Opel Insignia Sports Tourer im Vergleichstest Vier Diesel-Kombis im Test

01.12.2009
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Kräftige Diesel-Kombis eignen sich für den Alltag ebensogut wie für die große Reise. Vier Vertreter der 170-PS-Klasse im Vergleichstest

Manchmal führt das Leben eigenwillig Regie – so wie am frühen Mittwoch letzter Woche. In der Nacht hatte General Motors verkündet, Opel doch nicht verkaufen zu wollen. Aus dem Autoradio kommen empörte Statements am laufenden Band. Von Politikern und Gewerkschaftern, klar. Plötzlich mischen sich in die aufgebrachten Sätze Worte, aus denen Resignation hervorscheint und eine Erschöpftheit, die in vielen Monaten der Unsicherheit gewachsen ist: „Die machen doch sowieso, was sie wollen“, sagt ein Arbeiter ins Mikro des Reporters, der ihn auf dem Weg zur oder von der Schicht anspricht. „Dabei sollen sie uns doch bloß machen lassen, was wir am besten können: gute Autos bauen.“

Der Tester hört diese Worte am Lenkrad eines Opel Insignia Sports Tourer 2.0 CDTI. Er ist unterwegs zu Messfahrten für einen Vergleichstest mit drei anderen Kombis. Zwei davon – ein BMW 320d Touring mit 177 PS für 35.750 Euro und ein Mercedes C 220 CDI T mit 170 PS für 37.812 Euro – stammen aus bestem Hause und tragen den geheimnisvoll-unerklärlichen Premium-Stempel im Blech. Der dritte Wettbewerber des Insignia, der mit 160 PS für 31.495 Euro sehr bodenständig daherkommt, ist der Toyota Avensis Combi 2.2 D-CAT mit 177 PS. Mit einem Grundpreis von 32.350 Euro ist auch er kundenfreundlicher eingepreist als der BMW und der Mercedes und daher der klassische Konkurrent eines Opel-Kombi.

Doch mit dem Insignia wollen sich die Rüsselsheimer ja in Richtung Premium-Liga bewegen. Spannendes Design, anspruchsvolle Technik und gute Qualität zu einem volksnahen Preis – das ist der Premiumgedanke mit dem Blitz im Logo. Ob der Opel auch im Spannungsfeld zwischen klassischen Premium-Marken und einem Produkt des größten Autoherstellers der Welt zündet, soll dieser Vergleichstest ergründen.

 

Karosserie

Das T-Modell der C-Klasse und der 3er Touring stehen deutlich kompakter da als der Avensis Combi und der Insignia Sports Tourer. Letzterer streckt sich auf 4,91 Meter, während der BMW mit 4,53 Metern kaum länger ausfällt als mancher Kompaktklasse-Kombi.

Die Kofferräume spiegeln dies klar wider: Mit 460 Litern respektive 485 Litern bieten 3er und C-Klasse am wenigsten Raum für Gepäck. Angesichts 540 (Opel) und 543 Liter Volumen (Toyota) ist klar, welche beiden Kombis eher für den Familienurlaub geeignet sind. Insignia Sports Tourer sowie Avensis Combi erleichtern das Verladen sperriger Gegenstände zudem mit ebenen Laderaumwänden.

Die Toyota-Besatzung sollte allerdings ihr Gepäck mit Bedacht wählen, denn der üppig ausgestattete Testwagen erlaubte lediglich 440 Kilogramm Zuladung. Noch weniger (431 Kilogramm) darf nur der 320d Touring an Bord haben, während der Mercedes (516 kg) und der Opel (573 kg) hier mehr Spielraum lassen.

Geht es nicht nach Bordeaux, sondern nur zum örtlichen Baumarkt, erweist sich der Toyota  als erste Wahl: 1690 Liter Stauraum bei umgeklappten Sitzen sind in dieser Runde ungeschlagen, denn Mercedes und Opel lassen es bei 1500 und 1530 Litern gut sein, während der BMW mit 1385 Litern Maximalvolumen das alte Bild vom Lifestyle-Kombi mit Leben erfüllt.

Platzvorteil für Opel und Toyota auch im Innern: Vor allem hinten bieten sie deutlich mehr Raum als der Mercedes und der BMW. Im 320d bleibt hinter einem normal dimensionierten Fahrer am wenigsten Platz für die Beine, wobei die Füße sorgsam unter dem Vordersitz eingefädelt werden müssen. Immerhin: Funktional ist der 3er Touring, denn außer einer separat zu öffnenden Heckscheibe verfügt er auch über ein konkurrenzlos bedienfreundliches Laderaumrollo: Es ist zusammen mit dem Gepäcktrennnetz in einer Kassette untergebracht, die ohne großes Gefummel ein- und ausgebaut werden kann. Da wirken die Lösungen der Wettbewerber weniger durchdacht.

