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Offen für alles

Offen für alles

Der Reiz des 507 liegt in seiner Vielseitigkeit und dem außergewöhnlichen Charisma. Engagiertes Fahren ist von ständigem Kraftaufwand geprägt, beim Dahinbrausen läuft er aber zu großer Klasse auf. Dazu die beinahe feminine Erscheinung und der martialische Sound. BMW steigt um vom hastigen Be Bop der Vorkriegs-Roadster zum Big Band-Sound des großen Cruisers 507: Geradeaus marschiert der sagenhaft durchzugsstarke V8 infernalisch. Der hämmernde Motorsound wäre Eintrittsgeld wert

Eckdaten
PS-kW150 PS (110 kW)
AntriebAllradantrieb, permanent, 6 Gang Automatik
0-100 km/hk.A.
Höchstgeschwindigkeit220 km/h
Preisk.A.

Heutzutage kann man ja mit Windschott, verfroren aufgestellten Seitenscheiben und sogar Warmluft-Nackenspülung, hmm, Spazierenfahren. So ganz "Huch-da-kann-man-sich-aber-erkälten- und-auch-die-Dauerwelle-hängt-aus"-mäßig. Von echten Roadstern reden wir hier aber nicht. Bei denen muss der Motorsound in jeder Drehzahlnuance rabiat ans Trommelfell schwappen, der Fahrtwind dient spiritueller Lockerung, und da sind das Leiden und die Askese eben immer automatisch dabei. Nur so fönt es die Geruchspartikel des Frühsommers, Kälte und Hitze, Feuchte und Trockenheit in stetigem Wechsel an die Synapsen des Roadster-Menschen. Nur so ist die Erstellung einer quasi inneren Landkarte möglich. Schließlich ist der Roadster-Fahrer dem Zugvogel wesensverwandt. Wer sich hier einen Reset verpassen möchte, der sollte einmal den Ritt auf klassischem Material wagen. Über sieben Jahrzehnte Roadster- Bau bei BMW wären ein guter Anlass zurückzureisen, in einem Zeittunnel aus Wind und Sound. Seit 1930 sind offene Zweisitzer im Programm der bayrischen Marke, wirklich stramm wurde es vier Jahre später mit dem 319/1. Der 790 Kilogramm leichte Wagen spie kernige 55 PS aus seinem 1,9 Liter großen Reihensechszylinder – für 5800 Reichsmark damals ein rund 135 km/h schnelles und sehr exklusives Erlebnis. Für unsere Zeitreise ist dieser schlanke Straßensportwagen mit seinem hart röhrenden Sechszylinder, dem nur fingerdicken Riesenlenkrad, das kurz vor der Brust steht, dem beengten Einstieg und einem kaum vorhandenen Windschutz ein erstklassiger Einstieg. Die nach hinten öffnenden Türen enden auf Hüfthöhe und schließen mit hartem Schlag. Spätestens jetzt sollten alle unteren Körperteile in die Maschine integriert sein in Anbetracht der Hebel und Schalter, der Handbremse und anderer Rohre, die einem während der Fahrt unmerklich alles voller blauer Flecke prügeln. Dann Choke, anstarten mit dem Ohr im Ansaugtrichter, gefühlvolle Gasfußhilfe – und der Motor singt los. Lässt das Leichtgewicht wunderbar leichtfüßig durch die Kurven wieseln. Ganz organisch, herrlich lebendig. Was soll da noch kommen? Ein BMW 328 zum Beispiel. Der ähnelt dem 319/1 auf den ersten Blick noch sehr stark, ist aber ein augenöffnender, süchtigmachender Schritt ins Extrem. Gebaut für den Motorsport, und das spürt man dem 80 PS starken Zweiliter-Reihensechser, dem ebenso stabilen wie handlichen Chassis gleich auf den ersten Metern an. Kompromissloser Antritt, harzig-röhrender Motorsound, energische Beweglichkeit. Irgendwann hat man sich hier regelrecht festgefahren. Die Abfolge der Handgriffe ist ebenso meditativ wie das hypnotische Brüllen des Motors – rau im