Opel-Werk Bochum: Produktionsende droht nun 2014 Arbeitnehmer lehnen Vereinbarung ab

22.03.2013

Opel-Werk Bochum: Die Arbeiter haben die geplante Sanierung abgelehnt, nun droht 2014 das Aus für die Produktion. Gewerkschaft und Betriebsrat wollen weiterverhandeln - der Hersteller nicht

Die Opelaner in Bochum sind stolz auf ihre Kampfbereitschaft. Im Jahr 2004 haben sie mit einem mehrtägigen "wilden" Streik Massenentlassungen abgewendet. Jetzt wollen sie dem Management in Rüsselsheim und Detroit wieder die Stirn bieten - und ihrer Gewerkschaft gleich mit. Mehr als drei Viertel der Abstimmenden lehnen den von der IG Metall ausgehandelten Tarifvertrag ab, mit dem das Aus für die Autoproduktion in Bochum auf Ende 2016 verschoben werden sollte. Die Zusagen für Ersatzarbeitsplätze und Abfindungen reichen ihnen nicht.

Damit verschaffen die Opel-Arbeiter auch ihrem Betriebsratsvorsitzenden Rainer Einenkel einen Erfolg. Einenkel hatte sich bei den Verhandlungen mit dem Management von der Gewerkschaft ausgebootet gefühlt und gegen den Tarifvertrag Front gemacht. Das Werk in Bochum solle abgewickelt werden, hat er per Flugblatt gewarnt. Für die versprochenen hochwertigen Arbeitsplätze nach 2016 gebe es "keine einzige verbindliche Zusage".

Bei den Betriebsversammlungen im Presswerk der Fabrik geht es nicht nur um ein kühles Abwägen der Vor- und Nachteile des Vertrags. Viele Emotionen spielen mit. "Ich werde den Betrieb nicht einfach mit meiner Zustimmung verlassen", sagt Wolfgang Strelow beim Gehen. Wie der 47-Jährige denken viele. Er ist seit mehr als 20 Jahren bei Opel und traut dem Mutterkonzern General Motors nicht mehr über den Weg. "Die haben keinen Vertrag eingehalten."

 

Opel: Unzufriedenheit mit der Gewerkschaft

Auch in der Versammlung ist das Misstrauen groß. Wie verlässlich sind die Zusagen des Managements? Vertreter der IG Metall stellen den Tarifvertrag ausführlich vor. Für viele Opelaner biete die Einigung eine Perspektive bis Ende 2018. Denn nach dem Ende der Heißer Preiskampf bei den Herstellern solle in einer Transfergesellschaft zwei Jahre lang bis zu 90 Prozent des durchschnittlichen Netto-Entgelts gezahlt werden.

Damit kommen sie bei der Belegschaft nicht durch. 600 von ihnen sollen bis Ende 2014 gehen, weil die Nachtschicht abgeschafft wird. Opel hat "attraktive" Abfindungen versprochen. Nehmen nicht genügend Mitarbeiter das Angebot an, kommt es zu Entlassungen. Derzeit laufe das Management "mit dem Geldkoffer" durchs Werk, hat Einenkel kritisiert. Das sei unseriös. Und einen Rechtsanspruch auf eine Abfindung gebe es ohnehin nicht.

Für die Gewerkschaftsfunktionäre ist die Belegschaftsversammlung kein leichter Gang. Es habe nicht genug Unterstützung für Bochum gegeben, ist am Werkstor zu hören. "Traurig, dass die IG Metall nicht stärker mitgezogen hat", meint auch Frank Schnier. Er arbeitet im Getriebewerk und ist dort Vertrauensmann der Gewerkschaft.

Die IG Metall, der Betriebsrat und die Adam Opel AG müssten sich in den kommenden Wochen über weitere Schritte abstimmen müssen, lässt der NRW-Chef der Gewerkschaft, Knut Giesler, nach der Auszählung der Stimmen wissen. Auf Nachbesserungen kann er aber kaum hoffen. Es werde keine weiteren Verhandlungen zum vorliegenden Tarifvertrag geben, lässt der Bochumer Werkschef Manfred Gellrich unverzüglich wissen. Die Zafira Tourer Produktion und der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen würden Ende 2014 auslaufen. Eine große Chance sei vertan.

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