VW Golf, Peugeot 308 und Hyundai i30: Kompakte Diesel im Vergleich Diesel-Dreikampf

18.10.2013
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Völlig neu entwickelt tritt der Peugeot 308 in der Kompaktklasse an. Im ersten Test muss er sich gegen den Klassen-Primus VW Golf und den etablierten Hyundai i30 behaupten

Klare Formen, elegantes Design und moderne Technologien an Bord – an den Vorgänger erinnert beim neuen Der neue Peugeot 308 auf der IAA 2013 nicht viel mehr als die Modellbezeichnung. Die französische Marke lässt wenig Zweifel daran, dass sie mit ihrer neuen Kompaktklasse-Kreation höheren Ansprüchen genügen will. Zu einer ersten Standortbestimmung tritt der neue 308 mit der 115 PS starken, aktuellen Top-Dieselmotorisierung an.

Seine Gegner: der Klassenprimus VW Golf in der seit diesem Sommer angebotenen BlueTDI-Version, dessen 1,6-Liter-Turbodiesel mit 110 PS dank Abgasnachbehandlung die Euro-6-Abgasnorm erfüllt, sowie der populäre Hyundai i30 1.6 CRDi mit ebenfalls 110 PS.

 

Karosserie

Mit 4,25 (308 und Golf) bzw. 4,30 Metern (i30) herrscht in puncto Außenlänge praktisch Gleichstand zwischen den drei Kandidaten. Wie effizient das Trio den zur Verfügung stehenden Raum nutzt, ist allerdings sehr unterschiedlich. Der Peugeot bietet in beiden Sitzreihen den wenigsten Platz. Vor allem hinten schränkt das optionale Panorama-Glasdach die Kopffreiheit zusätzlich ein. Dafür hält der 308 mit 420 Litern das größte Kofferraumvolumen bei voller Bestuhlung bereit. Die maximale Ladekapazität von 1228 Liter hingegen ist nicht ganz so groß wie die der beiden Konkurrenten (i30: 378 bis 1316 Liter, Golf: 380 bis 1270 Liter). Und während Hyundai und VW nach Umklappen der Rücksitzlehne absolut ebene Ladeflächen bieten, ist sie beim 308 leicht ansteigend.

Neben dem größten absoluten Ladevolumen unterstreicht der Hyundai i30 dank der mit Abstand höchsten erlaubten Zuladung seine Qualitäten als Lademeister. Auch das Raumangebot vorn und hinten bietet kaum Grund zur Klage, vor allem Fahrer und Beifahrer genießen geradezu verschwenderische Kopffreiheit, müssen sich im Vergleich zum Golf aber seitlich etwas einschränken. Auf der Rückbank ist es genau umgekehrt. Der VW Golf glänzt wegen seines schnörkellosen Designs und der großen Fensterflächen mit der besten Übersichtlichkeit. Seine hohe Alltagstauglichkeit stellt er zudem durch seine einfache Bedienbarkeit unter Beweis. Selbst Fahrer, die zum ersten Mal in einem Golf sitzen, finden sich sofort zurecht.

Im Peugeot erfolgt die Steuerung praktisch sämtlicher Funktionen über den neuen zentralen Touchscreen. Er reagiert zwar teilweise etwas träge auf Fingerberührungen, lässt sich aber intuitiv bedienen. Zudem führt das neue Bedienkonzept zu einem aufgeräumten und eleganten Interieur. Allerdings: Während beispielsweise das Einstellen der Innenraumtemperatur im i30 und im Golf einfach und schnell per konventionellem Drehregler erfolgt, muss man sich im 308 zunächst ins Klima-Menü vorarbeiten, wozu in der Regel mehrere Bedienschritte nötig sind.

Auch die Ablesbarkeit der hoch positionierten Peugeot-Armaturen verdient Kritik: Je nach Fahrerstatur und Sitzposition kann der Blick auf Tachometer, Drehzahlmesser und Co. durch den Lenkradkranz behindert werden.

