot vorn100667862
Raumangebot hinten10012250
Übersichtlichkeit70363525
Bedienung/ Funktion100858888
Kofferraumvolumen1000360
Variabilität100230
Zuladung/ Anhängelast8015137
Sicherheit1508611584
Qualität/ Verarbeitung200192192192
Kapitelbewertung1000494585458

 

Fahrkomfort

Beim Porsche definiert die neu konstruierte Vorderachse mit kompakteren, steiferen und leichteren Federbeinen den Unterschied zum Vorgänger. Das sensible Ansprechverhalten wurde nochmals verfeinert, und in Grundeinstellung sind die adaptiven Dämpfer vorn ausreichend nachgiebig. Die Hinterachse hingegen agiert auf Querfugen recht trocken, ohne jedoch die Insassen über Gebühr zu strapazieren. Etwas nervöser und unruhiger absorbiert der Audi im Normalmodus seiner Dämpfer Unebenheiten.

Der BMW 650i Coupé profitiert auch hier von seiner Nähe zu den Luxuslinern aus München. Insbesondere auf langen Strecken lernt man den sensiblen Federungskomfort der ebenfalls einstellbaren Federelemente sowie den sanften Abrollkomfort zu schätzen. Obendrein offerieren die Komfortsitze (2200 Euro) des 650i die größte Bandbreite zwischen Seitenhalt und Komfort.

Die 14-fach einstellbaren Sitze des Porsche (3618 Euro) fallen schmaler aus, und den Seriensitzen des Audi-Testwagens fehlen die vielfältigen Einstellmöglichkeiten der Rivalen. Zudem tönen die Saugermotoren von Audi und Porsche – der mit Sportabgasanlage (2606 Euro) zum Test antrat – deutlich lauter als der zurückhaltende V8-Biturbo des BMW.

FahrkomfortMax. PunktePorsche 911 Carrera SBMW 650i CoupéAudi R8 4.2 FSI quattro
Sitzkomfort vorn150139142133
Sitzkomfort hinten1005150
Ergonomie150130130130
Innengeräusche50183613
Geräuscheindruck100657255
Klimatisierung50394038
Federung leer200116147112
Federung beladen200114142112
Kapitelbewertung1000626724593

 

Motor und Getriebe

Zwar ist der Porsche nominell der Schwächste im Testtrio, was ihn aber nicht davon abhält, den Audi und den BMW eindeutig in die Schranken zu weisen. Bis Tempo 200 nimmt er dem Audi R8 gut zwei Sekunden ab, und der BMW verliert sogar mehr als drei Sekunden. Auch wenn der V8-Sauger des Audi und vor allem der Biturbo-Achtzylinder des BMW aus niedrigen Drehzahlen beherzter anziehen, räumt der Porsche mit seinem drehwilligen Boxer mit steigender Drehzahl jeden Zweifel an seinem Leistungsvermögen aus.

Als Basis dient dem neuen Carrera S der reibungsreduzierte und neben zahlreichen Optimierungen mit einem neuen Ansaugsystem ausgestattete 3,8-Liter-Boxer seines Vorgängers. Extrem feinnervig reagiert er auf jeden Gaspedalbefehl. Auch der R8 überzeugt mit unmittelbarem Gehorsam, während der Turbo-Punch des 650i nicht ganz so gut zu dosieren ist.

Extrem unterschiedlich fallen die Getriebeabstimmungen aus: Das automatisierte Schaltgetriebe des Audi R8 4.2 FSI quattro nervt mit langen und deutlich spürbaren Schaltpausen – sowohl im Automatikprogramm als auch im manuellen Modus. Sanft und fast frei von Rucken arbeitet sich die Automatik des BMW durch ihre acht Stufen. Bei Zwischensprints aus mittleren Geschwindigkeiten nutzt der Automat aber nicht die Kraft des Biturbos, sondern zwingt ihn durch unnötiges Herunterschalten in hohe Drehzahlregionen.

Das Doppelkupplungsgetriebe des Porsche arbeitet eine Idee aufmerksamer. Der extrem lang übersetzte siebte Gang ärgert zwar die sturköpfige Sportfahrerklientel, wirkt sich aber positiv auf den Spritkonsum aus – genau wie die so genannte Segelfunktion. Sobald der Fahrer den Fuß vom Gas nimmt, trennt die Kupplung Motor und Getriebe, und der Elfer rollt ohne Motorbremswirkung dahin. Die gute Aerodynamik und eine geringe Reibung in sämtlichen Lagern erleichtern das Gleiten spürbar. Kommt der Elfer zum Stehen, schaltet sich nur bei ihm dank Start-Stopp-Automatik der Motor ab. Resultat: 11,5 Liter auf 100 Kilometern sind in dieser Klasse respektabel.

Der sehr schwere BMW (1954 kg) benötigt trotz lang übersetzten achten Gangs 13,6 Liter, der Audi verbrennt mit 14,5 Litern am meisten. Klare Sache also: Der Porsche gewinnt das Motor-/Getriebekapitel nicht nur wegen seiner sportlichen Fahrleistungen, sondern vor allem wegen seines effizienteren Antriebstrangs.

