Neuer Mercedes CLS im Oberklasse-Vergleichstest Audi A7, Citroen C6, Jaguar XF und Mercedes CLS

27.07.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Mit dem neuen CLS bringt Mercedes wieder ein viertüriges Coupé auf die Straße. Erster Vergleichstest gegen die ebenfalls extravagant geformte Konkurrenz von Citroën, Jaguar und Audi

Auch wenn das Rover P5 Coupé von 1962 die erste viertürige Coupé-Limousine war, den Trend setzte in jüngster Zeit der Mercedes CLS. Nun steht die zweite Generation des Schwaben am Start und trifft auf eine Reihe von Konkurrenten. Neben den sehr individuellen Limousinen Jaguar XF und Citroën C6 dürfte ihm der neue Audi A7 das Leben schwer machen. Wir prüfen, in welchem Verhältnis Eleganz und Effizienz bei den vier Kandidaten stehen.

 

Karosserie

Ein eigenständiges Design kann zweifellos jedem der vier Oberklasse-Autos attestiert werden. Der Audi A7 Sportback wartet darüber hinaus jedoch mit dem größten Nutzwert auf, da er wegen der großen Heckklappe und dem bei umgelegten Rücksitzen geräumigsten und gut nutzbaren Kofferraum auch das meiste Gepäck (535 bis 1390 Liter) transportieren kann. Die Stufenheck-Karosserien von Citroën, Jaguar und Mercedes verfügen demgegenüber nicht nur über relativ kleine Gepäckraumöffnungen, aufgrund der schmalen Durchreichen müssen sie bei sperrigen Gegenständen auch rasch kapitulieren. Beim Video: Citroen C6 HDI 240 fällt zudem das Ladevolumen mit 421 Litern recht spärlich aus, während in den Jaguar XF 540 und in den neuen Mercedes CLS ebenfalls üppige 520 Liter passen.

Beim Raumangebot zeigt sich Citroëns Flaggschiff hingegen weitaus spendabler, in beiden Reihen genießen die Passagiere eine sehr großzügige Bewegungsfreiheit. Spürbar eingeschränkter geht es da in den übrigen Fonds zu. Speziell im eng geschnittenen Jaguar mangelt es an Platz, während der ausreichend große CLS aufgrund der hohen Fenster- und der weit heruntergezogenen Dachlinie enger wirkt, als er tatsächlich ist. Die Ingolstädter behelfen sich hingegen eines Kniffs und kaschieren die coupéhafte Dachlinie mithilfe einer tief montierten Sitzbank, die allerdings stark angewinkelte Beine zur Folge hat.

Wie für die Marke typisch, sammelt der Mercedes in diesem Vergleich in der Sicherheitsausstattung die meisten Punkte. Sein serienmäßiger Aufmerksamkeitsassistent etwa mahnt rechtzeitig zur Pause. Auf Wunsch wirken aktive Spur- und Totwinkel-Assistenten (Fahrerassistenzpaket: 2678 Euro) mit gezielten Bremseingriffen drohenden Kollisionen entgegen (siehe auch Seite 96). Pelvisbags, die bei einem Crash das Becken schützen, sind gar serienmäßig.

In Sachen Verarbeitung rangiert dagegen der A7 knapp vor dem CLS. Dafür sorgen hochwertige Oberflächen und saubere Passungen auch dort, wo es nicht auf den ersten Blick auffällt. Der Mercedes zeigt demgegenüber einen weniger sorgfältig ausgekleideten Kofferraum. Mit teils wenig hochwertig wirkenden Plastikteilen im Türbereich sowie mitunter auftretenden Karosseriegeräuschen landet der Jaguar hinter den beiden Deutschen, aber noch vor dem C6, dessen Cockpit im Vergleich zu denen der Konkurrenten am wenigsten Oberklasse-Güte bietet.

KarosserieMax. PunkteAudi A7 Sportback 3.0 TDI quattroMercedes CLS 350 CDI BlueEFFICIENCYJaguar XF 3.0 V6 DieselCitroën C6 V6 HDi 240
Raumangebot vorn10088847889
Raumangebot hinten10079757189
Übersichtlichkeit7053504851
Bedienung/ Funktion10083806874
Kofferraumvolumen10053434632
Variabilität10038102320
Zuladung/ Anhängelast8032223330
Sicherheit15012312987112
Qualität/ Verarbeitung200189186178168
Kapitelbewertung1000738679632665

 

Fahrkomfort

Während Mercedes und Jaguar mit konventionellen Fahrwerken zum Vergleich antraten, sind diese bei Citroën und Audi elektronisch geregelt. Das bleibt auf der Marterstrecke nicht ohne Folgen. Wo die zuletzt genannten auch unter Ausnutzung der vollen Beladung selbst auf den übelsten Pisten noch gelassen dahingleiten und den Vorteil ihrer adaptiven Dämpfersysteme ausspielen können, muss der neue CLS Federn lassen. Zwar fällt bei ihm die erlaubte Zuladung am höchsten aus, doch ist das nur eine schwache Entschuldigung dafür, dass die Hinterachse auf sehr welliger Fahrbahn durchschlägt.

