Opel GT 1900: Fahrbericht und Kaufberatung Forever Young

15.07.2014

Vor gut 40 Jahren lief seine Fertigung aus. Heute hat sich der Opel GT als faszinierender und für immer junger Oldie etabliert. Gerade der populäre GT 1900 begeistert. Fahrbericht und Kaufberatung

Was haben der Opel GT und die Concorde gemeinsam? Beide sind einmalig und ohne Nachfolger. Wer in beiden reisen durfte, weiß, dass es im Innenraum um die Schultern herum sehr eng zugeht.

Beim Beschleunigen und Landen sprich Bremsen spürte man im Jet wie im GT die Beschaffenheit der Piste hautnah. Beide ließen die Passagiere emotional abheben: Die Concorde mit bis zu 2172 km/h, der Opel GT mit über 180 km/h. Nur Fliegen ist schöner? Ja!

 

STABILE KAROSSERIE MIT VERSTECKTEM ROST

Heute sind beide Baumuster Geschichte, begeistern aber noch immer die Technik-Freaks. Während die Concorde nur 20 Mal produziert wurde und in Technik-Museen wie in Sinsheim bestaunt werden kann, rollten vom Opel GT immerhin 103.463 Exemplare von den Bändern. Und obwohl die Herstellung des lupenreinen Zweisitzers nach etwas mehr als vier Jahren Bauzeit vor rund 40 Jahren abrupt endete, strahlt der Opel GT bis heute eine ungeheure Anziehungskraft aus.

Er ist eindeutig der faszinierendste Opel-Oldtimer aller Zeiten. Taucht man mit ihm auf, wollen sich die begeisterten Seh-Leute unbedingt in den gerade mal 1,23 Meter schmalen Innenraum zwängen. Jeder möchte hinter dem Flugzeug-ähnlichen, geneigten Cockpit und in den flachen Sportsitzen Platz nehmen und durch die gewölbte Frontscheibe über die Hutze auf der Motorhaube hinweg in die Weite schauen. Auch aus dieser Perspektive gewinnt der Opel-Werbeslogan „Nur Fliegen ist schöner“ seine Berechtigung.

Wer sich nun mit dem Gedanken trägt, einen GT zu erwerben, sollte vor allem auf die Hülle achten. Weil es kaum noch rostfreie Basisfahrzeuge gibt, ist der Karosserie-Zustand der wichtigste Aspekt beim Kauf. Denn die Technik – vom Motor über das Getriebe bis hin zu den Fahrwerkskomponenten – stammte damals aus dem Opel-Baukasten und ist deshalb heute noch relativ preiswert zu reparieren. Zudem kann man auf Ersatzteile der damals parallel produzierten Kadett B- und Rekord C/D-Modelle zurückgreifen.

Ganz anders ist das beim Blech: Bei der vielfach verschweißten und recht stabilen Stahlkarosserie treten nach der Demontage des Interieurs sowie einer Inspektion der Schweller und Kotfl ügelpartien oft ungeahnte Rostnester zu Tage. Die GT-Karosserien waren in Auftragsarbeit in Frankreich etwas nonchalant gefertigt worden.

Die Blecharbeiten können die Aufbereitungskosten eines Opel GT in astronomische Höhen treiben.

Deshalb hier der wichtigste Ratschlag: Sehr penibel selbst oder mit einem Fachmann die Schweller, Kotflügel, die Türen im Bereich des Außenspiegels, den Unterboden, die Partien um die Klappscheinwerfer, die Heckschürze um die Rückleuchten und die Heckscheibe herum prüfen. Gut erhaltene Opel GT fanden sich jahrelang in den heißen, streusalzfreien Südstaaten der USA. Kein Wunder: Fast 70 Prozent der GT Produktion wurde in den USA unter dem Buick-Label verkauft. Gunter Wolf, GT-Kenner und Werkstattinhaber in Bonn-Beuel, hat viele GT aus USA importiert.

„Das sind die Modelle, bei denen sich die Aufbereitung noch lohnt.“ Der 930 Kilogramm leichte GT, der bis 1973 im Bochumer Opel-Werk montiert wurde, war mit 90 PS 183 km/h schnell. Die 100 km/h-Marke schaffte er laut Werk in 10,5 Sekunden. Im Test-Trimm zeigte das Peiseler-Messgerät 12,2 Sekunden an.