Motor und GetriebeMax. PunktePorsche 911 Carrera SBMW 650i CoupéAudi R8 4.2 FSI quattro
Beschleunigung150147140143
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit15012990129
Getriebeabstufung100949184
Kraftentfaltung50434445
Laufkultur100869083
Verbrauch325163123106
Reichweite25988
Kapitelbewertung1000671586598

 

Fahrdynamik

Sicher, die neue Vorderachse des 911 mit 52 Millimetern mehr Spurbreite und der längere Radstand sorgen für mehr Platz im Innenraum – aber das ist nur eine schöne Begleiterscheinung. Viel wichtiger ist, dass sie den Porsche bei der Fahrdynamik nahezu uneinholbar macht. Kein anderer Porsche mit Heckmotor fuhr jemals so sicher und stabil geradeaus wie der neue Elfer. Einer der wichtigsten Kritikpunkte im über 40-jährigen Reifeprozess des Elfer war, dass der leichte und kurze Vorderwagen am Limit zu stark nach außen drückte. Das ist vorbei. Über die neue, nun elektro-mechanisch arbeitende Servo-Lenkung ist der Fahrer mit dem 911 derart intensiv vernetzt, dass Mensch und Maschine zu einer Einheit verschmelzen.

Jeden noch so kleinen Impuls setzt der Porsche 911 Carrera S ohne Verzögerung und mit chirurgischer Präzision um – dank neuer Federelemete und aktivem Wankausgleich PDCC (3213 Euro) ohne Seitenneigung. Das neue System trägt dazu bei, das Lastwechselreaktion bei Richtungsänderungen auf ein Minimum reduziert wurden. Schon die erste Runde auf dem Handlingparcours zeigt daher deutlich, auf was sich die Konkurrenz bei künftigen GT-Modellen der Baureihe gefasst machen muss. Bereits der 400 PS starke Carrera S erreicht die Rundenzeiten des noch aktuellen GT3 und dominiert R8 und 650i eindrucksvoll. Der Audi verlangt abgeschaltetem ESP deutlich mehr fahrerisches Talent von seinem Piloten. Er wechselt im schmaleren Grenzbereich zwischen Unter- und Übersteuern hin und her. Erstaunlich ist, dass er aus engen Kehren trotz Allradantriebs weniger mechanischen Grip aufbaut als der mit sensationeller Traktion auftrumpfende Heckantriebs-Porsche.

Und der BMW 650i Coupé? Er ist mehr komfortabler GT als Sportwagen. Fast zwei Tonnen Gewicht lassen sich auch mit adaptiven Dämpfern, aktiven Stabilisatoren und der gewöhnungsbedürftigen, weil wenig mitteilsamen Allrad-Aktiv-Lenkung nicht aufheben. Der BMW bleibt daher brav untersteuernd auf der sicheren Seite und über sieben Sekunden hinter dem Porsche zurück. Mehr als nur ein Klassenunterschied. Auch bei den Verzögerungswerten hat der Porsche die Nase vorn. Vor allem die Dosierbarkeit der aufpreispflichtigen Karbon-Keramik-Bremse (8509 Euro) ist kaum zu überbieten.

FahrdynamikMax. PunktePorsche 911 Carrera SBMW 650i CoupéAudi R8 4.2 FSI quattro
Handling15012799117
Slalom1001007986
Lenkung1001009095
Geradeauslauf50424240
Bremsdosierung30241820
Bremsweg kalt150118105115
Bremsweg warm150128104122
Traktion100655085
Fahrsicherheit150143135133
Wendekreis2014107
Kapitelbewertung1000861732820

 

Umwelt und Kosten

Zugegeben, auch die 85.700 Euro für den BMW 650i sind nicht günstig, aber im direkten Vergleich geht er beinahe als Schnäppchen durch. Vor allem Audi verlangt für seinen Aluminium-Sportler einen gewichtigen Leichtmetallaufschlag, gewährt aber die längsten Garantien. Porsche-Kunden profitieren vom guten Werterhalt nahezu aller 911er. Ein teures Vergnügen bleibt Porsche-Fahren dennoch.

Kosten/UmweltMax. PunktePorsche 911 Carrera SBMW 650i CoupéAudi R8 4.2 FSI quattro
Bewerteter Preis675415729
Wertverlust50552
Ausstattung25131415
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50192028
Werkstattkosten20131412
Steuer10875
Versicherung40201815
Kraftstoff55262220
Emissionswerte25
Kapitelbewertung1000145157126

 

Fazit

Der neue Porsche 911 gewinnt verdient. Trotz seines von vielen schon abgeschriebenen Heckmotorkonzepts düpiert der neue Elfer Audi R8 und BMW 650i dermaßen, dass sich die bayrischen Ingenieure die Augen reiben dürften. Zudem sorgt die zeitgemäße Technik für den effizientesten Umgang mit dem Kraftstoff. Genau hier verliert der große, komfortable und im Vergleich zu wenig dynamische BMW diesen Test und landet auf Platz zwei. Der kompromisslosere und nicht mehr ganz taufrische Audi R8 kann weder der Dynamik des 911, noch dem Komfort und der Größe des 650i die Stirn bieten und erreicht daher nur Platz drei.

Gesamtbewertung

Max. PunktePorsche 911 Carrera SBMW 650i CoupéAudi R8 4.2 FSI quattro
Summe5000279727842595
Platzierung123

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