Neuheiten von Opel und VW: Astra, Meriva, Tiguan Golf & Co. Neues Spiel

18.05.2015
Inhalt
  1. VW und Opel: Neuheiten bis 2017
  2. Opel: Neuer Astra auf der IAA 2015
  3. Opel: Meriva und Zafira als Crossover
  4. Opel Insignia-Nachfolger ab 2017 gegen Passat

Opel mischt die Karten neu: Astra schlanker, Meriva und Zafira als Crossover. VW hält mit dem frisch gelifteten Golf dagegen. Schon im Herbst kommt der neue Tiguan. Neuheiten aus Rüsselsheim und Wolfsburg im direkten Vergleich

Geschichten über die Marke Opel, ihre Produkte und ihre Zukunft enthalten nicht selten ein ungemütliches Wort: krisengeschüttelt. Das ist nicht schön, aber auch nicht falsch, denn ohne Frage hat Opel schon bessere Zeiten gesehen. Vor 25 Jahren stieg der Marktanteil der Hessen auf stramme 17 Prozent und war damit in Schlagweite zum Erzkonkurrenten VW (20 %).

 

VW und Opel: Neuheiten bis 2017

Aktuell liegt Opel mit 6,6 Prozent auf dem sechsten Rang, und die Wolfsburger stehen mit dem Dreieinhalbfachen Absatz einsam an der Spitze der deutschen Zulassungsstatistik (23,4 %). Keine Frage, die Opel-Welt ist kleiner geworden. „Wir sind 15 Jahre lang im Rückwärtsgang gefahren“, sagt ein Manager und ergänzt: „Aber jetzt schalten wir um.“ Spätestens 2022 soll der Blitz wieder zweistellig in die deutsche Statistik fahren.

Die Nachfolger wichtiger Baureihen und völlig neue Konzepte sollen den Erfolg bringen. Neues Spiel, neues Glück? Die Zukunft beginnt für Opel auf der IAA im September. Dann nämlich steht der neue Astra parat. Und der wird – kleiner. Richtig gelesen. Lauten die aktuellen Werte noch 4,42 m, 1,81 m und 1,51 m (Länge, Breite, Höhe), schrumpft das intern „Opel Astra K“ genannte Kompaktmodell in der Höhe und vor allem in der Länge um einige Zentimeter.

Da gleichzeitig aber der Radstand zulegt (bislang 2,69 Meter), soll im Innenraum spürbar mehr Platz zur Verfügung stehen. Was nach der Quadratur des Kreises klingt liegt, hat aber noch einen anderen Grund: Die neue Antriebstechnik ist erheblich kompakter.

War der aktuelle, im Jahr 2009 eingeführte Astra (J) ein Produkt der Existenzkrise von General Motors, unter deren Einfluss diverse Motoren und Getriebe aus dem Konzern unter hohem Kostendruck adaptiert werden mussten, steht künftig vereinheitliche Technik zur Verfügung. Der früher zum Beispiel für unterschiedliche Ansaug- und Abgasführungen vorgehaltene Platz kommt jetzt zum Teil dem Innenraum zugute.

Und der sieht sehr viel moderner aus als bisher. Wie bereits beim Insignia-Facelift wurde der Wust aus kleinen, teils schlecht ablesbaren Bedientasten von Bord geschafft und durch klar gegliederte Schalterleisten ersetzt. Im oberen Teil der Mittelkonsole befindet sich ein gut ablesbar platzierter, berührungsempfindlicher Monitor (Option). Darunter liegt die Bedienebene für die Klimatisierung und die Sitzheizung (Option). Am Sockel der Mittelkonsole schließlich befinden sich Tasten für Feinheiten wie die Einparkhilfe oder die adaptive Dämpferregelung (Option).

 

Opel: Neuer Astra auf der IAA 2015

Gehörte ansprechendes Design schon bisher zu den Opel-Vorzügen, so verstärkt der neue Astra diese Eigenschaft. Wenig charmant, aber wahr: Im direkten Vergleich wirkt der Alte recht pummelig. Die „Opel-Sichel“ auf der Seite bekommt Gesellschaft durch eine parallele Linie, wodurch eine konkave Fläche entsteht, die das Auto ebenso schlanker macht wie die ansteigende Lichtkante auf den Seiten. Interessant: Die vorderen Dachsäulen stehen flacher, die Dreiecksfenster öffnen jetzt mitsamt der Tür und erleichtern so den Einstieg.

Neu ist eine markante, schwarz verkleidete Einkerbung in den C-Säulen, die zum Heck als Finnen ausgebildet sind und durch optimierten Strömungsabriss die Aerodynamik verbessern sollen. Im Gegensatz zum Corsa, der die modifizierte Technik des Vorgängers nutzt, fußt der Astra K auf einem neuen Baukasten. Der Begriff Plattform hat auch in Rüsselsheim ausgedient. Damit soll zugleich das wichtigste Grundübel des Astra ausgemerzt sein: das hohe Gewicht.

Die Ersparnis von rund 100 Kilo dürfte sich auf den Verbrauch und die Fahrdynamik positiv auswirken. Neu sind zum Beispiel die Hinterachse, die künftig ohne Wattgestänge auskommt, sowie leichtere Materialien. Zum Schluss ein Blick unter die Opel-typisch von einer Bügelfalte durchzogene Haube: Neu im Programm ist der vom Corsa bekannte 1,0-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner (115 PS).

Auch der 1,6-Liter-Vierzlinder-Turbo mit 170 PS ist an Bord. Eine stärkere Version mit mehr als 200 PS wird folgen. Diesel: 1.6 CDTI mit 110 und 136 PS. Die Technik wurde bereits auf eine spätere Hybridisierung ausgelegt. Geplant ist sie indes noch nicht. Ein diskutiertes Doppelkupplungsgetriebe wird es ebenfalls nicht geben, dafür aber eine Achtstufen-Automatik.