Der 1,9-Liter-Vierzylinder, der dem GT neben dem 1,1-Liter-Motor mit 60 PS aus dem Rallye-Kadett als Antriebsquelle diente, war mit der seitlichen Nockenwelle, dem Registervergaser und den 90 PS ein zigtausendfach bewährter alter Bekannter. Mit dem 1,9-Liter-Triebwerk fährt sich der leichte GT souverän und handlich. Kurven sind seine Domäne Die tiefe Sitzposition und das kleine, griffige Lenkrad lassen GT und Fahrer fast verschmelzen.


DER KOFFERRAUM IST NUR VON INNEN ZUGÄNGLICH


Der nur als Coupé gebaute GT – die Targa-Version „Aero“ ging nie in Serie – hat eine Besonderheit: Der 190 Liter große Stauraum muss mangels Kofferraumklappe umständlich über den Innenraum beladen werden. Show-Charakter haben die Klappscheinwerfer, die über einen Drahtseilzug vom Innenraum her in ihre Leuchtposition gedreht werden.

Im Gegensatz zur Concorde, die nicht mehr fliegen darf, werden viele der immer noch zahlreichen Opel GT gerade wieder startklar gemacht. 1553 Stück sind laut KBA derzeit zugelassen. Weitere werden mit Kurzkennzeichen bald auf den Oldtimer-Treffs landen – etwa beim GT-Europa-Treffen über Pfingsten in Lautertal.

OPEL GT 1900 (Bj.: 1968-73): Technische Daten und Fakten
Antrieb
R4-Zylinder; vorne längs eingebaut; 2-Ventiler; eine seitlich liegende Nockenwelle; Kettenantrieb; Gemischbildung: Register-Fallstromvergaser Solex 32 DIDTA-4; Bohrung x Hub: 93 x 69,8 mm; Verdichtung: 9,5:1; Hubraum: 1897 cm3; Leistung: 66 kW/90 PS bei 5100/min; maximales Drehmoment: 146 Nm bei 2500-3100/min; Viergang-Getriebe; Mittelschaltung; Hinterradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Selbsttragende Stahlblechkarosserie; Radaufhängung vorn: Doppel-Querlenker, Querblattfedern; hinten: Starrachse, Längslenker, Panhardstab, Schraubenfedern, wahlw. Stabi.; Zahnstangen-Lenkung; Bremsen: v./h. Scheiben/Trommeln, Servo; Reifen: 165 HR 13, Räder: 5 x 13 (ab Modelljahr 1973 als Sportfelge)
Eckdaten
L/B/H: 4113/1580/1225 mm; Radstand: 2431 mm; Spurweite v./h.: 1254/1284 mm; Leer/-Gesamtgewicht: 940/1160 kg; Bauzeit: 1968 bis 1973; Stückzahl gesamt: 103.463; Preis (1972): 12.845 Mark
Fahrleistungen1
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 12,2 s; Höchstgeschwindigkeit: 183 km/h; Verbrauch: 11,6 l/100 km
1AZ Ausgabe 14/15-1972


MARKTLAGE

Zustand 2:  17.500 Euro
Zustand 3:  10.900 Euro
Zustand 4:     4600 Euro
Wertentwicklung: leicht steigend
Definition der Zustandsnoten

Unser Fazit

Sohn zeugen, Baum pflanzen und Opel GT fahren: Auch so können Männerträume aussehen. Trotz eines modernen Nachfahrens: Den echten GT gab es nur einmal. Und nur mit ihm ist nur Fliegen schöner. Die schlanke Form mit den wunderschönen Kotflügeln, das markante Heck und das tiefe Cockpit: Nie wieder gab es einen so auf Design getrimmten, kompromisslosen Opel. Mein Gott, Adam: Was waren die Ende der 60er mutig. Kein Wunder, dass der Oldie immer noch heiß geliebt und begehrt ist. Und dass es europaweit ein sehr aktives Clubleben gibt. Der Opel GT: Forever young!

Werner Müller

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