Opel Meriva vs. Citroen C3 Picasso & Ford B-Max: Minivan-Vergleich Mit neuer Kraft voraus

03.06.2014
Inhalt
  1. KAROSSERIE
  2. MOTOR/GETRIEBE
  3. FAHRDYNAMIK
  4. UMWELT/KOSTEN
  5. FAZIT
  6. Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Den neuen 1,6-Liter-Diesel bietet Opel auch für den Meriva an. In der 110-PS-Version muss sich das Erfolgsmodell mit Citroën C3 Picasso und Ford B-MAX zwei harten Minivan-Konkurrenten stellen. Vergleich

Der von Opel neu entwickelte Common-Rail-Diesel mit 1,6 Liter Hubraum ersetzt derzeit in den einzelnen Modellreihen nach und nach die 1.3- bzw. 1.7 CDTI-Selbstzünder.

Für den Meriva werden beide Motorengenerationen parallel angeboten. Dem 95 PS starken 1.3 CD-TI und dem 1.7 CDTI mit 110 PS stehen dabei jeweils gleich starke 1.6-Liter-Diesel gegenüber, hinzu kommt eine 136-PS-Variante des neuen Aggregats. Kann die mittlere der drei Ausbaustufen mit 110 PS dazu beitragen, den Opel Meriva an seinen Kontrahenten im hart umkämpften Segment der Minivans vorbeiziehen zu lassen? Zur Klärung der Frage stellen wir dem Rüsselsheimer als erste Prüfsteine den Citroën C3 Picasso HDi 115 und den Ford B-MAX 1.6 TDCi entgegen.

 

KAROSSERIE

Drei Kandidaten, drei verschiedene Türkonzepte

In der grundsätzlichen Herangehensweise an das Thema Minivan herrscht zwischen den drei Probanden Einigkeit: kompakte Außenmaße, hohe Karosserie, variables Gepäckabteil. Doch in einem Detail unterscheidet sich das Trio deutlich: den hinteren Türen. 

So sind die des Citroën C3 Picasso ganz konventionell an der B-Säule angeschlagen und geben nach dem Öffnen einen hohen, aber schmalen Zugang zur Rückbank frei. Der Opel Meriva hingegen verfügt über nach hinten schwingende Fond-Türen, die einen bequemen Ein- und Ausstieg ermöglichen. Allerdings dürfte sich vor allem für jüngere Mitfahrer das kontrollierte Öffnen des Wagenschlags mitunter als problematisch gestalten – was in engen Parklücken unter Umständen ärgerliche Konsequenzen nach sich ziehen kann.

Derartiges Ungemach droht beim Ford B-MAX mit seinen hinteren Schiebetüren nicht. Einen wirklich bequemen Zugang zur Rücksitzbank erlauben sie trotz fehlender B-Säule allerdings nur bei gleichzeitig geöffneter Vordertür. Ansonsten fällt der Ausschnitt auch wegen der zusätzlichen seitlichen Versteifung der Karosserie recht schmal aus.

In den äußeren Abmessungen fehlen dem Ford im Vergleich zu seinen beiden Konkurrenten jeweils nur wenige Zentimeter, in der Summe ergibt das jedoch einen spürbar enger geschnittenen Innenraum. Beim Gepäckabteil erreicht der Kölner mit 318 bis 1386 Litern ebenfalls nicht das Niveau von Citroën (386 bis 1506 Liter) und Opel (400 bis 1500 Liter).

Der Franzose und der Rüsselsheimer bieten ihren Insassen in beiden Sitzreihen nahezu identisch viel Platz. Nicht zuletzt wegen der großen Fensterflächen, die zugleich zur guten Übersichtlichkeit beitragen, genießen die Passagiere des C3 Picasso hier ein noch etwas luftigeres Raumgefühl. Bei der Sicherheitsausstattung müssen Citroën-Kunden allerdings leichte Abstriche in Kauf nehmen. Zwar rollt der Citroën als einziger serienmäßig mit Nebelscheinwerfern vor, dafür fehlen ihm aber unter anderem die für B-MAX und Meriva serienmäßigen Hilfsmittel wie eine Berganfahrhilfe und eine Reifendrucküberwachung.

