Opel Adam Rocks: Mit dem kleinen Rüsselsheimer durch Riga Der coolste aller Adams

06.10.2014

Trendige Offroad-Optik macht ihn zum Mini-SUV für die Stadt: Mit dem Opel Adam Rocks wollen die Rüsselsheimer im Segment der City Cars eine weitere Nische erschließen. Eine erste Ausfahrt im lettischen Riga

Opel hat sich viel vorgenommen. Während die Marketingabteilung die Kunden auf sympathische Weise zum Umparken im Kopf animiert, rollt aus der Entwicklungsabteilung eine in der Firmengeschichte beispiellose Offensive an: Bis 2018 sollen über zwei Dutzend neue Modelle eingeführt werden – also mehr als vier neue Autos pro Jahr. Zwar wird nicht jedes davon von Grund auf neu konstruiert sein. Aber auch eine clever gemachte Variante eines bekannten Fahrzeugs kann ja einen sinnvollen Familienzuwachs darstellen und neue Nischen erobern.

 

Opel Adam Rocks: Im trendigen Kleinwagen durch Riga

Jüngstes Beispiel für diese Strategie ist der neue Adam Rocks. Technisch ist er mit dem normalen Adam nahezu identisch, von einem 15 Millimeter höhergelegten und anders abgestimmten Fahrwerk abgesehen. Aber optisch kommt der Rocks deutlich kerniger und stämmiger daher. Mit Stoßfängern, Radkästen und Schwellern im Offroad-Look macht er auf Mini-SUV. Dass er in Wirklichkeit nicht die geringste Geländetauglichkeit besitzt, dürfte die wenigsten Kunden interessieren, und noch weniger werden es ihm ankreiden. Und als Clou bietet nur der Rocks unter den Adams ein serienmäßiges Faltdach aus dreilagigem Stoff, von Opel Swing Top getauft.

So können sich die Insassen auf Knopfdruck innerhalb von fünf Sekunden wie in einem offenen Offroader fühlen, wenn auch nicht wie in einem vollwertigen Cabriolet. Nun könnten böse Zungen behaupten, der Rocks sei in Wirklichkeit ein aufgehübschter Standard-Adam, nur eben 1450 Euro teurer und dabei als Geländewagen mangels Allradantrieb so authentisch wie ein Push-Up-BH. Das wäre aber ziemlich zeitgeistlos. Denn längst sind den meisten Kunden zigfach kombinierbare Designelemente vom farbigen Felgenclip über die Chromzierspange bis zur Sitzpolsternaht viel wichtiger als ein Sperrdifferenzial und maximale Achsverschränkung.

Mit einem Satz: Der Rocks ist der coolste aller Adams, nicht mehr und nicht weniger. So cool, dass er womöglich bald auch Männer anmacht, glaubt man bei Opel. Seinen ersten offiziellen Auftritt auf öffentlichen Straßen hatte er jetzt in einer ganz und gar trendigen Metropole: in Riga, der quirligen Hauptstadt Lettlands. Wer hier auffällt, kann sich etwas drauf einbilden. Riga steckt im Umbruch, das erkennt man praktisch an jeder Straßenecke.

An der Ampel stehen nagelneue Luxus-SUV neben uralten Kippladern, die nach 20 Jahren Dienst in Deutschland noch einmal zu großer Form auflaufen. Moderne Konsumtempel reihen sich an zerfallende Holzfassaden aus der Sowjetzeit. Seit Januar zahlt man in Euro, tritt aber zugleich europäische Werte mit Füßen: Hunderttausende Einwohner leben in Lettland als sogenannte Nichtbürger ohne Staatsbürgerschaft, meist sind sie russischer Herkunft. Derweil konkurrieren die hübschen Damen Rigas bei der Höhe ihrer Absätze mit einem der höchsten Fernsehtürme Europas, welcher sich 369 Meter über die Stadt erhebt.