Dafür punktet der Mercedes mit der besten Übersichtlichkeit. Anders als beim Avensis etwa ist der Verlauf der Motorhaube gut zu erkennen – und nach schräg hinten sieht der Fahrer sogar mehr als der des BMW. Der Opel ist nach vorn etwas übersichtlicher als der Toyota. Doch nach hinten und schräg hinten verlangt das ambitionierte Design des Sports Tourer Zugeständnisse. Die kleine, rundliche Heckscheibe schränkt im Verein mit den wuchtigen hinteren Dachsäulen die Rundumsicht so extrem ein, dass man jedem Käufer dringend raten muss, 520 Euro für die Parksensoren vorn und hinten auszugeben – jeder kleine Parkrempler ist unterm Strich teurer.

Bei der Sicherheitsausstattung zeigt der Insignia kaum Schwächen: Wie der Mercedes lässt er sich mit Seitenairbags hinten ausrüsten. Und mit der Frontkamera für 525 Euro bietet Opel ein System, das Verkehrszeichen wie Tempolimits oder Überholverbote erkennt und den Fahrer vor dem Verlassen der Fahrspur warnt.

Mit aufpreispflichtigem Presafe-System, optional integrierten Kindersitzen und serienmäßigem Fahrerknieairbag setzt allerdings der Mercedes die Maßstäbe, während der Toyota Avensis unter seinen Möglichkeiten bleibt: Toterwinkel-Warner, Spurhalteassistent und sogar Presafe gibt es zwar sehr wohl für den Avensis, allerdings nur für den 150-PS-Diesel mit Automatik in der Top-Ausstattung TEC Edition, die mit einem Grundpreis von 38.950 Euro zu Buche schlägt.

KarosserieMax. PunkteMercedes C 220 CDI BlueEFFICIENCY T-ModellOpel Insignia Sports Tourer 2.0 CDTIBMW 320d TouringToyota Avensis Combi 2.2 D-CAT
Raumangebot vorn10074797278
Raumangebot hinten10067756574
Übersichtlichkeit7034283230
Bedienung/ Funktion10084838582
Kofferraumvolumen10048554458
Variabilität10040454345
Zuladung/ Anhängelast8040423234
Sicherheit150114969287
Qualität/ Verarbeitung200185175187170
Kapitelbewertung1000686678652658

 

Fahrkomfort

Zu den anspruchsvollen Technik-Features des Insignia zählt auch das so genannte FlexRide-Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern und vernetzter Steuerung von Lenkungs- und Motor-Software. 930 Euro kostet dieses System, das in der sanften Tour-Stellung Bodenwellen und Kanaldeckel aber nicht ganz so souverän wie die komfortable C-Klasse schluckt.

Der BMW – ausgerüstet mit aufpreispflichtigen Notlaufreifen – gibt kleine Unebenheiten wie tieferliegende Kanaldeckel deutlich weiter und bietet erst auf längeren Wellen eine durchweg gute Vorstellung. Der Toyota wiederum ist weich abgestimmt, was ihn auf gröberen Unebenheiten kaum einmal zur Ruhe kommen lässt. So manche Stöße versickern in den weichen und großen Sesseln, die allerdings kaum Seitenhalt gewähren.

Die aufpreispflichtigen Sitze in BMW, Mercedes und Opel sind eindeutig besser geraten, wobei die Sportsitze des Münchners den besten Eindruck machen. Beim Geräuschkomfort erweisen sich der BMW und der Mercedes unterm Strich als angenehmste Partner. Fahrwerks- und Windgeräusche bei hohem Tempo (Toyota) oder Rauschen und Prasseln aus den schlecht gedämmten Radhäusern (Opel) kennen sie nicht.

FahrkomfortMax. PunkteMercedes C 220 CDI BlueEFFICIENCY T-ModellOpel Insignia Sports Tourer 2.0 CDTIBMW 320d TouringToyota Avensis Combi 2.2 D-CAT
Sitzkomfort vorn15010210410693
Sitzkomfort hinten10070657264
Ergonomie150123118122112
Innengeräusche5038303636
Geräuscheindruck10081728374
Klimatisierung5040383438
Federung leer200143136120122
Federung beladen200141138118120
Kapitelbewertung1000738701691659

 

Motor und Getriebe

Mit 6,7 Liter Testverbrauch ist der BMW einen halben Liter sparsamer als der Opel und benötigt 1,4 Liter weniger als der Toyota. Der Mercedes konsumierte auf der Verbrauchs-Teststrecke 7,2 Liter. Sein neuer Motor, eine auf 170 PS gedrosselte Variante des 204 PS starken C 250 CDI-Triebwerks, gefällt mit gleichmäßigem Antritt aus niedrigsten Drehzahlen, was ihm zu guten Elastizitätswerten verhilft. Energischer tritt nur der Toyota-Motor an, der in der Laufkultur aber nicht an den Mercedes- oder gar an den sehr schwingungsarmen, angenehm klingenden  BMW-Zweiliter heranreicht.

