Oberklasse-Vergleich Cadillac, Mercedes, Volvo Alternative Liste

15.07.2008
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Zu Recht gilt die Mercedes E-Klasse als Referenz im Oberklasse-Segment. Doch der neue, dynamische Cadillac CTS und der unaufdringlich potente Volvo S80 sind reizvolle Alternativen – sehr reizvolle sogar

An der E-Klasse von Mercedes führt im Segment der Oberklasse-Limousinen scheinbar kein Weg vorbei. Glaubt man den Zulassungsstatistiken, können allenfalls die BMW-5er-Reihe sowie Audi-A6-Modelle ernsthaft mit dem Musterschwaben konkurrieren. Dabei gibt es durchaus attraktive und technisch ambitionierte Alternativ-Angebote, die sich wohltuend vom automobilen Mainstream abgrenzen.
Beispielsweise den wuchtig-kantigen Cadillac CTS der zweiten Generation, der ebenso wie der bereits etablierte Volvo S80 frischen Wind ins angestaubte Establishment bringt. Dabei setzen die beiden Underdogs jedoch nicht nur auf eine eigenständige Designlinie, sondern steigern die Erwartung durch anspruchsvoll konstruierte Antriebseinheiten: Der 311 PS starke Ami tritt mit moderner Benzin-Direkteinspritzung an, der Schwede lockt mit 315 PS, V8-Power und Allradantrieb. Mal sehen, was die arrivierte E-Klasse dem entgegenhalten kann. Zum Vergleich tritt der Mercedes E 350 CGI an, der dank Benzin-Direkt-einspritzung 292 PS leistet

 

Karosserie

Ein repräsentativer Auftritt ist zwar durchaus wichtig, entscheidender für ein gutes Ergebnis im Test sind jedoch die praktischen Tugenden einer Karosserie. So appetitlich der CTS auch daherkommt, er offeriert schlichtweg den kleinsten Innenraum. Zwar genügt das Raumangebot durchaus für vier Erwachsene, doch seine beiden Rivalen bieten klar mehr Freiraum, und auch der Kofferraum fällt mit 373 Liter Ladevolumen (ISO-Norm) recht bescheiden aus. Unter dem Heckdeckel des Volvo verschwinden 480 Liter, beim Benz sind es gar 540 Liter. Wer Größeres vor hat und mehr Gepäck unterbringen muss, kann dazu im CTS und im S80 die Rücksitzlehnen asymmetrisch geteilt vorklappen, wobei der Volvo mit seinem vorklappbaren Beifahrersitz zusätzlich punktet. Mercedes bietet eine Durchlademöglichkeit (asymmetrisch, 518 Euro) und einen Skisack (214 Euro) auf Wunsch an.

Nach wie vor erleichtert der Stern auf der Haube des Mercedes Parkmanöver, weil er als Peilhilfe dient. Relativ schmale Dachsäulen und auf Knopfdruck versenkbare Kopfstützen im Fond wiegen den Malus des nicht überschaubaren Kofferraumdeckels auf. Im Volvo kostet die Klappmechanik der hinteren Kopfstützen 150 Euro extra. Dafür sind die Parksensoren am Heck serienmäßig, doch die rundliche Nase entzieht sich dem Blick des Fahrers. Beim Caddy lässt sich zwar die Motorhaube gut überschauen, aber die wuchtigen C-Säulen und die feststehenden Nackenpolster im Fond schränken das Blickfeld ein. Auch beim Ami ist die Einparkhilfe hinten Standard, ebenso wie die großformatigen Außenspiegel.
Hinsichtlich der Sicherheitsausstattung offenbart die Preisliste des CTS größere Lücken als jene der Konkurrenten. Die E-Klasse protzt zwar einerseits mit Zubehör wie dem Intelligent Light System (Bi-Xenon mit adaptiver Steuerung und dynamischer Führung), Presafe-Sensorik und Distronic (aktives Abstandsradar), geizt aber andererseits mit Isofix-Befestigungspunkten, die nur gegen Aufpreis montiert werden. Volvo schnürt ab Werk ein vollständiges Schutz-Paket, dass optional um einen integrierten Kindersitz, eine automatische Notruffunktion im Fall eines Unfalles sowie Assistenz-Systeme für Spur, Übermüdung, Abstand und die Überwachung des Toten Winkels erweitert werden kann.

