Luxusklasse im Test Panamera 4S gegen S 500 4Matic und BMW 750i xDrive

25.01.2010
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Eine Versuchung für Freunde der feinen Fahrkultur: BMW 750i xDrive, Mercedes S 500 4Matic und Porsche Panamera 4S. Alle drei Luxusliner liefern eine eigene Interpretation

Es herrscht Feierlaune in Zuffenhausen – entpuppt sich doch der Panamera als neue Trumpfkarte: In der AUTO ZEITUNG hat der Neuling bereits drei Vergleichstests gewonnen. Einen besseren Einstieg dürfte es für ein neues Modell wohl kaum geben. Doch die nächsten Gegner lassen bereits die Motoren warmlaufen. Sie kommen aus der deutschen Luxusliga, wo V8-Maschinen mit Leistungen um die 400 PS eine standesgemäße Motorisierung darstellen. Als Panamera 4S mit Saugmotor trifft der Porsche diese Leistungsmarke auf den Punkt. Der Mercedes S 500 4MATIC bleibt als ältestes Modell innerhalb des Vergleichs mit 388 PS knapp darunter, während der taufrische BMW 750i xDrive mit 407 PS das obere Leistungsende des Testtrios markiert.

Und damit diese Leistung statt in Reifenrauch auch stets in Vortrieb umgewandelt werden kann, stehen alle drei mit Allradantrieb am Start. Stellt sich also die spannende Frage, ob die Siegesserie eine Fortsetzung erfährt oder in Zuffenhausen die Feierlaune eher einer Katerstimmung weicht.

 

Karosserie

Eine große Heckklappe, geteilt klappbare Fondsitze, eine ebene Ladefläche und bis zu 1263 Liter Kofferraumvolumen weisen die Schrägheck-Karosserie des Panamera als sehr praktisch aus, wäre sie heckwärts nur nicht so unübersichtlich. Die tiefe Sitzposition, die hohe Gürtellinie und die breite C-Säule schränken die Rundumsicht stark ein. Auch geizt der Panerama etwas mit Ellbogen- und seitlicher Kopffreiheit, ohne aber wirklich eng zu sein.

Dennoch sind BMW und Mercedes großzügiger geschnitten. Auch bei der Zuladung stechen die beiden Stufenheck-Limousinen den Porsche aus: 610 kg darf der Mercedes einladen, beim BMW sind es 530 (Porsche: 479 Kilogramm). Mit Presafe und Aufmerksamkeitsassistent punktet sich die S-Klasse in der Sicherheitsausstattung nach vorn. Porsche hingegen bietet zwei Knieairbags vorn, verzichtet aber auf die in dieser Klasse üblichen Extras wie Spurassistent und Toter-Winkel-Warner. In Sachen Qualität und Verarbeitung wirkt die S-Klasse noch etwas solider als die schon sehr hochwertigen Konkurrenten.

KarosserieMax. PunktePorsche Panamera 4SMercedes S 500 4MaticBMW 750i xDrive
Raumangebot vorn100909494
Raumangebot hinten100809593
Übersichtlichkeit70313838
Bedienung/ Funktion100828083
Kofferraumvolumen100414841
Variabilität1004033
Zuladung/ Anhängelast80414944
Sicherheit150111128111
Qualität/ Verarbeitung200184194185
Kapitelbewertung1000700729692

 

Fahrkomfort

Was der Mercedes in der Fahrdynamik verliert, gewinnt er beim Komfort: Bester Sitzkomfort vorn und ein niedriges Innengeräuschniveau sorgen für bequemen Aufenthalt an Bord. Wirkt er im leeren Zustand auf Holperstrecken mit seiner serienmäßigen Luftfederung noch etwas zittrig, gleitet er unter voller Nutzung seiner Zuladung (610 kg) wie eine Sänfte über die Straße – ganz im Gegensatz zum mit adaptiven Dämpfern bestückten BMW, der unter diesen Bedingungen auf kurzen Bodenwellen recht früh durchschlägt. Dafür sitzen die Fond-Passagiere im Münchner mit etwas weniger angewinkelten Beinen als in der S-Klasse. Auch die gute Ergonomie des Bayern erfreut. Hier fällt der Mercedes etwas ab. Der kombinierte Scheibenwischer-Blinkerhebel, die versteckt liegende Motorhaubenöffnung und der ungünstig nahe der Stirnwand platzierte Ölpeilstab haben daran ihren Anteil.

