Opel Zafira 2.0 CDTI/VW Touran 2.0 TDI SCR: Test Kompakt-Vans im Direktvergleich

23.01.2017
Inhalt
  1. Opel Zafira un VW Touran im Test: Karosserie
  2. Fahrkomfort: Touran punktet mit DCC
  3. Motor und Getriebe: Der Zafira ist zu schwer
  4. Fahrdynamik: Beim Handling ist der Opel vorn
  5. Umwelt/Kosten
  6. Unser Fazit

Nach fünfjähriger Bauzeit gönnt Opel dem Zafira eine Frischzellenkur. Eine geglättete Front im Stil des Astra, ein verbesserter Geräuschkomfort sowie ein aufgeräumtes Cockpit sollen den Praktiker fit für die zweite Lebenshälfte machen. Doch reichen diese Maßnahmen aus, um gegen den Klassenprimus VW Touran zu bestehen?

Bereits seit 1999 ist der Zafira ein fester Bestandteil des Opel-Modellprogramms. Die aktuelle dritte Generation startete im Januar 2012 ihre Karriere, der nun das jüngste Facelift neuen Schub verleihen soll. Dazu schickten die Designer die eigenwilligen Boomerang-förmigen Scheinwerfer-Lufteinlass-Einheiten, die bislang das Gesicht des Kompakt-Vans prägten, in Rente und renovierten den Innenraum gründlich. Geblieben hingegen sind die klassischen Zafira-Tugenden wie die flexible Sitzanlage, die angenehmen Fahreigenschaften und das umfangreiche Motorenangebot. Im ersten Härtetest stellt sich der überarbeitete Zafira 2.0 CDTI mit 170 PS dem VW Touran 2.0 TDI, dessen Selbstzünder 150 PS an die Vorderachse schickt.

Der Opel Zafira im Video:

 
 

Opel Zafira un VW Touran im Test: Karosserie

Auch wenn SUV in der Gunst der Kunden mittlerweile deutlich vorn liegen: Autofahrer, die einen wirklich variablen und vor allem geräumigen Innenraum benötigen, kommen an einem klassischen Van einfach nicht vorbei. Das jedenfalls beweisen die beiden Bestseller von Opel und VW nach wie vor eindrucksvoll. So gehören hier wie da neben einem mehr als nur üppigen Raumangebot auf allen Plätzen einzeln längs verschiebbare Rücksitze mit neigungseinstellbaren Lehnen zum guten Ton. Auf Wunsch können zudem beide Vans mit einer dritten Sitzreihe geordert werden. Opel verlangt für die zwei zusätzlichen Plätze moderate 750 Euro, VW bietet sie nur unwesentlich teurer an (770 Euro). Einen kleinen Vorteil in Sachen Variabilität erarbeitet sich der VW Touran durch eine umlegbare Beifahrersitzlehne, die das Verstauen extrem langer Gegenstände ermöglicht. Dieses Feature, das Opel grundsätzlich nicht für den Zafira anbietet, ist mit der von uns getesteten Motorisierung sogar serienmäßig. Überhaupt eignet sich der Wolfsburger noch etwas besser als Transporter. Verantwortlich dafür ist der riesige Kofferraum, der mit 743 bis 1980 Liter Fassungsvermögen etwas größer ausfällt als der des Opel Zafira (710 bis 1860 Liter). Derweil stellt das überarbeitete Cockpit des Rüsselsheimers einen echten Fortschritt dar. Gerade das Multimedia-System, das nun ohne den vom Vorgänger bekannten Knopfsalat aus- kommt, lässt sich nun leichter handhaben – auch wenn die kinderleichte Bedienbarkeit des VW immer noch nicht ganz erreicht wird. In beiden Fällen vorbildlich: die gute Sicherheitsausstattung. So sind unter anderem adaptive LED-Scheinwerfer, Abstandsregelung oder Spurassistenten in den Preislisten beider Kompakt- Vans zu finden. Seitenairbags für die Fondpassagiere, eine Pausenempfehlung oder einen Einparkassistenten hat allerdings nur der Touran im Angebot.

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Fahrkomfort: Touran punktet mit DCC

Beide Kompaktvans bestreiten den Vergleichstest mit aufpreispflichtigen adaptiven Dämpfern. Ohne Fracht an Bord spielt der VW Touran die Stärken seines 1035 Euro teuren DCC-Fahrwerks gekonnt aus. Sowohl auf der Autobahn, wo er satt liegt und lange Wellen fast bis zur Unkenntlichkeit glattbügelt, als auch auf Schlaglöchern oder Querfugen wirkt der VW jederzeit souverän. Dazu offeriert der Wolfsburger trotz der 18 Zoll großen Optionsbereifung unseres Testwagens einen ungemein geschmeidigen Abrollkomfort. Mit maximaler Zuladung sieht die Sache etwas anders aus. Dann ist es nämlich das Flex-Ride-Fahrwerk des Opel, das durch ein sensibleres Ansprechen auf Unebenheiten auf sich aufmerksam macht. Allerdings sind die adaptiven Zafira-Dämpfer eine kostspielige Option, denn das 980 Euro teure System setzt die Topausstattung Innovation voraus, die wiederum 5135 Euro kostet. In Sachen Geräuschkomfort liegt der VW Touran vorn. Er ist objektiv – durch die Messwerte untermauert – und auch subjektiv betrachtet das leisere Auto.

