Opel Admiral 2800 S: Fahrbericht mit Bildern & technischen Daten Der Budget-Bulle

13.06.2014

Luxus, den man sich leisten konnte: Als die „großen Drei“ von Opel vor 50 Jahren an den Start gingen, sollten die Karten im automobilen Oberhaus neu gemischt werden. Eine schwere Aufgabe für Kapitän, Admiral und Diplomat. Fahrbericht

Sechs Zylinder. Das eint die vier Luxusliner in diesem Vergleich. Jeweils sechs Kolben heben und senken sich in den Motoren von Jaguar S-Type, Lancia Flaminia, Mercedes 250 S und Opel Admiral. Doch sonst gibt es praktisch keine Berührungspunkte bei den Vieren. So charakterlich eigenständig, so typisch, so rundherum klassisch auf ganz eigene Art erscheinen sie uns heute, dass man mit Wehmut zurückblickt und sich fragt, warum heutige Luxusschlitten so gleichförmig daherkommen.

Den Sehnsuchts-Reigen eröffnet ein Jubilar: Vor 50 Jahren präsentierte Opel die „großen Drei“ auf dem Genfer Automobilsalon. Kapitän, Admiral und Diplomat sollten künftig die Aufsteiger aus Kadett und Rekord aufnehmen. Neu war dabei vor allem das Top-Modell Diplomat – Kapitäne und Admiräle hatte es schon gegeben in der langen und ruhmreichen Geschichte von Opel. Deshalb stehen die beiden „Kleinen“ unter den großen Drei immer ein wenig im Schatten. Wir holen nach dem Kapitän (vgl. Classic Cars 3/2013) nun den Admiral da raus und fahren mit ihm in die Sonne.

Ein Opel wie dieser metallicblaue Admiral mit 125 PS von 1967 war damals ein Auto für Aufsteiger. Den Jaguar fuhren die Snobs, den Lancia besaß in Deutschland praktisch niemand. Und der Mercedes S? Nun ja. Der gute Stern aus Schwaben war recht bieder, viel teurer und nicht in allen Details besser als die Opel-Luxusliner. Technisch war der Mercedes zwar überlegen – doch konnte das die Entscheidung zugunsten des preiswerteren Opel aufwiegen?

 

Opel Admiral: Ein Auto für die Aufsteiger der Republik

In fast 90.000 Fällen nicht. Die neuen Opel machten was her! Sie passten gut zur Generation derer, die im neuen demokratischen Deutschland Karriere gemacht und als leitender Angestellter oder erfolgreicher Familienunternehmer das miefige 50er-Jahre Siedlungshaus hinter sich gelassen hatten. Die nun im schicken Flachdach-Bungalow lebten, die erste Pauschalreise im Flieger nach Mallorca im Blick hatten, bei denen der neue Dual-Plattenspieler in weißem Schleiflack auf dem Sideboard stand und die sich für die neue Rollei 35 begeistern konnten, die damals kompakteste Kleinbild-Kamera der Welt mit exzellentem Objektiv und neuester Belichtungsmesser-Technik.

Solche Leute fuhren keinen stockkonservativen Mercedes, sondern – wenn schon Dickschiff – dann einen Opel der KAD-Serie. Denn der war nicht nur preisgünstig, sondern auch noch größer als der Mercedes. Mehr Radstand, mehr Knieraum und mehr Innenbreite hinten sowie ein größerer Kofferraum: Opels neue Dickschiffe trumpften mit einigen Vorzügen auf und setzten dem Schwaben-Barock das Design der neuen Welt entgegen. Mit Bandtacho, Ton in Ton gehaltenen Innenräumen, plüschigem Ambiente und sachlichen Linien, welche die schiere Größe des Fahrzeugs klar umgrenzten, konterte Rüsselsheim – das Detroit Deutschlands – die Südstaaten aus. Bevor die neuen Luxusdampfer vom Stapel liefen, hatte Opel Marktforschung betrieben.
Klares Ergebnis: Mit dem bisherigen Kapitän (werksintern P-LV genannt) war kein Staat mehr zu machen. Zwar stellte der große Opel ein günstiges Angebot dar und konnte sich brüsten, mit über 145.000 verkauften Einheiten der erfolgreichste Kapitän aller Zeiten zu sein, doch die Käufer waren wählerischer geworden. Gerade in Deutschland forderte der Markt modern gestaltete Autos mit starken Motoren und großem Platzangebot. Man wollte zeigen, was man hat. Eigentlich kein Problem für Opel, denn mit der amerikanischen Mutter GM im Rücken konnte man den „American Way of Drive“ in Deutschland weiter kultivieren und in die Formensprache der 60er-Jahre übersetzen. Was in den USA funktionierte, das würde mit großer Wahrscheinlichkeit auch in West-Deutschland ein Trend werden.

