Peugeot 508 SW im Vergleichstest Mittelklasse-Kombis

12.09.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Der neue Peugeot 508 SW im ersten Vergleichstest. Gegen VW Passat Variant und Mazda 6 muss der Löwe zeigen, ob er zubeißen kann

MITTELKLASSE-KOMBIS IM TEST
Mit dem Peugeot 508 SW wollen die Franzosen dem frisch überarbeiteten VW Passat Marktanteile nehmen und setzen dabei auf eine ureigene französische Automobil-Tugend: eigenständiges Design, das sich abhebt von der Masse und bei jeder Fahrt Spaß machen soll. Doch was Design und Formensprache angeht, haben die kühlen Niedersachsen in Wolfsburg aufgeholt. Selten waren Volkswagen so edel in der Anmutung wie heute. Der runderneuerte Passat zeigt das auf jedem Millimeter. Mazdas Mittelklasse-Allzweckwaffe 6 hat ihr Facelift schon vor einem guten Jahr bekommen. Alt sieht der 6er deshalb aber nicht aus.

 

Karosserie

Das Design des Peugeot 508 SW geht sehr zu Lasten der Übersichtlichkeit. Insbesondere die B- und die D-Säule sind einfach zu massiv. So werden die optionalen Parksensoren zum unerlässlichen Hilfsmittel. Viel besser sind hier VW und Mazda. Große Fensterflächen und eine sehr gute Rundumsicht geben ein Gefühl der Sicherheit. Und für den VW kann man sogar noch eine Rückfahrkamera hinzukaufen. Dafür verspricht Peugeot für den SW ab Ausstattungsvariante Active mit dem Panorama-Sonnendach ein Fahrvergnügen der besonderen Art. Es hellt den Innenraum auf, was vor allem hinten sitzende Passagiere erfreut, die trotzdem noch viel Kopffreiheit haben.

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Vorn hätte ein großgewachsener Fahrer aber lieber ein paar Zentimeter mehr Platz zum Dachhimmel. So fühlt man sich im Peugeot trotz des innovativen Glasdachs eingeengt. Am freiesten ist das Raumgefühl im Mazda – egal wie groß man ist, egal auf welchem Platz man reist. Im Gepäckabteil setzt der VW die Maßstäbe: eine große Klappe, gute Beladbarkeit, üppiges Ladevolumen, höchste effektive Zuladung. Der Peugeot erschwert die Beladung durch seine vielen Rundungen. Der Mazda ist praktischer, bietet aber bei aufgestellter Rückbank weniger Stauraum.

Die Qualitätsanmutung ist im VW am wertigsten. Der Peugeot folgt hier dicht auf. Etwas weniger Liebe zum Detail zeigt der Innenraum des Mazda 6 – eine Modellpflege würde ihm nicht schaden.

Doch das ist nicht so entscheidend wie die Sicherheitsausstattung der drei Familienkombis. Hier kann der VW Passat ordentlich punkten, denn neben den Standards wie ESP oder Airbags bietet er als einziger integrierte Kindersitze (480 Euro), Rückfahrkamera (930 Euro), Spurassistent (535 Euro) und Abstandsradar mit Bremseingriff (1195 Euro). Peugeot und Mazda müssen da passen.

KarosserieMax. PunkteVW Passat Variant 1.8 TSIMazda 6 Kombi 2.0 DISIPeugeot 508 SW 155 THP
Raumangebot vorn100798079
Raumangebot hinten100767676
Übersichtlichkeit70323230
Bedienung/ Funktion100838178
Kofferraumvolumen100655658
Variabilität100484545
Zuladung/ Anhängelast80414040
Sicherheit1501038891
Qualität/ Verarbeitung200180174177
Kapitelbewertung1000707672674

 

Fahrkomfort

Die Sitze des Mazda sind die unbequemsten im Test. Hier haben Passat-Fahrer die besten Karten. Wer im Peugeot reist, fühlt sich ebenfalls gut untergebracht.