Und doch: Als wir mit unserem Adam Rocks in Sunny Yellow, Grillspange und Dach in Midnight Black, aufkreuzen, zeigen sofort einige Menschen mit dem Finger hinter uns her. Wir tun so, also würden wir nichts merken, und zeigen unsererseits durch das geöffnete Dach auf ein spektakuläres Gebäude: Es sieht ein bisschen aus wie das Empire State Building in New York, nur kleiner. Hochhaus der Akademie der Wissenschaften, lesen wir im Reiseführer. Spitzname „Stalins Geburtstagstorte“. Ein paar Straßen weiter nur zeigt sich Riga wieder von einer völlig anderen Seite.

Wir staunen über reich verzierte Jugenstilbauten mit prachtvollen Fassaden. Eine Stadt voller Widersprüche. Und auch der Adam Rocks wirft Fragen auf. Beispiel: Wer soll den neuen Dreizylinder-Turbo-Direkteinspritzer mit 90 PS und Trommelbremsen hinten kaufen? Für nur 300 Euro mehr fahren wir den gleichen Motor mit knackigeren 115 PS, deutlich besseren Fahrleistungen und Scheibenbremsen rundum. Oder: Sind die optionalen 18-Zöller mit den 225er-Reifen nicht ein bisschen zu dick aufgetragen? Sicher, sie stehen dem Rocks gut, aber das Auto läuft jeder Spurrinne begeistert hinterher und der Fahrkomfort leidet, zumal auf den meist miesen Straßen Rigas.

Das ist nicht cool. Wir halten das Lenkrad gut fest und geben Gas. Da gibt es nichts zu meckern. Der neue Dreizylinder hat einen erstaunlichen Punch schon bei niedrigen Drehzahlen. Zudem läuft er extrem kultiviert und flitzt beim Hochschalten spritzig durch die Gänge. Nur im Leerlauf schüttelt sich der Einliter-Motor leicht und verrät seine ungerade Zylinderzahl. Beim Gewusel durch den Stadtverkehr Rigas fällt auf, wie leichtgängig die Lenkung arbeitet. Für Parkmanöver geht es sogar noch leichter, wenn man die Taste für den City-Modus drückt.

Relativ easy geht auch die Einbindung des Smartphones von der Hand. USB-Kabel anschließen, kurz die Datenübertragung abwarten, dann kann man navigieren oder Web-Radio hören – vorausgesetzt, man hat das IntellyLink-Radio für 300 Euro geordert und die nötigen Apps gekauft. Alternativ empfiehlt sich das Flexdock (90 Euro), eine Handyhalterung fürs Armaturenbrett. Damit hat man sein Smartphone samt Navi-App direkt im Blickfeld. So gerüstet, macht der Adam Rocks auch in Riga eine gute Figur. Aber dort werden ihn sich nur wenige leisten können.

TECHNIK
 

OPEL ADAM ROCKS
Antrieb 3-Zylinder, 4-Ventiler, Turbo, Benzin-Direkteinspritzung, Bohrung x Hub 74,0 x 77,4 mm; Verdichtung: 10,5 : 1; Hubraum; 999 cm3, Leistung: 85 kW/115 PS bei 5200/min, max. Drehmoment: 170 Nm bei 1800-4500/min, Sechsgang-Getriebe, manuell, Vorderradantrieb
Aufbau und Fahrwerk vorn: McPherson-Federbeine, Querlenker, Stabilisator; hinten: Torsionslenkerachse, Federn, Dämpfer, Stabilisator; ESP; Bremsen: rundum Scheiben; ABS, Bremsassistent; Reifen 225/35 R 18 (opt.)
Eckdaten L/B/H: 3747/1807/1493 mm; Radstand: 2311 mm; Leergewicht: 1156 kg; Zuladung: 354 kg; Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 9,9 s; Höchstgeschwindigkeit: 196 km/h, Grundpreis: 18.790 Euro
¹ Werksangaben

Gerrit Reichel

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