Opel Insignia 2.0 CDTI - VW Passat CC 2.0 TDI Mittelklasse: Opel Insignia gegen VW Passat

Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Viertürer müssen nicht limousinenhaft daherkommen. Das ist seit dem Mercedes CLS bekannt. So schneiderte Opel dem Insignia eine coupéhafte Dachlinie auf Maß, und VW leitete vom Passat den Passat CC ab. Welche Qualitäten stecken unter den eleganten Kurven der zwei?

Wer sich heute einen Insignia kauft, tut das nicht, um Opel ein wenig Geld in die Kassen zu spülen. Da gibt es handfestere Gründe, zum Beispiel das Design. Je öfter man dem Vectra-Nachfolger begegnet, desto mehr wächst die Überzeugung, dass dieser Opel stilistisch ausnehmend gut gelungen ist. Man schaut ihn gern an mit seinem mächtigen Bug und der geschwungenen Dachlinie, die zum runden Heck hin sanft abfällt und dieser Limousine einen Schuss Coupé mit auf den Weg gibt.

Ganz ähnlich gestrickt wie der Insignia ist der Passat CC, den VW der braven Limousine als elegante Alternative zur Seite stellt. Und wenn, wie bei den Testwagen, Zweiliter-Diesel an Bord sind, mischt sich die Freude über gefällige Formen sogar mit ökonomischer Vernunft.

 

Karosserie

Gutes Stichwort – Vernunft. Als Vernunftkäufe gelten echte Coupés ja nicht: weniger Auto für mehr Geld. Wer auf die Rücksitze der beiden Viertürer klettert, findet das bestätigt: Beide sparen mit Kopffreiheit und fallen so gegenüber gut gemachten Mittelklasselimousinen zurück. Der Passat CC nimmt seine Rolle als Viertürer-Coupé besonders ernst, denn er hat hinten zwei Einzelsitze. Auf Fahrer und Beifahrer wirkt er subjektiv flacher als die Passat Limousine und der Insignia, der für fünf Personen zugelassen und dadurch praxistauglicher ist als der CC. Auch in anderer Beziehung zeigt der Opel mehr Sinn fürs Praktische. So sind seine Rücksitzlehnen serienmäßig asymmetrisch geteilt (VW: 200 Euro Aufpreis), und mit 540 zu 460 Kilogramm Zuladung geht die Ehrenmedaille für den besseren Lastesel nach Rüsselsheim.

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Grobe funktionale Patzer erlaubt sich keiner der zwei. Die Kofferraumöffnung des Insignia dürfte ein wenig breiter, das Klimaanlagen-Display im CC besser ablesbar sein. Doch selbst bei kompletter Ausstattung mit Telefon, Navigation und diversen Assistenzsystemen läuft niemand Gefahr, sich in den Bedien-Menüs zu verirren. Im Insignia findet sich zusätzlich zu den Tastenfeldern in der Mittelkonsole ein Dreh-Drücksteller zwischen den Sitzen, der überwiegend dem Navigieren dient. Im Passat gilt dagegen „Pro Funktion eine Taste“; Navi- und Audiosystem lassen sich gut auf dem berührungsempfindlichen Monitor bedienen.

Ein Ärgernis ist die schlechte Übersichtlichkeit des Passat CC. Man sollte ihn nicht ohne Parksensoren vorn und hinten (ab 530 Euro; Opel: 520 Euro) bestellen oder gleich den gut funktionierenden Parkautomaten ordern (770 Euro). Den gibt es beim etwas übersichtlicheren Opel nicht, und auch bei der Sicherheitsausstattung zeigt der Insignia Lücken, obwohl seine Frontkamera (Opel Eye, 525 Euro mit Spurassistent) Verkehrsschilder erkennt und im Cockpit an Tempolimits oder Überholverbote erinnert. Der Passat CC hält serienmäßig mit Abbiegelicht, Notlaufreifen und Pannenwarnung dagegen und hat für 1170 Euro extra sogar einen Abstandregeltempomaten.

