Peugeot 308 SW vs. VW Golf Variant, Ford Focus Turnier & Co.: Kombi-Vergleich Um Platz und Sieg

20.06.2014
Inhalt
  1. KAROSSERIE
  2. FAHRKOMFORT
  3. MOTOR/GETRIEBE
  4. FAHRDYNAMIK
  5. UMWELT/KOSTEN
  6. FAZIT

Mit dem Peugeot 308 SW erhält das Kompaktkombi-Segment einen modernen Herausforderer. Wie schlägt sich der französische Neuling gegen die etablierte Konkurrenz? Vergleich

Mit dem elegant gezeichneten 308 bereicherte Peugeot im vergangenen Jahr das Kompaktklasse-Segment um eine interessante Alternative. Jetzt schieben die Franzosen die Kombiversion ihres jüngsten Modells nach, das mit der bewährten Kombination aus attraktivem Design und inneren Werten gleichermaßen überzeugen soll.

Für einen ersten Härtetest stellt sich der Peugeot 308 SW mit 120 PS starkem 1,6-Liter-Dieselmotor dem Vergleich mit vier etablierten Konkurrenten in Gestalt von Ford Focus Turnier, Hyundai i30 Kombi, Renault Mégane Grandtour und VW Golf Variant.

 

KAROSSERIE

Größter Laderaum im 308, höchste Zuladung im Golf 

Gegenüber seiner Basis, dem Standard-Steilheckmodell, legt der Peugeot 308 SW in der Länge um etwas mehr als 33 Zentimeter auf 4,56 Meter zu, der Radstand wächst um elf Zentimeter. Dieses Plus kommt vor allem dem Gepäckraum zugute. Mit einem Fassungsvermögen von 610 bis 1660 Litern setzt der 308 SW den Bestwert in diesem Vergleich – wenn auch nur knapp vor dem Golf Variant, der 605 bis 1620 Liter Gepäck schluckt.

Der Hyundai i30 Kombi weist mit 1642 Litern ebenfalls ein äußerst üppiges Maximalvolumen auf, allerdings ist der Standardkofferraum mit 528 Litern nur von durchschnittlicher Größe. Das kleinste Gepäckabteil bei nicht umgeklappter Rücksitzlehne bietet der Ford Focus Turnier (490 Liter), der wie der Hyundai i30 Kombi weitere Punkte bei der Variabilität einbüßt. Für beide stehen beispielsweise keine Durchreichen in der Rücksitzlehne zur Verfügung.

Der Peugeot (80 Euro) und der VW (170 Euro) lassen sich optional mit einer solchen Luke ausstatten. Der Renault Mégane punktet mit einer serienmäßig umklappbaren Beifahrersitzlehne, die in diesem Vergleich sonst nur noch der Golf bietet – für 428 Euro in Kombination mit dem Sitzkomfort-Paket. Passend zum großzügig bemessenen und variablen Gepäckabteil erlaubt der Peugeot-Testwagen eine ordentliche Zuladung von immerhin 508 Kilogramm. Den Bestwert markiert hier der Golf Variant mit 547 Kilogramm. Hyundai i30 (499 kg) und Ford Focus (491 kg) bleiben knapp unter der 500-Kilogramm-Grenze. Der erlaubte zusätzliche Ballast des Renault Mégane von nur 414 Kilogramm fällt deutlich aus dem Rahmen.

Dafür darf der Mégane ebenso wie i30 und Golf maximal 1500 Kilogramm ziehen. Damit empfehlen sie sich stärker für den Einsatz als Zugfahrzeug als 308 SW und Focus Turnier, die nur 1,3 respektive 1,2 Tonnen an den Haken nehmen dürfen.

Aber selbstverständlich geht es bei Kombis nicht ausschließlich um ihre Transportqualitäten, sondern auch um die Güte des Raumangebots. Den Maßstab setzen in diesem Vergleich der Hyundai i30 und der VW Golf, der in der ersten Reihe noch etwas mehr Bewegungsfreiheit bietet. Auch wenn der Peugeot in puncto Kopf- und Ellbogenfreiheit nicht ganz mithalten kann, finden die Mitfahrer in ihm dennoch absolut zufriedenstellende Platzverhältnisse vor. Die Fondabteile des Ford und vor allem des Renault fallen im Vergleich deutlich kleiner aus.

Den Kapitelsieg sichert sich schließlich souverän der Golf Variant. Dazu tragen neben seiner sehr wertigen Materialauswahl und der hohen Verarbeitungsqualität unter anderem auch die mustergültige Bedienung und die umfangreichste Sicherheitsausstattung bei. Als einziger lässt sich der Wolfsburger etwa mit Seitenairbags hinten (360 Euro) und einem proaktiven Insassenschutzsystem (150 Euro) ausrüsten.

