Peugeot RCZ im Vergleichstest mit Audi TT und VW Scirocco Peugeot RCZ, Audi TT und VW Scirocco

10.05.2010
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Peugeot präsentiert den RCZ und bläst frischen Wind und einen Hauch Rennsport-Atmosphäre in die Klasse der kompakten Coupés

Ein eigener Sieg beim 24h-Rennen von Le Mans – wie lange hatten die Franzosen darauf warten müssen? Jahr für Jahr besetzten ausländische Teams um Audi, Porsche und BMW das Podium am heimischen Circuit des 24 Heures du Mans. Doch am 14. Juni 2009 war es so weit. Nach 16 Jahren erkämpfte sich endlich wieder ein Peugeot den ersten Platz beim wohl bekanntesten Autorennen der Welt – wohlgemerkt mit einem Dieselmotor.

Mit dem Sieg von Gené, Brabham und Wurz scheint die französische Marke ein neues Selbstbewusstsein erlangt zu haben. Das neueste Modell aus dem Löwenstall – der RCZ – darf sich mit einer überzeugenden Optik jedenfalls völlig ungeniert zu etablierten Größen aus dem Hause VW und Audi gesellen. Ganz so extrem wie der Rennwagen 908 HDi FAP kommt der RCZ nicht daher, doch schon auf den ersten Blick macht das nur 1,36 Meter flache Coupé eine sehr gute Figur – selbst neben VW Scirocco und Audi TT.

 

Karosserie

Flach kauert er über dem Asphalt, präsentiert seine muskulös ausgestellten Radhäuser, wie ein Raubtier zum Sprung bereit. Keine Frage – der Peugeot RCZ macht Lust aufs Fahren. Und die Verarbeitungsqualität kann sich sehen lassen. Zwar basiert das neue Coupé auf dem Peugeot 308, doch sind Karosserie und Innenraum deutlich besser verarbeitet. Das mag an der Fertigungsstätte liegen, denn das Coupé wird bei Magna Steyr in Österreich gebaut.

An die ausgereifte Verarbeitungsqualität eines VW Scirocco oder gar Audi TT kommt er trotzdem nicht ganz heran. Beim Sitzkomfort hingegen schon. Peugeot hat die weichen Sitzwangen des 308 abgeschafft und dem RCZ Sportsitze mit ordentlich Seitenhalt spendiert. Trotz der extrem flachen Dachlinie haben hier zwei Leute ebenso viel Platz wie in Audi und VW.

Der Scirocco glänzt sogar mit vier richtigen Sitzplätzen, obwohl es für zwei Mitfahrer in der hinteren Reihe schon sehr eng wird. In Audi und Peugeot möchte man gar nicht erst die Notbank besetzen – das Entern für Menschen über 1,70 Meter ist dank fehlender Kopf- und Beinfreiheit schier aussichtslos.

Dafür gestaltet sich im Peugeot die Übersicht nach hinten überraschend gut. Blickt man beim Scirocco in einen dunklen Fond mit kleinen Schießscharten (Rückfahrkamera: 1030 Euro), eröffnet sich im RCZ ein regelrechtes Panorama. Selbst der tote Winkel kann durch die doppelt gewölbte Heckscheibe eingesehen werden.

Und wer beim Rückwärts-Einparken auf Nummer sicher gehen will, kann per Knopfdruck in der Mittelkonsole den kleinen Spoiler im Heck ausfahren und ihn als Orientierung nutzen. Das funktioniert im Audi durch die breite Dachsäule und das schmalere Fenster nicht ganz so gut. Beim Beladen glänzen TT und RCZ mit Riesen-Hauben – die Luke des Scirocco wirkt da eher kümmerlich.

KarosserieMax. PunkteVW Scirocco 2.0 TDI DSGAudi TT 2.0 TDI quattroPeugeot RCZ 2.0 HDi FAP
Raumangebot vorn100636363
Raumangebot hinten1004556
Übersichtlichkeit70303540
Bedienung/ Funktion100898985
Kofferraumvolumen10022520
Variabilität100152020
Zuladung/ Anhängelast80171419
Sicherheit150949486
Qualität/ Verarbeitung200180185165
Kapitelbewertung1000555510504

 

Fahrkomfort

Egal ob in Audi, Peugeot oder VW – schon auf den ersten Metern fragt man sich, ob der Diesel-Schriftzug am Heck nicht versehentlich angebracht worden ist. Denn hier erinnert nichts mehr an die rau nagelnden Selbstzünder vergangener Tage. Selbst bei höherem Tempo  herrscht Ruhe im Cockpit. Nur der Scirocco versucht, mit kehlig-tiefem Ansauggeräusch einen potenten Benziner zu imitieren.

