Opel Meriva und Renault Grand Modus im Vergleichstest Opel Meriva und Renault Grand Modus

07.09.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Opel Meriva 1.4 ecoFLEX und Renault Grand Modus TCe 100 sind ideale Begleiter für junge Familien. Doch welcher Kompaktvan bietet mehr?

Preiswert und praktisch – mit diesen Prädikaten beginnt für junge Familien meist die Suche nach einem fahrbaren Untersatz. Zu viel sollte das neue Auto nicht kosten, die Kleinen müssen zudem auf der Rückbank gut untergebracht sein, und keinefalls darf die Sicherheit zu kurz kommen. Im Idealfall ist das Fahrzeug schließlich noch komfortabel gefedert und sollte nicht Dauergast an der Tankstelle sein.

Ob der neue Opel Meriva und der inzwischen über zweieinhalb Jahre alte Renault Grand Modus diese Wünsche erfüllen können, zeigt unser Vergleichstest. In beiden Kompaktvans arbeiten kleine Benzinmotoren mit Turboaufladung (Opel: 1,4-Liter, 120 PS, Renault: 1,2-Liter, 100 PS). Der Meriva startet in der günstigsten Ausstattung Selection für 17.270 Euro, der Grand Modus kostet als Dynamique glatte 16.000 Euro. Wie schlägt sich der nicht mehr ganz so frische Franzose gegen den jungen Deutschen?

 

Karosserie

Im Vergleich zum Opel wirkt der Renault wie ein Kleinwagen. Nicht nur mit seinen Außenmaßen übertrumpft der Opel Meriva den Grand Modus, auch innen bietet er spürbar mehr Platz. Besonders die 104 Zentimeter Kopffreiheit vorn können sich sehen lassen, und der Einstieg gelingt dank gegenläufig öffnender Türen hinten besonders entspannt. Im Modus ist alles einen Tick schmaler und enger, trotzdem hat man rundum ausreichend Platz. Hervorragend ist die Variabilität des Opel. Seine dreigeteilte Rücksitzbank lässt sich komplett versenken, sodass ein fast ebener Ladeboden entsteht. Zudem ist sie nach vorn und hinten verschiebbar. Ein besonderes Extra sind die beiden äußeren Einzelsitze, die – wenn der schmale Mittelsitz umgeklappt ist – nach innen geschoben werden können, wodurch nach beiden Seiten so viel Platz wie in einer Limousine zur Verfügung steht.

Die Rückbank im Grand Modus ist zwar auch längs verschiebbar, allerdings ergibt sich erst durch das Umklappen der gesamten Bank eine ebene, wenn auch kurze Ladefl äche. Nachteil: Ein Einkauf bei Ikea mit drei Personen ist dann nicht mehr möglich. Wer viel Stauraum benötigt, sollte sowieso besser den Meriva wählen. Der Kofferraum des Rüsselsheimers schluckt 400 bis 1500 Liter, im Grand Modus bleiben bei aufgestellter Rückbank nur 305 Liter übrig. Klappt man diese um, sind es immerhin 1454 Liter.

Bei der Sicherheitsausstattung muss der Grand Modus Federn lassen. Im Gegensatz zum Opel fehlen bei ihm unter anderem eine Reifenpannenanzeige, aktive Kopfstützen, Fensterheber mit Einklemmschutz und eine Berganfahrhilfe. Dafür hat der Franzose ab Werk Kurvenlicht und Nebelscheinwerfer an Bord. Ein weiterer Pluspunkt ist seine gute Übersichtlichkeit dank großer Scheiben in Fond und Heck. Besonders in der Stadt hat man beim Schulterblick und beim Einparken leichteres Spiel als mit dem Opel.