Auch der Ford Focus und der Peugeot 308 sammeln bei der Sicherheitsausstattung viele Punkte. So steht nur für diese beiden ein Spurwechselassistent zur Wahl. Beim Ford ist dieser im Fahrerassistenz-Paket für 1500 Euro integriert, Peugeot bietet es im Rahmen des 400 Euro teuren Clever-Pakets für die Topausstattung Allure (2300 Euro Aufpreis) an. Eine nach wie vor in der Kompaktklasse seltene Sicherheitstechnologie ist der Notbremsassistent, den Ford (350 Euro) und VW (295 Euro) zu erfreulich fairen Preisen offerieren.

Peugeot 308 SW
BlueHDi 120
VW Golf Variant
1.6 BlueTDi
Ford Focus Turnier
1.6 TDCi
Hyundai i30 Kombi
blue 1.6 CRDi
Renault Megane
Grandtour dCi 110
120 PS 110 PS 115 PS 128 PS 110 PS
0-100 km/h in 10,2 s 0-100 km/h in 10,4 s 0-100 km/h in 11,4 s 0 - 100 km/h in 10,2 s 0 - 100 km/h in 10,7 s
Vorderrad Vorderrad Vorderrad Vorderrad Vorderrad
Spitze 194 km/h Spitze 196 km/h Spitze 193 km/h Spitze 193 km/h Spitze 190 km/h
Preis: 24.400 Euro Preis: 23.375 Euro Preis: 23.320 Euro Preis: 23.260 Euro Preis: 23.350 Euro

 

 

FAHRKOMFORT

Golf Variant legt die Messlatte unerreichbar hoch

Um es gleich vorwegzunehmen: In Sachen Fahrkomfort führt auch in diesem Vergleich wieder einmal kein Weg am Golf vorbei. Dies liegt zu einem Großteil an dem adaptiven Dämpfersystem DCC für 1000 Euro, mit dem auch dieser Testwagen auf den AUTO ZEITUNG-Redaktionsparkplatz rollte. Im Komfort-Modus scheint dem Variant keine noch so heftige Fahrbahnunebenheit etwas anhaben zu können. Weitgehend unabhängig vom Beladungszustand federt der Wolfsburger über Unbilden wie Schlaglöcher, Querfugen oder Kanaldeckel hinweg. 

Zum Erste-Klasse-Komfort an Bord des Golf tragen auch die großen und bequem gepolsterten Sitzgelegenheiten sowie die sehr gute Ergonomie des durchdacht gestalteten Innenraums bei. Am ehesten kommt der Peugeot an die Komfortqualitäten des VW heran. Die Federung des 308 SW spricht allerdings etwas weniger feinfühlig an und führt etwa beim Überfahren von Querfugen zu einem leichten Zittern der Karosserie. Gerade auf langen Wellen kann das Fahrwerk aber überzeugen, auch weil die recht straffe Dämpfung Aufschaukel-Tendenzen des Aufbaus zuverlässig im Keim erstickt. 

Zur Ergonomie im 308: Die außergewöhnliche Cockpit-Architektur ist nicht für alle Körpergrößen geeignet. Kleineren Fahrern versperrt der Lenkradkranz häufig die Sicht auf Teilbereiche der hochgesetzten Instrumente.

Eine ähnliche Charakteristik legt der – wie der Golf mit 17-Zoll-Bereifung ausgestattete – Ford mit seiner sportlich-straffen Grundabstimmung an den Tag. Was ihm an Feinfühligkeit beim Überfahren von Unebenheiten gegenüber dem Peugeot fehlt, macht der Focus mit seinen Vordersitzen wieder wett. Diese bieten etwas mehr Halt und Unterstützung als das Gestühl des 308 SW. Der i30 Kombi und der Mégane Grandtour fallen beim Federungskomfort in diesem Testfeld etwas ab. Der deutlich weicher abgestimmte Hyundai lässt dank der gelungenen Entkoppelung zwischen Chassis und Fahrgastzelle zwar nur wenig Stöße in den Innenraum durchdringen.

Doch die teilweise recht polterige Hinterachse hat großen Anteil an den deutlich vernehmbaren Fahrwerks- und Abrollgeräuschen, die das subjektive Komfortempfinden beeinträchtigen. Der Renault legt eine gänzlich andere Charakteristik an den Tag. Der Franzose gibt Fahrbahnunebenheiten recht humorlos und weitgehend ungefi ltert an die Insassen weiter. Dabei bringt er seine Karosserie aber weniger stark in Bewegung als der Hyundai, was von den Passagieren auf Dauer als angenehmer empfunden wird.