KarosserieMax. PunkteVW Golf BlueTDIPeugeot 308 e-HDI FAP 115Hyundai i30 1.6 CRDi
Raumangebot vorn100726870
Raumangebot hinten100605760
Übersichtlichkeit70393536
Bedienung/ Funktion100888586
Kofferraumvolumen100333734
Variabilität100373132
Zuladung/ Anhängelast80333038
Sicherheit150816253
Qualität/ Verarbeitung200150148144
Kapitelbewertung1000593553553

 

Fahrkomfort

Angefangen bei den besten Sitzen (Fahrer-Aktivsitz: 635 Euro) über den angenehmsten Geräuscheindruck bis hin zur ausgewogensten Federung – der VW markiert in jedem einzelnen Kapitel-Wertungspunkt den Bestwert. Auch als Golf BlueTDI bietet er einen Fahrkomfort, der so manchem Vertreter der Oberklasse gut zu Gesicht stehen würde. Großen Anteil daran haben die optionalen adaptiven Dämpfer (DCC: 1000 Euro). Im Komfort-Modus leer wie beladen filtert er Unebenheiten jedweder Art souverän weg.

Trotz 17-Zoll-Bereifung (440 Euro) legt das recht straffe 308-Fahrwerk einen ordentlichen Federungskomfort an den Tag. Wenn vor allem im beladenen Zustand doch einmal Schläge in den Innenraum vordringen, werden die meist von der Sitzpolsterung gut gedämpft. Der weich abgestimmte Hyundai zeigt sich mit und ohne Ballast eher unterdämpft, sodass er Straßenunebenheiten ungefiltert an die Insassen weitergibt.

Die optionalen Sportsitze (290 Euro) des Peugeot 308 zeichnen sich durch ihre ausgeprägten Sitz- und Lehnenwangen aus. Sie bieten somit einen guten Seitenhalt, engen Fahrer und Beifahrer aber dafür ein wenig ein. Gleichzeitig kostet das ausladende Gestühl wertvollen hinteren Fußraum – die Fondpassagiere finden deshalb unter den Vordersitzen kaum Platz für ihre Füße.

Im Hyundai ist der Sitzkomfort für Fahrer und Beifahrer schlechter als in Peugeot und VW, weil die Vordersitze des Koreaners kleiner ausfallen. Im Innern geht es zudem etwas lauter zu. Der i30-Diesel dringt ebenso wie die Reifenabrollgeräusche nur wenig gedämmt an die Ohren der Insassen.

FahrkomfortMax. PunkteVW Golf BlueTDIPeugeot 308 e-HDI FAP 115Hyundai i30 1.6 CRDi
Sitzkomfort vorn150136130127
Sitzkomfort hinten100726670
Ergonomie150130126128
Innengeräusche50332927
Geräuscheindruck100686462
Klimatisierung50343333
Federung leer200146138133
Federung beladen200140135127
Kapitelbewertung1000759721707

 

Motor und Getriebe

Obwohl mit 110 PS nominell schwächer als der Hyundai, bietet der Golf BlueTDI die besten Fahrleistungen. So beschleunigt er als einziger der drei in unter zehn Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Mit 195 km/h Spitze ist der VW zudem ganze zehn km/h schneller als der Langsamste im Feld, der Hyundai. Und bei der Elastizität von 60 auf 100 km/h (8,3 s) sowie 80 auf 120 km/h (12,1 s) nimmt der Wolfsburger seinen Gegnern mehr als vier respektive über zwei Sekunden ab. Dabei kommt dem Wolfsburger aufgrund seines Fünfgang-Getriebes zugute, dass er die beiden Prüfungen jeweils im niedrigeren Gang und damit kürzer übersetzt absolviert.

Beim Verbrauch wirkt sich der fehlende sechste Gang allerdings negativ aus. Denn mit 5,4 Liter Diesel auf 100 Kilometern genehmigt sich der VW 0,4 Liter mehr als der Hyundai – und dabei verfügt der Koreaner als einziger im Testfeld noch nicht einmal über ein Start-Stopp-System.