Insgesamt hat der VW Passat beim Fahrkomfort deutlich die Nase vorn. Das liegt nicht nur an den Sitzen, sondern auch an der Ergonomie und der Bedienlogik. Die Mittelarmlehne ist in der Höhe einstellbar, es gibt viele und gut nutzbare Ablagen. Selbst für große Wasserflaschen finden sich eigens gestaltete Aufbewahrungsfächer in den Türen. Im Peugeot muss man sie mit etwas Druck liegend in die Türtaschen quetschen. Beim Mazda bleibt nur der Beifahrerfußraum, doch hat er genügend andere Ablagen – der Peugeot nicht.

Der logischen Bedienbarkeit bei VW und Mazda steht ein verspieltes Cockpit mit vielen Knöpfen im Peugeot gegenüber. Besonders der Startknopf ganz links außen nervt. Mazda hält die Bedienung ganz simpel, und VW bringt die Dinge dort unter, wo sie hingehören.

Man merkt, dass Peugeot viel Aufwand in die Motordämmung gesteckt hat. Umso ärgerlicher ist, dass die Windgeräusche ab etwa 120 km/h recht laut werden. Der VW bleibt auch da noch leise. Der Mazda macht innen insgesamt einen wesentlich lauteren Eindruck. Auch beim Federungskomfort punktet der VW leer wie beladen. Der Peugeot spricht wesentlich unwilliger auf Unebenheiten an. Besonders unbeladen wird deutlich, dass Vorder- und Hinterachse noch nicht perfekt abgestimmt sind. Der Mazda wiederum mag keine Querfugen. Hier wirkt er ein wenig hölzern, aber insgesamt dennoch harmonischer als der Peugeot.

FahrkomfortMax. PunkteVW Passat Variant 1.8 TSIMazda 6 Kombi 2.0 DISIPeugeot 508 SW 155 THP
Sitzkomfort vorn1501009096
Sitzkomfort hinten100676464
Ergonomie150121118112
Innengeräusche50393938
Geräuscheindruck100706868
Klimatisierung50343740
Federung leer200150137135
Federung beladen200150140137
Kapitelbewertung1000731693690

 

Motor und Getriebe

Bei den Motoren vertrauen sowohl Peugeot als auch VW auf Turbomotoren. Das Thema Downsizing verfolgen die Franzosen in diesem Leistungsumfeld aber noch eine Spur energischer. Dem 508 155 THP genügen 1,6 Liter Hubraum, um 156 PS und 240 Nm in den Antriebsstrang zu schicken – beide Werte sind nur geringfügig niedriger als beim 1,8-Liter-Passat-Triebwerk. Die Turbos gefallen mit einem ausgesprochen souveränen Antritt schon aus niedrigen Drehzahlen. Der Fahrer greift zumindest beim 508 – der Passat verfügt als Testwagen über das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe – deutlich weniger zum Schalthebel als im Mazda. Denn im Gegensatz zu den beiden Turbomotoren verlangt der Sauger des Mazda nach Drehzahlen, um Leistung und Drehmoment abzurufen. An die souveränen Fahrleistungen der zudem spürbar kultivierter laufenden Vierzylinder in 508 und Passat kommt er nicht heran. Bis Tempo 160 hat der 6er bereits zwei Sekunden auf seine Rivalen verloren. Dafür macht jeder Griff zum Schalthebel im Mazda Spaß. Kurze Schaltwege, exakte Führung – ein wenig Sportwagenflair im Familienkombi. Führung und Schaltbarkeit des 508-Getriebes sind aber etwas indifferent. Zwar lässt sich auch das Doppelkupplungsgetriebe im VW manuell betätigen, nötig ist es nicht. Die Siebengangbox bietet immer den passenden Gang.