Im leeren Zustand wirkt die für einen Mercedes recht straffe Abstimmung harmonischer, doch auch dann spricht die Hinterradaufhängung bisweilen etwas steifbeinig an, die optionalen 19-Zoll-Räder mit 30er-Querschnitt hinten tragen ihren Teil dazu bei. Die feinfühlige Federung im XF kann den Jaguar nicht davor bewahren, in diesem Kapitel den letzten Platz zu belegen. Zu viele Punkte verliert der Engländer aufgrund der zu klein dimensionierten Sitze, die auch wegen des glatten Leders nur wenig Halt bieten. Dass es sich beim neuen CLS um ein viertüriges Coupé handelt, bekommt man besonders beim Einstieg in den Fondbereich zu spüren, der durch den tiefen Dachverlauf sowie den engen Türausschnitt erschwert wird.

FahrkomfortMax. PunkteAudi A7 Sportback 3.0 TDI quattroMercedes CLS 350 CDI BlueEFFICIENCYJaguar XF 3.0 V6 DieselCitroën C6 V6 HDi 240
Sitzkomfort vorn150133133120128
Sitzkomfort hinten10084807387
Ergonomie150122118109100
Innengeräusche5033313230
Geräuscheindruck10080787678
Klimatisierung5047473839
Federung leer200175168172170
Federung beladen200170158167170
Kapitelbewertung1000844813787802

 

Motor und Getriebe

Alle Hersteller vertrauen auf Dreiliter-Sechszylinder mit V-förmig angeordneten Zylindern. Dabei verfügen Citroën und Jaguar über weitgehend baugleiche, 240 PS starke Motoren, wobei das Aggregat im C6 quer, das im XF längs zur Fahrtrichtung eingebaut ist. Der A7 hat fünf PS mehr, die Leistungsspitze markiert der Mercedes mit 265 PS. Zugleich bietet der Stuttgarter mit 620 Nm Drehmoment auch das Maximum an Zugkraft. Audi und Jaguar bleiben mit 500 Nm deutlich dahinter.

Das Schlusslicht bildet der Franzose, der es bei 450 Nm Maximal-Drehmoment bewenden lässt. In der Praxis aber führt die Fahrt im Citroën beileibe nicht zum Gefühl, als untermotorisiertes Verkehrshindernis unterwegs zu sein. Die Fahrleistungen taugen auch für hohe Reiseschnitte, und die Automatik ist die Ruhe selbst – auch dann, wenn der Fahrer etwas zügiger unterwegs sein möchte und spontanere Gangwechsel angeraten wären. Da ist die ZF-Sechsstufenautomatik des Jaguar schon deutlich aufmerksamer bei der Sache. Auch generiert der Brite etwas bessere Fahrleistungen, ist fühlbar drehfreudiger und wirkt durch seinen seidigen Lauf einen Hauch kultivierter als der C6. In Sachen Kraftentfaltung bleibt der Mercedes etwas hinter dem Audi zurück. Der A7 beschleunigt am besten, gefällt mit spontanerem Ansprechverhalten im unteren Drehzahlbereich und höherer Drehfreude.

Die Siebenstufen-Automatik des Bildergalerie: Mercedes CLS 350 CDI BlueEFFICIENCY benötigt beim Kickdown etwas länger, um die passende Fahrstufe zu bestimmen und bereitzustellen. Hier reagiert das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe des Audi deutlich schneller. Derlei kompensiert der Stuttgarter auf freier Autobahn, wo er seinen Leistungsvorsprung ausspielt und dem unter Last etwas laufruhigeren Ingolstädter ab 180 km/h spürbar enteilt.

An der Tankstelle entpuppt sich der leistungsstärkste Mercedes mit einem überraschend niedrigen Testverbrauch von nur 8,1 Litern Diesel auf 100 km als der Sparsamste im Testquartett. Der Audi konsumierte trotz Start-Stopp-Automatik mit 8,4 Litern pro 100 Kilometer 0,3 Liter mehr. Jaguar und Citroën zeigen mit 9,2 respektive 9,8 Litern deutlichen Nachholbedarf in Sachen Kraftstoff-Effizienz.

Motor und GetriebeMax. PunkteAudi A7 Sportback 3.0 TDI quattroMercedes CLS 350 CDI BlueEFFICIENCYJaguar XF 3.0 V6 DieselCitroën C6 V6 HDi 240
Beschleunigung150133129119116
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit15090908379
Getriebeabstufung10096849486
Kraftentfaltung5040403936
Laufkultur10081808079
Verbrauch325222228207195
Reichweite2516171413
Kapitelbewertung1000678668636604

 

