Peugeot 404 Cabriolet Grüße aus Italien

13.02.2009

Die berückende Karosserie entstand bei Pininfarina in Turin, die Endmontage erfolgte im nordfranzösischen Sochaux. Ein Ausflug in eine andere Zeit im Peugeot 404 Cabriolet

Eckdaten
PS-kW65 PS (48 kW)
AntriebHinterrad, 4 Gang manuell
0-100 km/hk.A.
Höchstgeschwindigkeit148 km/h
Preisk.A.

Zugegeben, unter den bisher gebauten über 50 Millionen Peugeot-Pkw sind die Cabrios der Baureihe 404 eine verschwindende Minderheit. Vielleicht zählen sie gerade deshalb zu den aufregendsten Kreationen in der langen Geschichte der Marke mit dem Löwen. Exakt 10.398 Exemplare verließen zwischen 1962 und 1968 die Montagebänder in Sochaux. Da hatten die offenen 404-Karosserien bereits eine weite Reise hinter sich. Denn der wohl schönste Peugeot der Nachkriegszeit wurde in Etappen gebaut. Die Rohkarossen wurden bei Pininfarina im Turiner Vorort Gruliasco auf Kiel gelegt, dann per Bahn und Lkw zu Peugeot gekarrt und dort fertig montiert. Die Zusammenarbeit zwischen der italienischen Design- und Karosserie-Manufaktur und Peugeot hatte damals schon Tradition. Die normale 404-Limousine war ebenfalls ein Pininfarina-Entwurf. Der Turiner Meister zeichnete eine geradlinige, moderne Limousine, basierend auf seiner Studie Florida II, die auf dem Turiner Salon 1957 für Aufsehen gesorgt hatte.

Ganz ähnliche Entwürfe verkaufte der Meister jedoch auch an Fiat und Lancia, weshalb flüchtige Beobachter ein 404 Coupé oder Cabriolet gern mit einer Lancia Flaminia oder einem Fiat 1200 verwechseln. Nur ein dezentes Wappen am Grill und ein zierlicher Schriftzug auf dem Kofferraumdeckel verweisen auf die französische Technik dieses italienischen Design-Meisterwerks. Auch 46 Jahre nach seiner Präsentation wirkt das 404 Cabriolet unerreicht schlicht und elegant. Es hat nichts Aufgesetztes, Gewolltes oder gar Angeberisches. Und es ist – so ganz anders als praktisch alle offenen Autos von heute – völlig unsportlich.

Das ist hier als Kompliment gemeint. Unterwegs in der Franche Comté und in den Vogesen mit dem roten 404 Cabriolet aus dem Bestand des werkseigenen Museums entdeckt man ganz andere, fast vergessene Aspekte des Offenfahrens. Der Peugeot ist ein Cabrio der leisen Töne. Deshalb passt er auch so gut auf die einsamen Landstraßen zwischen bewaldeten Hügeln, Weizenfeldern und kleinen Städten. Auf spektakuläreren Passstraßen würden ihm moderne Cabrios um die Ohren fahren. Deren Insassen wahrscheinlich allesamt nicht verständen, warum man auch hier keinesfalls mit ihnen tauschen möchte. Dazu muss man sich auf den Peugeot einlassen, mit ihm ins Gespräch kommen und auf ihn hören. Dann verrät die wunderbar weiche Lenkradschaltung, die sich mit zwei Fingern schalten lässt, dass Hektik eigentlich ein modernes Übel ist. Und der Vierzylinder erzählt, dass 65 PS bei knapp 1100 Kilogramm Gesamtgewicht absolut genug sind. Der kurzhubige 1,6-Liter stemmt schon bei knapp über 2000 Umdrehungen 128 Nm auf die fünffach gelagerte Kurbelwelle. Der dritte Gang reicht für fast alles zwischen Spitzkehre und langer Geraden. Nur allzu hohe Drehzahlen mag der Motor nicht, weshalb ab und an das Einlegen der vierten Fahrstufe ratsam scheint.

