Piëchs Autos - Porsche 917, Audi Quattro, Bugatti Veyron, VW 1-Liter-Auto Piëchs Autos - Visionen eines Ingenieurs

26.04.2007

Von Ferdinand Piëch heißt es, er habe Benzin im Blut. Kaum ein Automanager hat die Gelegenheit gehabt, solche extremen Autos zu konstruieren und den Mut, diese auch umzusetzen

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Ein Beispiel ist der Leichtbau-Rennwagen Porsche 917, dessen Zwölfzylinder-Boxer vom Reißbrett weg 25 Mal für die Homologationswagen gebaut wurde. Ohne den Motor erst einmal im Versuch zu testen. Sowohl mit dem Fünfzylinder-Diesel für Mercedes 1972 als auch mit dem Fünfzylinder-Benziner 1976 bei Audi betrat der gebürtige Wiener Neuland, denn Pkw-Motoren wurden bisher nicht mit dieser krummen Zylinderzahl gebaut. Der Motor ist ein Kompromiss - billiger als ein Sechszylinder, aber laufruhiger als ein Vierzylinder. Kompromisse sind dem obersten VW-Aufsichtsrat sonst eher fremd. Das belegen zwei Extreme: Das Einliter-Auto, mit dem Piëch im April 2002 zur VW-Hauptversammlung nach Hamburg fährt und der 1001 PS starke Bugatti Veyron.

In seiner Zeit bei Audi, zuletzt als Chef der Marke von 1988 bis 1993, nahm Audi den Weg ins automobile Oberhaus. Der Allradantrieb quattro 1980, die Vollverzinkung Mitte der Achtziger und das ersten Großserienauto aus Alu (A8, 1994) waren die technischen Meilensteine für das heutige Image der Marke.

Nach seinem Amtsantritt als Volkswagen-Chef galt auch für VW das Ziel, den noblen Marken etwas entgegen zu setzen. Ergebnis der Luxusstrategie sind der Bau des Phaeton in der Gläsernen Manufaktur in Dresden und der Kauf der Marken Bugatti, Bentley und Lamborghini.

Auch wenn es extrem ist, der Porsche 917 vor fast vierzig Jahren und das Einliter-Auto von 2002 haben Gemeinsamkeiten. Beide Piëch-Schöpfungen sind extrem leicht und beide sind gnadenlos auf ihre Funktion hin optimiert. Während der 917 alle anderen Rennwagen in Grund und Boden fahren konnte, fehlt beim Einliter-VW alles, was den Verbrauch steigern könnte. Auf seiner 237 Kilometer langen Verbrauchs- und Abschiedsfahrt von Wolfsburg bis Hamburg verzichtet Piëch laut seiner Autobiografie auf das Einschalten der vorhandenen Heizung, um das ehrgeizige Verbrauchsziel zu erreichen. Weniger als einen Liter Diesel auf 100 Kilometer soll der Einzylinder verbrennen. Zum Schluss werden es 0,89 Liter sein. Bei der anschließenden Hauptversammlung wird Piëch von Bernd Pischetsrieder abgelöst und an die Spitze des Aufsichtsrats gewählt. Fünf Jahre später ist Pischetsrieder weg und Piëch wiedergewählt.

Der Porsche-Enkel ist kurz nach seinem 70. Geburtstag auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Nach dem offiziellen Eintritt in den Ruhestand 2002, als er den Posten als VW-Chef abgab und an die Spitze des Aufsichtsrates wechselte, hat der brillante Techniker und Taktiker noch einmal Vollgas gegeben: Statt, wie angekündigt, mit der Familie um die Welt zu segeln, stapelt der Österreicher, Enkel des Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche, lieber neue automobile Großbausteine. In Wolfsburg behielt er viele Fäden in der Hand, eine weitere Amtszeit als Aufsichtsratschef ist gesichert. Als Großaktionär von Porsche nimmt Piëch inzwischen zusätzlichen Einfluss, nachdem Porsche seinen VW-Anteil auf 30,9 Prozent erhöht hat. Und nebenbei schmiedet er eine Lkw-Allianz mit MAN (29,9 Prozent VW-Anteil), Scania und der Lastfahrzeugsparte von Volkswagen. (AZ/ao)

AUTO ZEITUNG

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