Peugeot 403 Cabriolet: Classic Cars im Fahrbericht Komissar Zufall

24.02.2013

Volker Wenzel und sein Peugeot 403 Cabriolet gehören seit 40 Jahren zusammen. Ungefähr zur gleichen Zeit entschied sich auch ein amerikanischer Schauspieler für eines der raren Cabrios. Peter Falk fand im Fundus eines Filmstudios einen grauen 403 für seine nächste Rolle. Fahrbericht

Vielleicht ist es nur eine Legende, denn die Geschichte klingt eigentlich zu gut, um wirklich wahr zu sein: Peter Falk sollte sich für seine neue Rolle als Inspektor Columbo ein Auto aussuchen. Zusammen mit Columbo-Erfinder William Link suchte er im Requisitenfuhrpark der Universal-Studios nach einem passenden Fahrzeug.

 

COLUMBO ERMITTELT

In einer vergessenen Ecke entdeckte er ein unscheinbares, gammeliges, graues Auto, das vermutlich nur durch Zufall noch nicht beim Verwerter gelandet war. "Den will ich“, soll Peter Falk gesagt haben, und seither gehört der berühmteste Peugeot 403 zu Inspektor Columbo wie der zerknautschte Trenchcoat, die weichgelutschte Zigarre und die Ehefrau mit Gewichtsproblemen, die nie im Bild auftaucht. Womöglich ist die Wahrheit prosaischer. Vielleicht sollte es einfach nur irgendein unscheinbares europäisches Auto sein, das die Schrulligkeit des seltsamen Inspektors noch hervorhob, und der Peugeot war einfach da. Gegen die Wahrhaftigkeit der Legende spricht auch die Tatsache, dass ganz offensichtlich im Lauf der Zeit zwei verschiedene 403 Cabrios bei den Dreharbeiten benutzt wurden. Der Besitzer des elfenbeinfarbenen Cabrios auf diesen Seiten weiß dagegen ganz genau, wie er zu seinem Peugeot kam. „Es muss 1972 gewesen sein“, erzählt Volker Wenzel, der heute Mathematik am Gymnasium einer südhessischen Kleinstadt unterrichtet. "Der Wagen stand beim Frankfurter Peugeot-Händler Euler in einer Ecke, da habe ich ihn einfach gekauft.“

Zur Marke Peugeot hatte der damalige Lehramtsanwärter bereits ein inniges Verhältnis. Für seine zweite Leidenschaft, die Musik, brauchte er große Autos als Band- Transporter. Die Kombis von Peugeot boten Laderaum satt und waren damals schon billig zu haben. So lösten sich diverse 403 und 404 Break als Tourmobile des passionierten Klavier- und Keyboardspielers ab. Nur das 403 Cabriolet blieb. Heute hegt der Studienrat immer noch drei Peugeot in seinem privaten Fuhrpark: das Cabrio, eine 203 Limousine für den Winter, denn dafür ist das Cabrio zu schade, sagt er, und ein modernes 406 Coupé, wenn es mal schneller gehen soll.

Mit dem 403 Cabriolet verbindet das neuzeitliche 406 Coupé mehr, als Unbedarfte glauben. Denn der 1955 präsentierte 403 startete eine Zusammenarbeit, die bis heute andauert: Die im damals modischen Ponton-Look entworfene Limousine war der erste Peugeot von Pininfarina. Die italienische Designfirma, damals noch unter der Leitung von Battista Pininfarina, lieferte eine so überzeugende Arbeit ab, dass Peugeot jahrzehntelang zu den Stammkunden des Turiner Hauses zählte.

 

DAS DESIGN DES 403 IST VON PININFARINA

So erhielt Pininfarina auch den Auftrag, das Cabrio auf Basis der 403 Limousine zu entwerfen und zu bauen. Die Tradition setzte sich mit den Nachfolgemodellen 404 und 504 fort. Auch das 205 Cabrio und das 406 Coupé wurden in Turin gefertigt. Selbst das bis 2011 gebaute 407 Coupé entstand bei Pininfarina, auch wenn das Design aus dem Peugeot-eigenen Studio stammte. Der 403 wurde jedoch nicht nur wegen seiner modernen und wegweisenden Form zum Erfolgsmodell. Die robuste, einfache Technik sorgte dafür, dass die Marke Peugeot in der ganzen Welt bekannt wurde. Aufmerksame Afrika-Touristen können heute noch in vielen ost- und westafrikanischen Ländern über 403 Break und Pickups stolpern, die auch nach 50 Jahren unverdrossen ihren Dienst tun. Dabei ist der 1,5-Liter-Vierzylinder kein simpler Bauernmotor. Die Leistungsausbeute von 53,5 DIN-PS war 1955 durchaus auf der Höhe der Zeit, und Zylinderköpfe mit hängenden Ventilen sowie hemisphärischen Brennräumen waren noch lange keine Selbstverständlichkeit.

