Opel Ascona A 2.0/Ford Escort RS 2000 Mk I: Classic Cars Zwei kauzige Rallye-Stars von gestern

von Gerrit Reichel 04.10.2017
Inhalt
  1. Opel hielt sich an Tuner wie Irmscher und Steinmetz
  2. "Den Ascona an Heiligabend spontan gekauft"
  3. Escort RS meinte es ernst mit dem Rallye-Sport
  4. Technische Daten

Wenn diese beiden ehemaligen Rallye-Stars im Rückspiegel auftauchen, werden Erinnerungen wach. Im Detail offenbaren Opel Ascona A und Ford Escort RS ganz unterschiedliche Charaktere.

Wer Mitte der 60er-Jahre in Deutschland ein – nach bürgerlichen Maßstäben – leistungsstarkes und schnelles Auto haben wollte, der war in der Regel gezwungen, viel Blech durch die Gegend zu fahren. Die gängige Formel lautete: Je größer die Karosserie, desto mehr Hubraum und Leistung steckt unter der Haube. BMW und Alfa waren die ersten, die damals zeigten, dass es auch anders ging, indem sie in kompakte Limousinen starke Motoren einbauten. Doch bis Opel und Ford nachzogen, dauerte es noch ein paar Jahre. Dann allerdings legte vor allem Ford ein äußerst attraktives Sportprogramm auf. Angeheizt durch die Erfolge wilder Escort, die in England mit dem Motor des größeren Lotus Cortina als Twin Cam für Furore gesorgt hatten, wuchs auch in Deutschland die Begehrlichkeit nach einem dynamischen Kompakten mit stabilem Fahrwerk. Über ausgesuchte Rallye-Sport-Händler brachte Ford deshalb 1973 den Escort RS 2000 auf den Markt: Ein 100 PS starkes Serienauto, das im Vergleichstest der AUTO ZEITUNG von 1974 auf Anhieb die versammelte Konkurrenz abhängte. Alfa Romeo Giulia, BMW 1802, Opel Ascona 1.9 SR und auch der Audi 80 GT konnten ihm beim Sprint von null auf hundert km/h in 10,5 Sekunden nicht folgen. Vor allem aber bot der RS 2000 reichlich Potenzial für technische Upgrades. Besagte RS-Händler hielten alles bereit, was das Herz begehrte: Fahrwerksteile für sportliche Einsätze, größere Vergaser, Zusatzkühler, stärkere Bremsen, Sportfelgen und –abgasanlagen und Kotflügelverbreiterungen. Mit den Tuningkits ausgestattete RS 2000 brachten es auf mehr als 130 PS und waren geeignet, in der damaligen Gruppe 1 als seriennahe Tourenwagen erfolgreich mitzumischen.

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Opel hielt sich an Tuner wie Irmscher und Steinmetz

Auch Opel sprang auf den Rallye-Zug auf. Da der General Motors-Mutterkonzern allerdings seinerzeit keine Motorsportaktivitäten für die Marke duldete (ähnliches galt für Ford und Chrysler), wich man auf Tuner wie Irmscher und Steinmetz aus. Mit diskreter finanzieller Unterstützung des Werks bekam so der erfolgreiche Opel Ascona A von Irmscher eine Kraftkur verpasst und trat 1974 in der Gruppe 2 an – mit Walter Röhrl am Steuer. Das Projekt endete mit dem Sieg in der Rallye-Europameisterschaft. Auch heute gibt es noch viele Fans, die sich perfekt an die alten Zeiten erinnern, als Motorsport noch weniger kommerziell, dafür aber für die Zuschauer unmittelbar erlebbar und für die Aktiven erschwinglich war. Wie weit die Begeisterung dann im Einzelfall führt, wenn ein Opel Ascona A oder ein Ford Escort RS 2000 wieder in Schuss gebracht werden sollen, ist natürlich sehr unterschiedlich.

