Opel Manta A Der gelbe Rochen

01.02.2008

Ein seltsam geformter Fisch gab dem Opel-Coupé der 70er Jahre seinen Namen. Später kam sein Ruf ordentlich unter die Räder. Dabei war alles nur ein großes Missverständnis. Wir blicken dem Opel Manta A noch einmal tief in die Doppelscheinwerfer

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Womöglich wäre alles anders gekommen. Wenn der Opel-Vorstand nicht irgendwann im Winter 1968 beschlossen hätte, aus dem fast fertig entwickelten Nachfolger für den 1965 präsentierten Kadett B eine zusätzliche, eigenständige Modellreihe zu formen, wäre der Manta vermutlich unter dem Namen Olympia - wie ursprünglich geplant - das Coupé der Kadett-Reihe geworden.

Doch irgendwann dämmerte den Opel-Oberen, dass die Lücke im Modellprogramm zwischen Kadett und Rekord doch sehr groß war. Größer und dynamischer als der Kadett B, aber kompakter, sportlicher und jugendlicher als der betuliche Rekord, so ein Auto sollte es sein.

Glücklicherweise passte der bereits im Prototypenstadium laufende Kadett-Nachfolger so genau in dieses Lastenheft, dass es nur einiger weniger Designänderungen bedurfte, um die neue Baureihe präsentieren zu können. Fehlten nur noch die Namen für die neuen Autos. Gerüchten zufolge sah Opel-Designchef Chuck Jordan auf dem Genfer Salon ein Auto, das ihn nachhaltig beeindruckte: den Bizzarrini Manta, die erste Kreation der neuen Firma Italdesign des Giorgetto Giugiaro.

Der Entwurf war für einen Opel zu revolutionär, der Name jedoch gefiel. Aus dem Kadett Olympia Coupé wurde der Opel Manta. Die dazugehörige Limousine hörte auf den Namen Ascona. Vielleicht wäre dem Manta, wenn er Olympia gehießen hätte, tatsächlich jenes tiefe Tal der Tränen erspart geblieben, in das er vor rund 20 Jahren fiel. Zwar waren all die Witze und Filme auf das ab 1975 gebaute kantige Nachfolgemodell gemünzt, doch so feine Unterschiede machten die Lacher nicht.

Befremdete Blicke zählten noch zu den positiven Reaktionen, die man erntete, wenn man in jener Zeit in den falschen Kreisen mit einem Manta auftauchte. Ein gelber Manta A auf einem Parkplatz der Uni Düsseldorf, in einer Zeit, in der die anderen Studenten - je nach Elternhaus und politischer Orientierung - Mini Cooper, Golf I Cabrio oder mattgrüne MZ-Motorräder mit MSB Spartakus-Aufklebern fuhren, war ein sicherer Schritt ins soziale Abseits, wie dem Autor und ehemaligen Manta A-Besitzer sehr gut erinnerlich ist. Ein Olympia wäre jener Klientel, die zu Beginn der Manta-Karriere gar nicht so selten war, wohl lieber gewesen: seriöse ältere Damen und Herren, die ihre Opel-Coupés gern als Berlinetta mit Vinyldach und Automatikgetriebe orderten.

Sie blieben spätestens beim Modellwechsel zum Manta B weg und überließen den Opel-Bestseller den Kreisen, die später für seinen zweifelhaften Ruf sorgten. Vorstadt-Cowboys und Hinterhoftuner verwandelten ihre Manta in ästhetisch zweifelhafte Discoschleudern, wie sie nur in einem so geschmacksunsicheren Jahrzehnt wie den 80ern denkbar waren.

Ob sie das auch mit einem Olympia gemacht hätten? Eher nicht, der biedere Name hätte auf einem tiefergelegten und verbreiterten Opa-Coupé doch zu albern ausgesehen. Heute sind diese Opel wieder cool, doch kaum einer hat überlebt. Zum Glück beschränkt sich die hauseigene Traditionsabteilung von Opel jedoch nicht auf das Aufbewahren unberührter Originale. Sie hält auch Autos - wie den Manta A auf diesen Seiten - auf der Straße.

Er ist sowas wie das ideelle Vorbild jener Tuning-Manta der späteren Jahre. Dabei war der Manta gar nicht für Sporteinsätze vorgesehen. Die sollten dem Ascona vorbehalten bleiben, der sich dann im Rallyetrimm als begabter Sportler zeigte. Höhepunkte der Ascona-Karriere: Walter Röhrls Europameistertitel 1974 im Ascona A und die Weltmeisterschaft 1982 mit dem Ascona B.

Was weniger bekannt ist: Walter Röhrl fuhr auch Manta. 1975 startete er im Team mit dem finnischen Rallyeprofi Rauno Aaltonen bei den 24 Stunden von Spa auf einem von Irmscher getunten Manta A. Die beiden Rallyeasse fielen allerdings nach 18 Stunden mit Motorschaden aus. Der Irmscher-getunte A der Opel-Traditionsabteilung gleicht dem Röhrl-Manta von 1975 aufs Haar.

Wie der historische Rennwagen ist auch dieser Opel nach Gruppe 2 des damaligen Tourenwagen-Reglements aufgebaut. Unter der Haube sitzt ein Zweiliter-Motor, der im Unterschied zu den Serienmotoren von Opel jener Zeit mit einem Querstromkopf gekrönt wird. Verständlich ausgedrückt: Einlass und Auslass des Manta-Zylinderkopfs befinden sich auf gegenüberliegenden Seiten, was dem zügigen Gaswechsel in den Brennräumen sehr zuträglich ist.

Auf die Rundstrecke muss der Manta nur noch selten. Doch mitunter setzt die Opel-Traditionsabteilung den Manta bei historischen Rallyes ein, weshalb ein so genannter Tripmaster, ein geeichter Wegstreckenzähler, die Manta-Mittelkonsole ziert. Gebraucht wird der für unsere Ausfahrt auf dem Opel-Testgelände in Dudenhofen freilich nicht. Hier drehten vor 40 Jahren auch die ersten Prototypen des erst Kadett Olympia und dann Manta genannten Autos ihre Runden. Der Renn-Manta gibt sich auf den ersten Metern etwas unwillig.

Die Weber-Vergaser ohne Startanreicherung und die Rennnockenwellen bescheren dem Opel einen unruhigen, rülpsigen Leerlauf. Bei warmer Maschine und höheren Drehzahlen ist er wie verwandelt. Der Zweitliter hängt gierig am Gas, in engen Kurven steppt die Hinterachse gut kontrollierbar aus der Spur. Von den Fahrleistungen des Gruppe 2-Manta waren die braven Serienexemplare mit 60 bis maximal 105 PS natürlich weit entfernt. Aber vermutlich war das den meisten Manta A-Käufern viel lieber so.

Am besten verkaufte er sich als 1.6 S mit 80 PS. Der kostete bei Produktionseinstellung1975 genau 11575 Mark. Heute ist ein A im Topzustand selten teurer als 10000 Euro. Vielleicht sollte man mal wieder unvernünftig sein.

Heinrich Lingner

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