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North American Auto Show 2009 Messerundgang

Detroit Auto Show 2009 - Alles auf Anfang

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Das neue Auto-Jahr beginnt wie stets und doch ist vieles ganz anders. Wie immer zieht es die Auto-Branche und jene, die über sie berichten, kurz nach dem Jahreswechsel ins frostige, im US-Bundesstaat Michigan gelegene Detroit.

Hier, wo die „Großen Drei“ ihre Hauptquartiere aufgeschlagen haben, wird traditionell der Reigen der Modellneuheiten eingeläutet. In diesem Jahr zum 21. Mal lockt die North American International Auto Show, kurz NAIAS.

In aller Regel strotzen die US-Hersteller vor Selbstbewusstsein und treten entsprechend wuchtig auf. Diese Mal allerdings fällt der Jubel deutlich verhaltener aus. Die Geschäfte besonders bei Chrysler und General Motors gehen derzeit schlecht – sehr schlecht sogar. Nach Jahren ruinöser Rabattschlachten finanziell ausgeblutet, kämpfen die amerikanischen Auto-Giganten ums nackte Überleben. Zu lange hat man sich auf den Bau technisch einfach gestrickter, dazu schwerer und entsprechend durstiger Light-Trucks (Geländewagen, SUV, Pickups) verlassen, eine amerikanische Spezialität, die aufgrund steuerlicher Vergünstigungen von der Kundschaft auch lange Zeit angenommen wurde. Hohe Spritpreise und schwindende Kaufkraft aber haben die Absatzzahlen erodieren lassen. Spätestens seit dem PR-GAU vom vergangenen November, als sich die Bosse der Großen Drei ungeschickter Weise in teuren Firmenjets nach Washington begaben, um die Kongress-Abgeordneten um Unterstützung zu bitten, und prompt abblitzen, hat man sich Mäßigung auferlegt, in der Auto-Metropole Detroit. Ein PR-Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, sagt: „Bescheidenheit ist oberstes Gebot. Das Management will den Eindruck vermeiden, dass wir hier das Geld der Steuerzahler aus dem Fenster werfen.“ Dann spricht er leiser, schüttelt den Kopf und meint, dass man sich auch selber wegsparen kann. Zuversicht sieht anders aus.

Es geht ruhiger zu
Es geht ruhiger zu als sonst, was auch daran liegt, dass zahlreiche ausländische Hersteller erst gar nicht nach Motown gekommen sind. Porsche hat schon im vergangenen Jahr abgewunken. Auch Suzuki, Mitsubishi, Ferrari, Rolls-Royce, Land Rover und sogar Nissan samt seiner Nobelmarke Infiniti sind zu Hause geblieben. Fast alle Hersteller haben die Gürtel enger geschnallt und sehr genau geprüft, ob das Engagement in Detroit lohnt. Schließlich gibt es für den direkten Kundenkontakt in Los Angeles und New York zwei amerikanische Alternativ-Messen. Für den internationalen Aufschlag bieten im März der Genfer Salon und im September die Frankfurter IAA Bühnen mit Weltgeltung.

###PIC[270432]###Die US-Hersteller müssen sich gerade neu erfinden und setzen auf das Prinzip Downsizing. Kleinere Autos mit geringem Verbrauch sollen es richten. Allerdings braucht ein von Grund auf neu entwickeltes Auto rund vier Jahre bis zu Serienreife und auch die vielfach gepriesenen Studien mit Hybrid- oder reinem Elektroantrieb, die alle Jahre wieder die Messestände zuparken, sind – sofern sie denn irgendwann in Serie gehen - mit Vorsicht zu genießen. Die Eco-Technik ist aufwendig und teuer. Womöglich zu teuer in einem Land, in dem ein werksneuer Jeep Grand Cherokee für rund 23.000 Dollar zu haben ist.

Interessant ist, wie die US-Giganten ihre Befindlichkeiten zur Schau stellen. Während das Markentrio aus Chrysler, Jeep und Dodge auf einer schmucklosen Ausstellungsfläche drei Studien ins gedimmte Rampenlicht stellt, spricht GM-Boss Rick Wagoner von Aufbruch, von den besten Autos, die der Konzern je auf die Räder gestellt hat und von der Zufriedenheit seiner Kunden. Dazu applaudieren einige Dutzend Händler, die zur Präsentation eingeladen wurden auf Kommando und verfallen sogar in Jubel, wenn GM-Urgestein Bob Lutz die elektrifizierte Zukunft von Chevrolet und Cadillac skizziert. Für den europäischen Geschmack mag solcher Optimismus angesichts der drängenden Finanzprobleme seltsam erscheinen. Aber Amerika ist eben anders. Die Begeisterungsfähigkeit der Amerikaner ist fast schon sprichwörtlich ¬– und schaden kann sie in keinem Fall.

Stärker denn je ziehen dafür die deutschen Hersteller das Publikum an. Die bis zum Messebeginn geheim gehaltenen Modellstudien Audi Sportback Concept und VW Concept Blue Sport gehören fraglos zu den Highlights des Jahres. BMW präsentiert den neuen Z4, Mini steuert sein Cabrio bei. Mercedes blickt mit der Studie Concept BlueZero in die Zukunft und präsentiert eine finale Sonderausgabe des McLaren Roadster Stirling Moss.
Stefan Miete