Der Kapitän verlor sein Image als Top-Opel und fungierte nunmehr als Einstieg in die Opel-Luxusklasse mit einfacherem Kühlergrill, weniger Chrom und schlichterer Ausstattung. Der Diplomat wiederum verfügte immer über acht Zylinder. Erst mit 4,6 Litern Hubraum und 190 PS, zum Schluss dann mit 5,4 Litern und 230 PS. Der Reihensechszylinder in Kapitän und Admiral stammte zunächst noch aus dem Vorgänger (2,6 Liter, 100 PS), doch 1965 stand ein neues Aggregat zur Verfügung: der 2,8-Liter-Sechser mit neu konstruiertem Zylinderkopf.

Opels CiH-Technologie (Camshaft in Head) holte die Nockenwelle ins „Hochparterre“, wie zeitgenössische Tester es beschrieben. Jedoch betätigte sie die Ventile über Hydrostößel und Kipphebel und war damit keine reinrassige OHC-Konstruktion. Warum das alles? Die CiH-Konstruktion ist verschleißarm, durch die Hydrostößel geräuschgedämpft und leicht einzustellen. Aber von der sportlichen Auslegung eines echten OHC-Motors bleibt sie ein gutes Stück entfernt.

Das macht auch „unser“ Admiral deutlich. Er verfügt über den 2800 S-Motor mit 125 PS. Er entfaltet seine  Leistung  unspektakulär, zieht aus dem Drehzahlkeller sauber hoch und gibt sich weder übertrieben drehzahlgierig noch wehrt er sich gegen hohe Touren. Die Reihensechser ist siebenfach gelagert, läuft schön weich und wird nur mechanisch lauter, wenn man ihm Drehzahl abverlangt. Man kann diesen Wagen schaltfaul bewegen oder sich über das gut von den Ganganschlüssen passende Viergang-Getriebe mit durchaus knackiger Mittelschaltung freuen.

 

Antiquiert: Starrachse und Blattfedern

Hinzu kommt das sänftenartige Fahrgefühl. Der Opel schluckt klaglos einzelne Bodenunebenheiten weg. Die starre Hinterachse kommt allerdings auf holpriger Straße gern mal aus dem Takt, stampft dann und verliert die Bodenhaftung. Doch kann das auch an den Stoßdämpfern liegen, die an einem klassischen Automobil nun auch schon mal ein paar Tage älter sein können. Aus demselben Grunde sollte man auch auf die Neigung zur Neigung in Kurven nicht zu viel geben. Viel wichtiger ist doch, dass die Servolenkung (optional und damals 395 Mark teuer) exakt arbeitet und dass die Bremsen dank ihrer Servounterstützung kräftig zupacken und so ein beruhigendes Gefühl der Sicherheit geben.

Nicht ganz so sicher will man sich allerdings auf den Vordersitzen fühlen. Sie sind vom Charakter her eher eine Sitzbank mit Mitteldurchbruch. Das Anlegen des Sicherheitsgurtes ist also schon deshalb angeraten, damit man nicht haltlos im Auto hin und her rutscht. Das gilt übrigens auch für die Fondpassagiere. Die Rückbank des Admiral ist wenig konturiert. Vorteil: Hier können auch drei Personen noch bequem sitzen, der mittlere Platz ist kein Schwiegermuttersitz. Hinzu kommen ein gutes Raumgefühl mit ausreichender Kopffreiheit und eine hervorragende Rundumsicht.