Derweil wandert die Tachonadel gemächlich zwischen der 40er und der 80er Markierung hin und her, und wenn es ein Radio gäbe, wünschte man sich, es spielte Songs von Edith Piaf oder Jacques Brel. Natürlich ist die Lenkung etwas indirekt und schwergängig, und die starre Hinterachse neigt bei zu schnellem Einlenken zum seitlichen Versetzen. Wenig Grund zu mäkeln gibt es an den vier Trommelbremsen. Sie verzögern spurtreu und für die 404-gemäße Gangart völlig ausreichend. Seine wahren Vorzüge spielt das Peugeot-Fahrwerk auf schlechteren Wegen aus. Mit seinen betagten Michelin XZX rollt es weich und leise ab, und die keineswegs zu nachgiebige Federung lässt das Cabriolet geradezu über die nordfran-zösischen Landstraßen schweben. 
Man hat Zeit, über das Leben und das Universum zu sinnieren. Und zu verstehen, wieso die Automobile von Peugeot damals in der ganzen Welt als französische Mercedes galten. Dieses nur vorsichtig restaurierte Exemplar mit viel stimmungsvoller Patina im Interieur zeigt es in vielen Details: den massiven Anbauteilen aus Edelstahl, dem satten Klacken der Bedienhebel und dem mechanisch gesunden Vierzylinderbrummen unter der Motorhaube.

Es gab den 404 als Limousine, Cabriolet, Coupé, Kombi und Pick-up mit Vergaser-, Einspritz- und Dieselmotoren, und er wurde insgesamt fast drei Millionen Mal produziert. Der ein oder andere davon wurde zum Rallyeauto umgebaut. Vier Gesamtsiege bei der East African Safari Rallye kamen so zustande. Überhaupt Afrika. Ab 1968 wurde die Baureihe vom 504 abgelöst, war aber damit noch lange nicht am Ende. Bis 1975 wurden diverse Ableger des 404 in Sochaux parallel zum 504 weiter produziert. Erst 1989 verließ in Nigeria, obwohl manche für 1991 in Kenia plädieren, der letzte 404 Pick-up ein Montageband.

Bestimmt hatte er einen Dieselmotor, und vielleich fährt er immer noch über afrikanische Landstraßen, womöglich zwischen Lagos und Conakry oder auch Arusha und Mombasa. Ja doch, eine Ausfahrt im 404 zwischen Grand Ballon d’Alsace, Belfort und Sochaux macht auch ein wenig wehmütig. Sie wirft Fragen auf. Die zum Beispiel, warum es offene Autos dieser Art nicht mehr gibt. Autos, in denen man sich auch dann wohlfühlt, wenn man älter als 28 ist und Baseballmützen für eine furchtbare geschmackliche Verirrung hält. Autos, denen zurückhaltende Eleganz wichtiger ist als vordergründige Sportlichkeit. Und die an ganz altmodische Weisheiten erinnern. Etwa an die, dass genug immer besser ist als zu viel.

Leider hat das 404 Cabriolet zu Lebzeiten in Deutschland nur wenig Verbreitung gefunden. Es war einfach zu teuer. Rund 15.000 Mark kostete es 1967, den Gegenwert von drei Standard-Käfern. Mit dem 80-PS-Einspritzmotor und Hardtop waren es schon fast 17.000 Mark, wodurch der vierzylindrige Peugeot sich beinahe schon in der Preisregion eines Mercedes 250 SL Pagode mit Sechszylinder befand.

Wahrscheinlich gibt es auch deshalb heute auf deutschen Straßen kaum mehr als 30 funktionstüchtige Exemplare. Zumal die Rostvorsorge nicht unbedingt zu den höchsten Prioritäten der Carrozzeria Pininfarina gehörte. Was allerdings auch für einen Mercedes Roadster aus jenen Jahren gilt. Ab 20.000 Euro wird für ein 404 Cabriolet in gutem Zustand verlangt. Für etwas weniger gibt es das genauso elegante Coupé. Wem das zu viel ist, der kann mit einer 404 Limousine oder einem Kombi, die in brauchbarem Zustand für weit unter 10.000 Euro zu finden sind, ebenso unverfälschte französische automobile Lebensart der 60er genießen. Auch wenn er statt nach Belfort nur nach Bochum-Riemke fährt. Heinrich Lingner

Fazit


Technische Daten
Motor 
ZylinderReihen-4-Zylinder, 2-Ventiler
Hubraum1618
Leistung
kW/PS
1/Min

48/65
5400 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
128
2250 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe4 Gang manuell
AntriebHinterrad
Fahrwerk 
Bremsenv: Trommel
h: Trommel
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1080
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)148
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauchk.A.
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

Tags:
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