Nissan X-Trail: Tour mit zwei SUV-Generationen Ein Tag am Meer

19.04.2015

Entdeckungsreise mit dem neuen Nissan X-Trail und seinem Vorgänger auf den nordfriesischen Inseln. Was unterscheidet die neue SUV-Generation vom kantigeren Vorgänger?

Robust oder elegant, Offroad-Eigenschaften oder Fahrkomfort – meistens bedingt die Entscheidung für das eine den Verzicht auf das andere. Doch gibt es Ausnahmen – etwa den neuen Nissan X-Trail. Er hält an den robusten Offroad-Qualitäten seines Vorgängers fest, erweitert aber das Gesamtpaket um guten Komfort, feine Manieren und ein repräsentativeres Erscheinungsbild. Man könnte fast sagen, die beiden X-Trail-Epochen sind wie Rømø und Sylt: Die nordfriesischen Inseln liegen zwar dicht beieinander, dennoch trennen sie Welten.

 

Nissan X-Trail: Unterwegs um SUV und seinem Vorgänger

Rømø ist etwas für raue Naturen, die sich Wind und Wetter leidenschaftlich entgegenstellen. Sylt bietet das zwar auch, allerdings nur, wenn man es sucht. Auf der anderen Seite verwöhnt die Insel mit viel Luxus. – Sylt und Rømø sind somit genau die richtigen Ziele für unsere reiselustigen X-Trail-Varianten. Bereits die fast 700 Kilometer lange Anreise von Köln nach Rømø bringt erste Erkenntnisse. Der alte X-Trail meistert die Distanz zwar ordentlich, doch der Neue gibt sich deutlich gelassener. Zwischen den beiden Modellen liegt ein riesiger Entwicklungssprung.

Während der kantige, 2014 abgelöste Nissan mit brummigem Unterton seines Zwei-Liter-Turbodiesels auf Trab kommt, dabei nur ein schmales Drehzahlband nutzt und hohe Drehzahlen ablehnt, zeigt sich der moderne, kleine 1,6-Liter-Turbodiesel von seiner besten Seite. Laufruhig, mit bulligem Schub von unten, linearer Leistungsabgabe und lockerem Ansprechverhalten auch bei hohen Drehzahlen spult er Kilometer um Kilometer ab. Das Wichtigste ist jedoch, dass er mit 6,1 Litern (laut Bordcomputer) gut zwei Liter weniger Diesel pro 100 km benötigt als sein Vorgänger (8,3 Liter).

Allerdings schleppt unser Reisefahrzeug der neuen X-Trail-Generation in der Basis auch keinen schweren Allradantrieb mit sich rum, sondern begnügt sich mit zwei angetriebenen Vorderrädern. Wer vier angetriebene Räder wünscht, kann den zuschaltbaren All Mode 4x4i-Allradantrieb extra ordern. Aber selbst auf Rømø, der dänischen Insel, auf der man noch über den Strand bis ans Meer fahren darf, fehlt uns die zusätzlich angetriebene hintere Achse nicht.

Die Vorzüge des neuen Nissan Crossover stecken in jedem Detail. Das fängt bei den nun vor allem im Schulterbereich gut konturierten Sitzen an, die im Vergleich zu den schlecht geschnittenen Sesseln des Vorgängers nicht nur mehr Halt bieten, sondern auch nach mehreren Stunden noch mit Komfort verwöhnen. Dazu kommt mehr Bewegungsfreiheit sowohl vorn wie hinten. Auch die Einstiege, insbesondere der in den Fond, fallen spürbar größer aus, und der Kofferraum bietet maximal sogar über 200 Liter mehr Stauraum. Die Fondsitzbank ist zudem in der Längsrichtung verschiebbar, und auf Wunsch gibt es eine dritte Sitzbank. All das bietet der Vorgänger nicht.

Wir wechseln per Fähre auf die Insel Sylt. Der alte X-Trail wirkt im kleinen Hafen von List und beim Rangieren schwerfällig. Das kann der Nachfolger klar besser – er vermittelt deutlich mehr Rückmeldung. Auf der betagten K121, der nördlichsten frei befahrbaren Straße Deutschlands, geht es über alte Betonplatten durch die beeindruckende Dünenlandschaft. Hier gefällt der noch junge Nissan mit feinem Ansprechverhalten und ausgewogenem Zusammenspiel von Federn und Dämpfern. Die Federelemente der abgelösten Generation arbeiten im Vergleich steifer und versetzen den Aufbau dadurch in permanente Bewegung.