Die modernsten Sicherheitstechnologien offeriert der Ford B-MAX. Er verfügt nicht nur als einziger über einen Fahrer-Knieairbag – und das sogar serienmäßig. Auch ein Gepäckraumtrennnetz (Traveler-Paket, 250 Euro) oder einen City-Notbremsassistenten (350 Euro) gibt es nur für ihn. Dennoch kommt er im Karosseriekapitel nicht über den dritten Rang hinaus, weil er am wenigsten zuladen und  an den Haken nehmen darf. Den Kapitelsieg erringt der Opel Meriva. Daran hat unter anderem sein variabler Innenraum inklusive serienmäßig dreigeteilter sowie in Längs- und Querrichtung verschiebbarer Rücksitzbank großen Anteil. Eine umklappbare Beifahrersitzlehne wie Citroën (390 Euro) und Ford (Serie) bietet der Opel allerdings nicht.

Opel Meriva 1.6
CDTI ecoFLEX
Citroen C3
Picasso HDi 115
Ford B-MAX 1.6 TDCi
110 PS 114 PS 95 PS
0-100 km/h in 11,1 s 0-100 km/h in 10,6 s 0-100 km/h in 13,3 s
Vorderradantrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb
Spitze 185 km/h Spitze 184 km/h Spitze 174 km/h
Grundpreis: 22.300 Euro Grundpreis: 20.910 Euro Grundpreis: 19.100 Euro


FAHRKOMFORT

Bequemste Sitze im Meriva, beste Federung im C3

Das FlexSpace genannte Sitzkonzept der Rückbank im Opel Meriva trägt auch zum guten Sitzkomfort in der zweiten Reihe des Rüsselsheimers bei. Bei heruntergeklapptem Mittelteil lassen sich die beiden äußeren Sitze sogar nach innen verschieben, sodass den beiden Fondinsassen mehr Bewegungsspielraum zur Verfügung steht. Fahrer und Beifahrer genießen derweil die Annehmlichkeiten der sehr empfehlenswerten Ergonomiesitze (Fahrer: 390 Euro, Beifahrer 395 Euro) mit AGR-Gütesiegel (Aktion Gesunder Rücken). Quasi das Gegenteil in puncto Sitzkomfort findet sich im C3 Picasso. Dessen konturloses Gestühl in beiden Reihen gibt kaum Halt oder Unterstützung und erweist sich damit als nur bedingt lang-streckentauglich.

Dafür macht der weich abgestimmte Franzose mit dem besten Federungskomfort wieder etwas Boden gut. Sein Fahrwerk schluckt Straßenunebenheiten souveräner als seine straffer über den Asphalt rollenden deutschen Mitbewerber. Lediglich auf langen Wellen wippt die Karosserie des Citroën spürbar nach. Bei ihrer insgesamt sehr ähnlichen sportlicheren Grundabstimmung hat der Opel wegenseiner 17-Zoll-Bereifung mit 45er-Querschnitt (Trend-Paket: 1140 Euro) beim Federungskomfort gegenüber dem Ford mit Reifen im Format 195/55 R 16 (Serie bei Ausstattung Titanium) leicht das Nachsehen.

Weitere Punkte verspielt der Meriva beim Geräuschkomfort. Das liegt vor allem an den Windgeräusche im Bereich der A-Säule bei höheren Geschwindigkeiten und dem akustisch stets präsenten Dieselmotor. Die größte Ruhe herrscht im Innern des Ford B-MAX. In der Kapitelwertung gleichen sich die Vor- und Nachteile der drei Kandidaten aber weitgehend aus.

 

MOTOR/GETRIEBE

Der effizienteste Antrieb arbeitet im C3 Picasso

Mit 114 PS ist der Motor des Citroën C3 Picasso HDi 115 der nominell stärkste in diesem Test. Diesen theoretischen Vorteil münzt der Franzose in die beste Beschleunigung und sehr gute Elastizitätswerte um. Hinzu kommt eine gleichmäßige Kraftentfaltung über ein breites Drehzahlband. Die gelungene Vorstellung rundet der C3 Picasso auch ohne Start-Stopp-System mit dem niedrigsten Verbrauch von nur 5,6 Liter Diesel auf 100 Kilometern ab.