Abzüge muss der Gallier hingegen für seine recht kleinen und konturlosen Sitze hinnehmen. Pluspunkte verdient sich der Mégane dafür mit seiner Klimatisierung. Nur er und der Peugeot sind bereits serienmäßig mit einer Zwei-Zonen-Klimaautomatik ausgestattet.

 

MOTOR/GETRIEBE

Der Motor des Peugeot ist der sparsamste

Moderne Selbstzünder der 1,6-Liter-Klasse gehören zu den beliebtesten Antriebsquellen im Segment der kompakten Kombis. Wenig verwunderlich, bieten sie doch zumeist ordentliches Temperament zu relativ überschaubaren Betriebskosten.

Der Peugeot 308 SW hat in diesem Umfeld das sparsamste Triebwerk. Sein 120-PS-Turbodiesel konsumiert auf unserer Verbrauchsrunde durchschnittlich nur 5,4 Liter je 100 Kilometer. Die gute Effizienz erkauft sich der Franzose mit einem sehr lang übersetzen Getriebe – das wirkt sich nachteilig auf die Elastizität aus. Beim Überholen auf der Autobahn ist es deshalb trotz des maximalen  Drehmoments von immerhin 300 Newtonmetern oftmals erforderlich, einen oder sogar zwei Gänge zurückzuschalten – was dank des präzise geführten Schalthebels allerdings keine allzu große Bürde ist.

Aber auch die anderen Wettbewerber erweisen sich keineswegs als veritable Trinker. Mit einem Durchschnittsverbrauch von 5,5 Litern auf 100 Kilometern kann der Mégane Grandtour seinem Landsmann weitgehend Paroli bieten. Bei der Beschleunigung hat der mit 1,5 Liter Hubraum kleinste Motor im Feld jedoch das Nachsehen – der Renault verliert bis 140 km/h fast zwei Sekunden auf den flotteren Peugeot.

Der – wie auch der Renault-Motor – 110 PS starke Selbstzünder im Golf, der im Gegensatz zur Konkurrenz mit fünf statt sechs Vor-wärtsgängen  auskommen  muss, ermöglicht gute Sprint- und Elastizitätswerte. Dafür benötigt das akustisch wirkungsvoll gedämmte Triebwerk mit 5,8 Litern aber am meisten Kraftstoff.

Der Hyundai i30 Kombi hat den stärksten Motor unter der Haube, sein leise laufender Turbodiesel leistet 128 PS. Entscheidend vom Rest des Feldes absetzen kann sich der Koreaner dennoch nicht.

Im Gegenteil, für den Sprint aus dem Stand auf Landstraßentempo benötigt der i30 Kombi 10,2 Sekunden und damit exakt so lange wie der Peugeot 308 SW. Über die 100-km/h-Marke hinaus  verliert der Hyundai sogar Zeit auf den Franzosen. Mit 5,7 Litern ist der Asiate darüber hinaus der zweitdurstigste Wettbewerber.

Der Ford Focus Turnier 1.6 TDCi leistet mit 115 PS etwas mehr als der Renault und der VW. Dennoch beschleunigt er langsamer als der Mégane und der Golf. Vom Verbrauch her sortiert er sich mit durchschnittlich 5,6 Litern in der Mitte des Feldes ein.

 

 

FAHRDYNAMIK

Der Hyundai i30 bremst die Konkurrenz aus

Das rundeste Gesamtpaket in Sachen Fahrdynamik bringt auch in diesem Vergleichstest erneut der VW mit. Dank seiner präzisen und rückmeldungsfreudigen Lenkung sowie der ausgewogenen  Fahrwerksabstimmung lässt er den anderen Testkandidaten auf dem Handlingkurs keine echte Chance. Obendrein ist jederzeit auf seine standfeste Bremsanlage Verlass, die im warmen Zustand hervorragende Verzögerungswerte liefert. Aus 100 km/h kommt der Variant bereits nach 33,5 Metern wieder zum Stillstand.

Dieses Kunststück gelingt dem Hyundai i30 Kombi auch mit kalter Bremsanlage. Das bringt dem Koreaner viele wertvolle Punkte ein, die sich maßgeblich auf das Gesamtergebnis auswirken. Ansonsten ist der Koreaner nicht unbedingt ein Ausbund an Quirligkeit. Unseren Handlingkurs umkreist der i30 eher lustlos und mit ausgeprägter Tendenz zum Untersteuern. Dazu erschwert die gefühllose Lenkung das präzise Fahren auf der Ideallinie.

