Peugeot 201, 204, 504 & 406: Coupe-Vergleich Peugeots Schönste

21.02.2015

Anmut in Blech, pure Verführung: Jede Epoche hatte ihr Traum-Coupé aus Sochaux, von innovativ über praktisch und stark bis zeitlos schön. Ein Vergleich vom Peugeot 201 über 204 und 504 bis zum 406

Es hat ein bisschen was von Laurel & Hardy, wenn man im Peugeot 201 Coupé fährt. Der kleine schwarze Wagen von 1931 ist innen reichlich eng, das Lenkrad stößt fast an die linke Tür. Gas ist in der Mitte, die Bremse rechts, das Getriebe gibt sich bockig unsynchronisiert.

Der Starterknopf kauert auf dem Boden neben der Bremse. Und warum der aufklappbare Notsitz im Fond ausgerechnet „Schwiegermuttersitz“ genannt wird, erschließt sich nicht: Welche Schwiegermutter ist schon so sportlich und erklimmt über den Tritt rechts an der Stoßstange das hohe Heck des Wagens?

Doch forscht man ein wenig genauer, dann verkehrt sich das etwas mitleidige Lächeln über den Automobilveteranen in ehrfürchtiges Staunen. Denn mit dem 201 führte Peugeot die bis heute gültige Fahrzeug-Benennungslogik mit der Null in der Mitte ein. Gerne wurde dabei die Null im Kühlergrill als Loch für die Anlasserkurbel in den frühen Jahren des Automobils genutzt. Und es war wiederum der 201, der Peugeot durch die schwierige Zeit der Wirtschaftsdepression 1929/1930 half.

Der kleine und günstige Wagen, dessen Karosserieteile großteils bei der Firma Ambi-Budd in Berlin gepresst wurden, passte in die Zeit. Er war nützlich und vielseitig als Limousine und Lieferwagen oder eben schick als Coupé und Cabriolet. Hinzu kam die Innovationskraft von Peugeot, die sich Bahn brach mit diesem nach Meinung der damaligen deutschen Fachpresse „besten, wirklichen Kleinwagen unserer Zeit“: 1931 führte Peugeot am 201 die unabhängige Vorderradaufhängung ein.

Es blieb zwar bei der oberen querliegenden Blattfeder, doch statt eines durchgehenden Achskörpers darunter gönnten die Ingenieure aus Sochaux ihrem Erfolgsmodell nun zwei in der Mitte schwingend gelagerte Querlenker, die ganz erheblich den Komfort verbesserten.

Ein Übriges hierzu trugen die großen Räder bei, die auch bei schnellerer Fahrt über Land in kein Schlagloch fielen. Über 142.309 Peugeot 201 liefen zwischen 1929 und 1937 vom Band, davon 8357 Coupés – ein mehr als beachtlicher Erfolg für den kleinen Sympathieträger mit dem hohen Kühler. 1,1 Liter Hubraum, 23 PS: Das war genug für die damalige Zeit und für eine Spitze von 80 km/h.

Heute ist das unfassbar gemächlich. Gerade die 1930er-Jahre waren große Jahre für elegante Coupés von Peugeot bis hin zum Stromlinientyp 402 mit unter der Heckklappe versenkbarem Blechdach. Doch es sollte bis zum Oktober 1966 dauern, ehe der 201 einen Coupé-Nachfolger im Kleinwagensegment erhielt.


DER 204 BEERBT GUT 30 JAHRE SPÄTER DEN 201


Der „Neue“ fußte auf der 1964 vorgestellten 204 Limousine. Ihr Blechkleid hatte Stardesigner Sergio Pininfarina entworfen. Und auch für das Coupé zeichneten die Italiener verantwortlich. Der zweitürige Schönling war 29 Zentimeter kürzer als die Limousine und bot doch beachtlichen Platz in der zweiten Reihe.

Viel wichtiger jedoch: Die Praktikabilität des „Nouvelle Voiture“, des neuen Autos, wie Peugeot seine aktuelle Kreation schlicht in der Werbung nannte. Per großer Heckklappe mutierte das schmucke Coupé zum Lastesel. Und die Rückbank ließ sich flach auf den Boden falten – das musste den Franzosen erstmal einer nachmachen!

Beim Antrieb ging man neue Wege: Frontantrieb und querliegender Motor setzten Maßstäbe in puncto Raumausnutzung: „Seiner Zeit voraus“, lobte die Fachpresse. Kein Wunder also, dass der 204 zum Dauerläufer und Bestseller avancierte. Zwischen 1964 und 1976 orderten 1.604.296 Automobilisten den 204; das Coupé wählten 42.756 Auto-Fans.

Wenn man heute in das Coupé einsteigt, dann kann man die Wahl  jedes einzelnen Käufers verstehen. Der kleine Franzose empfängt seine Passagiere mit weichen breiten Sitzen und enormem Platzangebot vor allem vorn. Der Fronttriebler braucht keinen Kardantunnel, der nur beim Kuscheln mit der Beifahrerin stören würde.

Der dabei hinderliche Mittelschalthebel wurde ebenfalls eingespart. Es gibt eine Lenkradschaltung, die nach kurzer Eingewöhnung so herrlich leichtgängig flutscht, dass sich schon nach wenigen Metern ein betont lässiges Fahrgefühl einstellt. Wie der 201 vertraut auch der 204 auf einen 1,1 Liter großen Motor.

Nur die Leistung hat sich verdoppelt. Mit dem über 140 km/h schnellen Oldtimer ist man auch heute noch flott unterwegs. Dabei klingt der Vierzylinder bisweilen ein wenig kehliger als der Urvater, der betont ruhig vor sich hinschnauft.

