Oldtimer-Carsharing: Ratgeber Schätzchen für gewisse Stunden

29.06.2015

Sie stehen zwar nicht an jeder Straßenecke, und man kann sie auch nicht einfach mit einer Chipkarte öffnen. Doch genau wie Kleinwagen gibt es mittlerweile auch Klassiker im Carsharing. Allerdings ist das Oldtimer-Geschäft ein bisschen komplizierter

Der Mann ist in bald 60 und hat als Manager durchaus ein bisschen Spielgeld. Doch zum Kauf des ersehnten Oldtimers konnte er sich nicht durchringen. Zu schwer fällt ihm die Auswahl, zu tief sitzt die Angst vor dem Reinfall, und zu groß ist der Respekt vor allfälligen Reparaturen oder Wartungsarbeiten.

 

Carsharing mit Auto-Klassikern boomt

Trotzdem sitzt er mittlerweile jedes Wochenende am Steuer eines Klassikers und wechselt die Fahrzeuge dabei noch passend zum Wetter und zum Anlass: Heute ein Roadster für den Sommerausflug, morgen ein sportliches Coupé und für den Sonntags-Kaffee mit der Schwiegermutter eine repräsentative Limousine. Wie das geht? Der Rheinländer ist Mitglied in einem Verein und nimmt die Schätzchen nur für gewisse Stunden. Denn genau wie bei den kunterbunt beklebten Kleinwagen in den großen Städten boomt auch bei den Klassikern das Carsharing.

Bei dem Kölner Anbieter Classic Car Club zum Bespiel erwirbt man mit der Mitgliedschaft für Preise zwischen 990 und 1790 Euro 100 oder 200 Punkte, die man dann das Jahr über abfahren kann, erklären die Anbieter auf ihrer Website classiccarclub.de. Der Fahrzeugpool umfasst rund acht Klassiker aus den Jahren 1958 bis 1973, und die Kosten beginnen bei 12 Punkten für den Afla GTV an einem Werktag und reichen bis zu 168 für das Wochenende mit dem Jaguar E-Type Roadster.

Ganz ähnlich funktioniert das System bei der Firma Automobile Meilensteine in Frankfurt am Main. Für einen Jahresbeitrag zwischen 2148 und 4308 Euro erwirbt man eine Mitgliedschaft und mit ihr ein Konto von 650 bis 1500 Punkten, die man das Jahr über abfahren kann - von der Afterwork-Tour bis zum kompletten Classic-Wochenende, beschreibt Mitarbeiter Tim Hallas-Hindinger das Prozedere. Abgerechnet wird dabei genau wie bei Car2Go und Co über die Zeit, nicht über die Entfernung: Der Feierabend im Käfer Cabrio für 15 oder im Mercedes 190 SL für 80 Punkte.

Die Motivation der Nutzer sei jedoch eine etwas andere als beim üblichen Carsharing: «Unsere Autos bucht man nicht, um damit geschickt von A nach B zu kommen oder die Umwelt durch den Verzicht auf einen eigenen Wagen zu entlasten. Sondern in der Regel werden damit reine Spaßfahrten unternommen, bei denen der Weg das Ziel ist», sagt Hallas-Hindinger. Als Zielgruppe nennt er Autofans, denen Zeit, Platz oder schlicht das Geschick für Wartung und Pflege eines Oldtimers fehlt. Oder die öfter mal den Klassiker wechseln wollen.

Hallas-Hindinger betont, dass seine Flotte nur aus Fahrzeugen besteht, die auch seiner Firma gehören, weil es bei so emotionalen Produkten sonst gerne mal Ärger gibt. Christian Roth sieht das etwas entspannter. Er betreibt in Konstanz die Classic Cars Constance und bietet dort ebenfalls ein Carsharing für Klassiker an. Neben seinen eigenen Oldtimern vermietet und vermittelt er für Tagespreise zwischen 300 und 500 Euro auch Fremdfahrzeuge, darunter einen Jaguar E-Type, einen Mercedes 190 SL und einen Citroën 2CV.

Das kommt freilich nicht für jeden Oldtimer-Besitzer infrage. «Die einen sind so verliebt in ihren Auto-Klassiker, dass sie nicht einmal die eigene Frau ans Steuer lassen. Und für die anderen ist das ein Auto wie jedes andere auch.» Solche Besitzer hätten dann auch keine Bedenken, ihren Wagen zu vermieten. Denn erstens werde der Oldtimer dann wenigstens regelmäßig bewegt und roste nicht ein. Und zweitens komme über die Gewinnbeteiligung beim Carsharing wenigstens ein Teil der Kosten für Unterhalt, Unterstellung, Wartung und Pflege wieder herein, argumentiert Roth.

Carsharing mit Oldtimer: Nicht ganz so einfach

Zwar bieten die Vermieter und Vermittler Online-Reservierungen und einfache Buchungsmasken wie die großen Autoverleiher an. Doch ganz so einfach wie mit modernen Mietwagen ist es dann doch nicht, räumt Roth ein: «Weil die Autos alle etwas spezieller sind, bekommen die Kunden vor der ersten Fahrt eine gründliche Einweisung.» Und bei einzelnen Modellen dreht Roth mit den Interessenten sogar eine ausgedehnte Platzrunde, um sie mit den Finessen der Fahrzeuge vertraut zu machen.

Organisationen wie der ADAC beobachten diese Entwicklung mit Interesse, sehen das Thema tendenziell aber eher kritisch. «Das Fahren eines Klassikers kann, gemessen an heutigen Standards, nicht zwangsläufig mit dem Fahren eines modernen Autos verglichen werden», warnt Frank Reichert, Leiter der Klassik-Sparte. «Das bedingt, dass jeder Fahrer vor der Nutzung auf die Besonderheiten des jeweiligen Fahrzeuges aufmerksam gemacht werden muss.» Außerdem verhalten ältere Autos sich bei wechselnden Wetterbedingungen bisweilen kritisch, was Erfahrung und Übung erfordere.

Aber Reichert sorgt sich nicht nur um die Sicherheit, sondern auch um das Wohl und Wehe der Wagen: Pflege und Wartung sind komplizierter und aufwendiger und müssen intensiver betrieben werden als bei aktuellen Autos. «Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass nicht jeder Nutzer mit einen Oldtimer gleich sorgfältig umgeht - wenn es nicht der eigene ist», befürchtet Reichert.

Und dann sei da auch noch die Haftung bei unsachgemäßer Handhabung oder bei einem Unfall. Solche Fragen können schon bei aktuellen Autos lange Diskussionen und im schlimmsten Fall teure Rechtsstreite auslösen, weiß der ADAC-Mann. «Doch wenn zum materiellen Schaden auch Herzblut fließt, dann wird es mitunter richtig kritisch.»

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