Porsche geht bei der Bedienung einen eigenen Weg. Während die Konkurrenten die Funktionen mittels Drehschalter bündeln, gibt’s im Panamera einzelne Tasten auf der Mittelkonsole. Schlechter ist diese Lösung nicht, aber gewöhnungsbedürftig Auch die Schalttasten im Lenkrad könnten griffgünstiger geformt sein. Beim Federungskomfort zieht sich der luftgefederte Porsche (Option, 1952 Euro) recht achtbar aus der Affäre. Straff, aber nicht zu hart wahrt der Panamera auch unter voller Zuladung die Contenance. Seine Sportsitze sind bequem, für beleibtere Naturen aber etwas eng geschnitten.

FahrkomfortMax. PunktePorsche Panamera 4SMercedes S 500 4MaticBMW 750i xDrive
Sitzkomfort vorn150137140140
Sitzkomfort hinten100859496
Ergonomie150111122124
Innengeräusche50394340
Geräuscheindruck100779385
Klimatisierung50474747
Federung leer200175175182
Federung beladen200175185160
Kapitelbewertung1000846899874

 

Motor und Getriebe

Auch wenn alle drei Kandidaten  in einer Leistungsklasse liegen, sind ihre Motoren von unterschiedlichem Charakter. Der 4,8-Liter-Benzin-Direkteinspritzer des Porsche glänzt vor allem im oberen Drehzahlbereich mit hoher Drehfreude und liefert die besten Fahrleistungen: 4,6 Sekunden von null auf 100 km/h dank serien-mäßiger Launch Control und 282 km/h Spitze. Beim Sprint ist die Konkurrenz knapp eine Sekunde langsamer. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 250 km/h abgeregelt. Der Porsche ist ganz klar ein Auto für den Selbstfahrer, der sich am serienmäßigen, blitzschnell schaltenden Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe erfreut. Dessen Schaltcharakteristik lässt sich mittels Sporttaste anschärfen und richtet sich ebenso an Menschen mit Benzin im Blut wie der Sportauspuff (2606 Euro), dessen Klang sich per Tastendruck intensivieren lässt. Der Panamera ist der einzige, der mit einer etwas unkultiviert arbeitenden, aber auch abschaltbaren Start-Stopp-Automatik daherkommt. Das hilft, den Testverbrauch auf ein erträgliches Niveau von 13,5 Liter Super Plus zu bringen.

Trotzdem kann der Mercedes diesen Wert noch unterbieten. Der mit 5,5 Litern hubraumgrößte V8 im Test konsumiert nur 12,8 Liter Super und ist damit hier der Sparsamste. Das Leistungsdefizit gegenüber den Rivalen ist zu verschmerzen, da es im Verkehrsalltag keinerlei Nachteile bedeutet. Vielmehr zeigt der S 500, wie die Souveränität seiner Antriebseinheit in fahrerischer Gelassenheit mündet. Dazu trägt die mustergültige Laufruhe ebenso bei wie die etwas träge, aber sehr weich schaltende Siebengangautomatik.

Der BMW mit Biturbo-befeuertem 4,4-Liter-V8 spielt die Drehmomentkarte: 600 Nm bei 1750 bis 4500/min sind top in diesem Trio und sichern ihm druckvollsten Durchzug in jeder Lebenslage. Die Sechsstufenautomatik zählt zu den aufmerksamsten, die man für Geld kaufen kann. Trotz EfficientDynamics-Paket landet der 7er mit einem Testverbrauch von 15,5 Liter Super Plus hinter den Konkurrenten.

