Pirelli-Kalender 2012: Stilvolle Erotik mit Kate Moss, Milla Jovovich & Co. Zwölf Frauen und ein Italiener auf Korsika

05.08.2013

Der italienische Reifen-Profi Pirelli liefert 2012 die 39. Ausgabe seines weltberühmten Kalenders, für den Kate Moss und andere Topmodells auf Korsika posierten

Endlich ist es so weit: In New York wurde der neue Pirelli Kalender 2012 präsentiert, der auch im kommenden Jahr erotische Aufnahmen von einigen der schönsten Frauen der Welt bieten wird. Unter dem Titel swoon fotografierte Mario Sorrenti die 39. Ausgabe von "The Cal" und obwohl es sich bei Pirelli um ein italienisches Unternehmen handelt, stand damit erstmals ein Italiener hinter der Kamera, um die 25 Motive für den vielleicht berühmtesten Kalender der Welt abzulichten.

 

Pirelli-Kalender 2012: Stilvolle Erotik mit Kate Moss & Co.

Mit Kate Moss, Milla Jovovich und der schon in vier älteren Pirelli-Kalendern abgelichteten Brasilianerin Isabeli Fontana gaben sich auch 2012 einige der berühmtesten Top Models der Welt die Klinke in die Hand. Auch Natasha Poly, Lara Stone, Guinevere Van Seenus sowie die Polin Malgosia waren bereits in früheren Ausgaben von "The Cal" zu sehen, Neuland betraten lediglich die Schauspielerinnen Margareth Madé und Rinko Kikuchi sowie die Models Saskia de Brauw, Joan Small und Edita Vilkeviciute.

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Als Kulisse für den komplett von ihm gestalteten Kalender wählte der italienische Star-Fotograf Mario Sorrenti die raue Landschaft Korsikas. Auf der Mittelmeer-Insel entstanden insgesamt 25 Bilder, von denen 18 schwarz-weiß und 7 farbig sind. Alle 35.000 Exemplare des Kalenders sind in eine aus Leinen gearbeitete Zeichenmappe eingebunden.
Benny Hiltscher

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Fotograf Mario Sorrenti im ausführlichen Interview mit Glenn O'Brien

Glenn O’Brien: Hast Du je einen Pirelli Kalender gesehen, bevor Du die Ausgabe 2012 gemacht hast?
Mario Sorrenti: In den letzten Jahren habe ich mir ein paar Bücher über den Kalender gekauft. Sie haben mir sehr gefallen, und ich habe sie als Bezugspunkt benutzt. Einen der Kalender selbst habe ich noch nie gesehen. Aber ich glaube auch nicht, dass viele Menschen alle Kalender gesehen haben.

Glenn O’Brien: Jeder Kalender wird nur in einer sehr limitierten Auflage veröffentlicht. Ich gebe zu, es hat mich etwas überrascht, dass dieser legendäre Kalender, der von einem großen italienischen Unternehmen herausgebracht wird, erst jetzt erstmals von einem italienischen Fotografen gemacht worden ist.
Mario Sorrenti: Ja, mich auch.

Glenn O’Brien: Und jetzt fragen alle: „Warum hast Du ihn nicht in Italien gemacht? Warum hast Du Korsika gewählt?“
Mario Sorrenti: Korsika, das ist ja fast schon Italien. Jedenfalls ganz in der Nähe. Und am Mittelmeer.

Glenn O’Brien: Kanntest Du Korsika schon?
Mario Sorrenti: Ich war noch nie zuvor dort. Wir sind viel herumgereist und haben lange nach dem richtigen Ort gesucht. Dann genügten ein paar Fotos und wir haben beschlossen hinzufahren. Eine eindrucksvolle Insel. Ich werde dorthin zurückkehren.

Glenn O’Brien: In Wikipedia steht unter anderem über Dich: „Mario Sorrenti, berühmt vor allem für seine Nacktaufnahmen.“
Mario Sorrenti: Ach, ja, stimmt!

