Opel Corsa E: Die fünfte Generation im ersten Fahrbericht Sechs sexy Gründe

24.10.2014

Der „kleine Freund“ von einst ist erwachsen geworden und will fast schon ein Großer sein. Die fünfte Corsa-Generation ist fit für die City. Erster Fahrbericht

Zugegeben, die Überschrift ist ganz schön frech. Corsa? Sexy? Ist das nicht der gute, alte Bekannte, der uns überall um die Ohren fährt? In wohl jeder Nachbarschaft parken gefühlte fünf Stück pro Quadratmeter. Und in den Ferien entkommt man ihm erst recht nicht:

Kaum dass man auf Mallorca irgendeiner Boeing entstiegen ist, sitzt man schon im klimatisierten Miet-Corsa und rollt seinem Lieblingsrestaurant in Port de Pollença entgegen.

Auf zum ersten Cortado. Hola! Sexy oder eher vernünftig? Auf alle Fälle beliebt ist er, der kleine Bruder von Kadett und Astra, der binnen 32 Jahren über 12,4 Millionen Mal verkauft wurde und nach Kräften dem VW Käfer nacheifert, der mit 21,5 Millionen Stück zwar immer noch weit vorn liegt, dafür aber auch die doppelte Zeit in Anspruch nehmen konnte (1938 bis 2003).

Nach dem Willen von Opel-Chef Karl-Thomas Neumann soll die fünfte – und neueste – Generation (Corsa E) des heute zweitkleinsten Rüsselsheimers noch eine beträchtliche Stückzahl drauflegen:

„Der Corsa ist ein erstrebenswertes Auto,“ sagt Neumann. Opel-Marketingchefin Tina Müller steigert die Neugierde noch: „Jede Corsa-Generation traf exakt den Zeitgeist – die fünfte wird diese Geschichte fortsetzen.“

 

Kleinwagen sind kleine Große

Dazu braucht der als Fünftürer 4021 Millimeter lange, 1746 Millimeter breite und 1481 Millimeter hohe Corsa perfektes Rüstzeug – denn von Kleinwagen erwarten die Kunden heute das volle Programm der Großen: Sicherheit, Ausstattungsmöglichkeiten und Qualität müssen stimmen.

Wie gehabt bietet Opel den in Eisenach montierten VW Polo-Konkurrenten als Drei- und Fünftürer an, wobei die dreitürige Variante coupéhafter geschnitten ist und ein ab den B-Säulen stärker nach hinten abfallendes Dach aufweist.

Corsa-Kenner werden anhand der Fenstergrafik die Verwandtschaft zum Vorgänger erkennen. Wesentliche Teile der Rohkarosserie wurden übernommen. Den Rest aber haben die Entwickler auf den neuesten Stand gebracht. Im direkten Vergleich mit dem bislang gebauten Corsa D unterscheidet sich vor allem die Front deutlich.

Die scharf eingekerbten Scheinwerfer samt neuem LED-Tagfahrlicht verleihen dem ab 11.980 Euro erhältlichen Opel (Aufpreis Fünftürer: 750 Euro) nicht nur einen charmanteren Blick. Die flügelförmigen Leuchten gibt es ab der zweitniedrigsten Ausstattungslinie Edition auf Wunsch auch mit Bixenon-Technik (750 Euro). Im Topmodell Innovation sind sie serienmäßig enthalten.

Das Heckdesign wurde ebenfalls gründlich überarbeitet. Der Stoßfänger und vor allem die größeren, jetzt zweigeteilten Rückleuchten zeigen einen neuen Stil. Hinter der Heckklappe wartet ein durch Umlegen der asymmetrisch geteilten Rücksitzlehne von 285 auf 1120 Liter erweiterbarer Kofferraum.

Das Format kennen wir vom Vorgänger, und auch die lichten Maße des Innenraums variieren nur geringfügig. Neu modellierte Türtafeln etwa geben etwas mehr Breite. Einer der Hauptkritikpunkte des bisherigen Modells waren die teils freudlos wirkenden, an der Oberfläche oft harten Kunststoffe.