Die Bedienung erschließt sich dem Meriva-Fahrer zwar nicht auf Anhieb, dennoch heimst der Rüsselsheimer trotz der mit vielen gleich aussehenden Knöpfen und Schaltern überladenen Mittelkonsole hier ein paar Zähler mehr ein als der Grand Modus. Dessen Radio-Fernbedienung ist erst nach einer gewissen Eingewöhnungszeit intuitiv bedienbar, und die Radio-Einheit ist etwas zu weit unten positioniert.

KarosserieMax. PunkteOpel Meriva 1.4 ecoFLEXRenault Grand Modus TCe 100
Raumangebot vorn1007063
Raumangebot hinten1006355
Übersichtlichkeit704448
Bedienung/ Funktion1007870
Kofferraumvolumen1003927
Variabilität1005035
Zuladung/ Anhängelast803325
Sicherheit1508473
Qualität/ Verarbeitung200141120
Kapitelbewertung1000602516

 

Fahrkomfort

Souverän meistert der Opel das Komfort-Kapitel. Sein Fahrwerk bietet sowohl leer als auch beladen den besseren Federungskomfort, und obwohl seine Abstimmung straff geraten ist, federt er sensibel an. Ganz im Gegensatz dazu der Renault, der mehrere kurz aufeinander folgende Fahrbahnunebenheiten weniger gefühlvoll filtert. Zudem sind seine Federungsreserven bei voller Beladung und tiefen Bodenwellen rasch aufgebraucht, und die Karosserie neigt auf Kopfsteinpflaster zum Zittern.

Auch beim Sitzkomfort kann der Meriva punkten. Seine fest, aber bequem gepolsterten Sitze sind besser konturiert und bieten eine gute Beinauflage. Unterm Strich taugen aber beide Kompaktvans auch für längere Reisen – ein Argument, das für den Familienurlaub nicht unerheblich ist.

FahrkomfortMax. PunkteOpel Meriva 1.4 ecoFLEXRenault Grand Modus TCe 100
Sitzkomfort vorn1508570
Sitzkomfort hinten1005855
Ergonomie150115105
Innengeräusche503228
Geräuscheindruck1007470
Klimatisierung503328
Federung leer200120117
Federung beladen200118115
Kapitelbewertung1000635588

 

Motor und Getriebe

Wer hätte das gedacht: Trotz 20 PS weniger Leistung ist der Renault mit seinem aufgeladenen 1,2-Liter- Motor genauso flink unterwegs wie der Opel Meriva mit 1,4-Liter-Turbo. Zwar schleppt der Franzose rund 200 kg weniger Ballast mit, trotzdem überrascht seine Spritzigkeit. Die Leistungsentfaltung des Modus-Triebwerks ist angenehm harmonisch, es hängt jederzeit gut am Gas und ist durchzugsstark. Der Meriva-Motor hingegen klingt etwas knurrig beim Anfahren, hängt nicht so direkt am Gas und läuft weniger kultiviert. Dafür lassen sich die Gänge des Opel deutlich angenehmer wechseln, denn die Schaltwege sind kurz und knackig. Im Reanult Grand Modus muss die Hand den Schaltknauf hingegen etwas exakter führen.

Die entscheidenden Zähler für seinen Kapitelsieg holt sich der Franzose, der dem Opel in allen Disziplinen außer der Höchstgeschwindigkeit dicht auf den Fersen bleibt, durch seinen guten Verbrauchswert: Mit 7,3 Liter Super auf 100 km benötigt er exakt 1,1 Liter weniger als der Meriva. Die dadurch größere Reichweite beschert ihm einen weiteren Punkt.