So haben wir noch keinen Diesel gehört. Auf kurvigen Landstraßen macht der Sound richtig Laune – komfortbewusste Fahrer könnten sich auf langen Strecken aber an der ständigen Präsenz des Motors stören.

Die dezenten Tonlagen der Kontrahenten sind da nicht ganz so sportlich, dafür aber deutlich schonender. Am ruhigsten ist es im Peugeot. Ohnehin punktet derFranzose auf langen Strecken mit ausgeprägter Laufruhe und Spurstabilität. Dafür dürfte vor allem der lange Radstand von 2,60 Metern verantwortlich sein. Nur kurz aufeinanderfolgende Querfugen verarbeitet der RCZ am schlechtesten.

Ansonsten ist er kaum aus der Ruhe zu bringen. Die Achsen des TT stehen ganze 13 Zentimeter dichter zusammen. Klar, dass der Audi im Vergleich kein gelassener Gleiter ist. Trotzdem schluckt sein Fahrwerk jede noch so grobe Unebenheit und schont die Insassen – vorausgesetzt, der Sportmodus des adaptiven Fahrwerks (1230 Euro) ist deaktiviert. Bei VW kostet das variable Dämpfersystem 945 Euro und beinhaltet zusätzlich eine Komfort-Stellung. Die lässt selbst harte Impulse der großen 18-Zoll-Räder nicht in den Innenraum durch.

FahrkomfortMax. PunkteVW Scirocco 2.0 TDI DSGAudi TT 2.0 TDI quattroPeugeot RCZ 2.0 HDi FAP
Sitzkomfort vorn150125125120
Sitzkomfort hinten1005255
Ergonomie150132125120
Innengeräusche50222330
Geräuscheindruck100718080
Klimatisierung50353535
Federung leer200140135125
Federung beladen200140135125
Kapitelbewertung1000717663640

 

Motor und Getriebe

Was die Eckdaten der drei Coupés angeht, herrscht Gleichstand – das kleine Leistungsdefizit des Peugeot fällt da nicht ins Gewicht. Die Zweiliter-Turbodiesel haben es mit je gut 1,4 Tonnen zu tun. Zur Erinnerung: Die 170 PS starken Motoren von Audi und VW beflügeln sonst auch gut 400 Kilogramm schwerere SUV wie Tiguan und Q5.

Mit den kleinen Coupés haben sie ein leichtes Spiel. Wer es darauf anlegt, kann die drei Sportler zügig bis auf 220 km/h treiben. Dabei hängen die Selbstzünder gierig am Gas, reagieren auf kleinste Bewegungen im rechten Fuß. Wer vermisst da noch einen Benziner? Niemand! Vor allem nicht im Peugeot, denn der Motor ist ein Gedicht.

Lassen sich Audi und VW bei niedrigen Drehzahlen etwas Zeit, um dann plötzlich gewaltig loszumarschieren, wirkt das Aggregat im RCZ deutlich harmonischer. Der Franzose schiebt über das gesamte Drehzahlband gleichmäßig an, ohne bei höheren Drehzahlen laut zu werden. Der Schub wirkt deutlich sanfter als bei der deutschen Konkurrenz, obwohl der RCZ kaum langsamer ist. Sparfüchse und Schaltfaule können mit ihm jedenfalls problemlos niedertourig durch Stadt und Land rollen.

Doch auch ohne diese Maßnahmen zeigt der RCZ den kleinsten Durst. Auf unserer Verbrauchsrunde begnügt er sich mit nur 6,0 Liter pro 100 km. Mit dem 60-Liter-Tank im Heck könnte man so also 1000 Kilometer ohne einen Tankstopp fahren. Alle Achtung! Doch natürlich gehen auch die Verbrauchswerte von Audi (6,6 Liter) und VW (6,8 Liter) absolut in Ordnung.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Scirocco 2.0 TDI DSGAudi TT 2.0 TDI quattroPeugeot RCZ 2.0 HDi FAP
Beschleunigung150122118116
Elastizität100000
Höchstgeschwindigkeit150687272
Getriebeabstufung100908582
Kraftentfaltung50383940
Laufkultur100656869
Verbrauch325253256268
Reichweite25151820
Kapitelbewertung1000651656667

