Oberklasse Kombi-Vergleich Schnell-Laster

08.09.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Der neue Volvo Spross heißt V70. Im Vergleich mit dem Audi A6 Avant muss der Schwede zeigen, ob er bei den Oberklasse Kombis mithalten kann

Volvo-Käufer sind hierzulande Kombi-Käufer. Mehr als 90 Prozent aller Kunden entschieden sich bei den Vorgängerbaureihen der aktuellen Oberklasse-Modelle für die Steilheckvarianten. Dass diese Käufer überwiegend Gesamtschullehrer sind, die John-Lennon-Brillen tragen und intellektuell angehauchte Wochenzeitungen lesen, ist nicht mehr als ein Klischee – aber immerhin eines mit einem wahren Kern. Denn auf dem deutschen Premium-Markt waren die Volvo-Kombis bisher kaum mehr als eine individuelle Alternative zu den etablierten deutschen Luxus-Lastern. Womöglich wäre diese besondere Klientel ein wenig geschockt, wenn sie erführe, dass die neueste Version des großen Volvo-Kombi auf einer Ford-Plattform basiert. Berührungsängste sind in diesem Fall nicht angebracht, denn die bereits auf dieser Plattform aufgebauten Ford-Modelle S-Max und Mondeo sowie der Volvo S80 haben bereits gezeigt, dass sie zum Besten gehören, was der Ford-Konzern je auf die Räder gestellt hat. In diesem ersten Vergleichstest muss der V70 – ausgerüstet mit dem 185 PS starken Fünfzylinder-Diesel – zeigen, ob er gegen den Audi A6 Avant 2.7 TDI mit 180 PS bestehen kann.

 

Karosserie

Der hohe Nutzwert zählte in der Vergangenheit zu den Eigenschaften, welche die Volvo-Kunden ganz besonders an ihren großen Kombis schätzten. Der kommt auch im Neuen nicht zu kurz. Obwohl man es ihm nicht ansieht, ist der aktuelle V70 elf Zentimeter länger, hat sechs Zentimeter mehr Radstand und baut sogar acht Zentimeter höher als das Vorgängermodell. Das Größenwachstum kommt dabei sowohl dem Passagierabteil als auch dem Laderaum zugute. So fasst der Kofferraum mit 575 Litern Volumen 90 Liter mehr als der des Vorgängers. Allerdings ist beim maximalen Ladevolumen ein kleiner Rückschritt zu verzeichnen: 1641 zu 1600 Liter zugunsten des alten V70. Uneingeschränkt gewonnen hat jedoch das Raumgefühl auf den Passagierplätzen des großen Volvo. Die Insassen fühlen sich vorzüglich untergebracht, zumal dann, wenn sie – wie im Falle des Testwagens – auf aufpreispflichtigem Leder (ab 1690 Euro) sitzen. Da fühlt sich auch die Audi-Besatzung kaum wohler, die allerdings über etwas mehr Bewegungsfreiheit verfügt. Abfinden müssen sich die Passagiere bei beiden Kombis mit einer vergleichsweise bescheidenen Zuladung (Audi: 465 kg, Volvo: 455 kg), auch eine Folge der gemessenen Gesamtgewichte, die erheblich über den in den Fahrzeugpapieren versprochenen Werten liegen. In der Praxis überzeugt der V70 allerdings mit seinem besser nutzbaren Ladeabteil, das dank der dreiteilig umlegbaren Rücksitzlehne und des ebenen Ladebodens sehr variabel ist. Ein nützliches Extra sind zudem die bedienfreundlichen integrierten Kindersitze (350 Euro). Dass der Audi letztlich das Karosseriekapitel mit deutlichem Vorsprung für sich entscheidet, liegt unter anderem an der etwas umfangreicheren Sicherheitsausstattung, der besseren Material- und Verarbeitungsqualität und der durchdachteren Bedienung. Der A6 glänzt mit übersichtlichen Bedienelementen, während sich der Volvo-Fahrer an Eigentümlichkeiten wie etwa der hinter der oberen rechten Lenkradspeiche versteckten Navigationssystem-Bedienung abfinden muss.