Anders der Ford Focus Turnier, der ein durchaus fahraktives Auto ist, das durch seine knackige Lenkung und verbindliche Fahrwerksabstimmung gefällt. Im Slalom kommt der agile Kölner sogar fast auf die Geschwindigkeit des Golf. Dafür fällt er bei der Bremsperformance deutlich ab. Bremswege von 37,6 Metern aus 100 km/h im kalten Betriebszustand sind heute für einen Kompaktkombi zu viel.

Ebenfalls ein gute Figur im Bereich der Fahrdynamik macht der Peugeot 308 SW, der mit 1362 Kilogramm Leergewicht der schlankste Testkandidat ist. Über das kleine Volant lässt sich der Franzose leichtfüßig über die Piste dirigieren.

Und der Renault Mégane Grandtour? Das rigide eingreifende ESP verhindert, dass der zweite Franzose im Feld höhere Wertungsnoten zustande bringt. Schade, denn auch er verfügt über eine dynamische Abstimmung und ein präzises Lenkverhalten. Ein gemeinsamer Nenner der fünf praktischen Kompakten: Sie sind gänzlich frei von Tücken und geben sich auch im Grenzbereich lammfromm.

 

UMWELT/KOSTEN

Die Franzosen sind reichhaltig ausgestattet

Das Segment der Kompaktkombis ist ein überaus preissensibles, da diese Fahrzeugklasse häufig auch im Fokus junger Familien steht. Der Renault Mégane Grandtour bietet vergleichsweise viel Auto fürs Geld. Im Grundpreis von 23.350 Euro sind bereits Annehmlichkeiten wie Leichtmetallräder, Klimaautomatik, Bluetooth-Freisprecheinrichtung sowie Licht- und Regensensor enthalten.

Für all diese Dinge muss der Kunde bei VW extra in die Tasche greifen. In der wertungsrelevanten Ausstattung, in der Testwagen-Extras wie die adaptiven Dämpfer für 1000 Euro mit einfl ießen, ist der Golf Variant der teuerste Kombi im Feld. Deshalb verliert er trotz der günstigsten Versicherungseinstufungen das Kostenkapitel – mit denkbar knappem Rückstand auf den Ford Focus, der in der Basis ebenfalls nicht übermäßig üppig ausgestattet ist. Bei ihm müssen Leichtmetallräder, Klimaautomatik oder elektrische Fensterheber für die hinteren Türen extra bezahlt werden.

Anders der Hyundai i30 Kombi: Im Grundpreis von 23.260 Euro sind schon Leichtmetallräder, rundum elektrische Fensterheber, ein Berganfahrassistent, Abbiegelicht, ein Knie-Airbag für den Fahrer und sogar eine Alarmanlage enthalten. Dazu gewähren die Koreaner eine fünfjährige Neuwagengarantie.

Mit 24.400 Euro ist der Peugeot vom Grundpreis her das teuerste Auto in diesem Vergleichstest. Die umfangreiche Ausstattung, die unter anderem eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung, beheizbare Außenspiegel, eine Klimaautomatik, eine Einparkhilfe fürs Heck oder auch Alu-Räder umfasst, relativiert diesen Umstand jedoch. Außerdem schont der kleine Durst des praktischen Galliers das Portemonnaie nachhaltig und sorgt somit dafür, dass der Tankwart nicht automatisch zum besten Freund des 308-Fahrers wird.

 

 

FAZIT

Der neue Peugeot 308 SW ist ein  schicker Alltagsbegleiter, der hohen Nutzwert mit guten Komforteigenschaften verbindet. Außerdem geht sein Motor am sparsamsten mit Kraftstoff um. Dennoch reicht es in diesem anspruchsvollen Umfeld nur zu Rang drei.

Den Gesamtsieg schnappt sich einmal mehr der Golf Variant. An seinen Allround-Fähigkeiten führt auch dieses Mal kein Weg vorbei. Der VW bietet den besten Fahrkomfort, den geräumigsten Innenraum und die höchste Materialgüte. Zwischen den Wolfsburger Seriensieger und den französischen Neuling schiebt sich der Hyundai i30 Kombi, was maßgeblich an seiner hervorragenden Bremsperformance liegt.

Beim viertplatzierten Ford Focus Turnier verhält es sich genau umgekehrt. Durch die mäßigen Bremswerte verliert er wertvolle Zähler, die er trotz vieler anderer Talente nicht mehr aufholen kann. Die rote Laterne trägt der Renault Mégane Grandtour. Außer im Kostenkapitel kann er nirgends entscheidende Akzente setzen.


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Marcel Kühler

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