Exakt ein Jahr nach dem neuen Astra lädt VW seine schärfste Waffe nach. Zum Pariser Salon im Oktober 2016 wird der Golf frisch gemacht. Ein neuer Stoßfänger vorn mit deutlich vergrößertem Kühlergrill und Nüstern-ähnlichen Lufteinlässen soll für eine noch stärkere Breitenbetonung des Designs sorgen. Hinzu kommen neue LED-Scheinwerfer und Heckleuchten mit einer veränderten Grafik. Stichwort Heck: Künftig will VW vermehrt auf nicht sichtbare Auspuffendrohre setzen. Ausstattungsabhängig werden diese hinter Diffusorblenden verschwinden. Auch hierbei ist die optische Breitenbetonung Vater des kreativen Gedankens.

 

Opel: Meriva und Zafira als Crossover

Technisch ist der aktuelle VW Golf VII auf neuestem Stand. Änderungen betreffen die Einführung des 115 PS starken 1,0-Liter-Dreizylinder-Turbobenziners, der bereits ab Juni dieses Jahres ins Angebot kommt. Neu ist auch die gesamte Palette der bereits im Passat angebotenen Assistenzsysteme samt eines digitalen, vom Fahrer konfigurierbaren Cockpits.

Technische Neuerung: Die bislang mittig im unteren Kühllufteinlass installierte Radarsensorik für den Abstandsregeltempomaten ACC (Option) entfällt. Diese Technik verbirgt sich künftig unsichtbar hinter dem großen VW-Emblem. Im großen Spiel um Kunden und Marktanteile treten Opel und VW künftig auf ganz neuen Feldern gegeneinander an.

Weil die „Monocabs“ genannten Van-Modelle fast branchenweit immer weniger Zuspruch finden, schwenkt Opel um: Zwar soll der heutige Zafira (Facelift zur IAA im September) so lange weitergebaut werden, wie die Nachfrage anhält. Der inofffizielle Erbe aber ist bereits in der Entwicklung. Er startet Ende 2017 und läuft intern unter dem Begriff C-CUV (Compact Crossover Utility Vehicle).

Der Opel Zafira Crossover basiert wie das künftige, bereits ab 2016 erhältliche Schwestermodell Peugeot 3008 II auf einer französischen Plattform. Ein Plug-in-Dieslhybrid ist daher sehr wahrscheinlich. Das Design erinnert stärker an das eines SUV als das eines Vans. Gleiches gilt für ein zweites Projekt dieser Art. Der Opel Meriva Crossover rangiert eine Stufe tiefer und soll bereits Ende 2016 startklar sein. Auch hier teilen sich Opel und Peugeot die Technik. Gebaut werden soll der mit herkömmlichen Klapptüren bestückte SUV/Van-Zwitter bei Opel in Saragossa.

Die Antworten von VW lauten Golf SUV und neuer Tiguan. Anfang 2017 wird der rund 4,25 Meter lange Spezial-Golf unterhalb des neuen VW Tiguan II platziert, der bereits auf der IAA Premiere feiert. Als Derivate des skalierbaren Modularen Querbaukastens soll es beide Modelle wahlweise mit Allradantrieb 4Motion geben, ebenso mit Doppelkupplungsgetrieben mit sechs und sieben Gängen.

 

Opel Insignia-Nachfolger ab 2017 gegen Passat

Die Motorenpalette reicht erstmals vom Dreizylinder-Turbodiesel bis zum 230 PS starken 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner. MQB bedeutet auch modernste Kommunikationstechnik. Smartphone-Inhalte können mittels MirrorLink (Android) und Apple CarPlay (iPhone) über den Bildschirm des Infotainment-Systems wiedergegeben werden. Beide Modelle werden als Extra mit der Rangierhilfe „Trailer Assist“ auf den Markt kommen.

Da ist der VW Passat (125 bis 240 PS) längst präsent, der als Limousine ab 26.075 Euro angeboten wird. Erst Anfang 2017 wird der Opel Insignia abgelöst. Ganz wie beim Astra stehen Gewichtsreduzierung und Raumgewinn an erster Stelle. Als technische Basis dient „Global Epsilon“, die  zunehmend  modular aufgebaute  GM-Konzernplattform. Wegen der engen Verzahnung  mit der US-Schwestermarke Buick wird vom Insignia auch eine Hybridversion entwickelt.

Der Sports Tourer soll deutlich mehr Laderaum bieten (bislang 1530 Liter) und zudem ein besseres Quadermaß. Der Insignia wird zudem erstmals mit Matrix-Licht erhältlich sein, mit dem sich verschiedene Bereiche des Fernlichts durch unterschiedliche gesteuerte LED an- und ausblenden lassen. Die Motorenpalette wird modernisiert und im Zug des Downsizings konsequent auf künftige Abgasvorschriften ausgerichtet.

Stärkere Versionen des aus dem Zafira Sports Tourer bekannten 1,6-Liter-Turbodiesels (bisher 136 PS) sollen den 2.0 CDTI ersetzen. Der 1,6-Liter-Turbobenziner wird in weiteren mehr als 200 PS starken Varianten kommen. Der 2,8-Liter-V6 entfällt. Damit ist Opels Modellpalette so modern wie seit  Jahren nicht, und das große Spiel kann weitergehen. Einen Zug aber verkneifen sich die Rüsselsheimer: Ein Super-Opel, etwa als Phaeton-Gegner, ist nicht geplant. Vorstandschef Chef Karl-Thomas Neumann: „Wir stehen in der Mitte der Gesellschaft.“

Stefan Miete

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