KarosserieMax. PunkteAudi A6 Avant 2.7 TDIVolvo V70 D5 Kombi
Raumangebot vorn1008885
Raumangebot hinten1008985
Übersichtlichkeit704338
Bedienung/ Funktion1008378
Kofferraumvolumen1006060
Variabilität1002835
Zuladung/ Anhängelast803735
Sicherheit1509688
Qualität/ Verarbeitung200175168
Kapitelbewertung1000699672

 

Fahrkomfort

Überlegener Fahrkomfort war früher nicht die Domäne der großen Volvo, die über lange Jahre die hintere Starrachse kultivierten, als bei der Konkurrenz schon längst aufwändige Mehrlenkerkonstruktionen im Einsatz waren. Das ist jetzt anders. Der neue V70 rollt mit großer Geschmeidigkeit über kurze und lange Bodenwellen. Voll beladen spricht die Federung vorn wie hinten sogar noch sensibler an. Der Audi kann das dank seiner optionalen Luftfederung (Adaptive Air Suspense, 1950 Euro) noch etwas besser, ohne den Volvo jedoch wirklich distanzieren zu können. Etwas kommoder fühlt man sich auf den vorderen Fauteuils des Ingolstädters untergebracht, obwohl der Schwede mit den teuren Komfortsitzen (2620 Euro) ausgerüstet war. Die Audi-Sitze sind anatomisch besser ausgeformt und bieten mehr Seitenhalt. Im Volvo rutscht man bei forcierter Kurvenfahrt haltlos über das glatte Leder. Ein uneingeschränkter Gewinn ist allerdings die sehr wirkungsvolle und gut dosierbare Sitzlüftung. Vergleichbares gibt es beim A6 auch nicht gegen Aufpreis. Dennoch liegt der Audi am Ende der Komfortwertung mit 20 Punkten Vorsprung vorn.

FahrkomfortMax. PunkteAudi A6 Avant 2.7 TDIVolvo V70 D5 Kombi
Sitzkomfort vorn150132125
Sitzkomfort hinten1007470
Ergonomie150123112
Innengeräusche505151
Geräuscheindruck1007372
Klimatisierung503942
Federung leer200160158
Federung beladen200163165
Kapitelbewertung1000815795

 

Motor und Getriebe

Kräftige Dieselmotoren zählen bei den Oberklasse-Kombis nicht ohne Grund zu den bevorzugten Antriebsquellen. Sie sind sparsam, bieten aber dank bäriger Drehmomentwerte trotzdem exzellente Fahrleistungen. Die Abstriche bei der Laufkultur nimmt man dagegen bei einem Kombi in Kauf, zumal moderne Diesel-Triebwerke gerade in dieser Disziplin riesige Fortschritte gemacht haben. Das beweist der 2,7-Liter-V6-TDI im Audi. Außer beim Kaltstart und im Stand ist von seinem Arbeitsprinzip nichts zu hören. Er dreht weich und vibrationsarm hoch und lässt den A6-Piloten gern vergessen, dass dieser in einem Selbstzünder-Kombi sitzt. Der Reihen-Fünfzylinder im Volvo tönt da schon vernehmlicher, wobei sein Knurren eher sympathisch als lästig klingt. Seinen nominellen Leistungsvorsprung von fünf PS kann der Volvo-Antrieb nicht in bessere Fahrleistungen umsetzen. Der A6 geht fast eine ganze Klasse besser als der etwas betuliche V70. Beim Sprint von null auf 100 km/h nimmt der Audi dem Volvo mehr als eine halbe Sekunde ab, bis 160 sind es gar über 3,5 Sekunden. Auch beim Spitzentempo kann sich der deutsche Kombi vom schwedischen distanzieren: 225 zu 210 km/h. Und das sind keine akademischen Werte. Bei schneller Autobahnfahrt hat man im Audi den Volvo bald aus dem Rückspiegel verloren. An der Tankstelle liegt der Bayer ebenfalls leicht vorn: Er konsumierte im Test genau acht Liter Diesel je 100 Kilometer, 0,3 Liter weniger als der Volvo. Zudem kann der A6 mit seinem besser schaltbaren Getriebe punkten, was seinen Sieg in der Motorenwertung noch deutlicher ausfallen lässt. Beim V70 stören die zu nachgiebige Führung des Schaltstocks und die längeren Schaltwege. Die deutlicher spürbare Anfahrschwäche des Volvo-Fünfzylinders unterstreicht zusätzlich, dass der Audi-V6 die harmonischere Antriebsquelle ist.