Motor und GetriebeMax. PunkteOpel Meriva 1.4 ecoFLEXRenault Grand Modus TCe 100
Beschleunigung1509190
Elastizität1006463
Höchstgeschwindigkeit1504438
Getriebeabstufung1007872
Kraftentfaltung502929
Laufkultur1007576
Verbrauch325222243
Reichweite251112
Kapitelbewertung1000614623

 

Fahrdynamik

Handling, Slalom, Bremsen: Der Meriva ist das fahrsicherere Auto in diesem Vergleich. Einziger Schwachpunkt: die Traktion. Wer bei flotter Fahrt übers Ziel hinausschießt, wird aber – wie auch im Renault – vom ESP eingebremst. Der Opel liegt satter auf dem Asphalt, zudem gibt seine Lenkung eine bessere Rückmeldung – auch ein Verdienst der großen 225er-Reifen. Die Karosserie des Modus wankt stärker in Kurven, seine Lenkung agiert etwas gefühllos – dafür steht er auch auf deutlich kleineren Pneus (185/55 R 16). Größere bietet Renault für ihn aber nicht an.

FahrdynamikMax. PunkteOpel Meriva 1.4 ecoFLEXRenault Grand Modus TCe 100
Handling1505339
Slalom1006258
Lenkung1006155
Geradeauslauf503037
Bremsdosierung302016
Bremsweg kalt1509575
Bremsweg warm1509574
Traktion1003455
Fahrsicherheit150120110
Wendekreis201214
Kapitelbewertung1000582533

 

Umwelt und Kosten

Geld ist besonders für junge Familien ein sensibles Thema. Deshalb ist in diesem Vergleich der 17.270 Euro teure Meriva mit 1,4-Liter-Turbobenziner und 120 PS das weniger verlockende Angebot. Der Renault Grand Modus mit 100 PS ist 1270 Euro günstiger – und hat bereits Klimaanlage sowie CD-Radio an Bord. Opel verlangt in der Selection-Ausstattung für beides zusammen 1870 Euro (Serie ab Edition, 2050 Euro) extra. Hinzu kommen Leichtmetallfelgen und Metalliclack – schon erhält der Meriva in der AUTO ZEITUNG-Normausstattung keinen Punkt mehr. Dafür hat der Renault bei den Werkstattkosten das Nachsehen, die mit satten 776 Euro pro Jahr zu Buche schlagen. Aber auch die zu erwartenden 610 Euro für den Meriva (vorläufiger Schätzwert des ADAC) sind üppig.

Dank der neuen Technik-Garantien von Opel – sie gelten seit 1. August 2010 – liegt der Meriva in diesem Bewertungspunkt ganz knapp vorn. Bis zu einer Laufl eistung von 50.000 Kilometern übernehmen die Rüsselsheimer alle Lohn- und Materialkosten – zeitlich unbegrenzt. Oberhalb dieser zurückgelegten Strecke muss der Kunde für jede weiteren gefahrenen 10 000 Kilometer anteilig zehn Prozent der Materialkosten übernehmen. Ab 100.000 Kilometern bezahlt Opel dann nur noch 40 Prozent der Kosten, die Garantie selbst erlischt erst nach 160.000 gefahrenen Kilometern. Allerdings gewährt Opel nach wie vor nur ein Jahr Mobilitätsgarantie – bei Renault ist diese unbegrenzt. Zudem erfreut der Grand Modus mit niedrigeren Kraftstoffkosten.

Kosten/UmweltMax. PunkteOpel Meriva 1.4 ecoFLEXRenault Grand Modus TCe 100
Bewerteter Preis675289305
Wertverlust502931
Ausstattung25015
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502827
Werkstattkosten201412
Steuer1099
Versicherung403334
Kraftstoff553640
Emissionswerte258685
Kapitelbewertung1000524558

 

Fazit

Der Opel Meriva ist das erwachsenere, komfortablere sowie dynamischere Auto und deshalb der verdiente Gewinner in diesem Vergleich. Dass der in die Jahre gekommene Renault Grand Modus allerdings die Kapitel Motor/Getriebe und Kosten für sich entscheiden kann, überrascht dagegen schon. Er profi tiert von seinem geringen Gewicht, dem spritzigen Motor und den niedrigen Anschaffungs- und Kraftstoffkosten.

Gesamtbewertung

Max. PunkteOpel Meriva 1.4 ecoFLEXRenault Grand Modus TCe 100
Summe500029572818
Platzierung12

Tags:

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