Den Bestwert markiert der 308 mit einem Testverbrauch von nur 4,8 l/100 km. Damit ermöglicht er gleichzeitig die größte Reichweite (1104 km). Auch der i30 knackt mit einem Aktionsradius von 1060 km die 1000-Kilometer-Marke, an der der Golf mit 926 km knapp scheitert.

Abgesehen von einer leichten Anfahrschwäche erreicht der 1,6-Liter-Turbodiesel des Peugeot in puncto Laufruhe und Kraftentfaltung das Niveau des in dieser Beziehung vorbildlichen VW-Motors. Das Triebwerk des Hyundai läuft im Vergleich dazu deutlich rauer und zeigt sich im unteren Drehzahlbrereich etwas durchzugsschwach.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Golf BlueTDIPeugeot 308 e-HDI FAP 115Hyundai i30 1.6 CRDi
Beschleunigung150999695
Elastizität100776667
Höchstgeschwindigkeit150494642
Getriebeabstufung100778080
Kraftentfaltung50343231
Laufkultur100555552
Verbrauch325279291287
Reichweite25182322
Kapitelbewertung1000688689676

 

Fahrdynamik

Die Gelassenheit, mit der der VW Golf auch als BlueTDI den Handlingkurs umrundet, ist einmal mehr beeindruckend. Unterstützt vom guten Grip-Niveau seiner optionalen 17-Zoll-Bereifung, zieht er völlig unaufgeregt seine Bahnen. Dank des tadellosen Einlenkverhaltens und der präzise arbeitenden Servolenkung lässt er sich millimetergenau um die Ecken zirkeln und ermöglicht dabei sehr hohe Kurvengeschwindigkeiten.

Dabei zeigt er auch bei plötzlichen Lastwechseln kaum Reaktionen, sodass sein fein regelndes Stabiliätsprogramm praktisch kaum zum Einsatz kommen muss.

Einen anderen Ansatz verfolgen die Peugeot-Ingenieure: Sie kalibrierten das sich ab 50 km/h stets wieder selbst aktivierende ESP so, dass es bereits beim kleinsten Anzeichen von Instabilität rigoros eingreift. Dies verleiht dem 308 ein sicheres Fahrverhalten, beraubt ihn aber weitgehend seiner fahrdynamischen Talente – auch wenn die Rundenzeit von 1:54,5 Minuten (Golf: 1:53,7 Min.) absolut respektabel ist.

Der Hyundai i30 mag die schnellere Gangart hingegen deutlich weniger. Das frühe Untersteuern und die fehlende Rückmeldung der Lenkung dienen dafür unter anderem als Beleg. In schnell gefahrenen Kurven drängt zudem stets das Heck nach außen und mahnt den Fahrer zur Mäßigung.

Tückische Lastwechselreaktionen sind ihm allerdings fremd, stattdessen dreht er sich bei plötzlicher Gaswegnahme weitgehend harmlos ein und baut so Geschwindigkeit ab. Folgerichtig ist der Hyundai mit 1:55,7 Minuten pro Runde mehr als zwei Sekunden langsamer als der Golf.

Die Lenkung des Peugeot 308 arbeitet vor allem um die Mittellage mit nur wenig Servounterstützung. Dieses zunächst eventuell etwas gewöhnungsbedürftige Verhalten trägt aber enorm zum mit Abstand besten Geradeauslauf bei. Der Golf beispielsweise zeigt sich in diesem Punkt – sicher auch bedingt durch seine breiteren Reifen – deutlich schlechter.

Bei den Bremswerten befinden sich alle drei Kandidaten auf einem hohen Niveau. Während Peugeot (35,5 Meter) und Hyundai (35,6 Meter) mit kalter Verzögerungsanlage den Maßstab für den Bremsweg aus Tempo 100 setzen, glänzt der Golf mit nur 34,3 Metern bei warmem Bremssystem. Bremsfading ist allen drei Kandidaten fremd.