Fahrdynamik

Seine üppige Mischbereifung (v.: 255/35 R 19, h.: 285/30 R 19, 3035 Euro) beschert dem Mercedes ein hohes Querbeschleunigungspotenzial und die kürzesten Bremswege im Test. Die neue elektro-mechanische Servolenkung arbeitet gefühlvoller als die des Vorgängers und hilft darüber hinaus beim Bremsen auf unterschiedlich griffigen Untergründen mit einem Gegenlenkimpuls, das Fahrzeug leichter auf Kurs zu halten. Dennoch wirkt der neue CLS in Wechselkurven schwerfälliger als der äußerst agile Audi A7. Auch arbeitet die Mercedes-Lenkung mit etwas größeren Lenkwinkeln als die des Audi. Der Ingolstädter bezieht sein Dynamikpotenzial aus dem „drive select system“ (Serie), mit dem sich unter anderem die Servounterstützung der Lenkung variieren lässt, aus der bereits erwähnten adaptiven Luftfederung und dem Sportdifferenzial (1050 Euro) an der Hinterachse. Damit ist der Allradler über Traktionszweifel erhaben, beschleunigt besser aus Kurven heraus und wirkt beinahe so handlich wie ein Kompaktwagen.

Der Jaguar XF mit V6-Diesel im Einzeltest schiebt an der Reifenhaftgrenze stärker zum Kurvenaußenrand als die deutschen Konkurrenten. Auch zeigt das Heck des XF deutlich ausgeprägtere Reaktionen auf Lastwechsel. Und der präzisen Lenkung mangelt es etwas an Fahrbahnkontakt. Es ist die kopflastige Gewichtsverteilung (Vorderachse: 1213 Kilogramm, Hinterachse: 719 Kilogramm) des C6, die bei ihm für ein früh einsetzendes Untersteuern sorgt. Das ruft schließlich das ESP auf den Plan und erinnert den Fahrer daran, dass der Daseinszweck des Franzosen einzig im komfortablen Gleiten besteht.

FahrdynamikMax. PunkteAudi A7 Sportback 3.0 TDI quattroMercedes CLS 350 CDI BlueEFFICIENCYJaguar XF 3.0 V6 DieselCitroën C6 V6 HDi 240
Handling15090847464
Slalom10070696240
Lenkung10084828278
Geradeauslauf5044434344
Bremsdosierung3019171918
Bremsweg kalt150881079966
Bremsweg warm15011311710995
Traktion10082424241
Fahrsicherheit150135130130130
Wendekreis2051361
Kapitelbewertung1000730704666577

 

Umwelt und Kosten

Über Defizite in der Serienausstattung muss sich bei den Testkandidaten niemand beklagen. Bis auf den Metalliclack ist alles Wesentliche an Bord – bei Grundpreisen jenseits der 50.000-Euro-Marke darf man das auch erwarten. Apropos Grundpreise: den Günstigsten (Jaguar: 53.000 Euro) trennen über 10.400 Euro vom Teuersten (Mercedes: 63.427 Euro). Der Sternträger erleidet nach Einschätzung der DAT mit über 33.426 Euro binnen vier Jahren auch den höchsten Wertverlust. Dafür schätzt der ADAC die anfallenden Werkstattkosten (Wartung und übliche Verschleißteile auf 80.000 Kilometer und vier Jahre gerechnet) mit 730 Euro pro Jahr deutlich günstiger ein als die des Jaguar (870 Euro). Dieser Posten belastet Audi-Fahrer per anno mit nur 407 Euro. Ebenso versichern die Assekuranzen den A7 weitaus günstiger als die Testkonkurrenten. So geht der Ingolstädter auch aus diesem Kapitel eindeutig als Sieger hervor.

Kosten/UmweltMax. PunkteAudi A7 Sportback 3.0 TDI quattroMercedes CLS 350 CDI BlueEFFICIENCYJaguar XF 3.0 V6 DieselCitroën C6 V6 HDi 240
Bewerteter Preis6759787108105
Wertverlust501010119
Ausstattung2518141417
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung5028272216
Werkstattkosten2015131113
Steuer106666
Versicherung4024191922
Kraftstoff5537383533
Emissionswerte2585838180
Kapitelbewertung1000320297307301

 

Fazit

Keine Frage, mit dem Mercedes CLS der zweiten Generation haben die Stuttgarter einen wertigen und würdigen Nachfolger kreiert, der vieles besser kann als sein Vorgänger. Besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang der kräftige und überaus sparsame Motor und die besten Bremsen im Test. Dennoch findet er im Audi A7 seinen Meister. Der Bayer ist komfortabler als der Schwabe, agiler und glänzt mit höherer Variabilität. Auch Anschaffung und Unterhalt des Audi sind günstiger. Die Konkurrenten aus England und Frankreich sind die erste Wahl für Individualisten. Der Jaguar XF gefällt mit seiner harmonischen Antriebseinheit, hat aber zu wenig Platz und eine lückenhafte Sicherheitsausstattung. Das Raumangebot des Citroën ist fürstlich, zudem bietet er eine komfortable Hydropneumatik und viel Extravaganz. Allerdings muss er bei der Fahrdynamik Federn lassen und verbraucht zu viel Kraftstoff.

Gesamtbewertung

Max. PunkteAudi A7 Sportback 3.0 TDI quattroMercedes CLS 350 CDI BlueEFFICIENCYJaguar XF 3.0 V6 DieselCitroën C6 V6 HDi 240
Summe50003310316130282949
Platzierung1234

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