Drei kompakte Kombis im Vergleichstest VW Golf Variant – Skoda Octavia Combi – Opel Astra Sports Tourer

05.09.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

VW Golf Variant und Skoda Octavia Combi sind die Maßstäbe in ihrem Segment. Kann der neue Opel Astra Sports Tourer den beiden Platzhirschen den Rang ablaufen?

Der Name Caravan hat ausgedient. Er klang wohl zu antiquiert für den neuen Kurs, den Opel eingeschlagen hat, um aus der Krise zu kommen. Und weil es nicht nur galt, einen ernsthaften Kombi-Konkurrenten gegen VW Golf und Konsorten in Stellung zu bringen, musste auch ein neuer Beiname für den Astra mit XL-Kofferraum her.

Der trägt ab sofort den modischen Beinamen Sports Tourer und tritt im ersten Vergleichstest als 160 PS starker 2.0 CDTI gegen zwei populäre Vertreter aus dem VW-Konzern an: Skoda Octavia Combi und VW Golf Variant rollen jeweils mit dem bewährten 2.0 TDI und 140 PS vor.

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Karosserie

Es ist, wie es ist, und daran lässt sich momentan nicht rütteln: Im Karosseriekapitel hat der Golf die gefällig gezeichnete Schnauze vorn. Bei Raumangebot und Übersichtlichkeit muss er sich zwar knapp hinter dem Octavia einreihen – die kantige Form des Tschechen kommt Kofferraumvolumen (580 bis 1620 Liter), Einstieg und Übersicht zugute. Doch in Sachen Qualität, Variabilität (ebener Ladeboden, Durchreiche in Sitzbank), Bedienung und Sicherheitsausstattung ist der Variant einfach besser als seine Rivalen.

Eine andere Philosophie verfolgt Opel mit dem Astra Sports Tourer. Der erfreut zwar mit Variabilität – ebener und doppelter Ladeboden – sowie einer reichhaltigen Sicherheitsausstattung mit dynamischem Bi-Xenonlicht, Verkehrsschilderkennung und Spurassistenten als Option. Doch schon die Form des in Ellesmere Port/ Großbritannien gefertigten Lifestyle-Kombis verrät, dass der Astra weniger Lastenesel und Praktiker ist und deshalb in puncto Raumangebot, Übersichtlichkeit und Zuladung hinter seinen Konkurrenten bleibt. Besonders der Blick durch das Heckfenster und über die rechte Schulter seitlich nach hinten wird durch die im Vergleich kleineren Fenster und die breitere C-Säule eingeschränkt.

Nicht aufs Konto seiner Karosserie hingegen gehen Qualität und Verarbeitung des am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim entwickelten Sports Tourer. Die Materialien, zum Beispiel die Dekoreinfassungen der Luftdüsen im Cockpit, wirken nicht immer hochwertig, und insgesamt fehlt es dem Astra etwas an Solidität. Ein paar Zähler verliert er auch beim Punkt Bedienung und Funktion. Für die Betätigung des Bordcomputer-Drehschalters am Blinkerhebel muss man die Hand vom Lenkrad nehmen, und die Mittelkonsole ist mit zu vielen Knöpfen überfrachtet, sodass etwas Eingewöhnung erforderlich ist. Skoda und VW hingegen geben hier keine Rätsel auf. Ob Navi, Klimaanlage oder Radio – die Bedienung gelingt intuitiv.

KarosserieMax. PunkteVW Golf Variant 2.0 TDI 140 PSOpel Astra Sports Tourer 2.0 CDTI ECOTEC 160 PSSkoda Octavia Combi 2.0 TDI 140 PS
Raumangebot vorn100707071
Raumangebot hinten100656266
Übersichtlichkeit70444146
Bedienung/ Funktion100908588
Kofferraumvolumen100515161
Variabilität100454035
Zuladung/ Anhängelast80413740
Sicherheit150928984
Qualität/ Verarbeitung200183178180
Kapitelbewertung1000681653671

 

