Pagani Huayra und Zonda S: Supersportler und Spielzeug Transformers aus San Cesario

21.02.2013
Inhalt
  1. Auch ein Zonda feiert noch majestätische Auftritte
  2. Downsizing mit Biturbo und satten 730 PS
  3. Pagani: Kaufpreis pro Modell über eine Million Euro

Alien? Roboter? Sportwagen! Aufgeklappt wirken beide Pagani wie die Titelfiguren aus der erfolgreichen Science-Fiction-Saga. Doch Huayra und Zonda S sind keine Maschinen-Monster, sondern Automobilbau-Kunst

Die kurvig en Sträßchen in den Hügeln südlich von Modena sind Ferrari-Land. Ungetarnte Aggregateträger und verklebte Erlkönigeverschlingen hier Kilometer um Kilometer, frühzeitig angekündigt vom Brüllen des Motors, kurz zu sehen, schnell verschwunden. Wahre Könige der Landstraße - aber keine absolutistischen Herrscher. Denn wenn im nahen San Cesario sul Panaro Horacio Pagani seine Autos vom Hof schickt, spielen die Ferrari auf einmal nur die zweite Geige. Auch der sonst so coole Testfahrer aus Maranello geht abrupt vom Gas - ganz langsam und in gebührendem Abstand umkurvt der Ferrari den Pagani. König trifft Kaiser.

 

Auch ein Zonda feiert noch majestätische Auftritte

Selbst das erste Modell aus der kleinen, aber sehr feinen Sportwagenschmiede des Designers und Kohlefaser-Spezialisten Horacio Pagani, der Zonda, feiert in seinem Heimatrevier rund um Modena solch majestätische Auftritte. Kein Wunder: Zwischen 1999 und 2012  wurden gerade mal 130 Exemplare der Flunder mit einer Leistung von 394 bis 750 PS in Handarbeit gefertigt. Unser blauer Zonda S aus dem persönlichen Fuhrpark seines Schöpfers entstand 2003 und trägt zwischen Gitterrohrrahmen und Kohlefaser-Anbauteilen ein längs eingebautes V12-Triebwerk mit 7,3 Liter Hubraum und 555 PS. Wie alle Pagani-Motoren wurde es bei AMG im schwäbischen Affalterbach entwickelt und montiert - diese Kooperation hatte noch die argentinische Rennfahrerlegende Juan Manuel Fangio eingefädelt, Förderer und Landsmann von Horacio Pagani.
 
Diesem Sauger mit einem maximalen Drehmoment von 750 Newtonmetern merkt man seine Herkunft an. Beim Start, im Leerlauf und bei entspanntem Gleiten meidet er unnötigen Krawall. Nur ein dumpfes Grollen dringt ans Ohr, das aber bereits souverän und selbstbewusst klingt. Wird dann jedoch Leistung verlangt, geht’s los - erst gleichmäßig ansteigend, dann bei höheren Drehzahlen explosionsartig. Dann ist auch der kultivierte Klang Vergangenheit und steigert sich vom Grollen zum Brüllen bis zum Kreischen. Jetzt ist  man längst bei Geschwindigkeiten, die mit italienischen Verkehrsregeln nicht in Einklang zu bringen sind. Aber man könnte, wenn man wollte. Aerodynamik, Fahrwerk und Reifen könnten sowieso, genau wie die sehr direkte Lenkung und das knackige Sechsgang-Getriebe.
 
Schon dieser erste Pagani reiht sich genauso selbstverständlich in den Berufsverkehr ein, erklimmt behutsam die auch in Italien unvermeidlichen Verkehrsschweller und wartet geduldig vor der roten Ampel. Der Zonda ist tatsächlich ein Auto für jeden Tag. Dazu bietet er auch den entsprechenden Komfort - etwa eine gut funktionierende Klimaanlage, klaren Sound aus der Musikanlage und bequeme Sportsitze, die nicht auf 18-jährige Hungerkünstler zugeschnitten sind. Leder, Karbon und aus dem Vollen gefräste Aluminiumteile bilden im Innenraum einen sehr edlen Materialmix in einer Verarbeitungsqualität, wie sie nur wenige Kleinserienhersteller erreichen. Alles passt genau, nichts klappert.

 

Downsizing mit Biturbo und satten 730 PS

Mit dem Eintreffen des zweiten Autos ist eine kleine Sensation perfekt: Gleich zwei Pagani an einem Ort - zum Zonda gesellt sich der Huayra. Der 2011 präsentierte Sportler wurde inzwischen auch schon 20 Mal gebaut und an Kunden in aller Welt ausgeliefert. Ist der Zonda nach einem Fönwind in den argentinischen Anden benannt, hört sein Nachfolger auf den Namen eines indianischen Sturmgottes.