Alle drei Testwagen wirken hochwertig verarbeitet. Allerdings trüben kleinere Mängel (heraushängender Kabelstrang, lose Kennzeichenleuchte, schlecht schließende Kappe des Wischwasserbehälters) das positive Bild des äußerst verwindungssteifen Caddy-Aufbaus. Die Materialauswahl indes gefällt.

KarosserieMax. PunkteMercedes E-Klasse 350 CGICadillac CTS 3.6 V6Volvo S80 V8 AWD
Raumangebot vorn100807785
Raumangebot hinten100797685
Übersichtlichkeit70393538
Bedienung/ Funktion100747578
Kofferraumvolumen100462639
Variabilität100101520
Zuladung/ Anhängelast80414139
Sicherheit1501137890
Qualität/ Verarbeitung200180170172
Kapitelbewertung1000662593646

 

Fahrkomfort

Auf Dauer entpuppt sich einmal mehr der Aufenthalt an Bord der E-Klasse als die angenehmste Möglichkeit, lange Autobahnstrecken zu absolvieren. Die Sitze sind vorn und hinten am bequemsten gepolstert, die Ergonomie passt. Es gibt genug Ablagemöglichkeiten, und die Klimatisierung schmeichelt selbst zugempfindlichen Naturen. Vor allem filtert das Fahrwerk des Mercedes Stöße und Wellen am effektivsten heraus.

Der Cadillac umgarnt seine Passagiere mit leisen Innengeräuschen und überzeugt seinerseits mit einem ausreichend geschmeidigen Fahrwerk, wohingegen der Volvo S80 seine Insassen mitunter mit einem heftig polternden und stößigen Unterbau belästigt. Auf ebener Fahrbahn jedoch gefällt er mit dem sanft säuselnden Klang seines V8-Motors.

FahrkomfortMax. PunkteMercedes E-Klasse 350 CGICadillac CTS 3.6 V6Volvo S80 V8 AWD
Sitzkomfort vorn150130125125
Sitzkomfort hinten100756570
Ergonomie150112100105
Innengeräusche50474944
Geräuscheindruck100747582
Klimatisierung50433741
Federung leer200155143131
Federung beladen200158141135
Kapitelbewertung1000794735733

 

Motor und Getriebe

Der 4,4-Liter große V8 im Bug des Schweden klingt aber nicht nur gut, sondern er begeistert auch mit seiner ausgesprochen spontanen Gasannahme, der ungewöhnlichen Drehfreudigkeit sowie der gleichmäßigen Kraftentfaltung. Passend dazu überzeugt das sechsstufige Automatikgetriebe mit präzisem Timing der Schaltvorgänge und weichen Übergängen. Keine Kritik? Doch: Denn der V8 genehmigt sich gern einen großen Schluck vom feinsten Tropfen – 13,1 Liter Super Plus hat der S80 auf der Testrunde je 100 Kilometer verfeuert. Ein teures Vergnügen. Von ganz anderem Gemüt erscheint in diesem Zusammenhang der CGI-Motor, der – unterstützt von einer siebenstufigen Automatik – mit nur 10,5 Liter Super über dieselbe Distanz kam. Damit liegt der Verbrauch deutlich unter dem von uns gemessenen Wert für den konventionellen 350er (272 PS, 13,2 Liter). Allerdings wirkt der Direkteinspritzer beim Ausdrehen oft angestrengt, obwohl die flotten Fahrleistungen das widerlegen.

Ähnlich gebärdet sich der Direkteinspritzer im Cadillac, der unter Last ebenfalls recht kernig ertönt. Bei niedrigen Drehzahlen arbeitet der V6 aber butterweich und kaum hörbar. Der Verbrauch von 11,9 Litern darf angesichts der gebotenen Fahrleistungen als angemessen gelten. Die Automatik des Amerikaners verlangt jedoch noch nach Feinschliff in der Abstimmung der Steuerungselektronik: Beschleunigungswünschen folgt mitunter ein rüdes Zurückschalten. Die Gangwechsel selbst laufen etwas ruppig ab, und Kleinigkeiten wie der nicht kontinuierlich angezeigte Betriebsmodus (Normal/Sport/Manuell) stören die verwöhnte Kundschaft.