Fahrkomfort

Was der Astra Sports Tourer im Karosseriekapitel verliert, holt er mit seinen guten Komforteigenschaften wieder auf. Denn auf den vorderen Plätzen sitzt man im Opel mit viel Seitenhalt und langer, einstellbarer Schenkelauflage bequem (Ergonomiesitz für Fahrer: 390 Euro). Nur die Sitzwangen an den Beinen engen große Personen auf Dauer etwas ein. Auch bei den tatsächlichen Innengeräuschen liegt der Opel vorn, wobei der subjektive Geräuscheindruck zugunsten des Golf ausfällt. Denn im Leerlauf klingt der Opel-Diesel deutlich kerniger als die TDI der Konkurrenz, und bei höheren Drehzahlen brummiger. Mit vielen großen und günstig gelegen Ablagen befindet sich der Astra mit Skoda und Golf beinahe auf einem Niveau, in der zweiten Sitzreihe hingegen muss der Opel Federn lassen: Die schräge C-Säule verkleinert den Einstieg deutlich, und die Kopfstützen sind kaum gepolstert.

Auf den definierten Komfortstrecken spielt der Opel-Testwagen sein Ass im Ärmel aus: das FlexRide-Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern vorn und hinten (980 Euro). Im Normal-Modus soll die Elektronik den Fahrstil erkennen und sich ihm anpassen, Komfort und Sport können per Tastendruck angewählt werden. Im Alltag ist man am besten im Komfortprogramm unterwegs. Sowohl leer als auch voll beladen (2130 kg) federt die Vorderachse sensibel an, leitet keine Stöße an die Karosserie weiter und kann auch bei hohem Tempo viele Unebenheiten gut parieren. Über Querfugen und kleine quer liegende Rinnen dürften Zug- und Druckstufe jedoch etwas feinfühliger arbeiten.

Gegen diese Technik können Skoda und VW nicht viel ausrichten. Besonders im Octavia bringt die Fahrt über ansteigende und abfallende Kanten eine deutlich spürbare Unruhe ins Heck. Weniger plump agiert der Golf auf den Komfortstrecken, dennoch kommt auch er an die Geschmeidigkeit des Opel nicht heran.

FahrkomfortMax. PunkteVW Golf Variant 2.0 TDI 140 PSOpel Astra Sports Tourer 2.0 CDTI ECOTEC 160 PSSkoda Octavia Combi 2.0 TDI 140 PS
Sitzkomfort vorn150135135128
Sitzkomfort hinten100706568
Ergonomie150132133133
Innengeräusche50272825
Geräuscheindruck100646362
Klimatisierung50283428
Federung leer200136140134
Federung beladen200134138132
Kapitelbewertung1000726736710

 

Motor und Getriebe

Nicht nur in Sachen Komfort taugen alle drei Kombis für lange Strecken, auch die effi zienten Diesel-Motoren machen 1000-Kilometer-Etappen ohne Stopp an der Zapfsäule möglich. Sogar ohne Start-Stopp-Systeme knacken Astra, Octavia und Golf die Sechs-Liter-Marke auf der AUTO ZEITUNG-Normrunde – inklusive Vollgasanteil – ohne zu Verkehrshindernissen zu werden.

Obwohl der Opel 20 PS mehr hat als seine Wettbewerber, kann er diesen Vorteil nur beim Sprint umsetzen. In neun Sekunden erreicht er Tempo 100, VW und Skoda sind lediglich 0,2 respektive 0,4 Sekunden langsamer. Geht es um die Elastizität, also das Durchzugsvermögen des Motors, ist der Variant dank kürzerer Getriebeübersetzung schneller als der Sports Tourer, dessen 2.0 CDTI nicht so drehfreudig zu Werk geht wie die TDI von Octavia und Golf. Besonders der Wolfsburger erfreut mit einer harmonischen Kraftentfaltung – dabei ist selbst bei über 4500 Touren noch verwertbare Leistung abrufbar.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Golf Variant 2.0 TDI 140 PSOpel Astra Sports Tourer 2.0 CDTI ECOTEC 160 PSSkoda Octavia Combi 2.0 TDI 140 PS
Beschleunigung150107109106
Elastizität100747372
Höchstgeschwindigkeit150606258
Getriebeabstufung100828180
Kraftentfaltung50302729
Laufkultur100534547
Verbrauch325270270275
Reichweite25181920
Kapitelbewertung1000694686687

 