 

Fahrdynamik

Zugegeben – der Vergleich ist an dieser Stelle ein wenig unfair. Denn während VW Scirocco und Peugeot RCZ ihre Kraft ausschließlich auf die Vorderräder übertragen, darf der Audi TT Facelift auf der AMI Leipzig 2010 zusätzlich seine Hinterräder nutzen. Dank ausgereifter quattro-Technik funktioniert das blitzschnell und absolut perfekt. Kein Wunder also, dass der TT den anderen beiden in Handling und Slalom sprichwörtlich um die Ohren fährt. Selbst aus engsten Kurven zieht sich der Allradler willig heraus.

Da sind die Vorderräder des VW Scirocco schon mal mit dem plötzlichen Leistungseinsatz des Motors überfordert. Auch wegen seines kurzen Radstands ist der Ingolstädter im Slalom ganze zwei km/h schneller.

Für Fronttriebler schlagen sich RCZ und Scirocco aber nicht schlecht. Durch die breitere Spur und die sehr flache Sitzposition mutiert jeder Fahrer im Peugeot zum Kurvenjäger. Bewegungen am Lenkrad setzt der Franzose sofort und ohne Wanken um. Das Fahrverhalten giert förmlich nach Richtungswechseln. Allerdings lässt die Lenkung im Vergleich zum Scirocco etwas an Rückmeldung vermissen. Vor allem der Sportmodus des adaptiven Fahrwerks macht seinem Namen alle Ehre.

FahrdynamikMax. PunkteVW Scirocco 2.0 TDI DSGAudi TT 2.0 TDI quattroPeugeot RCZ 2.0 HDi FAP
Handling150818679
Slalom100718172
Lenkung100828279
Geradeauslauf50403940
Bremsdosierung30202219
Bremsweg kalt150829081
Bremsweg warm150979999
Traktion100448646
Fahrsicherheit150128138130
Wendekreis20151511
Kapitelbewertung1000660738656

 

Umwelt und Kosten

Mit den kompakten Diesel-Coupés entsteht ein interessanter Markt. Nirgendwo anders lassen sich Fahrspaß und Umweltverträglichkeit besser kombinieren als hier. Peugeot RCZ, Audi TT und VW Scirocco liefern Fahrleistungen auf sportlichem Niveau und Verbräuche um sechs Liter. Bei den Kosten täuscht der erste Eindruck.

Denn der VW Scirocco ist nur in der Basisausstattung günstiger als der Peugeot RCZ. Schon mit der von der AUTO ZEITUNG definierten Normausstattung wendet sich das Blatt gegen den Wolfsburger. Für den Einstiegspreis ist nicht einmal ein CD-Radio an Bord. So lässt sich Volkswagen jede zusätzliche Ausstattung extra bezahlen. Der Peugeot hat hingegen schon vieles an Bord und kann zusätzlich mit einigen Ausstattungspaketen bestückt werden.

Dass der TT in diesem Kapitel die wenigsten Punkte holt, ist keine Überraschung. Er ist mit Abstand der Teuerste in unserem Vergleich und kann auch mit unzähligen Extras veredelt werden. Nach dem für Herbst angekündigten Facelift dürfte sich der Abstand des TT zu RCZ und Scirocco sogar noch vergrößern.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Scirocco 2.0 TDI DSGAudi TT 2.0 TDI quattroPeugeot RCZ 2.0 HDi FAP
Bewerteter Preis675195161193
Wertverlust50212017
Ausstattung25141920
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50282828
Werkstattkosten20171615
Steuer10777
Versicherung40262829
Kraftstoff55191921
Emissionswerte25858384
Kapitelbewertung1000412381414

 

Fazit

Schon der erste Fahrbericht hat gezeigt, dass der Peugeot RCZ viel verspricht. Dass er nach einem umfangreichen Test mit den Kontrahenten von VW und Audi fast auf Augenhöhe steht, hätte wohl niemand gedacht. Im Vergleich zeigt er sich nicht nur sehr sparsam, sondern er überzeugt vor allem durch ein harmonisches Gesamtbild. Der TT läuft ihm in Sachen Fahrdynamik den Rang ab, und der Scirocco punktet mit deutlich mehr Platz.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Scirocco 2.0 TDI DSGAudi TT 2.0 TDI quattroPeugeot RCZ 2.0 HDi FAP
Summe5000299529482881
Platzierung123

Tags:
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