Teil 2 und die technischen Daten

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Und das zu Recht: Sein V12 unter der langen Motorhaube leistet 730 PS - trotz Downsizing. Das Triebwerk von Mercedes-Tochter AMG hat nur sechs Liter Hubraum, wird aber von zwei Turboladern befeuert. Das maximale Drehmoment von brachialen 1000 Newtonmetern steht so schon ab gut 2000 Touren bereit. Das erfordert vom Fahrer einen noch sensibleren Gasfuß: Im Vergleich zum Zonda erfolgt die Leistungsabgabe quasi ab Leerlaufdrehzahl wie eine Eruption. Wer allzu sorglos loslegt, darf erahnen, wie sich frühe Astronauten an der Spitze einer Saturn-V-Rakete fühlten.

Dabei ist der Job am Steuer des Pagani ungleich harmloser: Launch-Control, ESP und eine ausgefeilte Aerodynamik bieten viel Sicherheit: Ab Tempo 80 sorgen vier elektronisch gesteuerte Flaps an Front und Heck für eine ausgewogene aerodynamische Balance des heckgetriebenen Huayra. Bei der Ausrichtung der Flügel werden Geschwindigkeit, Gierrate, Querbeschleunigung, Gaspedal- und
Lenkradstellung berücksichtigt. Außerdem hat der Pilot die Wahl zwischen dem Automatik-, dem Komfort- und dem Sportmodus, was nicht nur Auswirkungen aufs sequenzielle Getriebe, sondern auch auf das Ansprechverhalten des Motors und natürlich auf das Fahrwerk hat.

 

Pagani: Kaufpreis pro Modell über eine Million Euro

Trotzdem ist auch der Huayra kein Sportwagen der Kategorie "Nur-für-die-Rennstrecke“: Dank Automatik lässt er sich auf Wunsch noch entspannter bewegen. Die Verarbeitung, die Liebe zum Detail und die feinen Materialien sind hier sogar eine Spur perfekter als im Vorgängermodell, und in zwei Staufächern vor den Hinterrädern bieten maßgeschneiderte Ledertaschen Platz fürs Wochenendgepäck.

Mit seinen elektronischen Helfern, dem LED-Fahrlicht und auch der moderneren Form, die nicht wie beim Zonda an Rennwagen aus den 80er-Jahren erinnert, ist der Huayra die logische Weiterentwicklung des Zonda. In einer neuen Werkhalle sollen künftig nicht nur 20, sondern bis zu 50 Autos pro Jahr gebaut werden. Trotz des satten Kaufpreises von über einer Million Euro sind die Auftragsbücher gut gefüllt. Besonders in den USA, dem Nahen Osten und Asien gibt es genug zahlungskräftige Kunden, die ein kaiserliches Fahrvergnügen fürstlich honorieren. 

TECHNIK    

Pagani Zonda S
Pagani Huayra
Antrieb V12-Zylinder, 4-Ventiler; Bohrung x Hub: 82,6 x 93,0 mm; Hubraum: 7291 cm3; Leistung: 408 kW/ 555 PS bei 5900 /min; max. Drehm.: 750 Nm bei 4050 /min; Getriebe: 6-Gang, manuell; Hinterradantr. V12-Zylinder, 3-Ventiler, Biturbo; Bohrung x Hub: 82,6 x 93,0 mm; Hubraum: 5980 cm3; Leistung: 537 kW/730 PS bei 5800 /min; max. Drehmoment: 1000 Nm bei 2250 - 4500 /min, Getriebe: 7-Gang, automatisiert; Hinterradantrieb
Aufbau + Fahrwerk
Mittelmotor-Sportwagen mit Kohlefaser-Titan-Monocoque und Chrom-Molybdän-Stahlrohr-Hilfsrahmen, Karbonfaser-Karosserie; Fahrwerk rundum: Doppelquerlenker, Federn, Dämpfer, Stabi.; ESP; Bremsen: rundum innenbelüftete Scheiben; ABS; Reifen v.: 255/40 ZR 18 Y; h.: 345/35 ZR 18 Y Mittelmotor-Sportwagen mit Kohlefaser-Titan-Monocoque und Chrom-Molybdän-Stahlrohr-Hilfsrahmen, Karbonfaser-Karosserie; Fahrwerk rundum: Doppelquerlenker, Federbeine mit Pushrod anlenkung, Stabi.; ESP; Bremsen: rundum innenbelüftete Scheiben; ABS; Reifen v.: 255/35 ZR 19 Y; h.: 335/30 ZR 20 Y
Eckdaten L/B/H: 4395/2055/1151 mm; Radstand: 2730 mm; Leergewicht: 1280 kg; 0 auf 100 km/h in 3,7 s; Höchstgeschw.: 340 km/h; Grundpreis (2003): 414.000 Euro L/B/H: 4605/2036/1169 mm; Radstand: 2795 mm; Leergewicht: 1350 kg; 0 auf 100 km/h in 3,3 s; Höchstgeschw.: 360 km/h; Preis: 1.061.480 Euro

Klaus Uckrow

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