Auto-Geschichte Pontiac Wild und frei

09.09.2012

Innerhalb der GM-Familie stand Pontiac für Mittelklasse, aber auch für Sportlichkeit und beeindruckende Leistung. Ein Rückblick auf GTO, Le Mans, Firebird, Fiero – und auf David Hasselhoff

Die Frühgeschichte von Pontiac beginnt mit zwei Firmen, die zuerst Kutschen und dann Autos gebaut haben: die Pontiac Spring & Wagon Works –1899 von Albert North und Harry Hamilton gegründet – und die Pontiac Buggy Company (gegründet 1893) von Edward Murphy. Beide Firmen waren in der Stadt Pontiac im County of Oakland in Michigan beheimatet. North und Hamilton brachten ihr erstes Auto 1907 unter dem Namen Pontiac heraus. Murphy gründete die Oakland Motor Car Company als Tochterfi rma und ging ebenfalls 1907 mit einem ersten Auto an den Start – unter dem Namen Oakland. Schon 1908 fusionierten die beiden Pontiac-Firmen und nannten sich fortan nur noch Oakland Motor Car Company. Trotz sportlicher Erfolge verkauften sich die Autos nur schlecht. Bereits 1909 veräußerte Murphy 50 Prozent seiner Anteile an William Durant und seine neu entstandene Firma General Motors, die nach dem Tod Murphys später im Jahr 1909 die Mehrheit an Oakland erwarb und als Marke weiterführte.

Erst 1926 taucht der Name Pontiac wieder aus der Versenkung auf. Als neue GM-Marke sollte Pontiac unterhalb der Oakland-Modelle Käufer binden. Bei der Namensgebung folgten die GM-Bosse ihrer Linie, Marken in Bezug zur US-Geschichte zu setzen. Pontiac ist nicht nur der Name einer Stadt, sondern auch der eines Indianer-Häuptlings, der sich gegen die britische Besetzung der Region an den großen Seen im Norden der heutigen USA aufgelehnt hatte und 1763 bis 1766 eine letztlich erfolglose Revolte anführte: den Pontiac-Aufstand. Seine Kühnheit und sein Freiheitsdrang gelten bis heute als helle Sternstunde in der Geschichte der Indianer Amerikas. Deshalb zierte ein Indianerkopf die frühen Logos und Kühlerfi guren der Pontiac-Wagen, die selbstbewusst von den Markenstrategen als „Chief of the Sixes“, als Häuptling unter den Sechszylindern, bezeichnet wurden.

 

MIT SECHS UND ACHT ZYLINDERN ERFOLGREICH

Was die Marktplatzierung der neuen Modelle 6-27 und später Pontiac Big Six oder Fine Six anging, hatten die GM-Bosse die Rechnung ohne die Kunden gemacht. Die griffen nämlich lieber zu den neuen Pontiac als zu den Oakland-Modellen. Das lag in erster Linie an dem gut drei Liter großen Motor mit Leistungen von anfänglich 40 bis 60 PS. Er hatte eine Spitzenqualität – und das zu einem guten Preis. 1932 wurde Oakland als Marke eingestellt. Gleichzeitig errang Pontiac den fünften Platz in der US-Zulassungsstatistik. Große Achtzylinder kamen hinzu, ersetzten gar kurzfristig die Sechszylinder. Mit Einzelradaufhängung vorn und Komfort-Ausstattungen, die die Konkurrenz entweder gar nicht oder nur in sehr teuren Autos anbot, eroberte Pontiac die Herzen und Brieftaschen der autobegeisterten Amerikaner.

Stilikonen wie der Torpedo und der Streamliner machten die Marke mit dem Indianerkopf in den 30er-Jahren zu einer Erfolgsgeschichte, an die man nach dem Krieg nahtlos anknüpfen konnte – zunächst mit dem Weiterbau der Vorkriegsmodelle und dann 1949 mit dem eleganten Chieftain.

Automatik-Getriebe hielten Einzug und die Servolenkung. Semon „Bunkie“ Knudsen, der auch später noch beim Konkurrenten Ford Karriere machen sollte, wurde 1956 General Manager von Pontiac. Die Aufgabe war, der ziemlich biederen Marke ein jugendlicheres Gesicht zu geben, denn für GM stand fest: Pontiac sollte von der Mittelklasse-Marke zu einer Sportmarke umgebaut werden. Modelle wie der 1957 vorgestellte Bonneville, der erste Le-Mans (1961) oder der Grand Prix (1962) zeigten schon im Namen, dass sie mit Leistung und Sport punkten wollten – obwohl keines dieser Modelle ein ausgemachter Sportwagen war. Es handelte sich weiterhin um Fahrzeuge der Mittel- und Oberklasse, die aber durchaus mit starken Motoren und sportlichem Design bei den Kunden überzeugen konnten.

Die 60er waren die Glanzzeit von Pontiac. 1964 trat mit dem GTO ein Fahrzeug ins Rampenlicht, das mit starkem V8 und 200 km/h Spitze brüllend seine Muskeln spielen lassen konnte – und günstiger war als viele seiner direkten Konkurrenten. Ursprünglich war der GTO nur eine Modellvariante des Pontiac Tempest gewesen, doch der große Erfolg ließ daraus eine eigene Modellreihe werden. Das zweite wichtige Modell dieser Jahre war der erste Firebird – ein Pony Car, das in Filmen und Serien immer wieder eine Rolle spielte. Grundlage des Firebird war der Chevrolet Camaro. Zum Markenzeichen des Firebird Trans Am wurde der große Feuervogel auf der Motorhaube. Der fehlte allerdings beim wahrscheinlich bekanntesten Firebird: bei K.I.T.T. von David Hasselhoff in der Serie „Knight Rider“.

Die 70er-Jahre brachten Pontiac mit der Ölkrise große Probleme. In der Folgezeit entstand zwar mit dem Fiero nochmals ein wirklich beachtlicher kleiner Sportwagen, doch der Rest waren zumeist nichts weiter als irgendwelche GM-Modelle mit Pontiac-Logo. Oder die Pontiac-Entwicklungen bekamen andere Embleme verpasst. Glorreiche Namen – etwa Le Mans – fanden sich an Adaptionen des Opel Kadett E wieder, der Daewoo Kalos mutierte zum Pontiac Wave und spülte das letzte bisschen Markenidentität fort. 2010 erlosch nach der GM-Neustrukturierung Pontiac. In Detroit, dort, wo einst der Chief Pontiac geboren wurde, endete so das Leben der Marke, die seinen Namen trug.
Text: Thorsten Elbrigmann
Bilder: Corbis (3), dpa (1), Getty Images (1), Bernd Ebener (1), Archiv (4)

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