Fahrdynamik

Auf der Rundstrecke und dem Slalomparcours haben VW und Skoda gegen den Astra Sports Tourer klar das Nachsehen. Schon sein Grundcharakter zeigt klare dynamische Tendenzen, im Sportmodus aber wird der schicke Kombi zur Fahrmaschine in diesem Vergleich. Zackig wirft sich der Astra in die Kurve, wobei die Lenkung etwas zu leichtgängig arbeitet. Das Heck dreht sich leicht ein – ohne Abstriche bei der Fahrsicherheit –, und das ESP regelt mit feinen Impulsen. Auf der Bremse ist der Octavia dem Opel jedoch voraus. 34,5 Meter kalt und 34,7 Meter warm sind Spitzenwerte für den Tschechen, der auch den kleinsten Wendekreis hat. Bei der Fahrsicherheit verliert der Skoda ein paar Punkte, weil er noch stärker untersteuert als der lammfromme VW – ganz im Gegensatz zum Opel, der stets sehr neutral liegt.

FahrdynamikMax. PunkteVW Golf Variant 2.0 TDI 140 PSOpel Astra Sports Tourer 2.0 CDTI ECOTEC 160 PSSkoda Octavia Combi 2.0 TDI 140 PS
Handling150515849
Slalom100687234
Lenkung100818379
Geradeauslauf50383637
Bremsdosierung30182019
Bremsweg kalt1508797105
Bremsweg warm1509299103
Traktion100413840
Fahrsicherheit150130132128
Wendekreis20141015
Kapitelbewertung1000620645609

 

Umwelt und Kosten

Knapp 1000 Euro trennen den Skoda Octavia Combi vom Opel Astra Sports Tourer, der wiederum rund 1300 Euro günstiger ist als der VW Golf Variant. Weil es den Wolfsburger erst ab der Ausstattungsvariante Comfortline gibt und dort Leichtmetallfelgen serienmäßig an Bord sind, heimst er bei der AUTO ZEITUNG Normausstattung die meisten Punkte ein. Auch bei den Werkstattkosten pro Jahr kommen Golf-Fahrer am günstigsten weg.

Erstaunlich ist, dass der von der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) prognostizierte Wertverlust des Astra geringer ausfällt als der seines Erzfeinds Golf. Im Kostenkapitel liegen die beiden aber sehr ausgeglichen auf einem Niveau. Für den Astra sind ein paar Euro mehr für die Steuer fällig, die holt er sich aber mit einer besseren Versicherungseinstufung wieder zurück. Schade ist, dass Opel zwar ein gutes Garantiesystem bietet: Übernahme aller Lohn- und Metarialkosten bis 50.000 km – zeitlich unbegrenzt, danach gestaffelte Selbstbeteiligung bis 160.000 Kilometer. Doch dafür gibt nur ein Jahr Mobilitätsgarantie. Das verhindert ein besseres Abschneiden im Kostenkapitel.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Golf Variant 2.0 TDI 140 PSOpel Astra Sports Tourer 2.0 CDTI ECOTEC 160 PSSkoda Octavia Combi 2.0 TDI 140 PS
Bewerteter Preis675207215222
Wertverlust50212224
Ausstattung25201615
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50282828
Werkstattkosten20171415
Steuer10888
Versicherung40323332
Kraftstoff55444445
Emissionswerte25868486
Kapitelbewertung1000463464475

 

Fazit

Dass der Opel auf Angriff setzt, war nach der ersten Fahrt im Astra Sports Tourer klar. Dass der trendige Kombi aber mit dem Klassenprimus VW Golf Variant gleichziehen würde, hingegen nicht. Am Ende liegt der Rüsselsheimer punktgleich mit dem VW auf dem ersten Platz. Jeweils zwei Kapitelsiege können die beiden Kontrahenten für sich verbuchen. Dabei erfreut der Astra mit seinen Dynamik- und Komforteigenschaften, der Golf mit dem höchsten Nutzwert sowie dem besten Antrieb.

Gut 30 Zähler dahinter, aber keinesfalls abgeschlagen, landet der Skoda Octavia Combi. Seine Stärken sind das größte Kofferraumvolumen in diesem Trio, die kürzesten Bremswege und die niedrigsten Kosten.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Golf Variant 2.0 TDI 140 PSOpel Astra Sports Tourer 2.0 CDTI ECOTEC 160 PSSkoda Octavia Combi 2.0 TDI 140 PS
Summe5000318431843152
Platzierung123

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