Im Gegensatz zu den Fahrleistungen hat der Mazda die beiden Turbos beim Verbrauch im Griff. Er benötigt auf 100 km 8,2 Liter Super und markiert hier den Bestwert. Peugeot und vor allem der Passat benötigen mehr Kraftstoff.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Passat Variant 1.8 TSIMazda 6 Kombi 2.0 DISIPeugeot 508 SW 155 THP
Beschleunigung150111106110
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150666168
Getriebeabstufung100858076
Kraftentfaltung50252023
Laufkultur100676468
Verbrauch325214226222
Reichweite25151516
Kapitelbewertung1000583572583

 

Fahrdynamik

Im alltäglichen Betrieb zeigen die drei Kombis eine sichere Fahrwerksabstimmung. Erst die Erkundung des Grenzbereichs – das Ausloten des Limits – offenbart große Unterschiede und zeigt, wie viel Entwicklungsarbeit in den Fahrwerken steckt. Und VW arbeitet offensichtlich am sorgfältigsten: Der Grenzbereich des Passat liegt nicht nur deutlich höher als bei 508 und Mazda 6, er ist auch leichter zu beherrschen. Dort wo der Japaner bei abgeschaltetem ESP in Wechselkurven mit seinem Heck stark nach außen drängt und der Peugeot bereits von seinem nicht abschaltbaren ESP eingebremst wird, zieht der Passat – neutral ausbalanciert – leicht kontrollierbar seine Bahn. Das ist umso erstaunlicher, weil auch beim Passat lediglich die Traktionskontrolle abschaltbar ist. Vor allem im Vergleich zum teilweise recht hart eingreifenden ESP des 508, was ihn beim Slalom regelrecht behindert, ist die Abstimmung des Wolfsburgers perfekt gelungen. Das gilt auch für seine Bremsen, die nicht nur am besten verzögern, sondern auch bei der Dosierung führend sind.

FahrdynamikMax. PunkteVW Passat Variant 1.8 TSIMazda 6 Kombi 2.0 DISIPeugeot 508 SW 155 THP
Handling150686253
Slalom100645745
Lenkung100737370
Geradeauslauf50424242
Bremsdosierung30181716
Bremsweg kalt150878575
Bremsweg warm150999495
Traktion100403740
Fahrsicherheit150130105123
Wendekreis201164
Kapitelbewertung1000632578563

 

Umwelt und Kosten

Während Mazda 6 und Peugeot 508 die 28.000-Euro-Grenze unterbieten, kostet der Passat mit Doppelkupplungsgetriebe stolze 32.400 Euro. Damit ist er trotz günstigerer Wartungs- und Versicherungskosten in diesem Kapitel geschlagen. Selbst der recht preiswerte Peugeot kann gegen den billigeren Mazda nichts ausrichten. Geringer Wertverlust, eine gute Ausstattung und nicht zuletzt die besten Garantiebedingungen bringen dem Japaner in diesem Kapitel den Sieg.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Passat Variant 1.8 TSIMazda 6 Kombi 2.0 DISIPeugeot 508 SW 155 THP
Bewerteter Preis675175206201
Wertverlust50182121
Ausstattung25202020
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50283328
Werkstattkosten20171512
Steuer10999
Versicherung40333128
Kraftstoff55353736
Emissionswerte25888983
Kapitelbewertung1000423461438

 

Fazit

Der Einstand des neuen Peugeot 508 SW fällt ernüchternd aus. Der schicke Franzose ist weder größer, komfortabler noch dynamischer als der Klassenprimus Passat Variant. Der geräumige Kombi aus Wolfsburg ist lediglich bei den Kosten verwundbar. Auch der fahraktive, sparsame und zudem günstige Mazda 6 kann im Vergleich mehr Punkte sammeln als der neue Franzose. Peugeot sollte seinem neuen Mittelklasse-Star etwas mehr Feinschliff zukommen lassen.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Passat Variant 1.8 TSIMazda 6 Kombi 2.0 DISIPeugeot 508 SW 155 THP
Summe5000307629762948
Platzierung123

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