Nach dem Kaltstart schüttelt sich der Opel den Frost am lautesten nagelnd aus Kolben und Pleueln. Da er mit 160 PS am schwächsten ist, liefert der Insignia Sports Tourer die schlechtesten Fahrleistungen. Flott genug für alle Situationen des Autofahrer-Lebens ist er mit 9,3 Sekunden auf 100 km/h und 212 km/h Spitze aber allemal.

Motor und GetriebeMax. PunkteMercedes C 220 CDI BlueEFFICIENCY T-ModellOpel Insignia Sports Tourer 2.0 CDTIBMW 320d TouringToyota Avensis Combi 2.2 D-CAT
Beschleunigung150113107117110
Elastizität10077757679
Höchstgeschwindigkeit15067627468
Getriebeabstufung10083788578
Kraftentfaltung5041353938
Laufkultur10069657567
Verbrauch325245245254228
Reichweite2515191814
Kapitelbewertung1000710686738682

 

Fahrdynamik

So schnell, präzise und unangestrengt wie der BMW lässt sich keiner der – durch nicht komplett abschaltbare Fahrdynamikhilfen gehemmten – Konkurrenten bewegen. Die Handlingzeiten und die Slalom-Tempi zeigen es.

So wäre der BMW auch wegen seiner bestens dosierbaren Bremse und der guten Traktion prädestiniert für den Kapitelsieg. Doch im Sport-Modus ließ sich der mit optionalen 18-Zöllern bestückte Opel-Testwagen ebenfalls sehr flott bewegen. Und bei den Bremswegmessungen deklassiert er nicht nur den BMW, der mit 37,3 und 36,1 Metern (kalt/warm) die schlechtesten Ergebnisse einfährt.

Der Mercedes leistet sich keine Schwächen und ist dem bei flotter Fahrt unambitioniert wirkenden Toyota eindeutig überlegen. Wegen der komfortablen Grundabstimmung seines Fahrwerks reicht aber auch er nicht an die Dynamik des BMW heran.

FahrdynamikMax. PunkteMercedes C 220 CDI BlueEFFICIENCY T-ModellOpel Insignia Sports Tourer 2.0 CDTIBMW 320d TouringToyota Avensis Combi 2.2 D-CAT
Handling15064597445
Slalom10048626445
Lenkung10070717368
Geradeauslauf5042423842
Bremsdosierung3017182017
Bremsweg kalt150981087789
Bremsweg warm150981078995
Traktion10044405038
Fahrsicherheit150130130127124
Wendekreis2015101411
Kapitelbewertung1000626647626574

 

Umwelt und Kosten

Mit einem Grundpreis von 31.495 Euro ist der Insignia Sports Tourer 2.0 CDTI nicht nur das preiswerteste Auto im Vergleich. Er ist – trotz fehlender Fensterheber hinten und aufpreispflichtigem Gepäckraum-Trennnetz – auch sehr gut ausgestattet, etwa mit einem serienmäßigen Navigationssystem in der Edition-Ausstattung.

Auch der Toyota bleibt einige tausend Euro unter den BMW- und den Mercedes-Preisen. Gut zu wissen: Nach vier Jahren sind der Opel und der Toyota nur etwa 17.000 Euro weniger wert als im Neuzustand, während der BMW über 20.000 Euro, der Mercedes sogar mehr als 22.000 Euro an Wert verloren hat.

Da helfen dem BMW auch nicht seine geringeren Wartungskosten und dem Mercedes ebenfalls nicht seine 30-Jahre-Mobilitätsgarantie: Unter wirtschaftlichen Aspekten sind der Opel und der Toyota – hohe Wartungskosten hin oder her – die bessere Wahl.

Kosten/UmweltMax. PunkteMercedes C 220 CDI BlueEFFICIENCY T-ModellOpel Insignia Sports Tourer 2.0 CDTIBMW 320d TouringToyota Avensis Combi 2.2 D-CAT
Bewerteter Preis675152179160175
Wertverlust5015201620
Ausstattung2516201720
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung5027272025
Werkstattkosten2014141614
Steuer108787
Versicherung4030323133
Kraftstoff5540404238
Emissionswerte2586868887
Kapitelbewertung1000388425398419

 

Fazit

Premium-Technologie und Premium-Design zu attraktiven Preisen hat sich Opel auf die Fahnen geschrieben. Der zweite Platz in diesem Vergleich belegt, dass das kein hohles Gerede ist. Der Sieg geht nach Stuttgart an den komfortablen und sicheren Mercedes. Dem dynamischen BMW bleibt wegen Komfortdefiziten und einer schlechten Brems-Performance diesmal nur der dritte Platz. Der geräumige Toyota landet mit knappem Rückstand auf Rang vier.

Gesamtbewertung

Max. PunkteMercedes C 220 CDI BlueEFFICIENCY T-ModellOpel Insignia Sports Tourer 2.0 CDTIBMW 320d TouringToyota Avensis Combi 2.2 D-CAT
Summe50003148313731052992
Platzierung1234

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