Glenn O’Brien: Wie kommt es, dass Du für Nacktaufnahmen berühmt bist? Man sieht nicht viele davon in der Modebranche.
Mario Sorrenti: Für mich ist es ganz natürlich, weil es etwas ist, was ich wirklich gerne mache. Ich habe nie darüber nachgedacht. Ich habe nie Dinge gedacht wie: „Wie alt bist Du? Kannst Du es dir erlauben, Dich auszuziehen?“ Es ist mir nie durch den Kopf gegangen. Und ich wollte Menschen immer so ablichten, dass man der Person näher kommt, um Wahrhaftigkeit und Reinheit zu finden. Ich denke, es ist wohl alles darauf zurückzuführen, dass mein Vater Maler war und immer nackte Frauen malte. Ich bin damit aufgewachsen. Und dachte, es sei die beste Art, meine Fotografie zu einer Kunst zu machen.

Glenn O’Brien: Und Du hast dich nie geniert?
Mario Sorrenti: Nein, ich hatte nie Probleme damit. Weder psychologisch noch körperlich. Es war mir nie peinlich, nackt zu sein. Als ich als Model gearbeitet habe, kam es oft vor, dass ich von anderen Fotografen nackt fotografiert wurde. In dieser Zeit war dies für mich die Ausdrucksform, die der Kunst am nächsten kam. Und damit war es für mich das höchste Ziel, das ich mir intellektuell in dieser Zeit setzen konnte. Die Fotografie war für mich nie eine Kunst der gedanklichen Vorstellungen oder das Ergebnis einer begrifflichen Verarbeitung. Eine Nacktaufnahme brachte mich der Kunstfotografie am nächsten. Deshalb habe ich sie gemacht.

Glenn O’Brien: War es einfach für Dich, deinen Models die Befangenheit zu nehmen, wenn Du eine Nacktaufnahme produziert hast? Sicher sind nicht alle Models gleich, aber...
Mario Sorrenti: Am Anfang dachte ich, es sei leicht, weil ich selbst als Model gearbeitet habe. Ich glaubte zu wissen, wie man sich fühlt, wenn man vor einer Fotokamera steht. Und viele meiner Models waren Freundinnen oder Freunde, die ich kennengelernt habe, als ich selbst noch Model war. Ich war davon überzeugt, dass sich Hemmungen einfach nicht einstellen würden, weil wir uns schon kannten und uns gut verstanden. Aber es ist nie einfach, sich vor anderen vollkommen zu enthüllen. Doch ich war immer schon einer von den Fotografen, die ihre Arbeit gerne mit anderen teilen und die gerne zeigen, was sie machen. Vor allem den Models präsentiere ich meine aktuellen Produktionen wirklich gern. Ich möchte, dass sie meine Arbeit verstehen, sie schätzen lernen. Und ich möchte, dass sie auch künftig mit mir zusammenarbeiten, gerade weil es ihnen mit mir gefallen hat.

Glenn O’Brien: Ist es Dir gelungen, genau das zu tun, was Du Dir vorgestellt hast?
Mario Sorrenti: Sicher. Ja.

Glenn O’Brien: Du hast also auch die Mädchen gewählt?
Mario Sorrenti: Klar. Das ist alles mein Werk. Aber natürlich mit einigen Einschränkungen, weil einige Models schon andere Termine hatten, oder wegen solcher Dinge, die außer deiner Kontrolle liegen. Aber doch, im Endeffekt habe ich habe alles selbst entschieden. Ich habe mit einer Casting-Agentin zusammengearbeitet. Das heißt, wir haben unsere Vorstellungen von den Mädchen abgesprochen. Sie sagte mir: „Einige dieser Mädchen haben bereits für frühere Ausgaben des Kalenders gearbeitet.“ Und ich habe geantwortet: „Das macht nichts. Diese Mädchen gefallen mir, ich möchte sie für den Kalender fotografieren. Ich kenne diese Mädchen seit zehn, wenn nicht sogar schon seit fast zwanzig Jahren. Ich möchte sie, weil sie mich in gewisser Hinsicht wirklich repräsentieren.“ Dann habe ich noch einige neue Mädchen gewählt, um etwas Neues und Frisches hineinzubringen.“