Motor und GetriebeMax. PunktePorsche Panamera 4SMercedes S 500 4MaticBMW 750i xDrive
Beschleunigung150142137136
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit1501149090
Getriebeabstufung100909598
Kraftentfaltung50474648
Laufkultur100909794
Verbrauch32512513887
Reichweite2514138
Kapitelbewertung1000622616561

 

Fahrdynamik

Auf dem Handlingparcours legt der Panamera eine Agilität an den Tag, mit der sich weder der BMW noch der Mercedes messen können. Seine feinfühlige Lenkung ermöglicht Richtungswechsel von chirurgischer Präzision. Der aktive Allradantrieb, die adaptive Luftfederung (1952 Euro) und die PDCC („Porsche Dynamic Chassis Control“, Wankstabilisierung durch aktive Stabilisatoren, 4344 Euro) samt elektronischer Hinterachsquersperre sorgen dafür, dass weder Seitenneigung noch Traktionsmängel ein Thema sind. Ergebnis: Der Porsche ermöglicht extrem hohe Kurventempi und ein neutrales Eigenlenkverhalten. Nur grob vorsätzlich lässt er sich in ein gut kontrollierbares Leistungsübersteuern zwingen. Diese Abstimmung vermittelt dem Fahrer ein sicheres Gefühl, das von den leistungsfähigen Keramikbremsen (8033 Euro) noch untermauert wird.

Dagegen merkt man dem BMW deutlich an, dass er eher Limousine denn Sportwagen ist. Hierfür spricht einerseits das mit 2130 Kilogramm höchste Leergewicht im Testfeld, andererseits zeigt er eine spürbare Untersteuertendenz an der Reifenhaftgrenze. Auch beim Bremsen fällt er hinter die anderen Kandidaten zurück. Überzeugen können wiederum die präzise Lenkung und die geringe Seitenneigung dank serienmäßiger Wankstabilisierung (Dynamic Drive). Diese gibt es für die allradgetriebe S-Klasse nicht. Und so fährt der Daimler deutlich träger, aber we-niger untersteuernd um Kurven.

FahrdynamikMax. PunktePorsche Panamera 4SMercedes S 500 4MaticBMW 750i xDrive
Handling1501118994
Slalom100745859
Lenkung100876985
Geradeauslauf50464044
Bremsdosierung30251922
Bremsweg kalt1501058880
Bremsweg warm1501109680
Traktion100858080
Fahrsicherheit150142138135
Wendekreis201182
Kapitelbewertung1000796685681

 

Umwelt und Kosten


Mit AZ-Normausstattung bleibt nur der BMW mit 98.480 Euro unter der Hundertausender-Schwelle. Am teuersten ist der Porsche mit fast 104.000 Euro. Laut DAT ist er auch der wertstabilste, wobei dieser Begriff relativer Natur ist, denn in vier Jahren verlieren Porsche-Eigner über 55.000 Euro. Zahlen wie diese erklären, warum in
dieser Klasse vorwiegend geleast wird. Wenn es um die Werkstattkosten geht, fällt der Panamera ab. Hier sind laut ADAC pro Jahr durchschnittlich 1071 Euro fällig (Basis: Inspektionen und Verschleißreparaturen ohne Reifen, vierjährige Haltedauer und 20000 km Jahresfahrleistung). Beim BMW sind es dagegen nur 288 Euro pro Jahr, denn bis fünf Jahre und 100.000 km sind die Inspektionen dank des „Service-Inklusive“-Programms kostenlos.

Kosten/UmweltMax. PunktePorsche Panamera 4SMercedes S 500 4MaticBMW 750i xDrive
Bewerteter Preis675414245
Wertverlust50433
Ausstattung25142514
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50182720
Werkstattkosten2091217
Steuer10666
Versicherung40181713
Kraftstoff55202414
Emissionswerte25838183
Kapitelbewertung1000213237215

 

Fazit

In Zuffenhausen darf weitergefeiert werden, denn der Panamera holt abermals den Sieg. Er vereint einen drehfreu-
digen Motor und ein extrem hohes fahrdynamisches Potenzial mit hoher Alltagstauglichkeit und ordentlicher Federung.

Die gereifte S-Klasse setzt auf Komfort statt auf Fahrdynamik. Der geringe Verbrauch hilft dem Luxusliner auf den zweiten Platz. Der BMW kostet deutlich weniger als die Konkurrenz und ist zudem dynamischer als der Daimler. Der bärenstarke V8 liefert zwar gute Fahrleistungen, ist aber zu durstig. Auch Bremsen und Federung verdienen Feinschliff.

Gesamtbewertung

Max. PunktePorsche Panamera 4SMercedes S 500 4MaticBMW 750i xDrive
Summe5000317731663023
Platzierung123

Tags:
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