 

Bessere Haptik, höhere Qualität

Die zum ersten Kennenlernen bereitgestellten Test-Corsa jedenfalls machen mit der PVC-Ära Schluss. Freundliche Farben, griffige Materialien in den Türtafeln und auf dem Armaturenbrett sowie hochwertige Polsterstoffe belegen den Fortschritt. Auch die Bediengeräusche etwa beim Öffnen und Zuschlagen der Türen und der Heckklappe klingen weitaus satter und vertrauenerweckender als zuvor.

Vom Fahrerplatz aus blickt man buchstäblich auf das Innenleben eines ganz neuen Autos. Das Armaturenbrett wirkt gleichfalls frischer und erwachsener als bislang und erinnert an das des Lifestyle-Minis Opel Adam. Gut: Die Knöpfchenflut früherer Opel-Modelle zieht im neuen Corsa E gar nicht erst ein.

Das von einem großen Zierteil dominierte Cockpit wirkt übersichtlich, allerdings sind die Bedieneinheiten zur Steuerung der Heizung und Belüftung sowie der ab Ausstattungslinie Edition serienmäßigen Klimaanlage zu tief platziert.

Den in der Mittelkonsole gewonnenen Raum füllt Opel für 300 Euro Aufpreis mit dem Multimedia-Infotainment-System IntelliLink. Dessen Herzstück ist ein sieben Zoll großes Farbdisplay, auf dem ausgewählte Smartphone-Inhalte (Apple iOS, Android) wiedergegeben werden.

Die Funktion eines Navigationsgeräts übernehmen in diesem Fall Applikationen wie BrinGo. Auch weltweiter Radio- und Podcastempfang sind möglich. Wer will, kann via Sprachsteuerung (Siri Eyes Free) mit Apple iOS-Geräten SMS-Nachrichten diktieren oder sich E-Mails vorlesen lassen.

Entscheidend sind fraglos die automobilen Werte des neuen Opel Corsa – auch hier sind die Fortschritte deutlich. Dank geringfügiger Tieferlegung der Karosserie, steiferer Fahrschemel und einer veränderten Dämpfer-Charakteristik bietet der Klein-Opel ein spürbar besseres Lenk- und Stabilitätsgefühl als zuvor. Ein neues Lenkgetriebe und die modifizierte vordere Achsgeometrie tragen ihren Teil zum erwachsenen, stets beherrschbaren Fahrgefühl bei.

Die beim Testwagen montierte, relativ schwere Rad-Reifen-Kombination im Format 215/45 R 17 und die insgesamt etwas sportlichere Abstimmung führen bei Langsamfahrt auf geflickten Innenstadtstraßen zu einem etwas trockenen Ansprechen. Insgesamt aber hinterlässt der Corsa einen komfortablen ersten Eindruck. Positiv: Im serienmäßigen City-Modus lässt sich der Vier-Meter-Wagen mit dem kleinen Finger lenken.

Wem das zu viel ist, der kann den automatischen Parkassistenten aktivieren (580 Euro), der das Auto automatisch in die zuvor ebenso automatisch erkannte Parklücke zirkelt. Bis auf den bekannten 1,2-Liter-Benziner (70 PS) verfügen alle Benzin und Diesel-Versionen über eine Start-Stopp-Automatik. Der zum Kennenlernen gewählte, brandneue 1,0-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner (115 PS) dreht munter hoch und schnurrt über ein weites Drehzahlband leise und erfreulich vibrationsarm.

Nur beim Ausdrehen der Gänge kommt der typische Dreizylinder-Sound ans Ohr. Der Motor harmoniert gut mit dem ebenso komplett neuen manuellen Sechsgang-Getriebe, dessen präzise Abstufung und leichte Bedienbarkeit das hohe Niveau des neuen Corsa beweisen.

Unser Fazit

Es geht doch. Der Corsa bleibt ein City-Champion für jeden Geldbeutel, hinterlässt aber einen deutlich besseren Qualitätseindruck. Er wirkt reifer und zugleich moderner. Der neue Dreizylinder-Turbo bietet muntere Fahrleistungen, das Sechsgang-Getriebe passt perfekt dazu. Auch das ist sexy …

Stefan Miete

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