Glenn O’Brien: Ich glaube, dass es wirklich eine besonders gute Idee von Dir war, eine Mischung von Mädchen verschiedenen Alters zu wählen, wie Milla und Kate, und daneben die jüngeren Mädchen. Eine gelungene Mischung, wirklich.
Mario Sorrenti: Ich wollte, dass man an der ganzen Arbeit sieht, dass wir uns alle gut kennen. Ich dachte, je mehr sich dieses Gefühl von Vertrautheit ausbreitet, desto mehr würde sich die Arbeit der Wahrheit annähern.

Glenn O’Brien: Wie viele Leute bleiben am Aufnahmeort, wenn Du die Nacktfotos machst. So wenige wie möglich?
Mario Sorrenti: Eigentlich nur der Assistent und ich. Die anderen halte ich fern vom Set. Ich stelle ein ganz einfaches Programm für den Tagesablauf und die Fotos zusammen. Gewöhnlich war ich die ersten zwei oder drei Stunden alleine mit dem Model. Ich fotografierte und versuchte, sie näher kennenzulernen. Danach kamen all diejenigen, die im Allgemeinen hinter den Kulissen arbeiten. Ich wollte nicht, dass die Mädchen abgelenkt werden. Viele von ihnen wollten nicht einmal für das Backstage-Video nackt aufgenommen werden. Wir haben also beschlossen, einige passende Kleidungsstücke auszuwählen, und haben die Kameraleute ihre Arbeit machen lassen. Aber da hatte ich bereits das erreicht, was ich wollte, und zwar ein besonders inniges Verhältnis. Das Schöne daran ist, dass ich eine so innige Beziehung hergestellt habe, wie es mir seit langem in meiner Arbeit als Fotograf nicht mehr gelungen ist.

Glenn O’Brien: Man hat auch wirklich diesen Eindruck. Deine Arbeit erinnert mich an Fotos aus den vierziger Jahren, auf denen nur der Fotograf, das Model und die Natur zu sehen waren. Fast wie bei Weston*.
Mario Sorrenti: Genau. Fotografisch betrachtet wollte ich genau das erreichen. Als ob ich sagte: „Ich möchte zur Fotografie zurückkehren. Ich möchte zu Edward Weston und Bill Brandt (berühmte Fotografen des frühen zwanzigsten Jahrhunderts, Anm. d. Red.) zurückkehren und mich bloß auf die Fotografie konzentrieren. Es war wirklich schön. Denn mit der Zeit bin ich immun geworden gegen die Anwesenheit anderer. Wenn ich arbeite, können zwanzig oder mehr Personen hinter mir sein und ich bemerke es nicht. Ich glaube, dass es dem Model mitunter genauso geht. Es scheint, als bemerke sie die Personen, die um sie herum sind. Und dabei sieht sie in Wirklichkeit niemanden. Als ich anfing, Fotos zu machen, schickte ich alle vom Aufnahmeort weg. Denn ich wurde von denen, die dabei waren, stark beeinflusst. Aber jetzt merke ich überhaupt nicht mehr, wenn jemand anwesend ist. Deshalb war es wirklich schön, plötzlich wieder einen Schritt zurückzugehen, wirklich ganz toll. Ich habe gedacht, wie viel schöner es doch ist, wenn nur Du und dein Model da sind. Vollkommene Vertrautheit, nichts und niemand stört das gegenseitige Verständnis, dieses Geben und Nehmen. Denn einen solchen Prozess, eine solche Erfahrung, muss man teilen.