Motor und GetriebeMax. PunkteMercedes E-Klasse 350 CGICadillac CTS 3.6 V6Volvo S80 V8 AWD
Beschleunigung150168166170
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150120111120
Getriebeabstufung100907792
Kraftentfaltung50393744
Laufkultur100797791
Verbrauch325156139124
Reichweite251498
Kapitelbewertung1000666616649

 

Fahrdynamik

Die Straßenlage des CTS hingegen überrascht selbst erfahrene Tester – und zwar positiv. Der Caddy liegt so satt und sicher auf dem Asphalt, dass es anfangs etwas Überwindung bedarf, um tatsächlich bis in den Grenzbereich vorzudringen. Dank breiter Spur und aufwendig geführter Hinterachse lenkt der CTS willig und exakt ein. Lastwechselreaktionen fallen milde aus, die Traktion ist enorm. Absolute Spitze sind zudem die Bremsen, die den gut 1,8 Tonnen schweren Brocken warmgefahren in lediglich 32,8 Metern aus 100 km/h zum Stillstand bringen.

Auf trockener Piste kann der Volvo aus seinem Allradantrieb keinen nennenswerten Vorteil ziehen. Vielmehr wirkt er in schnellen Kurven etwas störrisch und untersteuert recht deutlich. Genau wie beim Mercedes erstickt das nicht abschaltbare DSTC (ESP) mehr Fahrspaß im Keim. Alle drei Kandidaten sind jedoch sichere Vertreter ihrer Zunft.

FahrdynamikMax. PunkteMercedes E-Klasse 350 CGICadillac CTS 3.6 V6Volvo S80 V8 AWD
Handling150718575
Slalom100455945
Lenkung100778779
Geradeauslauf50444543
Bremsdosierung30151918
Bremsweg kalt150859886
Bremsweg warm1508712288
Traktion100434960
Fahrsicherheit150122128125
Wendekreis2012112
Kapitelbewertung1000601703621

 

Umwelt und Kosten

Mit Automatik kostet der CTS 3.6 V6 mindestens 46490 Euro. Viel Geld, aber auch viel Auto. Und die Aufpreisliste ist kurz: Navigation samt High-End-Audioanlage gibts für 2990 Euro, Metallic für 890 Euro – fertig. Wer will, bekommt sogar Allrad (2600 Euro). Der Mercedes kostet mindestens 6644 Euro mehr, der Volvo sogar 12110 Euro. Für die Europäer sprechen die umfangreicheren Garantien sowie der geringere Schadstoffausstoß.

Kosten/UmweltMax. PunkteMercedes E-Klasse 350 CGICadillac CTS 3.6 V6Volvo S80 V8 AWD
Bewerteter Preis67510812496
Wertverlust5010118
Ausstattung25151616
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50272025
Werkstattkosten20111413
Steuer10887
Versicherung40272327
Kraftstoff55322823
Emissionswerte25878186
Kapitelbewertung1000325325301

 

Fazit

Die Mercedes E-Klasse bleibt die Referenz in der Oberklasse. Auch der E 350 CGI platziert sich als das beste, weil ausgewogenste Auto an der Spitze der Wertung. Doch der günstige Cadillac CTS 3.6 V6 ist ein absolut gelungenes Auto und setzt mit seinen dynamischen Talenten ein echtes Highlight. Wann hat eine US-amerikanische Limousine jemals die Fahrdynamik-Wertung gewonnen? Der Volvo S80 V8 AWD begeistert mit seinem temperamentvollen und kultivierten Achtzylinder, sein Allrad kürt ihn zum Winterkönig. So oder so: Eine gute Wahl sind alle drei, Volvo und Cadillac aber nicht so alltäglich.

Gesamtbewertung

Max. PunkteMercedes E-Klasse 350 CGICadillac CTS 3.6 V6Volvo S80 V8 AWD
Summe5000304829722950
Platzierung123

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