KarosserieMax. PunkteOpel Insignia 2.0 CDTIVW Passat CC 2.0 TDI
Raumangebot vorn1007976
Raumangebot hinten1006762
Übersichtlichkeit703230
Bedienung/ Funktion1008381
Kofferraumvolumen1004145
Variabilität1002515
Zuladung/ Anhängelast803936
Sicherheit15095107
Qualität/ Verarbeitung200176182
Kapitelbewertung1000637634

 

Fahrkomfort

Opel hat sich viel Mühe mit den Insignia-Sitzen gegeben. Es gibt sie in vielen Ausführungen, von denen die meisten als besonders rückenfreundlich ausgezeichnet wurden. Auf Anhieb stört manchen vielleicht die harte Polsterung der Lehne, doch auch nach langen Sitzungen erweist diese sich nicht als übertrieben.

Aber Fahrer und Beifahrer sitzen im Passat CC noch einmal besser auf großen, gut konturierten Polstern, die nirgendwo drücken, sondern wie maßgeschneidert sind. Nur die tief unten am Sitz angebrachten Tasten für die optionale Sitzbelüftung passen nicht ins Bild vom rundum gelungenen Mobiliar. Der Fondeinstieg in den CC ist vor allem für ältere oder füllige Personen beschwerlicher als beim Insignia. Doch die Mühe lohnt, denn hinten im VW sitzt es sich besser als im Opel, der weniger Schenkelauflage bietet.

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Beide Testwagen waren mit aufpreispflichtigen Adaptiv-Fahrwerken ausgerüstet (Opel: 930 Euro, VW: 1045 Euro). Beide Systeme machen ihre Sache gut, das des Passat CC ist unterm Strich aber komfortabler, weil es im Komfort-Modus sanfter abrollt als das des Opel. Nur in ganz tiefe Löcher poltert das Wolfsburger Coupé etwas derber als der Rüsselsheimer Konkurrent.

Dass unter den Motorhauben Dieseltriebwerke arbeiten, bleibt den Ohren nicht verborgen. Im Kaltstart-Leerlauf sind beide wahrlich keine Pferdeflüsterer, wobei der VW noch knurriger grummelt als der Opel. Doch in Fahrt wandelt sich das Bild: Jetzt läuft die Passat- Maschine leiser als die des Opel, in dem man subjektiv und objektiv lauter unterwegs ist – auch wegen leicht höherer Wind- und Abrollgeräusche.

FahrkomfortMax. PunkteOpel Insignia 2.0 CDTIVW Passat CC 2.0 TDI
Sitzkomfort vorn150112120
Sitzkomfort hinten1006572
Ergonomie150115115
Innengeräusche503234
Geräuscheindruck1007276
Klimatisierung503835
Federung leer200136140
Federung beladen200134136
Kapitelbewertung1000704728

 

Motor und Getriebe

Mit seinen 160 PS ist der Insignia dem 140 PS starken Passat CC nicht nur auf dem Papier überlegen. 218 statt 210 km/h Spitze und die bessere Beschleunigung (0 bis 100 km/h in 9,2 statt 10,3 Sekunden) bringen ihm massenweise Punkte. Doch der Passat, der in diesem Test mit dem 2150 Euro teuren Doppelkupplungsgetriebe (DSG) antrat, hält mit gleichförmigerer Leistungsentfaltung, besserer Drehfreude und auch mehr Laufkultur dagegen.

Schaltbarkeit und Abstufung seines DSG gefallen zudem besser als die der manuellen Opel-Box, doch die Stunde des Insignia schlägt beim Testverbrauch: 0,4 Liter weniger auf 100 km und über 1000 Kilometer Reichweite bringen ihm mit den besseren Fahrleistungen den Kapitelsieg.