 

Nissan X-Trail: Neues Modell in allen Details besser

Und hier noch ein Vergleich: So wie die mondäne Stadt Kampen mit ihrem rustikalen Äußeren, aber vornehmen Boutiquen und Restaurants, so bestätigt auch der neue X-Trail mit seinem Cockpit, dass man robusten Charme durchaus mit modernen Annehmlichkeiten verknüpfen kann. Nissan gab sich bei der aktuellen X-Trail-Generation deutlich spendabler – der alte, kantige Vorgänger war dagegen in der Grundversion XE eher karg ausgestattet. Die Japaner wollen insbesondere bei der Sicherheitsausstattung Zeichen setzen.

Daher verfügen die seit Mitte 2014 angebotene Nissan X-Trail bereits ab Werk über eine umfangreiche Sicherheitsausstattung. Features wie der autonome Notbrems- oder der Spurhalteassistent, die hilfreiche Verkehrszeichenerkennung, das Reifendruckkontrollsystem sowie die Geschwindigkeitsregelanlage gehören daher bereits zur Grundversion Visia. Ohnehin hat Nissan bei der Einpreisung der Neuauflage mit ganz spitzem Bleistift kalkuliert.

Die Möglichkeit, den Crossover auch nur mit Frontantrieb zu ordern, drückt den Einstiegspreis auf günstige 26.790 Euro. Anfang 2014 kostete der X-Trial noch mindestens 31.250 Euro mit im Vergleich eher magerer Ausstattung. Stellt man die Linien SE (alte Generation) und Acenta (Neuauflage, inklusive des nun optional angebotenen Allradantriebs) einander gegenüber, ergibt sich ein Preisvorteil von 1250 Euro zugunsten der aktuellen Baureihe. Ein weiteres schlagendes Argument für die Kundschaft.

Am Ende unseres Alt-Neu-Vergleichs zeigt sich, dass Nissan bei diesem Generationswechsel anscheinend die Devise „weniger ist mehr“ im Hinterkopf hatte: Das kleinere Triebwerk arbeitet effizienter, läuft spritziger und kultivierter. Der Innenraum bei nahezu gleichen Außenabmessungen ist erheblich geräumiger – und das ganze Paket gibt es obendrein zu günstigeren Preisen bei besserer Ausstattung. Was will man mehr?

TECHNIK
   

Nissan X-Trail 2.0 dCi 4x4 (2014)
Nissan X-Trail 1.6 dCi (4x4i) (2015)
Motor 4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbodiesel, Partikelfilter; Bohrung x Hub 84,0 x 90,0 mm; Verdichtung: 15,6 : 1 4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbodiesel, Partikelfilter; Bohrung x Hub 80,0 x 79,5 mm; Verdichtung: 15,4 : 1
Hubraum 1995 cm3 1598 cm3
Leistung 110 kW/150 PS bei 4000/min 96 kW/130 PS bei 4000/min
Max. Drehmoment 320 Nm bei 2000/min 320 Nm bei 1750/min
Getriebe 6-Gang, manuell 6-Gang, manuell
Antrieb Allradantrieb, zuschaltbar Frontantrieb (Allradantrieb, zuschaltbar)
Aufbau + Fahrwerk Stahlblechkarosserie, fünf Türen Stahlblechkarosserie, fünf Türen
Ladevolumen 479 - 1773 l 550 - 1982 l
L/B/H 4635/1790/1695 mm 4640/1820/1710 mm
Radstand 2630 mm 2705 mm
Leergewicht 1605 kg 1500 (1580) kg
Beschleunigung 0-100 km/h in 11,2 s 0-100 km/h in 10,5 (11,0) s
EU-Verbrauch 6,4 l D/100 km 4,9 (5,3) l D/100 km
Höchstgeschwindigkeit 190 km/h 188 (186) km/h
Grundpreis1 44.500 Euro 26.7902 (31.7503) Euro
1 Listenpreis Januar 2014; Ausstattung SE, vergleichbar zu Acenta
2 Ausstattung Acenta
3 Ausstattung Acenta; Werte in Klammern für Allradversion

Michael Godde

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