Opel-Werk Bochum geschlossen. Herbert Grönemeyer singt zum Abschied Abgeblitzt

05.12.2014

Eine Ära ist zu Ende: Im Bochumer Opel-Werk, das in stolzen Zeiten bis zu 22.000 Menschen beschäftigt hat, lief das letzte Auto vom Band. Für die Stadt und 3000 Mitarbeiter ein bitterer Tag

Nach 52 Jahren Fahrzeugproduktion bei Opel in Bochum ist dort das letzte Auto vom Band gelaufen. Dies teilten Mitarbeiter des Herstellers am frühen Freitagmorgen der Deutschen Presse-Agentur mit. «Das Herz von Opel hat aufgehört zu schlagen», sagte einer von ihnen. Der Konzern schließt das Werk im kommenden Jahr wegen Überkapazitäten. Der letzte Opel aus Bochum - ein Zafira-Compact-Van - soll nicht regulär verkauft, sondern einem sozialen Zweck gewidmet werden. Näheres will Opel am Vormittag bekanntgeben.

 

Schließung des Opel-Werks in Bochum trifft die Region hart

Rund 3000 Beschäftigte in Bochum stehen nun vor einer ungewissen beruflichen Zukunft. Die meisten von ihnen wechseln für maximal zwei Jahre in eine Transfergesellschaft. Auf dem riesigen Werksgelände bleibt nur ein Ersatzteillager des Autokonzerns mit insgesamt 700 Beschäftigten. Das Land Nordrhein-Westfalen will dort in den nächsten Jahren neue Gewerbebetriebe ansiedeln. Die Entwicklungsgesellschaft «Bochum Perspektive 2022» rechnet dafür zunächst mit rund 50 Millionen Euro Aufwand - verteilt über acht Jahre.

Für die Region ist der Opel-Rückzug ein schwerer Schlag. Die Entscheidung sei «sehr bitter» für die direkt Betroffenen und die Stadt, hatte die Bochumer Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD) vor kurzem gesagt. Der in der Stadt aufgewachsene Musiker Herbert Grönemeyer will seine Solidarität mit einem Konzert zeigen. «Es gibt konkrete Überlegungen, ein Konzert für die Bochumer Opelaner zu spielen oder sie alle einzuladen», sagte der 58 Jahre alte Sänger der Deutschen Presse-Agentur bei einer Musikveranstaltung in Bochum. «Es
geht jetzt darum, ihnen Mut zu machen.»

Bochum leidet mit aktuell 9,4 Prozent Arbeitslosenquote unter überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit. Rund die Hälfte der Opel-Beschäftigten wohnt in Bochum selbst. Deshalb ist mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit zu rechnen. Bochum hatte in der Vergangenheit bereits andere schwere Schläge zu verkraften wie den Rückzug des Handyherstellers Nokia mit 2300 Beschäftigten im Jahr 2008.

Mit der Werksschließung von Opel endet ein einstiges Vorzeigeprojekt des Strukturwandels an der Ruhr. Das Werk war auf früherem Bergbaugrund errichtet worden, als im Revier das Zechensterben begann. Es beschäftigte nach der Eröffnung 1962 sofort rund 10 000 Menschen - viele davon ehemalige Kumpel.

Für die jetzt ausscheidenden Mitarbeiter gibt es neben der Transfergesellschaft Abfindungen. Insgesamt kostet die Schließung des Werkes das Unternehmen nach unterschiedlichen Rechnungen von Gewerkschaft und Betriebsrat zwischen 550 und 700 Millionen Euro.

Herbert Grönemeyer spielt zum Opel-Abschied in Bochum

Als Zeichen seiner Solidarität will der Musiker Herbert Grönemeyer die Mitarbeiter des schließenden Bochumer Opelwerks zum Konzert einladen. «Es gibt konkrete Überlegungen, ein
Konzert für die Bochumer Opelaner zu spielen oder sie alle einzuladen», sagte der 58 Jahre alte Sänger der Deutschen Presse-Agentur in Bochum. «Es geht jetzt darum, ihnen Mut zu machen.»

In einer solchen Situation könne sein Beitrag jedoch nur eine Geste sein, sagte Grönemeyer. «Viel wichtiger ist es, die Opel-Mitarbeiter so lange zu stützen, bis in der Stadt eine andere Beschäftigung für sie gefunden wird.» Er selbst wolle helfen, die Wut über das «zynische Verhalten des Konzerns» öffentlich zu machen. «Vielleicht überlegen dann andere Autobauer, sich in Bochum anzusiedeln. Auch das wäre dann Solidarität», so Grönemeyer weiter.

Der Musiker, der in Bochum aufgewachsen ist und der Stadt ihre gleichnamige Hymne schenkte, empfiehlt eine weitere Form des Protests: «Vielleicht sollte man im Ruhrgebiet keinen Opel mehr kaufen.»

Historie: 52 Jahre baute Opel Autos im Werk in Bochum

Seit der Eröffnung hat das Bochumer Opel-Werk das Ruhrgebiet geprägt. In Spitzenzeiten gab es mehr als 20 000 Menschen einen Arbeitsplatz.

1962: Das Werk entsteht auf einem ehemaligen Zechengelände. Das erste Auto rollt vom Band, ein Kadett A, und im Werk arbeiten rund 10 000 Beschäftigte, viele kommen aus dem Bergbau.

1967: Der Mittelklassewagen Olympia kommt ins Programm. Drei Jahre später sind es der Ascona und der legendäre Manta.

1979: Mehr als 20 000 Menschen arbeiten im Bochumer Opel-Werk. Verschiedene Modelle aus der Serie Kadett werden bis 1991 produziert.

1991: Der Astra wird in die Produktionslinie aufgenommen, bis 2004 wird das Fahrzeug gefertigt, ab 1999 der Siebensitzer Zafira - der erste Familienvan auf dem deutschen Automarkt.

2004: Opel stellt in Bochum die Motorenproduktion ein und beschäftigt an diesem Standort noch etwa 9000 Mitarbeiter.

2012: In Bochum feiert Opel Jubiläum. Das Werk besteht seit 50 Jahren. Rund 13,5 Millionen Autos wurden gebaut. Das Werk beschäftigt noch rund 3700 Menschen.

2013: IG Metall und Opel-Management einigen sich auf einen Tarifvertrag zum Ende der Bochumer Autoproduktion im Jahr 2016. Die Bochumer Belegschaft lehnt aber mehrheitlich ab.

2013: Der Opel-Aufsichtsrat beschließt im April, die Fahrzeugproduktion in Bochum schon Ende 2014 einzustellen.

2014: Das Opel-Werk wird im Dezember geschlossen.

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