Nur für Cosmonauten - Mazda Cosmo Sport Der Cosmonaut wird 40

30.11.2006

Das Debüt des Mazda Cosmo Sport im Jahr 1967 kam einer Sensation gleich. Er war Mazdas erstes Serienfahrzeug mit Wankelmotor

Eckdaten
PS-kW110 PS (81 kW)
AntriebHeckantrieb, 4 Gang manuell
0-100 km/h8.8 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit200 km/h
Preis80.000,00€

Nichts gegen Anglizismen. Sie sind ja so eingängig. Manchmal aber wäre man für ein offenes deutsches Wort sehr dankbar. Zu Weihnachten etwa, falls das Christkind einen DVD-Spieler gestiftet hat. Das Ding hat doch tatsächlich Dual Discrete Video Circuit, Chroma Delay, Depth Enhancer, Multi-Channel-Remaster, Advanced Progressive Scan und Video Noise Shaping. Egal. In der Unterhaltungselektronik mag das Angelsächsische den Kampf gewonnen haben. Im Automobilbau aber geben die deutschen Namen den Ton an: Rudolf Diesel, Nicolaus-August Otto, Wilhelm Maybach, Carl Benz, Gottlieb Daimler und Felix Wankel natürlich. Gut, Wankels wichtigste Erfindung nennt die Welt nüchtern "Rotary-Engine". Das geht aber in Ordnung. Schließlich macht sich die japanische Firma Mazda um die Kultivierung des Wankelmotors verdient. Lizenzgeber NSU (später Audi) hat das Thema längst zu den Akten gelegt. Ein Audi 200 Wankel kam 1980 über das Versuchsstadium nicht mehr hinaus. Im Jahr 1967 präsentierte Mazda im Cosmo Sport den weltweit ersten Zweischeiben-Rotationskolbenmotor. In Nippon freute man sich diebisch, war man doch der Premiere des berühmten NSU Ro 80 um glatte sechs Wochen zuvorgekommen und hatte den Lizenzgeber rechts überholt. Der Vorteil des Wankelmotors lag auf der Hand. Ein normales Hubkolbenaggregat braucht für vier Arbeitstakte - Ansaugen, Verdichten, Entzünden, Auslassen - zwei Kurbelwellenumdrehungen. Der Wankel erledigt das Ganze kontinuierlich mit einer Rotation seiner dreieckigen Drehkolben, den Trochoiden, die im Stator genannten Motorblock munter kreiseln. Weniger bewegte Teile und enorme Drehfreude sprechen für den Wankelmotor, dessen Zwei-Scheiben-Version sehr vibrationsarm läuft. Eines der schönsten noch erhaltenen Exemplare des Cosmo Sport gehört Walter Frey, seines Zeichens Mazda-Händler in Gersthofen bei Augsburg. "Ich habe den Wagen 1988 in New York gekauft. Gesehen hatte ich ihn vorher nur auf Bildern. Ein Showroom-Auto sagte mir der Besitzer am Telefon". Showroom-Auto hieß: "Der Wagen war prächtig im Lack und technisch ein Wrack. 12000 Dollar wollte der Bursche von mir haben und keinen Cent weniger. Ob ich den Cosmo kaufen würde, war ihm Wurscht. Mir aber nicht". Frey zahlte und verschiffte den Sportler nach Deutschland. Das, was die NSU-Leute 1967 einmal so verblüfft hatte, lag als wüste Altmetallsammlung im Kofferraum. Der Motor war in seine Einzelteile zerlegt, die jedes für sich ein Bild des Jammers boten. Drei Jahre zähen Schraubens gingen ins Land, in denen Frey seinen Cosmo Sport gehörig auf Vordermann brachte. Eng geht':s zu im kleinen Mazda-Sportler, in den man sich mit Bedacht hineinzirkeln muss. Fahrer und Co-Pilot kauern dicht über dem Boden. Eine halbe Armlänge reicht aus, um die wenigen Schalter zu erreichen. Bestens ablesbare Rundinstrumente informieren über die aktuelle Befindlichkeit des quirligen Wankel-Aggregats. "Groß Acht geben muss man