Drehzahlkeller, rotzig beim Ausdrehen – und das Toben der Elemente. Straßenstaub, Ölruß und Benzinaroma in den Haaren, auf der Haut steht der Schweiß, und der Fahrtwind scheint sich zusammen mit Hitze und Kälte nicht nur in den Kleidern, sondern auch in der Seele zu verfangen. Du schweigst. Versinkst. Anbremsen, Kupplung, Zwischengas, Bruaahh, mit zartem Nachdruck den halbmeterlangen Schalthebel ziehen, Einlenken, das plötzlich gierig wegschnappende Heck ganz weich kurz vor dem Drift halten, mit Gas auf die Gerade. Immer wieder. Mit dieser Begeisterung wartet man dann auf den 507. Und ist erstaunt. Der beinahe 25 Jahre später – nämlich 1955 – vorgestellte Roadster mit dem 150 PS starken 3,2 Liter großen V8 wirkt gegen die Vorkriegs-Geräte beinahe schwerfällig. Lenken wie im Lkw. 1,2 Tonnen Sperrigkeit und Trommelbremsen. Zwingen wir es also nicht. Sondern lassen uns treiben. Ellbogen raus und Gleiten. Plötzlich ist er da, der luxuriöse Power-Kerl. Bewegt sich mit unverschämter Lässigkeit. Schiebt schon ab Standgas wie ein Stier. Und den Sound sollte man sowieso auf CD bekommen, um ihn im Toyota Prius zu hören: Dumpfes Grollen wird zu herausforderndem Trompeten und schließlich brutalem Hämmern. Im Rückspiegel sieht man Motorradfahrer weinen … Damit war bei BMW aber erst einmal Schicht. Erst 1986 wurde der Z1 vorgestellt und ab 1988 tatsächlich gebaut. Ein ebenso spektakuläres wie – jetzt können wir es ja sagen – sonderbares Gerät. Der 170 PS starke 2,5-Liter-Reihensechszylinder ist für 225 km/h gut, klingt ganz proper und läuft schön geschmeidig. Sein Beitrag zum Fahrvergnügen hält sich aber in Grenzen. Zu linear, etwas steril und ohne gefühlsmäßig einsortierbare Kraft. Dafür gibt es aber ein recht knackiges Chassis. Und eben diese, naja, eigenwillige Kunststoff-Karosserie mit den unpraktischen Fallbeiltüren. Er ist zweifelsohne etwas Besonderes, der Z1, aber haben müssen … tut man eher den Z3! Der ist heute ja immer noch umstritten: Einerseits ein Erfolgsmodell, andererseits das rustikal verarbeitete Lowtech-Auto. Genau das macht den Z3 aber zum beispielhaften Roadster: Einzig die Gefühslechtheit zählt. Man verordne sich also einen moderat eingepreisten Secondhand- Z3 – gern auch mit dem ungemein vergnüglichen Basis-Vierzylinder, der ausreichend Druck und frechen Sound bietet – und genieße Kurven in jeder Art. Wie sie feste fallen. Immer wieder. Und gleich nochmal. Ach, könnte man neben den Z3 noch einen Z8 stellen. Der 2001 vorgestellte Sportwagen mit dem 400 PS starken Fünfliter-V8 ist einfach eine Wucht. Wunderschön. Mit sagenhaftem Finish und satt wütender Bullenkraft für jede Lebenslage. Ungemein geschmeidig und souverän. Elegant, pragmatisch, unerschütterlich, explosiv. Warum nochmal wollte BMW dieses unglaubliche Auto nicht einfach bis in alle Ewigkeit weiterbauen …? Keine Ahnung. Die Zukunft gehört also erst einmal dem Z4. Der ist mindestens ebenso umstritten und eine mindestens ebenso kernige Fahrmaschine wie einige seiner Vorfahren. Ein Hauch 328 ist immer noch da in der begeisternden Aggressivität. Dann aber ist auch wieder alles anders. Gefilterter. Sinnlos schneller. Alles wie einstudiert. Am besten also nochmal von vorn. Es war 1934 …

Inhaltsübersicht

Autos im Test

BMW 507

PS/KW 150/110

0-100 km/h in k.A.

Allradantrieb, permanent, 6 Gang Automatik

Spitze 220 km/h

Preis k.A.