Dennoch: Viele Autokäufer haben in den 60ern „gefremdelt“ mit Kapitän, Admiral und Diplomat. Der US-amerikanische Auftritt verschreckte die konservative Kundschaft. Opel als Luxusmarke? Das wollte vielen nicht in den Kopf. Ähnlich wie den großen Ford-Modellen haftete auch den Rüsselsheimer Boliden das Image des Emporkömmlings an. Und da dem Opel bahnbrechende Finessen fehlten und so auch bei Technikbegeisterten Kunden der letzte Anreiz zum Kauf einen großen Blitz-Mobils ausblieb, mussten sich Kapitän, Admiral und Diplomat mit ihrem Dasein als Möchtegern-Mercedes-Jäger abfinden.

Heute sind solch akademische Betrachtungen ungefähr so wichtig wie ein Kühlschrank am Nordpol. Um die KAD-Serie A hat sich ein eingeschworener Kreis von Enthusiasten gebildet, der die letzten Exemplare hegt und pflegt. Zu ihnen gehört Hubertus Wiegard, der uns dankenswerterweise diesen 67er Admiral zur Verfügung stellte. Und noch ein Dank: Die Fotos entstanden auf dem Jagdschloss Herdringen in Arnsberg (www.schloss-herdringen.de).

OPEL ADMIRAL 2800 S: Technische Daten und Fakten
Antrieb
R6-Zyl., vorn längs eingeb.; 2-Ventiler; eine seitl. im Zylinderkopf liegende Nockenwelle (CiH), Kettenantr.; Gemischb.: ein Solex-Fallstrom-Registerverg. 32 DIDTA-4; Bohrung x Hub: 92,0 x 69,8 mm; Hubraum: 2784 cm 3 ; Verdichtung: 9,0:1; Leistung: 92 kW/125 PS bei 4800/min; max. Drehm.: 206 Nm bei 3500/min; Viergang-Getriebe; Mittelschaltung (opt.); Hinterradantr.
Aufbau und Fahrwerk
Selbsttr. Ganzstahlkar. m. vier Türen; Radaufh. vorn: Doppel-Querl., Schraubenf.; hinten: Starrachse an Längsblattf.; v./h. Teleskopstoßd., Stabi.; Kugelumlauflenkng (Servo opt.); Bremsen: v./h. Scheiben/Trommeln (Servo); Reifen: v./h. 7.00-14; Räder: v./h. 5 x 14
Eckdaten
L/B/H: 4948/1902/1445 mm; Radstand: 2845 mm; Spurweite v./h.: 1494/1510 mm; Leer-/Gesamtgewicht: 1390/1850 kg; Tankinhalt: 70 l; Bauzeit: 1964 bis 1968; Stückzahl (KAD A ges.): 89.277; Preis (1966): 12.875 Mark
Fahrleistungen1
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 14,0 s; Höchstgeschwindigkeit: 170 km/h; Verbrauch: 15,0 l/100 km
1Werksangaben


MARKTLAGE

Zustand 2:  17.000 Euro
Zustand 3:  10.700 Euro
Zustand 4:  3800 Euro
Wertentwicklung: steigend
Definition der Zustandsnoten

Unser Fazit

Zeiten ändern sich, Bewertungen auch. Wenn man heute die alten Testberichte liest, die den Admiral als Auto ohne Highlights beschreiben, kommt man ins Grübeln. Sicher: einfaches Fahrwerk, kein besonders elastischer Motor, amerikanisch-sachliches Design und ein Innenraum, der vergleichsweise wenig Glamour verströmt. Aber auf jedem Oldtimertreffen wird eher der Admiral umlagert sein als der Hauptwidersacher von damals, der Mercedes. Rüsselsheims große Klasse überzeugt zudem mit anspruchsloser Großserientechnik, die noch ewig halten wird. Und wer den Ami-Style mag, wird den Admiral lieben. Happy Birthday, alter Opel! Auf die nächsten 50 Jahre!

Thorsten Elbrigmann

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