eigentlich auf gar nichts", sagt Walter Frey. "Nur die Drehzahl sollte man im Auge behalten. Viel hören werden Sie von der Maschine nämlich nicht". Aha, die Drehzahl! Und wie war das mit der Dichtigkeit? Lässt nicht der berühmte Ro 80-Gruß grüßen, mit dem sich Fahrer des großen NSU anhand mehr oder weniger zahlreich ausgestreckter Finger über die Summe ruinierter Motoren informierten? Auf diese Frage hat Frey gewartet: "Moment. NSU hatte das Ding nicht zu Ende entwickelt, weil sie knapp bei Kasse waren. Sobald eine Dichtung oder auch nur die Zündung schlapp machte, wurde sofort der komplette Motor gewechselt und nach Neckarsulm verfrachtet. Der Kunde bekam einen neuen. Das war zwar lästig, aber fair. Im Prinzip war der Wankel nämlich spitze". Die Mazda-Techniker waren von Anfang an auf dem Posten, bauten den Motor aus Aluminium und verfeinerten die Maschine bis ins Detail. Freys Cosmo Sport leistet 110 PS und ist ein Ausbund an Drehfreude. Lästige Vibrationen kennt der Mazda nicht und hängt perfekt am Gas. Wieselflink scheucht der Bayer seinen immerhin 960 Kilo schweren Schatz durch die Kurven. Wenn es sein müsste, wäre eine Spitze von rund 200 km/h möglich. Es muss aber nicht sein. Es macht viel mehr Spaß, mit diesem frühen Fernost-Sportler spielerisch leicht um die Ecken zu flitzen. Der Antrieb erfolgt über eine DeDion-Hinterachse. Diese technisch aufwändige Lösung verbindet die Spur- und Sturzkonstanz einer Starrachse mit den Vorzügen einer Einzelradaufhängung. Der Cosmo gebärdet sich deshalb weit weniger ruppig als die meisten Japan-Importe, die ab den 70er-Jahren ihren Weg nach Deutschland fanden. Von den 1176 jemals gebauten Cosmo haben weltweit wenig mehr als 100 Exemplare überlebt. Für einen Scheich hat Frey einmal eine Cosmo-Maschine generalüberholt, sie zum Test in den eigenen Wagen eingebaut und anschließend in den nahen Osten geschickt. "Geld spielte überhaupt keine Rolle", erinnert sich Frey, dem seinerseits nicht mit Mammon beizukommen ist. "Den Cosmo verkaufen? Im Leben nicht", stellt er klar, wenngleich der weiße Flitzer ihm wenigstens 50000 Euro einbrächte. Und was hält er von Felix Wankel? "Das war ein Mann mit genialen Ideen. Nur rechnen konnte er nicht. Ich habe die Quittung seiner Armbanduhr gesehen. Die kostete 110 Mark plus elf Prozent Mehrwertsteuer. Er hat einfach beide Zahlen addiert und kam auf 121 Mark". "Nein, rechnen konnte Wanke". Mich stören die Formeln - nicht so gut. Und wenn schon. Mazda hat bis heute rund 1,9 Millionen seiner Rotary-Engines gebaut. Und die kommen einfacher in die Gänge als ein DVD-Spieler. Stefan Miete » Zur Historie der Mazda-Wankelmotoren

Technische Daten
Motor 
Zylinder2SW
Hubraum982
Leistung
kW/PS
1/Min

81/110
7000 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
139
5000 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe4 Gang manuell
AntriebHeckantrieb
Fahrwerk 
Bremsenv: Scheiben
h: Trommel
Bereifungv: 225/60 R 18
h: 225/60 R 18
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)960
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)8.8
Höchstgeschwindigkeit (km/h)200
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauchk.A.
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

Tags:
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