Motor und GetriebeMax. PunkteAudi A6 Avant 2.7 TDIVolvo V70 D5 Kombi
Beschleunigung150151143
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit1509580
Getriebeabstufung1009385
Kraftentfaltung504036
Laufkultur1007873
Verbrauch325188184
Reichweite251716
Kapitelbewertung1000662617

 

Fahrdynamik

Bei den dynamischen Übungen profitiert der Volvo von der Ford-Plattform, die ja schon bei S-Max und Mondeo mit guten Fahreigenschaften überzeugte. So ist der V70 sowohl auf dem Handling-Parcours als auch beim Standard-Slalom einen Hauch schneller als der A6 unterwegs. Die sehr leichtgängige und direkte Lenkung zählt zu den Volvo-Vorzügen, ebenso die gut dosierbare Bremsanlage, die bei hoher Beanspruchung allerdings deutlicher nachlässt als die des Audi. In den Fahrdynamik-Disziplinen fühlt sich der A6 zwar subjektiv etwas schneller an, weil die Karosseriebewegungen des Ingolstädters bei schneller Kurvenfahrt geringer sind und die Lenkung mehr Rückmeldung bietet. Aber auf der Stoppuhr ist der Schwede immer ein paar Zehntel fixer. Abstriche bei der Fahrsicherheit muss man bei beiden Kombis nicht machen. Sie reagieren sanft und gut kontrollierbar auf Lastwechsel, auch wenn der Heckschwenk beim Audi etwas abrupter kommt. Die elektronischen Stabilitätsprogramme sind im Extremfall rechtzeitig zur Stelle. Bei ausgeschalteten Fahrdynamikhilfen haben beide Fronttriebler jedoch mit Traktionsproblemen zu kämpfen.

FahrdynamikMax. PunkteAudi A6 Avant 2.7 TDIVolvo V70 D5 Kombi
Handling1505354
Slalom1003538
Lenkung1007875
Geradeauslauf504040
Bremsdosierung301818
Bremsweg kalt1509495
Bremsweg warm1509071
Traktion1003532
Fahrsicherheit150123125
Wendekreis2039
Kapitelbewertung1000569557

 

Umwelt und Kosten

Rund 40000 Euro sollte man schon bereithalten, wenn man A6 Avant 2.7 TDI oder V70 D5 beim Händler ordern will. Allerdings stehen den hohen Einstandspreisen auch solide Wiederverkaufswerte gegenüber. Nach vier Jahren mit durchschnittlicher Laufleistung (je 20000 km) erzielen sowohl der A6 Avant 2.7 TDI als auch der V70 D5 – beide einst als Gebrauchtwagen begehrt – rechnerisch noch deutlich mehr als die Hälfte des Neupreises. Die Kosten für Versicherung und Steuer sind ähnlich hoch. Bei den Werkstattkosten liegt der Audi dank seiner großzügigeren Inspektionsintervalle vorn. Dennoch gewinnt der V70 das Kostenkapitel – vor allem deshalb, weil er mit seinem niedrigeren Grundpreis viele Punkte sammelt.

Kosten/UmweltMax. PunkteAudi A6 Avant 2.7 TDIVolvo V70 D5 Kombi
Bewerteter Preis675140148
Wertverlust501616
Ausstattung251617
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502827
Werkstattkosten201412
Steuer1066
Versicherung403030
Kraftstoff554141
Emissionswerte258182
Kapitelbewertung1000372379

 

Fazit

Der Volvo V70 D5 verliert diesen Vergleichtest mit 100 Punkten Rückstand. Dennoch ist der neue Kombi keinesfalls ein schlechtes Auto. Er überzeugt mit hohem Nutzwert, durchdachten Details, gediegenem Komfort und einem gewissen rustikalen Charme, der Volvo-Kombis schon immer zu Eigen war. Der Audi punktet mit besseren Fahrleistungen, dem kultivierteren und sparsameren Motor sowie der sprichwörtlichen Audi-Qualität, die der Volvo nicht ganz erreicht.

Gesamtbewertung

Max. PunkteAudi A6 Avant 2.7 TDIVolvo V70 D5 Kombi
Summe500031173020
Platzierung12

Tags:

Wirkaufendeinauto

Auto bewerten & verkaufen!

Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.