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Geschickt verstand man es in Sochaux zudem, eine ganze Modellfamilie um den 403 aufzubauen. Der Mittelklasse-Peugeot war im Lauf seiner elfjährigen Bauzeit in nicht weniger als 51 Varianten lieferbar. Es gab ihn als Pick-up, Lieferwagen, Kombi, Limousine und Cabrio mit unterschiedlichen Motoren, elektro-mechanischer Kupplung, Dieselmotor und sogar Benzineinspritzung. Und er war der erste Peugeot, von dem mehr als eine Million Exemplare hergestellt wurden. Genau 1.214.130 Stück waren es zwischen 1955 und 1966. Die wenigsten davon waren freilich Pininfarina-Cabriolets, es wurde bis 1961 exakt 2043 Mal gebaut. Und nach Deutschland gelangte vermutlich nur ein sehr kleiner Teil davon. Denn der offene Peugeot war ein ausgesprochen teures Auto. Er kostete 1961 genau 13.300 Mark, während es einen viertürigen 403 bereits für 7730 Mark gab. Damit kostete das Cabrio etwa so viel wie ein richtiger Sportwagen - und dreimal so viel wie ein Standard-Käfer. Der Austin-Healey mit Dreiliter- Sechszylinder und 124 PS stand damals mit 13.020 Mark in der Liste.

Wahrscheinlich war der Erstbesitzer ein ähnlich individueller Charakter wie Inspektor Columbo oder Volker Wenzel. Er kaufte den teuren Peugeot in Elfenbeinweiß mit roten Sitzen, und er verschwendete keine Mark für unnütze Extras wie etwa die Halbautomatik System Jaeger (490 Mark). Mit der Lenkradschaltung lässt es sich auch ohne automatische Kupplungsbetätigung gut leben. Man braucht etwas Zeit, bis man sich auf langen Wegen durch die nachgiebige Führung in den richtigen Gang gehangelt hat, aber weder 403 noch der Studienrat nehmen es übel: "Der erste Gang ist schwer zu finden, fahren Sie einfach im zweiten an“, sagt Wenzel. Und der Peugeot brummt zufrieden aus dem Stand auf Tempo 60, bis sich der Redakteur auf die Suche nach dem dritten Gang macht. Die beiden, Wenzel und der Peugeot, ertragen es mit einer Nonchalance, die auch Peter Falk nicht besser hinbekommen hätte.

TECHNIK  

Peugeot 403 Cabriolet
Antrieb  R4-Zylinder; vorn längs eingebaut; 2-Ventiler; eine seitlich liegende Nockenwelle; Kettenantrieb; ein Fallstrom-
Vergaser Solex 32 PBIC; Bohrung x Hub: 80,0 x 73,0 mm; Hubraum: 1468 cm3; Verdichtung: 7,0:1; Leistung: 39 kW/ 53,5 PS bei 4900/min; max. Drehmoment: 101 Nm bei 2500/min; Viergang-Getriebe; Lenkradschaltung; Hinterradantrieb
Aufbau + Fahrwerk
 Selbsttragende Ganzstahlkarosserie mit zwei Türen, Cabriolet; vorn: Einzelradaufhängung, Dreieckslenker, Querblattfeder, Teleskopstoßdämpfer; hinten: Starrachse an Schubstreben, Schraubenfedern, Panhardstab, Teleskopstoßdämpfer; Zahnstangen-Lenkung; Bremsen: v./h. Trommeln; Reifen 5.90 x 15; Räder 4 x 15
Messwerte  Beschleunig.: 0 auf 100 km/h in ca. 22 s, 0 auf 120 km/h in ca. 44 s; Höchstgeschwindigkeit: 135 km/h; Verbrauch: ca. 9,5 l N/100 km
Eckdaten  L/B/H: 4470/1670/1510 mm; Radstand: 2660 mm; Spurweite v./h.: 1340/1320 mm; Wendekreis: 9,5 m; Leergewicht: 1080 kg; Zuladung: 520 kg; Tankinhalt: 50 l; elektr. Anlage: 12 Volt; Bauzeit: 1955 bis 1961; Stückzahl: 2043; Preis (1961): 13.300 Mark

Heinrich Lingner

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