Motor und GetriebeMax. PunkteOpel Insignia 2.0 CDTIVW Passat CC 2.0 TDI
Beschleunigung15010799
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit1506660
Getriebeabstufung1007881
Kraftentfaltung503435
Laufkultur1006266
Verbrauch325251243
Reichweite252019
Kapitelbewertung1000618603

 

Fahrdynamik

Gut zu wissen: Weder Insignia noch Passat CC zeigen im Grenzbereich heikle Reaktionen. Sauber abgestimmte Fahrdynamikregelungen unterstützen den Fahrer sicher beim raschen Ausweichen oder in zu schnell angegangenen Kurven. Auf der Handlingstrecke, wo der Sport-Modus der Fahrwerke die Seitenneigung der Karosserie reduziert, verkneifen sich die Testkandidaten auch ohne ESP-Vollschutz hinterhältige Aktionen und erweisen sich als zarte Untersteurer mit Tendenz zur Neutralität. So soll es sein.

Dass der Passat hier und auf dem Slalomparcours trotz 20 PS Minderleistung einen Tick schneller unterwegs ist als der Insignia, geht aufs Konto seines besonders gut ausbalancierten Fahrwerks, seiner guten Traktion auch in engen Kehren und der klar präziseren Lenkung.

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Verbesserungspotenzial zeigt der VW allerdings bei den Bremswegmessungen: Vor allem in kaltem Zustand verzögert er klar schlechter als der mit optionalen 245er-Reifen bestückte Opel.

FahrdynamikMax. PunkteOpel Insignia 2.0 CDTIVW Passat CC 2.0 TDI
Handling1507174
Slalom1006876
Lenkung1006973
Geradeauslauf504242
Bremsdosierung301818
Bremsweg kalt1509882
Bremsweg warm15010091
Traktion1004043
Fahrsicherheit150130132
Wendekreis201010
Kapitelbewertung1000646641

 

Umwelt und Kosten

Hier wie da liegen die Grundpreise jenseits der 30 000 Euro. Passat CC-Käufer können 2150 Euro sparen, indem sie auf das Doppelkupplungsgetriebe des Testwagens verzichten. Doch es bleibt ein erheblicher Vorteil für den Insignia Edition (Basisausstattung mit 160-PS-Diesel), der CD-Radio und sogar Navigationssystem erienmäßig an Bord hat.

Auch der laut DAT-Prognose rund 2500 Euro niedrigere Wertverlust nach vier Jahren und 80 000 Kilometern macht den Insignia zum Fall für Rechner. Bei den Wartungskosten schneidet der Opel etwas schlechter ab als der VW, bei den Versicherungskosten ist es andersherum. Die Differenzen sind aber zu klein, um bei der Bepunktung eine Rolle zu spielen.

Ins Hintertreffen gerät der Rüsselsheimer bei den Garantien: Seit der letzten Preiserhöhung Ende Mai kommt der Insignia nicht mehr mit sechs, sondern nur noch mit zwei Jahren Technik- Garantie zum Kunden. Dennoch reicht es dem Opel zum Sieg in diesem Kapitel.

Kosten/UmweltMax. PunkteOpel Insignia 2.0 CDTIVW Passat CC 2.0 TDI
Bewerteter Preis675186172
Wertverlust502018
Ausstattung252013
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung501828
Werkstattkosten201515
Steuer1077
Versicherung403232
Kraftstoff554140
Emissionswerte258587
Kapitelbewertung1000424412

 

Fazit

Der Insignia gewinnt vier von fünf Kapiteln, nur die Fahrkomfort-Wertung geht an den Passat CC. Der Volkswagen landet daher auf dem zweiten Platz. Ein Verlierer ist er deswegen nicht, denn er verkörpert den Gedanken des Reise-Coupés mit mehr Überzeugungskraft als der Insignia. Der Opel ist die bessere, auch mal zu fünft nutzbare und nicht zuletzt billigere Limousine. Dazu sieht er noch richtig gut aus.

Gesamtbewertung

Max. PunkteOpel Insignia 2.0 CDTIVW Passat CC 2.0 TDI
Summe500030293018
Platzierung12

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