Otto der Kleine - Fiat 8V Otto der Kleine

01.12.2006

Auf Deutsch klingt sein Name stumpf, aber in seiner melodischen Heimatsprache heißt er Otto Vu, und die Fans sprechen ihn liebevoll aus, denn er ist einmalig

Eckdaten
PS-kW126 PS (93 kW)
AntriebHeckantrieb, 4 Gang manuell
0-100 km/hk.A.
Höchstgeschwindigkeit190 km/h
Preisk.A.

Acht Zylinder, aber nur zwei Liter Hubraum,das klingt heute verrückt: Ein Motor mit so kleinen Zylindern ist eine Drehorgel ohne Zugkraft, kompliziert in der Konstruktion, teuer in der Fertigung, kostspielig in der Wartung und deshalb bestenfalls für Rennwagen zu gebrauchen. Aber genau darum ging es! Der Fiat 8V von 1952 war ein GT-Rennwagen mit Straßenzulassung, ein fast 200 km/h schnelles Sportgerät, maßgeschneidert für die Zwei-Liter-Klasse der italienischen Meisterschaft. Nur sieben Jahre nach Kriegsende sollte Italiens größter Autohersteller eigentlich anderes im Sinn haben als Rennwagen zu bauen, dürfte man meinen. Und tatsächlich erhielt Fiat böse Kritik von Seiten der Kommunisten, die einen neuen Topolino erwarteten und kein neues Spielzeug für die Renn-Enthusiasten. Aber es scheint, als habe die versammelte Autoindustrie Italiens in jenen Jahren nur daran gedacht, Rennen zu fahren, und Fiat war spät dran: Schon 1946 erschien der Maserati A6 auf der Bildfläche, ein Jahr später folgte der erste Ferrari. Alfa Romeo und Lancia stellten 1950 mit den Typen 1900 und Aurelia zwei Sportfahrzeuge der Extraklasse vor, und als sei dies alles nicht schon wunderbar genug, tummelten sich zwischen ihnen noch freche kleine Rennautos von Cisitalia, Stanguellini oder Moretti, und ein zugereister österreicher namens Karl Abarth begann mit Freude, Fiat-Kleinwagen zu frisieren. In dieser hochoktanigen Atmosphäre war es unmöglich, abstinent zu bleiben. Neben der Produktion von neuen Mittelklasse-Limousinen, Geländewagen und dem aktualisierten Vorkriegs-Cinquecento beschloss Fiats Chefentwickler Dottore Dante Giacosa, auch Kapazitäten für den Bau eines Gran Turismo freizuhalten. Der Motor war einmalig in seiner Konstruktion. Als V8 mit 70 Grad Gabelwinkel nutzte er die letzte verbliebene Lücke zwischen dem V12 von Ferrari, den V- und Reihensechszylindern von Lancia und Maserati sowie den neuen DOHC-Vierzylindern von Alfa Romeo. Damals stritten die Ingenieure nämlich noch ums Prinzip. Die Ausführung im Detail folgte dafür gängigen Konstruktionsprinzipien: Der Zweiventiler mit halbkugelförmigen Brennräumen und Gemischaufbereitung über zwei Doppelvergaser brachte es anfangs auf 105 PS. Bis 1954 ließen sich 22 weitere mobilisieren. Das Fahrwerk mit hinterer Einzelradaufhängung versprach sportliche Kompetenz, aber die Form der mit einem selbsttragenden Rahmengerüst verschweißten Karosserie war, gelinde ausgedrückt, gewöhnungsbedürftig. Fiats Spezialabteilung unter Fabio Rapi hatte sie im Windkanal ausgetüftelt:ein Fließheck-Coupé im Stil der Mille-Miglia-Rennwagen aus der unmittelbaren Vorkriegszeit, mit riesigem Kühlermaul und kleinen, weit außen platzierten Scheinwerfern nicht schön, aber windschlüpfig und damit schnell. Als das Auto vorgestellt wurde, spitzten die Zeichner bei Italiens Aufbauherstellern freudig die Bleistifte, denn damit würde sich nicht jeder 8V-Käufer auch abseits der Mille Miglia blicken lassen. Und so wurden rund die Hälfte aller 114 gebauten Otto Vu auswärts eingekleidet: einige bei Ghia und Vignale, die meisten aber, unter ihnen das hier gezeigte Exemplar, bei Zagato, der bewies, dass beides gleichzeitig möglich war, also schön zu sein und schnell. Zagato musste dafür seine ideale Coupéform nicht neu erfinden, nur adaptieren. Ein Jahr zuvor hatte er für den annähernd gleich großen Maserati A6 G2000 eine wunderbare Hülle geschneidert, die sich auf den Otto Vu fast eins zu eins übertragen ließ von den schlichten Rundscheinwerfern über den geschwungenen Wagenkörper bis zum runden Hinterteil. Das ovale Kühlergitter, der dreieckige Fuß der hinteren Dachsäule (lange, bevor BMW auf dieselbe Idee kam) und die verchromten vertikalen Luftauslässe in den Flanken hinter den Vorderrädern stimmen bei beiden Autos exakt überein. Vielleicht lag es an den Fahrern, aber die Konkurrenz war schneller: Bei der Mille Miglia 1953 siegten die Maserati in der Zwei-Liter-Klasse, und ein Jahr später schnappte eine Aurelia GT dem 8V den Klassensieg weg. Fiat gewann zwar noch die Sportwagenmeisterschaft, aber damit war das Achtzylinder-Kapitel beendet: Inzwischen verlangten nicht mehr nur die Kommunisten neue Kleinwagen. Karsten Rehmann

Technische Daten
Motor 
ZylinderV8
Hubraum1996
Leistung
kW/PS
1/Min

93/126
6600 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
140
4500 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe4 Gang manuell
AntriebHeckantrieb
Fahrwerk 
Bremsenv: Trommel
h: Trommel
Bereifungv: 165/0 R 400
h: 165/0 R 400
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)997
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)190
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauchk.A.
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

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