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Ford Escort RS 2000: Bilder und technische Daten  

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"Den Ascona an Heiligabend spontan gekauft"

Bei Clive Biester geht die Geschichte so: "Es war an Heiligabend, glaube ich, da war mir zwischendurch etwas langweilig und ich habe im Netz nach Autos geschaut. Da bin ich auf den Ascona gestoßen. Den kannte ich bereits, denn er stand schon länger drin. Offenbar wollte ihn niemand haben." Kurzentschlossen griff Biester zu und dachte sich: "Den mache ich mir schön." Dabei ist es für ihn natürlich von Vorteil, dass er selbst mehrere Autohäuser besitzt, darunter auch eines der Marke Opel. "Der Wagen war optisch in keinem besonders guten Zustand", erinnert sich Biester, "der Vorbesitzer ist damit wohl Rallye Cross gefahren." Auch der Motor lief nicht richtig. Wie sich herausstellt, wurde irgendwann einmal ein Zweiliter-Aggregat vom Typ 20E mit Einspritzung eingebaut, wie es erst später im Ascona B zum Einsatz kam. Weil der CIH-Motor von der Gemischbildung abgesehen aber gesund schien, tauschte der neue Besitzer die Einspritzanlage gegen eine Doppelvergaseranlage von Weber mit 45er Querschnitt. Die anschließend nötige Abstimmung ist ihm gut gelungen: Auf dem Prüfstand leistet der Opel Ascona A schließlich  135 PS. Wichtiger als rennsporttaugliche Fahrleistungen oder gar Originalität ist Clive Biester aber die Optik. Den Heckspoiler entfernte er, dafür setzte er den vorhandenen Frontspoiler liebevoll instand. Auch im Cockpit legte der Opel-Mann Hand an. Die Zusatzinstrumente für Kühlwasser und Batterie beispielsweise, ab Werk tief unten in der Mittelkonsole verbaut, wanderten in die Lüftungsaustritte weiter oben. Das Lenkrad und die bequemen Sportsitze der italienischen Traditionsmarke BF Torino hingegen ließ er unangetastet. Von unnötigem Ballast befreit, macht der Opel erwartungsgemäß großen Spaß, wenn er, vom Röcheln der Weber-Vergaser begleitet, über die Landstraßen um seinen Heimatstandort Hameln räubert. Wenn die Fahrt lang genug ist und auch mal über ein kurzes Stück Schotter führt, könnte man sich für kurze Zeit ein bisschen wie Walter Röhrl fühlen.

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Escort RS meinte es ernst mit dem Rallye-Sport

Das geht so lange, bis im Rückspiegel der Ford Escort RS 2000 von und mit Stefan Schlesack auftaucht. Im Gegensatz zu Biesters Breitbau-Ascona meint es der Escort nämlich komplett ernst mitseinem sportlichen Auftritt. Das beginnt mit dem Motor: Dessen Leistung beträgt nach einer vollumfänglichen Überarbeitung mehr als doppelt so viel wie im Serientrimm, nämlich gut 200 PS. Das geht weiter beim rallyetauglichen Bilstein-Fahrwerk mit Wattgestänge und Sperrdifferential hinten und setzt sich fort über die Bremsanlage mit Scheibenbremsen rundum. An der Hinterachse sitzen vier Bremssättel, zwei für die Fußbremse und noch einmal zwei für die separat zu betätigende Handbremse. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass nach Aussage von Besitzer Schlesack alles dem Reglement des Deutschen Motor Sport Bundes (DMSB) für die Gruppe 2 entspricht. Der Mann weiß, wovon er spricht. Schließlich ist er als Internationaler Technischer Kommissar tätig und hat in den vergangenen 30 Jahren unzählige Rallyes bestritten. Zwischen 1987 und 1994 war Schlesack für Ford in der deutschen Rallyemeisterschaft mit großem Erfolg unterwegs. Da überrascht es nicht, dass er sich beim Fototermin mit einem sämigen Drift verabschiedet. Bei genauer Betrachtung liegen die zwei Siebzigerjahre-Sportler also weit auseinander. Aber für einen großen Auftritt taugen sie beide – jeder auf seine Art.

 

Technische Daten

Opel Ascona A 2.0Ford Escort RS 2000 MK I
MotorR4R4
Hubraum1956 ccm1993 ccm
Leistung135 PS200 PS
GetriebeViergangFünfgang
AntriebHinterradHinterrad
L/B/H in mm4124/1626/13853984/1685/1391
Leergewicht995 kgca. 940 kg
0-100 km/hca. 9 sca. 6,9 s
Höchstgeschwindigkeitk.A.ca. 190 km/h
Bauzeit1970 - 19751974
Stückzahlca. 700.000 (A ges.)k.A.
Preis8617 Mark (1971)11.240 Mark (Serie, 1974)

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