Die Antriebseinflüsse auf die Lenkung bleiben gering, und auch der Wendekreis ist erfreulich klein. Da mag man kaum wieder aussteigen, doch das nächste Coupé lockt mit einem starken V6-Motor – unwiderstehlich.

 

504 COUPÉ: LUXUS UND LEISTUNG MIT DEM V6

Was für ein Unterschied! Ein 204 Coupé ist durchaus bequem, doch im 504 Coupé dringt das Flair der Luxusklasse aus jedem Winkel. Gerade an dieser späten Version des 504, wie sie ab 1979 gebaut wurde, stimmt jedes Detail. Die herrlich plüschigen Sitze, die dennoch einen gewissen Seitenhalt geben, das Holzfurnier rundherum, die sehr gut ablesbaren Rundinstrumente und der gut zur Hand liegende Schalthebel versprechen eine angenehme Reise.

Der Dreh am Zündschlüssel – natürlich links vom gelochten Zweispeichen- Volant mit großer Prallplatte angeordnet – erweckt den V6 mit seinen 144 PS zum Leben. Der Motor hat bereits eine elektronische Zündanlage und auch eine ebensolche Benzineinspritzung.

Das heißt: sofortiges Anspringen, sofort Standgas, sofort Spaß. Der kommt auf, sobald der kompakte Sechszylinder zum Leben erwacht. Es ist der so genannte Euro-V6, der 1974 von mehreren europäischen Autoherstellern eingeführt worden war und anfangs wegen seines rauen Laufs kritisiert wurde.

Doch ab 1977 baute Peugeot eine verbesserte Version. Das Ergebnis: seidenweicher Lauf, bullige Kraftentfaltung und mehr Leistung. Das alles verpackt in die wiederum in bewährter Kooperation mit Pininfarina entwickelte zeitlos schöne Karosserie ergibt einen Sehnsuchts-Klassiker, der von den Peugeot-Fans weltweit zu Recht geliebt wird.

Von 1969 bis 1983 reichte die Bauzeit – heute unfassbare 14 Jahre lang blieb das sportliche Oberklasse-Modell im Programm. 26.629 Coupés und 8185 Cabrios liefen vom Band. Unser Fahrzeug der allerletzten Serie hat zwar schon die Kunststoffstoßfänger (ab 1979), aber auch sie können die tollen Linien des bulligen und doch auch fi ligranen Peugeot 504 Coupé nicht stören.

Ein ausgereiftes, ein schönes Auto, das sein Kraft souverän per Hinterradantrieb auf die Straße bringt und in Kurven dynamisch zur Sache geht. Es ist ein echtes Ausrufezeichen der Automobilgeschichte.

Und die Kooperation zwischen Peugeot und Pininfarina brachte noch ein weiteres Schmuckstück hervor. In der AUTO ZEITUNG 21/1996 tauchte das 406 Coupé zum ersten Mal auf. Der bei der Präsentation anwesende Redakteur attestierte der Heckpartie eine stilistische Ähnlichkeit mit der des Ferrari 456 GT – ebenfalls von Sergio Pininfarina gezeichnet.

 

AUTOMOBILE SCHÖNHEIT: DER 406 ÜBERZEUGTE

Es gab lobende Worte: „Neuer Star am Peugeot-Himmel“, „Automobile Schönheit“. Im ersten harten Vergleich mit etablierter Konkurrenz konnte das 406 Coupé 1997 dann tatsächlich auftrumpfen: Hier stimmten nicht nur Preis und Leistung, sondern trotz der flachen Form auch das Platzangebot hinten.

Nur dem 2,0-Liter-Benziner konnten die Tester damals nicht so viel abgewinnen. Deshalb steigen wir heute auch in ein 406 Coupé mit 2,2 Liter großem HDi-Motor ein. Ein Diesel in einem so sportlichen Wagen war auch damals schon kein Affront mehr – zumal wenn der Löwe im Kühlergrill stolz die Tatzen hebt.

Die französischen Ingenieure sind bekannt dafür, dass sie den Dieselmotor kultiviert und damit hoffähig gemacht haben. Und genau diesen Eindruck bestätigt auch der Vierzylinder in diesem 2004 gebauten Coupé der allerletzten Serie. Entspannt und unaufdringlich zieht der Diesel wie von einem Gummiband gezogen durch.

Wo der 504 noch deutlich seinen Motor hören ließ, ist im 406 Coupé alles so gut gedämmt, dass man auch bei Spitzengeschwindigkeit noch die Musik aus dem Soundsystem genießen und Navigationsansagen mit Leichtigkeit hören kann. In weichen Ledersesseln reist man entspannt durch Europa – und das bei niedrigem Verbrauch. Was will man mehr?

Das 406 Coupé ist zweifelsohne ein Klassiker der Zukunft und einer der schönsten Peugeot, die je gebaut wurden. Jetzt ist die Zeit, sich einen zu sichern, denn die Preise sind mehr als günstig für diesen alltagstauglichen Traumwagen.


MARKTLAGE PEUGEOT 201

Zustand 2:  16.500 Euro
Zustand 3:  11.100 Euro
Zustand 4:     7500 Euro
Wertentwicklung: stagnierend
Definition der Zustandsnoten

MARKTLAGE PEUGEOT 204

Zustand 2:    6700 Euro
Zustand 3:    4500 Euro
Zustand 4:    1700 Euro
Wertentwicklung: leicht steigend
Definition der Zustandsnoten

MARKTLAGE PEUGEOT 504

Zustand 2:  11.000 Euro
Zustand 3:     7200 Euro
Zustand 4:     2600 Euro
Wertentwicklung: leicht steigend
Definition der Zustandsnoten

SCHWACKE-LISTE PEUGEOT 406

Händler VK:  ab 5000 Euro

Thorsten Elbrigmann

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