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Motor und Getriebe: Der Zafira ist zu schwer

Obwohl der Opel Zafira mit 170 PS den nominell stärkeren Motor unter der Haube trägt, fährt er seinem 20 PS schwächeren Kontrahenten bei den Beschleunigungsprüfungen mit knappem Rückstand hinterher. Der Hauptgrund dafür dürfte im hohen Gewicht liegen. Immerhin wiegt der Rüsselsheimer satte 169 Kilogramm mehr als sein Wolfsburger Widersacher. In der Praxis macht der CDTI des Zafira aber eine gute Figur und gibt seine Kraft gleichmäßig über den gesamten Drehzahlbereich ab. Das im Vergleich zum VW um 60 Newtonmeter höhere Drehmoment macht sich beim Herausbeschleunigen aus niedrigeren Drehzahlbereichen positiv bemerkbar und sorgt für die deutlich besseren Elastizitätswerte. Gleichfalls auf das Konto des höheren Gewichts hingegen dürfte der Verbrauchsnachteil des Zafira gehen, wenngleich sich dieser mit 0,2 Litern im Marginalbereich bewegt. Der zwei Liter große TDI des Touran überzeugt im Alltag mit seinem kräftigen Antritt, dem etwas kultivierteren Lauf und der homogenen Kraftentfaltung im mittleren Drehzahlbereich. Außerdem lassen sich die Gänge des manuellen Getriebes knackiger und etwas präziser sortieren als die des Opel-Pendants.

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Fahrdynamik: Beim Handling ist der Opel vorn

Wie es sich für familienfreundliche Autos gehört, ist eine ausgeprägte Fahrsicherheit die oberste Maxime der beiden deutschen Vans. So outen sich sowohl der Opel als auch der VW im Grenzbereich als zahme Untersteuerer, die jederzeit durch ihre sanft regelnden ESP-Systeme eingefangen werden. Zum anderen ist in beiden Fällen stets auf die standfesten Bremsanlagen der Vans Verlass. Allerdings braucht der Touran mit kalten Stoppern einen Meter weniger für die Vollbremsung aus 100 km/h als der Zafira. Auch wenn der Opel auf dem Handlingkurs und in der Slalomgasse etwas schneller ist, hinterlässt der leichtere VW subjektiv den agileren Eindruck. Der Wolfsburger lenkt etwas williger ein und neigt sich in schnellen Kurven weniger zur Seite. Darüber hinaus punktet er mit der direkteren und gefühlvolleren Lenkung sowie der bessere Traktion.

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Umwelt/Kosten

Dem Opel wird das adaptive Fahrwerk im bewerteten Preis zum Verhängnis: Durch die elektronisch geregelten Dämpfer verteuert sich der vom Grundpreis her durchaus volksnahe Zafira um satte 6115 Euro und ist damit unterm Strich nur noch 280 Euro günstiger als der VW. Bei Letzterem summiert sich die testrelevante Ausstattung wegen der optionalen adaptiven Dämpfer und der kostspieligen 18-Zoll-Räder, die die Topausstattung Highline voraussetzen, auf immerhin 4290 Euro. Von den laufenden Kosten her stellt der Zafira sogar das teurere Fahrzeug dar. Bei ihm liegen nicht nur die zu erwartenden Werkstattpreise auf einem höheren Niveau, auch die Versicherungseinstufungen sind ungünstiger. Und da VW bei den Garantien großzügiger als Opel ist, gewinnt der Touran nach den vorherigen vier Kapiteln obendrein die Kostenwertung.

 

Technische DatenOpel Zafira 2.0 CDTIVW Touran 2.0 TDI SCR
MotorVierzylinder-TurbodieselVierzylinder-Turbodiesel
NockenwellenantriebKetteZahnriemen
Hubraum1956 ccm1968 ccm
Leistung170 PS150 PS
Maximales Drehmoment400 Nm340 Nm
Getriebe6-Gang, manuell6-Gang, manuell
AntriebVorderradVorderrad
Leergewicht1673 kg1477 kg
Zulässiges Gesamtgewicht2455 kg2180 kg
Effektive Zuladung681 kg575 kg
0-100 km/h9,2 s9,0 s
Höchstgeschwindigkeit208 km/h208 km/h
Testverbrauch6,3 l D/100 km6,1 l D/100 km
Grundpreis29.270 Euro31.375 Euro
Platzierung21

 

 

Unser Fazit

Dem Opel Zafira haben die gezielten Modellpflegemaßnahmen gutgetan. Neben der frischeren Optik ist die vereinfachte Bedienung des neuen Multimedia-Systems ein echter Zugewinn. Und die gute Variabilität sowie das umfangreiche Platzangebot waren ja schon vorher echte Pfunde, mit denen der Rüsselsheimer wuchern konnte. Für einen Sieg über den VW Touran reicht es aber trotzdem nicht. Der Wolfsburger Bestseller sichert sich fünf von fünf Wertungskapiteln und weist seinen Gegner damit klar in die Schranken. So bietet er noch etwas mehr Platz, den größeren Kofferraum und die ausgewogeneren Komforteigenschaften. Selbst das Kostenkapitel kann der Touran für sich entscheiden – was für einen VW keine Selbstverständlichkeit ist.

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