Der 110 PS starke Opel Meriva 1.6 CDTI bleibt dem Citroën bei den Fahrleistungen dicht auf den Fersen. In der Höchstgeschwindigkeit hat er mit 185 km/h den Kühlergrill sogar ganz knapp vor dem Picasso (184 km/h). Lob verdient sich der Meriva zudem für seine präzise geführte, knackige Schaltung.

Der 1.6 TDCi des B-MAX ist mit 95 PS der stärkste Selbstzünder, den Ford für den Minivan anbietet. Im direkten Vergleich kann der Kölner damit in den Fahrleistungen aber nicht mithalten. Bei der Beschleunigung von null auf 100 km/h verliert er jeweils mehr als zwei Sekunden auf die anderen beiden, mit maximal 174 km/h ist er zudem mindestens zehn km/h langsamer. 

Und obwohl der B-MAX im Gegensatz zu seinen Konkurrenten nur mit einem Fünfgang-Getriebe ausgestattet ist und die Elastizitätsmessungen daher jeweils einen Gang niedriger absolvieren kann, lässt er sich auch bei den Zwischensprints von 60 auf 100 km/h und von 80 auf 120 km/h jeweils am längsten Zeit. Hinzu kommen der höchste Verbrauch (6,1 Liter) und die geringste Reichweite. Die gute Laufkultur des Ford-Motors ist da nur ein schwacher Trost.

 

FAHRDYNAMIK

Gute Anlagen beim Ford, beste Bremsen im Opel

Auch bei den fahrdynamischen Disziplinen muss der Ford seiner mangelnden Motorleistung Tribut zollen. Mit seiner direkten Lenkung, der dynamischen Fahrwerksabstimmung und dem lammfrommen Fahrverhalten weckt der B-MAX Erwartungen, die wegen der fehlenden Kraft weitgehend unerfüllt bleiben.

Genau andersherum gestaltet sich die Lage beim Citroën. Seine gefühllose und indirekte Lenkung sowie die schlechte Traktion wecken nur wenig Lust aufs dynamische Kurvenfahren. Doch die 114 PS bescheren ihm unterm Strich die zweitbeste Rundenzeit auf dem Handlingkurs. 

Als wahrer Kurvenräuber entpuppt sich der Opel Meriva, der sowohl auf dem Rundkurs als auch beim Slalom  die  Bestzeiten markiert. Sehr gut sind auch die Bremsleistungen. Aus 100 km/h kommt er bereits nach 35,8 Meter (kalt) bzw. 35,5 Meter (warm) zum Stillstand.

 

UMWELT/KOSTEN

Ford B-MAX als einziger günstiger als 20.000 Euro

Sein günstiger Einstiegspreis in Kombination mit dem geringsten Wertverlust führt den Ford B-MAX zu seinem einzigen Kapitelsieg. Knapp dahinter landet der Citroën C3 Picasso, der neben der umfangreichsten Multimediaausstattung (u.a. Bluetooth und USB-Anschluss mit Ladefunktion  serienmäßig) auch die günstigsten Typklasseneinstufungen der Versicherungen für sich verbuchen kann. Der Meriva schlägt mit 22.300 Euro zu Buche – plus 1825 Euro für die bewertungsrelevanten Optionen. Damit gerät der Opel in diesem Kapitel bereits früh ins Hintertreffen. 

 

FAZIT

Der Opel Meriva fährt in diesem Vergleichstest einen souveränen Sieg ein. Daran hat allerdings sein neuer Motor gar nicht einmal den größten Anteil. Vielmehr überzeugt das Gesamtkonzept des variablen und fahraktiven, gleichzeitig allerdings recht teuren Rüsselsheimers.

Der zweite Platz gebührt dem Citroën C3 Picasso, zu dessen Stärken neben dem großzügig dimensionierten Raumangebot und dem hohen Federungskomfort auch der gleichermaßen kraftvolle sowie sparsame Antrieb zählt.

Ein solcher fehlt dem Ford B-MAX, dem deshalb nur der dritte Rang bleibt. Auch sind die Transporttalente des knapp geschittenen Kölners begrenzt, der im Gegenzug aber mit einer attraktiven Preisgestaltung überzeugt.

 

Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Carsten van Zanten

Tags:
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