Glenn O’Brien: Ich glaube, dass sich viele nicht bewusst sind, was es heißt, ein großes Model zu sein. Sie ist kein Gegenstand, sie posiert nicht, als sei sie eine Frucht auf dem Tisch. Da steckt eine Menge Arbeit, Konzentration und Reaktion dahinter.
Mario Sorrenti: Und viele Gefühle zwischen dem Fotografen und dem Model. Die besten Models sind die, die sich in dieser Gefühlssituation zurechtfinden und diese Gefühle Tag für Tag erwidern. Wenn man von jemandem ein Foto macht, kommuniziert man mit ihm, aber ohne Worte. Man fängt an, ihn nachzuahmen. Und er ahmt dich nach, sieht dir in die Augen. Plötzlich fängt man an, zu kommunizieren. Keiner weiß, wie es dazu gekommen ist. Wie eine Osmose oder etwas Übersinnliches. Die besten Models sind diejenigen, die eben das geschehen lassen. Und so kommen die absolut besten Arbeiten zustande.

Glenn O’Brien: Wann hast Du am Aufnahmeort entschieden, ob du Farb- oder Schwarzweißfotos machst? Warum vermittelt Schwarzweiß eine leicht dramatische Wirkung?
Mario Sorrenti: Es ist seltsam, aber auch interessant. In meiner Arbeit neige ich stark zu der Einstellung, dass sich alles ähneln muss. Alles muss eine gemeinsame und konstante Sprache sprechen. Als ich diese Fotos gemacht habe, bei denen natürlich eine einheitliche Sprache vorherrscht, wollte ich nicht dieselben Einstellungen und dieselben Schnitte. Ich wollte keine Reihe von Schwarzweißfotos, die sich alle gleichen. Ich wollte keinen besonderen Stil hineinzwängen. Ich wollte, dass jedes Foto lebendig wird und eigenständig existiert.

Glenn O’Brien: Meiner Meinung nach hat der Kalender ein wunderbares Format. Was sagst Du dazu?
Mario Sorrenti: Ich glaube, dass gerade das Format und die Art, in der er gestaltet ist, an diesem Kalender besonders interessant ist. Karl Lagerfeld hat im vergangenen Jahr ein ganz eigenes Format des Kalenders geschaffen. Das hat die Erfahrung des Pirelli- Kalender bereichert. Ich wollte diese Tendenz weiterführen und ausbauen.

Glenn O’Brien: Meiner Ansicht nach ist sein Kalender eines seiner besten fotografischen Werke. Vielleicht auch, weil ich eine Vorliebe für die griechische Mythologie habe.
Mario Sorrenti: Seltsam, ich kenne Karl als Fotografen nicht gut. Ich habe einige Fotos von ihm gesehen, die er bei sich zu Hause aufgehängt hat, und ich habe gesagt: „Toll, wirklich schön! Hast Du es gemacht?“ Und er hat geantwortet: „Ja, ja, das habe ich gemacht.“ Ich fand, dass sein Werk wirklich eine überraschende Wirkung hat. Deshalb habe ich mich darauf konzentriert, dass auch meine Arbeit diese Wirkung erzielen sollte, zumindest für mich.

Glenn O’Brien: Das Design ist großartig. War es Deine Idee, den Kalender so zu gestalten, dass man entscheiden kann, welches Bild man mit einem Monat kombinieren will?
Mario Sorrenti: Am Anfang wollte ich nur zwölf Fotos. Und es interessierte mich nicht, welches Mädchen für die einzelnen Monate abgebildet wird. Dann haben wir uns gefragt: „Wie können wir einen Gegenstand schaffen, der zugleich auch ein Portfolio ist?“ Schließlich kam der künstlerische Leiter auf die Lösung des interaktiven Kalenders.

Glenn O’Brien: Das matte Schwarz verleiht dem Ganzen eine klassische Wirkung und hebt die Bilder gut hervor.
Mario Sorrenti: Ja, sehr klassisch. Es spricht für die Fotos und die Fotos sprechen für sich.

(Interview-Quelle: Pirelli)

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