FahrdynamikMax. PunkteVW Golf BlueTDIPeugeot 308 e-HDI FAP 115Hyundai i30 1.6 CRDi
Handling150615854
Slalom100695753
Lenkung100847976
Geradeauslauf50414442
Bremsdosierung30202020
Bremsweg kalt150859594
Bremsweg warm1501079699
Traktion100484444
Fahrsicherheit150133130129
Wendekreis20121311
Kapitelbewertung1000660636622

 

Umwelt und Kosten

Das günstigste Angebot in diesem Dreier-Vergleichstest stellt der Hyundai i30 dar, der mit einem Grundpreis von 20.760 Euro knapp 2000 Euro oder rund zehn Prozent weniger kostet als der Peugeot und der VW. Die Serienausstattung des i30 1.6 CRDi umfasst dabei unter anderem bereits Leichtmetallräder und Nebelscheinwerfer. Assistenzsysteme wie eine Reifendruckkontrolle sowie Spurverlassenswarnung oder Spurhalteassistent bietet Hyundai jedoch nicht an.

Eine deutlich längere Liste an Ausstattungsoptionen hält der VW Golf bereit. So lassen sich Komfort und aktive Sicherheit des Wolfsburgers mühelos steigern – aber eben auch die Kosten. Einzig bei der Frage nach der verfügbaren Multimedia-Ausstattung muss der VW relativ schnell passen.

Ganz anders der Peugeot 308, der mit 22.750 Euro Grundpreis zwar sogar noch knapp teurer ist als der VW, dafür aber serienmäßig unter anderem bereits über einen USBAnschluss sowie eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung verfügt. Als einziger der Kandidaten offeriert er auf Wunsch zudem ein mobiles Internet über Peugeot Connect Apps.

In puncto Werkstattkosten erweist sich der VW Golf als vergleichsweise günstig, dafür bietet er nur zwei Jahre Garantie auf die Technik und drei Jahre auf den Lack. i30 und 308 punkten hier mit einer Garantielaufzeit von jeweils fünf Jahren. Im Gegenzug glänzt der VW mit einer unbegrenzten Mobilitätsgarantie, während der Hyundai und der Peugeot auch hier nur auf fünf Jahre kommen.

Bei den laufenden Kosten wie Steuer und Versicherungsbeiträgen herrscht weitgehend Gleichstand in diesem Trio, das gilt auch für den prognostizierten Wertverlust.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Golf BlueTDIPeugeot 308 e-HDI FAP 115Hyundai i30 1.6 CRDi
Bewerteter Preis675232243255
Wertverlust50252425
Ausstattung25232323
Multimedia50192418
Garantie/Gewährleistung50283535
Werkstattkosten20161313
Steuer10888
Versicherung40363635
Kraftstoff55454747
Emissionswerte25222222
Kapitelbewertung1000454475481

 

Fazit

Gut gebrüllt, Löwe: Der neue Peugeot 308 schlägt sich in seinem ersten Vergleichstest sehr beachtlich.

In der 115-PS-Dieselversion verbindet er schickes Design, hohen Fahrkomfort und einen effizienten Motor zu einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis. An den Altmeister VW Golf kommt er dennoch nicht heran. Der Wolfsburger Bestseller sticht seine Kontrahenten einmal mehr mit seinen überzeugenden Allround-Talenten aus. Er ist gleichermaßen komfortabel wie dynamisch, verfügt dabei auch dank moderner Assistenzsysteme über eine sehr hohe Fahrsicherheit. Dass diese Qualität ihren Preis hat, versteht sich fast von selbst.

Preisbewusste werden sich daher vielleicht eher für den Hyundai i30 entscheiden – und dafür die weniger ausgeprägten Komforteigenschaften in Kauf nehmen.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Golf BlueTDIPeugeot 308 e-HDI FAP 115Hyundai i30 1.6 CRDi
Summe5000315430743039
Platzierung123

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